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2) Zweite Lesung deS Gesetzes über die Beschränkung dcS GrundeigentyumS tu der Umgebung von Festungen. Auf Antrag v. Unruh's (Magdeburg) wird der Gesetzentwurf nach den Vorschlägen der Commission en bloc angenommen. BundcScommissar Geh. RegierungSrath Dr. Achenbach erklärt dazu, die verbünde­ten Regierungen Härten sich über die Aenderungen der Commission noch nicht schlüssig gemacht, sie müßten sich mithin Vorbehalten, ihre Bedenken bei der dritten Lesung geltend zu machen. Bei derselben Gelegenheit hofft v. NiegolewSki williges Gehör zu finden für die unberechtigten und schweren Kränkungen, welche die Vorlage der Stadt Posen zufüge.

3) Fortsetzung der EtatSberathung. Etat des Reichstagsbüreau. Auf Antrag v. Benda wird die Erhöhung der Unterbeamten - Gchäiter um 50 Thlr. gestrichen, um die ReichstagSbeamten mit den übrigen RcichSbeamten gleichzustellen. Minister Delbrück empfiehlt die Streichung der den Besoldungspositionen an­gehängten Bemerkung:Die Anstellung aller Beamten und Diätarien des Reichs- tags steht dem ersten Präsidenten des Reichstages zu, in der Zeit zwischen zwei Sessionen übt dies Recht der erste Präsident der vorigen Session", als überflüssig, das Haus hält dieselbe jedoch aufrecht. Frhr. v. Hagke bittet, der Reichstag möge die Fürsorge für die Erhaltung der vom König Ludwig von Bayern dem Deutschen Reiche testamentarisch übermachten Walhalla bet Regensburg übernehmen, wozu Frhr. v. Hoverbeck bemerkt, es bedürfe noch sehr der Erwägung, ob der Reichstag das Vermächtniß annehmen wolle. Von den einmaligen außerordent» lichen Ausgaben (5000 Thlr. als erste Rate für die Begründung der Reichstags- bibliothek) werden auf Antrag v. Hennig's 600 Thlr. als Gehalt für den Bibliothekar abzuzweigen. Daraus werden sämmtliche Etatspositronen ge­nehmigt.

4) Dritte Lesung des Gesetzes über die Einführung der neuen Maaß- und Gewichtsordnung in Bayern. Wird ohne Debatte definitiv angenommen, über mehre dazu gehörige Petitionen zur Tagesordnung übergegangen.

Schluß 4 Uhr. Nächste Sitzung morgen 11 Uhr.

t Berlin, 24. November. Der bayerische Minister v. Lutz, der schon seit längerer Zeit persona grata am hiesigen Hofe ist und durch seine gestrige Rede, die den Glanzpunkt der Reichstagsdebatten bildete, die besondere Aufmerksamkeit unserer Hofkrcise auf sich gezogen hat, wurde heute zur kaiserlichen Tafel ge- laden.

Das Marineministerium, das vom 1. Januar k. I. ab eine besondere Ab- theilung des Reichskanzleramts bilden wird, erhält nach den jetzigen definiteven Be­stimmungen zu seinem Chef den General v. Stosch.

Berlin, 25. Nov. Simson erklärte, daß er die Wiederwahl zum Präsidenten des Reichstags annehwe. Derselbe ist aber so leidend, daß er in dieser Session schwerlich mehr den Vorsitz wird führen können.

Braunsbcrg, 22. November. Als Prof. Michelis am Sonntag früh die katholische Pfarrkirche besuchte, bat ihn bald nach Beginn der Messe der Küster im Anstragc des Herrn Erzpriesters, die Kirche zu verlassen. Als der Professor darauf erwiderte, er Werde bleiben und möglichst jeden Sonntag um diese Zeit die Kirche besuchen, wurde die Messe unterbrochen.

