L den Friedensverhandlungen, in denen ich Elsaß-Lothringen schuldenfrei gemacht da finde ich das Amendement, daß keine Schulden für Elfaß-Lothringen 1( die Zustimmung des Reichstages gemacht werden sollen. Ich überschätze 'nen Antheil an den Erfolgen der letzten Zeit nicht, die Tapferkeit der Truppen , daS meiste gethan; aber ich beanspruche es als mein Verdienst, daß der Elsaß Mnfrei ist. Um dem Elsaß Geldquellen zu eröffnen, damit die Ruinen des .Mdements verwischt werden, nahm ich gegen das Versprechen sofortiger Zah- ß einen Theil der Kriegscontribution in französischen Banknoten, die in Elsaß- gingen und für die Bedürfnisse unseres Heeres verwandt werden können; ich ihte ab, daß in acht Tagen 40 Millionen Francs in Mühlhausen oder Straß- $ oder Metz gezahlt werden, nach weiteren acht Tagen weitere 40 Millionen, 15. Juni 45 Millionen, zusammen 125 Millionen; von der zweiten, erst zu te d. I- fälligen Rate sind weitere 125 Millionen sechzig Tage nach der Ein- von Paris zu zahlen. Mit all diesem in der Tasche komme ich nach Hause, 'zu hören, Sie wollen den Elsässern sagen: wir schicken euch den Kanzler, aber jtihm kein Geld, wir stehen für nichts! Die Elsässer Deputation hat mir ihr Men ausgedrückt über diesen Mangel an Vertrauen. Wenn wir Universität, kater, Eisenbahn, Chausseen bauen wollen, brauchen wir Anleihen. Ich bedauere, jich in der Lage bin, bei Annahme jener Bestimmung im Bundesrathe eine -ilage zu machen, in der meine persönliche Mitwirkung ausgeschlossen und ein .Mortlicher Minister an meine Stelle gesetzt würde, der ich dann freilich auch jlsein möchte. Ich erwarte deshalb, daß eine Streichung der Bestimmung in , Versammlung vorgenommen werde. (Bravo rechts.) (Schluß folgt.)
Telegraphische Depeschen.
4- Berlin, 26. Mai. Die „Spen. Ztg." meldet: „Der Kaiser ertheilte jirn den Befehl, die Einzugsfeier des Gardecorps und der Deputationen, welche igesammte deutsche Armee vertreten, habe am 16. Juni stattzufinden; am 18. :ni in allen Kirchen das Friedens-Dankfest."
4- St. Denis, 25. Mai, 11 Uhr 30 Min. Vormittags. Folgende De- che Thiers' an die Unterpräfecten ist hier eingetroffen: „Wir sind Herren von ilis, mit Ausnahme eines kleinen Theils. Die Tuilerien sind in Asche gelegt, i Louvre ist gerettet. Das Finanzministerium und die Paläste am Quai d'Orsay ? angezündet. Wir haben 12,000 Gefangene gemacht. Der Booen von Paris mit Blztt und Leichen bedeckt; dies entsetzliche Schauspiel wird eine Lehre fern. :nk der Weisheit der Generale haben wir nur geringe Verluste.
4- St. Denis, 25. Mai, Nachmittags. Seit Mittag weht ein starker koßwind und treibt die Feuersbrunst in der Richtung der Bastille. Paris ist iurch mit noch weiterer Zerstörung bedroht. Die Batterien der Versailler ijttt stark auf Bellevills, womit alle Verbindungen unterbrochen bleiben.
+ St. Denis, 26. Mai. In vergangener Nacht war die Kanonade in der :jt«ng auf Belleville, so viel vernehmbar, eine nur mäßige, wurde aber heute ii stärker. Nachts 2 Uhr erhellten große Feuersbrünste weithin die Umgegend, inen aber gegenwärtig ausgebrannt zu sein.
4- Versailles, 25. Mai. Nationalversammlung. In Beziehung auf die iden Communisten festgehaltenen Geißeln bedauert Picard, nichts mittheilen können; er Hobe nichts darüber zu sagen. (Sensation.) Picard verliest eine yesche, welche besagt: Wir besetzten das Fort von Bicetre; es geht das Gerücht 'Karis, baß unsere Truppen die Buttes Chaumont genommen haben. Es ist !mt, daß die Insurgenten von dort Granaten mit Petroleum auf unsere Gm warfen. Der Minister wiederholt zum Schluffe, daß der Aufstand in nt letzten Verschanzungen gedrängt zu sein scheine.
