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Gießener Anzeiger.
Erscheint täglich, mit Ausnahme Montags.
Expedition: Canzletberg AL. B. Nr. 1.
Anzeige- und Amisölatt für den Kreis Kießen
Nr. 98.
Freitag den 28. April
1871
M- Elfaß-Lothringen als Reichsprovinz
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Was irgendwie geschehen kann für das materielle Wohl, für die intellektuelle und moralische Kräftigung der neuen Provinz, Vas wird sicherlich geschehen; allein in die eine Forderung werden wir nun und nimmer willigen können, in die nämlich, daß die Elsässer so lange als irgend möglich vom Militärdienste befreit bleiben. Leistung und Gegenleistung der Anwendung dieses Grundsatzes, der im bürgerlichen wie im politischen Leben überall gilt, werben sich auch die Elsässer nicht entziehen können. Es wird nicht angehen, daß die Bewohner der neuen Provinz,
setzen und ihre ganze Kraft und Energie anwenden, um die Elsässer moralisch zu erobern, um die neue Provinz zu einem gesunden und werkthätigen Gliede am deutschen Reichskörper zu machen.
- Bamberger und Genossen denunciren nun zwar diejeniaen
Manner, welche derartig- Forderungen stellen, ohne Weitere« als StaatSoolizisten
■* äco™m“n,f’e"» 'nv-ff-n wird da« hoffentlich die Majorität des Reich«. gkS »echt abhalten, für das Gesetz über die Prämienanleihen zu stimmen, in der Ueberzeugung, um mit dem Abgeord. Dr. Lowe zu reden, mit der großen Mass des ehrlichen, arbeitenden Volkes zu sympathisiren. b ® ”
to?r*"k-t>Cn breitesten Mitteln des Reiches entnommen und später aus der Kriegs- entschadigung zuruckerstattet. °
Senleßen, die eine gewissermaßen bevorzugte Stellung ,m deutschen Staatssystem einnehmen, sich aller Verbindlichkeiten gegen Deutschland entziehen wollen.
Mit dem obligatorischen Schulunterricht muß die allgemeine Wehrpflicht Hand in Hand gehen; werden doch sogar diese beiden großen Grundsätze, diese Hebel für eine tüchtige und gesunde Volkserziehung, als die Grundlagen betrachtet, auf denen das französische Staatswesen einer vollständigen Regeneration entgegen- geführt werden soll. Was die Elsässer im Verbände mit Frankreich leisten mußten,
lande« zu gute kommen? Der französische Waffenruhm, vv„. ...
bedeutenden Antheil genommen, war doch immer nur ein vorübergehender, er be- Dankte sich stet« auf die rein militärischen, augenblicklichen Ziele, — die Kriege Frankreichs endigten stets nur mit einem ungeheuren Verlust an Geld und Menschen- krästen, mit einem Sinken des französischen Einflusses. War Frankreich wirklich nnmal mächtig, so lag der Grund darin, daß das übrige Europa schwach und gedemuthigt am Boden lag.
Ganz anders , in Deutschland. Hier gipfelt der Waffenruhm in der Freiheit und Unabhängigkeit der abendländischen Nationen, und während die französischen Waffenthaten den unzweifelhaften Niedergang der französischen Nation nicht auf» an öermcc^cn' Kriege, welche Deutschland führte, diesem eine
Weltstellung gegeben, um welche es heutzutage von allen europäischen Mächten beneidet wird. ' v
Deutschland ist heute die dominirende Macht in Europa geworden, eo hat eine Stellung erlangt, nach welcher Frankreich bisher vergeblich strebte. Für diese Macht, welche die höchsten Ziele der Menschheit verfolgt, die, ohne eine erobernde Lcacht zu sein, in unserem Welttheile die Hegemonie führen wird, zu kämpfen, werden die Elsässer sicherlich nicht sich weigern wollen. Mit der immer mehr wachsenden Macht des deutschen Reiches und bei dem augenblicklichen Verfall der romanischen Staaten wird der Trieb, mit aller Hingebung dcm neuen Vaterlande zu dienen, täglich mehr erstatten bei den Elsässern, so daß zu erwarten ist, sie werden selber von dem Wunsche möglichst langer Befreiung vom Militärdienste zuruckstehen. '
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arr ^ute noch einmal auf die elsässischen Forderungen zurück. Forderung laut geworden,
totr l^dn bemerkten, dürfen die meisten der von den Elsässern erhobenen Moral nicht mehr st
Wunsche in nächster Zeit auf Erfüllung hoffen, denn Regierung und Volksver- zu kennzeichnen, die StaatSreaieri tretung, sowie alle politischen Parteien in Deutschland werden eine Ehre darein Wege gegen diesen Unfug einschreite feilen und ihre aanie Krakt »»n ___’ <.rJ. ... ” L “ wn,u» ein|ajreite.
Staatsgewalt sich zu steigern droht. Au« der Mitt- des hohen Hauset ist die Forveruna laut n,h,n,h,„, daß in dem Augenblicke, wo Sitte und ark genug sind, um den Betrug als Betrug Vie Staatsregierung auf legislatorischem
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.. .Die sogenannte Bonrgeois-Oeconomie, die wirthschastliche Freiheit, da- laisser aller und laisser faire, hat in den letzten fahren immer mehr Anhänger verloren. Selbst bi- in die Kreise des Reichs- t.-n^lm?tnr,fUr f0C'ak 5ta0tn fdn i« große« Berständniß wird beimeffen °"7 "' di Ueberzeugung gedrungen, daß die Wuchersreiheit und der Böten- schwindel nicht die Grundlagen unserer materiellen Wohlfahrt bilden.
lrrUlch können ohne den Börsen-Jndustrialismu«, dcr die Weltgeschichte beherrscht, weder die Alpen durchbrochen, noch unterseeische Telegraphen gelegt, noch auch ruhmreiche Schlachten geschlagen werben. Für Hrn. Bamberger und ferne Genoffen ist eben die unbeschränkte wissenschaftlich- Freiheit rn tEr.®laat unbedingt Folge leisten muß; dagegen da« durch
Gerechtigkeit und Humanität gebotene Streben de« Staates, das Kapital höher ft besteuern wie die Besitzlosen, die Staatslasten mehr auf die Schultern der »tchen zu legen, vor Allem aber zu verhindern, daß den Betrügereien, welche die Prämienanleihen zur Folge gehabt, gesteuert werde, — da« ist in den Augen des Venn Bamberger die krasseste Bevormundung des gewerblichen Verkehr«.