München, 23. November. Die ultramontanen Zeitungen versuchen cs, von Zeit zu Zeit ihre Leser weiß zn machen, Döllinger habe sich von der altkatyolischen Sache abgewendet. Auch in jüngster Zeit wurde dieses Märchen wieder aufge- tischt. Als Antwort hierauf können wir mittheilen, daß Döllinger nun sogar ver­sprochen j?rei VortrLs- über die kirchlicheL^e im,Museum zu halten, wenn -viv Vorträge zu sind, welche von altkattzoUschen Männern der Wissenschaft dort angekündigt und zum Theil schon gehalten wurden. Morgen findet in der Nikolaikirch-.' wieder eine altkatholische Trauung durch Professor Friedrich stakt. Bräutigam ist der in letzter Zeit vielfach genannte Sekretär des altkatholischen AgitationscomiteS, Dr. Zirugiebl, und als Zeugen fungiren Professor Huber und Fabrikant Schaumberger, ebenfalls Mitglieder des vorgenannten Comites.

Wien, 25. November. Das Abendblatt derNeuen Freien Presse" meldet aus authentischer Quelle, daß heute folgende neue Minister den Eid ablegen wer­den: Fürst Auersperg, Präsident; Lasser, Inneres; Glaser, Justiz; Stremayr, Unterricht; BanhanS, Handel; Chumetzky, Ackerbau; Unger, ohne Portefeuille. Das Ministerium der LandeSvertheidigung ist dem Oberstlieutenant Horst über­tragen. Freiherr v. Holzgethan bleibt vorläufig Finanzminifter. Die Landtage von Mähren, Krain, Oberösterreich, Bukowina, Vorarlberg werden morgen aufgelöst und der ReichSrath auf den 21. Decembcr einberufen.,

Wien, 25. November. Die neuernannten Minister, Fürst Adolph Auers­perg, Lasser, Glaser, Unger, BanhanS, Chumetzky und Stremeyr Haden heute den Eid in die Hände des Kaisers abgelegt.

Brüssel, 24. Nov., 10 Uhr Abends. Es schlägt eben Generalmarsch. Seit 8 Uhr steht die ganze Bürgergarde unter Waffen. Die Volksmenge zertrümmerte die Fenster an dem Hotel Nothomb's und dem des Justizministers. Im Quartier Leopold hieb die Gensd'armerie ein. Es gab mehrereBerwundete. Augenblickl'ch herrscht Ruhe.

Brüssel, 25. November. Heute war der Minisierrath versammelt. Der Gemeinderath ist in Permanenz, um auf energische Schritte gegen die Ruhestörer hinzuwirken, um eine Intervention der Militärmacht zu verhindern. Seit Dienstag campirt ein halbes Bataillon Artillerie mit gefüllten Protzkasten in der Nähe Brüssels. In Lüttich, Gent und Mons herrscht ebenfalls Aufregung.

Brüssel, 25. November. Wie demEcho du Parlament" von angeblich unterrichteter Seite mitgctheilt wird, dürfte die Entlassung DeDecker's höchst wahr- scheinlich erfolgen. DaS genannte Blatt fügt hinzu, cs sei aller Grund vor­handen, zu glauben, daß auch im Uebrigen der öffentlichen Meinung Genüge ge­schehen werde.

Paris, 23. Nov. Der verlängerte Aufenthalt der Kaiserin Eugenie in Spanien veranlaßt die Regierung zu strenger Überwachung der Grenzen wegen passtrender Bonapartisten. ThierS intervenirte nochmals zu Gunsten Rossel'S, um feine Begnadigung zu erwirken.

London, 25. Nov. Einem gestern Abend ausgegebenen ärztlichen Bulletin zufolge hat der Prinz von Wales einen ruhigen Tag verbracht und sind die Symptome fortwährend günstig. Ein Telegramm desDaily Telegraph" aus Algier meldet: Eine Barke mit 75 Meccawallfahrcrn ist im Hafen untergegangen. Alle ertranken.

Rom, 24. Nov. Der Papst hat Bischöfe für 19 Diöcesen ernannt, worunter sich 14 italienische befinden. Es wird versichert, daß der Papst bei diesem Anlaß keine Allocution gehalten, sondern nur sehr kurz von der Mission des Monsignori Franchi gesprochen habe.

Constanünopel, 21. November Die Journale veröffentlichen eine Kund­machung der Polizei-Präfectur von Stambul, worin die christlichen Einwohner eingeladen werden, während des Ramazans in Gegenwart von Muselmanen nicht zu rauchen. Seit einiger Zeit haben sich wiederholt Fälle ereignet, daß christ­liche Frauen von Soldaten in den Straßen insultirt wurden. Beide Meldungen sind Symptome des überhanvnehmenden religiösen Fanatismus, der durch die ge­summte moslimitische Welt, von Algier über Indien nach China, geht.