△ Versailles, 25. Mai. Das „Journal offtcieP meldet: Das Palais Hal, auSLenommnt die Gallerie, der Rechnungshof und die Bibliothek des m»rt sind verbrannt. Die Gemäldegallecie des Louvre wurde gerettet.
A Brüssel, 24. Mai. Die Jndependance" berichtet: Verflossene Nacht ilitßen Grousstt, Pyat, Ranc und Definier Paris per Luftballon. — Die Ein- ijner von Paris schneiden die Hähne der GaSröhrenleitungeu ab aus Furcht vor Morien-
Local-Notizen.
Gießen, 26. Mai. Die Sitzungen des Schwurgerichts vom III. Quartal l. I. werden Montag den 3. Juli, Vormittags 9 Uhr, dem Vorfitze des zürn Präsidenten des Schwurgerichtshof« bestimmten Großherzoglichen Hof- chtSraths Herrn Hoffmann beziehungsweise des zu dessen Stellvertreter ernannten Groß- M)en Hofgerichrsrath- Herrn l>r. Bindewald eröffnet werden und es sind demzufolge ter heute stattgehabten öffentlichen Sitzung Großherzoglichen Hofgerichts dahier die Haupt- Ergänzungs-Geschworuen in folgender Reihenfolge auSgeloost worden.
I. Ergänzungs-Geschworene:
1) Georg Heinrich Schomber, Gllenwaarenhändler,
2) Dr. Theodor Taschv, Reallehrer,
3) Dr. Anton Rosenberg, Hofgerichts-Advocat,
4) Johann Wilhelm Kurz, Specereihändler,
5) Dr. Wilhelm Stahl, Professor,
6) Louis Labroissc, Hofgerichts-Advocat,
7) W. K. Gg. Liebrich, Eommissionär,
8) Adolph Roll, Großhändler,
9) Julius Wallach, Leinwandhändler.
10) Georg Nenzel, Maschinenfabrikant,
11) Franz Otto, Hofgerichts-Advocat,
12) Dr. Egtd von Löhr, pract. Arzt, sämmtlich in Gießen.
II. Haupt-Geschworene: -
1) Dr. Wilhelm Diehl, Gymnasiallehrer in Gießen.
2) Bernhard Schwarz, Fabrikant in Reichelsheim.
3) Wilhelm Leo Vogt, Landwirth daselbst.
4) Joseph Eulau, Fruchthändler in Büdingen.
5) Eduard Trapp IV., Hofgerichts-Advocat in Friedberg.
6) Heinrich Thylmaun, Landwirth in Altenstadt.
7) Johann Jacob Schuck, Müller in Ilbenstadt.
8) E. Wernhard Dietz. Hauptagent in Gießen.
9) Friedrich Hast, Müller in Rimbach.
10) Dr. August Trapp, Fabrikant in Friedberg.
11) Dr. Paul Gordan, Professor in Gießen.
12) Karl Kaufmann, Tuch- und Eisenwaarenhändler in Schotten.
13) Johannes Walz III., Gastwirth in Friedberg.
14) Ludwig Frey, Müller in Lollar.
15) Heinrich Hansel V., Landwirth in Dirlammen.
16) Karl Hölzinger II., Bäcker in Büdingen.
17) Heinrich Kraft II., Pachter in Düdelsheim.
18) Georg Rasch, Schildwirth in Freien-Steinau.
19) Karl Ebel II., Weinhändler in Gießen.
20) Dr. Franz Eckstein, Hofgerichts-Advocat daselbst.
21) Isaac Grünebaum, Fruchthändler in Bindsachsen.
22) Jean Bach, Pachter in Mittel-Gründau.
23) Friedrich Koch, Pachter in Eckardtshausen.
24) Philipp Görlach IV., Bürgermeister in Eberstadt.
25) Andreas Gemmer II., Bürgermeister in Zell.
26) Heinrich Carls, Bürgermeister in Ruppertenrod.
27) Bernhard Schaum, Sammtrath in Lauterbach.
28) Johannes Specht, Bürgermeister in Heidelbach.
29) Friedrich Fink, Branntweinhändler in Lauterbach.
30) Johann Conrad Brückmann, Oeconom in Dortelweil.
B e s ch l ü s s e
aus der Sitzung des Gemeinderaths vom 25. Mai 1871.