Daß die Anschauungen dieses Herrn, der durch die Börse reich geworben ist, im Reichstage Beifall finden konnten, zeigt, wie weit Vieser gesetzgebende Factor »och von der wahren Erkennlniß auf dem socialen Gebiete entfernt ist. Trotz alle- uuch in diesen Kreisen zu tagen an; man beginnt einzusehen, »»»cruen irauen, o.
ß der ®laat die Pflicht hat, sich nicht durch den Geldmarkt und durch Cor- längeren Zeiti-aums, z. B. 4 bis 6 Woche« nickt iu" den ‘Ultw
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JU Elugknblick hat die deutsche Regierung keinerlei Nachricht da. von erhalten, daß die französische Regierung einen Theil ihrer durch die Verpflegung unserer Armee erwachsenen Schuld abbezahlt hat. Die Aeusieruna mit welcher der Reichskanzler auf die Hoffnung der ftanzösi.chen Rtgierung ^hinge! wiesen, wenn sie wieder erstarkt sei, andere Friedensbebingungen zu erlangen, hat ln a?£" Greifen große Sensation hervorgerufen. Der Reichskanzler würbe selbst- verständlich einen solchen Verdacht nicht ausgesprochen haben, wenn nicht ganz be- stimmle Anhaltspunkte dafür vorlägen. 8 ’
oe^6crUn9, ®eI*e *? Bundesrathe zu Gunsten der Einverleibung von Elsaß und Lothringen In Preußen gefallen, ist vom badischen Minister Jolly ge- than. Der unmittelbare Anschluß der neuen Lande an Preußen wäre unjtreifel- fäHf* VUnD bc|le, $-'ofun8 i übrigen« ist nicht abzusehen, wie f/r mili- taitfaje Verschmelzung-Prozeß anders als auf dcm Wege des Anschlusses an Preußen gegeben kann; auch werden ausschließlich preußische Regimenter später den Namen abgeben zur Bildung der neuen elsässisch-lothringischen Regimenter.
m .""--'-Postamt erlaßt untcrm 23. April folgende Bekanntmachung:
^P1'1 “b können wieder Privatpäckereien zur Pvstbefördernng an die im uiaß unt> in Deutschlothringen, sowie in den occupirten französischen Gebieten flehenden deutschen Truppen, Militär- und Civilbeamten angenommen werden.
-tnm a rant<c d'b richtige und pünktliche Ueberkunft der Privatpäckereien kann ne Postverwaltung nach Lage der Verhältnisse nicht übernehmen. Das Gewicht des einzelnen Stückes darf über 5 Pfund nicht htnausgehen; im Uebrigen sind die Bedingungen für die Annahme der Privatpäckereien die in der Bekanntmachung Ivom 10 October 1870 angegebenen: Größe nicht erheblich über 13 3oß lana, 6 2oll breit, 4 Zoll hoch, Verpackung in recht feste Cartonbehältnisse mit Lein- wanvuberzug und aufgeklebter Correspondenzkarte, Namhaftmachung des Absenders auf der Adresse, FrankirungSzwang bei dcr Einlieferung, Frankirung durch Auf- kievung von Freimarken im Betrag von 5 Sgr., bezw. 18 Kr. südd. Währung auf die Corresponvcnzkarke. Cs empfiehlt sich, auf der Adresse außer dem Truppen- theil des Adressaten auch dessen Standquartier anzugeben, insofern der Absender genaue Kenntniß davon hat. Ausgeschlossen von der Versendung sind unbedingt Flüssigkeiten und Sachen, die dem schnellen Verderben ausgesetzt sind, ebenso erplo- S S'offe, die sonstigen, ohnehin für die Posttransporle verbotenen F^a A^-"el °d-r Reclamationen ersucht bas Gcncralpostamt nur in den augerßen Fallen, v. h. wenn wirklich feststeht, daß der Adressat nach Verlaus eine.
•f)(rt..b^1’er'9'" Dispositionen zufolge reist Der Kaiser sofort nach den Ein- zugssiierlichkeiten nach Kiffmgen und von dort nach Karlsbav zur Begrüßung be« Kaiser« von Rußland. Emer Zusammenkunft Der Monarchen von Oesterreich und >^r ^ben 'Ntgegengesehen, al« Kaiser Franz Joseph
weilen w f ' flt e8cn *'* tlnt6 fftetI|4)en Aete« in der Hauptstadt Böhmen«
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' T? 9iaW Kaiser Wilhelm habe den schlesischen Katholiken, welche ihm . n Februar d. I. zu Versailles eine Adresse zu Gunsten de« Papste« überreichten, unter Anderem geantwortet: „er sehe in ter Occupation Rom« einen Gewaltact om'e eine 2Jnma&un8 Italiens, und er würde »ach Beendigung des Kriege« in -)emein,chaft mit den anderen Fürsten Schritte dagegen in Betracht ziehen." Das u.tramontane Blatt erinnert nun in nicht allzu zarter Weise an dieses „Kaiser-