Newhork, 25. November. Der frühere Controleur Connolli ist unter An­klage von Veruntreuungen zum Nachtheil der städtischen Gaffen verhaftet worden.

Mexico, 30. Oct. Die Revolution in Nuevo Leon hält an. Die Insur­genten des Staates ZacatccaS sind in den Staat San Luis Potosi eingedrungen. Eine große Anzahl von Banden durchzieht plündernd die Staaten von Hidalgo und Mexico. Im Staat Aguas Calientes befehligt Gomez Portugal die Insur­genten. Ximenez ist an der Sp'tze der Insurgenten in der Nähe von Guerrero und Puebla. Die Behörden des Staates Oaxaca haben unterlassen, die Wieder­wahl Juarez' zu promulgiren.

Washington, 24. Nov. Großfürst Alexis hat sich nach Newyork zurück- begeben. Derselbe war vom russischen Gesandten Katakasy begleitet, welcher nach Rußland geht. Die Gesandtschaftsgeschäfte werden inzwischen vom Militärattache Obersten Gorloff geführt.

Rio de Janeiro, 23. Oct. In der Nacht vom 16. October wurden 7 Deutsche, von denen 5 Unteroffiziere der Deutschen CorvetteNymphe" waren, von einem angetrunkenen Individuum, welches ohne allen Grund das fröhliche Lachen der Deutschen gegen sich gerichtet glaubte, erst beleidigt und sodann thätlich angegriffen. Hieraus entwickelte sich ein Kampf, an dem nach und nach 30 bis 40 Angreifer Theil nahmen. Zahlreiche Verhaftungen sind vorgenommen worden.

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Literarisches.

Unter besonders günstigen Auspizien tritt die Jllustrirte Welt, jene allgemein bekannte, bei Eduard Hallberger in Stuttgart erscheinende illustrirte Zeitschrift, in den Jahrgang 1872 ein. Denn wenn eine Zeitschrift 19 Jahre einer ruhmvollen Existenz zurückgelegt hat, so darf man gewiß sein, daß sie nicht nur in Form und Inhalt den guten Geschmack und die allgemeine Bildung der fortschreitenden Zeit darstellt, sondern daß sie auch die vorzüglichen Eigenschaften besitzt, welche,für die Zukunft ihre dauernde und ungeschmälerte Beliebtheit im Publikum gewährleisten. In der Thal bieten wie­derum die ersten Hefte des neuen Jahrgangs ein lebendiges Bild des Bienenfleißes, mit dem die Redaktion alles Schöne und Gute auf dem Gebiete der Literatur und Kunst zu vereinigen beflissen ist. Vor Allem ist ein inhaltlich reicher und spannender Text rühmend hervorzuheben. Hackländer beschenkt uns mit einer Erzählung aus dem letzten Kriege von jenem unnachahmlichen Reiz, wie er nur diesem berühmten Autor zu Gebote steht: Das Schloß in den Ardennen. Auch Friedrich (Ser; ft ä cf er, den überall willkommenen Freund der deutschen Lesewelt, finden wir vertreten in einer drastisch geschilderten Episode aus dem Abenteurerleben des amerikanischen Hinterwalds: In den Red- River-Sümpfen. Aus v an Dew a l l's leichtbeschwingter Feder fließt eine Novelle: Eine große Dame, welche die sorgfältigen Beobachtungen kennzeichnet, die dem Verfasser die inneren Wirrnisse der polnischen Reoolutionsgeschichte zugänglich machten. Wen die nordamerikanischen Verhältnisse interessiren, der findet in den höchst originellen Skizzen Goerdcler's reiches Genüge. Um diese besonders hervorragenden Gaben gruppirt sich eine reiche und äußerst interessante Fülle kleinerer Novellen, Erzählungen, Schilderungen aus der Natur, dem Völker- und Kriegsleben, deren trefflicher Auswahl wir rühmend gedeyken wollen, die aber einzeln aufzuführen uns an dieser Stelle versagt ist. Es sei uns nur noch erlaubt, des schönen Kranzes vuTjügiid^cr JLustationen zu ßebmffn, der artistische Schmuck ist ja nicht der geringste Vorzug, den eine Zeitschrift moderner Richtung haben kann. In edler und schöner Weise hat man dieser Richtung Rechnung getragen. Im Vorzimmer des Kardinals nach einem Gemälde von Heilbuth ist ein wahres Kabinetsstück antichambrirenden Be- diententhums. Simson's, des Reichstagspräsidenten, markiges Porträt, ferner die Illustrationen: Die letzten Augenblicke des Erzbischofs von Paris, Das Rendezvous von Karl Becker, Unser Fritz in der Schlacht bei Wörth 2C. dürfen als ebensoviele künstlerisch vollendete Bilder bezeichnet werden. Wenn wir noch hinzufügen, daß der Preis eines so reichhaltigen Heftes der Jllustrirten Welt, wovon 17 einen Jahrgang bilden, nur 4 Sgr. beträgt und daß diesem Jahrgang wiederum ein Prachtstahlstich: Die schönen Tage von Aranjuez, dessen Holz­schnittkopie sich im ersten Hefte befindet, gratis beigegeben wird, so bedarf es eines weiteren Kommentars, daß unser Lob ein gerechtfertigtes ist, nicht.