Anwesend: die Herren Bürgermeister Vogt und Beigeordnete Fel sing, die Gemeinde- räthe Ebel, Gail, Hanstein, Heß, Körber, Löber, Pietsch, Nicker, Wallenfels, Wenzel.
I. Einzug des hiesigen Regiments. Nachdem der Äemeinderath schon früher beschlossen hatte, am SelterSthor eine Ehrenpforte für das einziehende Regiment zu errichten und dieses hier in corpore zu empfangen und zu begrüßen, faßte er aus Anlaß eines Schreibens des Negimentö-Commandeurs den weiteren Beschluß, statt der in Aussicht genommenen Bewirthung der Soldaten jedem derselben bis zum Offizier aufwärts und einschließlich der Ersatzmannschaft eine Festgabe von 1 st. zu verabreichen.
II. Die Pensionirung des Cantors Schwabe. Der Gemeiuderath faßte den Beschluß den zur Bezahlung der Vikariatskosten deö Cantorats aus der Stadtkasse bewilligten Beitrag von 75 fl. vom 1. Januar 1871 an berichtigen zu lassen.
III. Das Dienstsiegel des Schulinspectors. Die von dem Schulinspector angeregte Beschaffung eines Dienstsiegels auf Kosten der Stadt wurde bewilligt.
IV. Die Gießener Jahrmärkte. Auf Kreisamtliche Verfügung, welche den Gemeinderath zur Aeußerung veranlassen soll, ob die Krämermärkte von Gießen, welche ihre frühere Bedeutung nicht mehr besitzen, nicht vermindert und die Viehmarkte auf gewisse feststehende Tage gelegt werden möchten, beschloß der Gemeinderath, die Sach^ dem Bürgermeistereibüreau zur Erstattung eines eingehenden Vortrages zu überweisen.
V. Abtretung von Gemeindevermügen. Der Kaufvertrag zwischen der Stadt und der Firma Müller und Kauffmann über ein den letzteren zu Bauzwecken überlassenes kleines Plätzchen in dec Alicenstraße wurde vom Gemeinderatll durch Unterschrift vollzogen.
VI. Tauschweise Abtretung von Gemeindevermögen an Franz PepplerL Co. Die Tauschurkunde, wonach die Stadt an die genannte Firma einen Theil des an deren Besitze thum grenzenden städtischen Grundeigenthums zum Bauen überläßt, und dafür um die entsprechende Aufgabe, zur Erweiterung bezw. Gradleguna des nach der Mühle führenden Weges einen Theil deS Gartens der Firma Franz Peppler & Co. erhält, wurde unterzeichnet.
VII. Schenkung dec Stadt an die Landes Universität. Urkunde über die von der Stadt auf dem Seltersberg für 1070 fl. angekauften und der hiesigen Landesuniversität zur Herrichtung einer Veterinäranstalt bedingungsweise geschenkten Bauplatz erhält die Unterschrift deS Gemeinderaths.
VIII. Das Trinkwasser der Stadt Gießen. Der Gemeinderath erhält von einer Zuschrift des Verginspectors Tecklenburg aus Nauheim Kenntniß, wonach letzterer Freitag den 26. d. M. hier eintreffen und den Stadtvorstand in seinem ^Bestreben, zur Beschaffung eines guten und wo möglich springenden Trinkwaffers durch seine technischen Kenntnisse zu unterstützen.
IX. Beschwerde der Wittwe Göbel gegen Carl Roloff. Wittwe Göbel hatte sich beklagt, daß Carl Rolloff durch Aufstellung von Fichtenbäumen ?c. auf städtischem Eigenthum sie im Betriebe ihrer Wirthschaft beeinträchtige und beantragt, daß der Stadtvorstand die an Roloff ertheilte Erlaubniß zurückziehe. Hierauf verfügte der Gemeinderath, daß Letzterem die Benutzung des Platzes vor seinem Hause nur für dieses Jahr bis zur Gasse gestattet werden solle und daß wegen längerer Benutzung weitere Entschließung vorbehalten werde."
X. Ausführung des Bauplanes des Stadt Gießen. Vertrag zwischen der Stadt und der Ludwig Hamm-l Ehefrau, wonach das d'm Einsturz drohende und die Straße nach dem Tieflnweg in gefährlicher Weise beengende Haus für die Summe von 1000 fl. auf den Abbruch war erworben worden, wurde unterschrieben.