Borsennachrichten.

25. November 1871.

Aetlest«

50/g östr. F. St. E. B. 394

Lombard. Bahn 2003/4

Ludwigsh.-Bexbach 1927/s

Maxbahn 1412/4

Bayer. Ostbahu 1451/4 Rhein-Nahebahn-Aet.

Hess. Ludwigsb.-Aet. 182

Oberhessen 80

Weehnei.

Amsterdam k. S. 991/4

Augsburg k. 8. 993/4 1

Berlin k. S. 105

Bremen k. 8. 961/g

Brüssel k. 8. 93

Hamburg k. 8. 87i/2 |

Leipzig k. 8. 105

London k. 8. 118%

Lyon k. S. 915/s t

Paris k. 8. 91%

Wien k. 8. 1001/4

ditto m. 8.

ditto 1. 8.

Disconto 4 %

I Preuss. 41/2 0/g Oblig. 1003/8 Frankf. 3i/20/0 Obi. 87 Nass. 41/2 o/o Obi. 981/2 Kurhess. 4% 92 Gr. Hess. 5% Obi. 103i/4

, 4% n 96

» n 3V2% , 92

Bayer. 50/0 l()O3/8

41/2 o/o 1jährige 997/g

40/o 1jährige 943/4

Würtemb. 4^ % Obi. 995/8 Baden 41/zO/g Obi. 0. E. L. 991/4 Oesterr. Silberrente 573/4

Papierrente 495/s Amerik. Bonds 1881r 1007/a

n n 1882r 971/4

w w 1885r 975/8

n 1887r 977/e

Spanier, neuest. 3% 32

Prioritäten.

30/0 öster. Stsb.-Prior. 583/g

3°/o öst. s. Lombard 79^

30/0 Livorneser 373/g

50/g Toscaner 57

50/g Elisabeth.-Prior. 815/g

do. JI. Emiss. 79 Vz

tteldsorten.

fl. kr.

Pr. Friedrdor 9 5859 Pistolen . . 9 4042

doppelte 9 4042 Holl. fl. lOSt. 9 5355 Ducaten . . 5 3436 20 Frankenst. 9 181/2191/2 l Engi. Sover. 11 4749 Russ. Imper. 9 4244 j Dollar in Gold 2 24/225i/2

Anlehensloose.

Kurh. 40 Thlr. Loose 70

Nassau 25 fL 43

40/g bayr. Präm.-Anl. 1123/4

Ansbacher 7 fl. 12i/8

40/g badische Loose 1103/4 Badische fl. 35 Loose 70

3 o/g Oldenburg, ä 40Thlr. BG3/» Oestr. fl. 250 v. 1854 761/2 1858r Prioritätslooae 187 1860r Loose 87

1864r n UVA

Braunschweiger 191/8

Stadt Florenz 84

Aetien.

tVankf. Bank 138

Frankf. Vereins-Kasse 120i/2

Darmst. ßankaet. 452

Wien Bankactien 813

Galizien 2581/2

Oest. Creditaot. 307i/4

Frachtbriefe für die Main-Weser-, Cöln-Mindener und Oderhessische Eisenbahn, sowie sämmtliche zollamtliche» Formulare, sind zu haben bei W. Klee, am Markt.

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