XI. Die von Georg Lüdeking auf städtischem Eigenthum angelegte Rinne. Auf Nachsuchen wurde dem Georg Lüdeking gestattet, die von ihm zur Abführung der Flüssigkeiten aus seiner neu erbauten Waschküche über die öffentliche Straße ohne Erlaubniß hergestellte Rinne zu belassen.
XII. Wegeanlagen an den Oberhessischen Eisenbahnen. Die Oberhessische Eisenbahnbehörde war von der Stadt angegangen'worden, die von ihr vertragsmäßig übernommene Herstellung von Wegen in genügender praktikabler Weise nach den Andeutungen des Gemeinderaths zu vollenden. Hiergegen hatte StationS - Ingenieur Lippold verschiedene Bedenken erhoben. Seine bezügliche Antwort wurde der Bau-Commission zu dem Zwecke überwiesen, um die Sache unter Zuziehung des Stadtbaumeisters in einer die Stadt und die betreffenden Grundbesitzer zufriedenstellenden Weise zu erledigen.
XIII. Den Vollzug des Budgets von 1870. Die Verzeichnisse über Ausgabeposten, welche in Ermangelung vorgesehenen Credits auf die Ueberschüsse bed Budgetjahres 1870 im Betrage von 10,000 fl. waren angewiesen worden, wurden als richtig anerkannt und unterschrieben.
Dann wurde bestimmt, daß der Kaufpreis für Gebäude, welches zur Herstellung der Alicenstraße und der Straße neben dem Russischen Hof mit 260 fl. war erworben worden, in Ermangelung anderer Fonds durch Capitalaufnahmen gedeckt werde.
XIV. Die Anferti gung eines allgemeinen Stadtbauplanes. Der Gemeinderath beschloß, bei Geometer Euler dahier zu fragen, ob er die zur Herstellung einer Stadtbauplanes erforderlichen Arbeiten und unter welcher Bedingung übernehmen bezw. anöführen könne.
Zugleich soll bei der Bürgermeisterei WormS über die dort bekannten Leistungen des Geometers Schmidt Erkundigung eingezogeu werden.
Auszug LUS den Kirchenbüchern der Stadt Gießen,
a. Evangelische Gemeinde.
® c t a u f t e.
21. Mai. Dem Würger und Drechsler, Friedrich Schürz, eine Tochter, Karoline Mane Wrlhelmme, geboren den 10 April.
Denselben. Dem Bürger und Schuhmacher, Karl Stohr, ein Sohn, Wilhelm Damel, geboren den 5. Mar. ’
v Denselben. Dem Bürger zu Treisa bei Darmstadt und Postunterbediensteten dahier, Jakob Wendel Rmdsrey, eine Tochter, Elisabeth Emilie, geboren den 11; Met-
Beerdigte.
Den 19. Mai. Mathilde Henriette Hilgärtner, des Bürgers und Küfer- merster's, Hemnch Hrlgartner, eheliche Tochter, alt 1 I. 2 M.' 24 T., gestoben den 16. Mar.
Den 20. Mai. Johanna Karoline Elisabeth Berger, geborne ^mermann, des verstorbenen Bürgers und Seilermeisters, Philipp Jakob Berger.'Wittwe, alt 67 I. 1 M. 17 T., gestorben den 19. Mai. *
Den 21. Mai. Konrad Ohr, Schlosser, des Bürgers zu O^^-Widdersheim und Bahnwärters an der Main-Weser-Bahn dahier, Friedrich Oh^ ehelicher Sohn alt 20 I. 5 M. 24 T., gestorben den 19. Mai. 7 7 '
Den 23. Mai. Katharine Stohr, geborne Rühl, des V'^^.und Schlossermeisters, Karl Stohr, Ehefrau, alt 29 I. 9 T., gestorben den/' ^5^'
Denselbett. Katharine Margarethe Nagel, geborne^I^fned, des Bürgers und Gemeinderaths, Johann Christian Karl Nagel, Ehefro' E 64 I. 11 M. 25 gestorben den 21. Mai. , ’
Den 24. Mai. Johann Christian Wallenfels, ^er und Bäckermeister, alt 79 I. 7 M. 23 T., gestorben den 22. Mai. nn
Denselben. Georg Sckmehl, Bürger und ^uwrrth, alt 32 I. 29 T-, gestorben den 23. Mai. _____________________ -----
b. K a tho lische 6' ™ eind e.
Nichts angew C'


