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Preis rierteljLhrig 1 ff- 13 fr. mit Brinzerlohn. Durch di« Bost bezogen vierteljährig 1 ff. 37 fr.
Gießener Anzeiger.
«»scheint täglich, mit An» nähme MontagS.
Expedition: Canzleiberg Lit. B. Nr. 1.
Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Kielen.
Nr. 22».
Mittlvoch den 27. September
1871.
Einladung )unr Abonnement auf ien
Derselbe erscheint täglich, mit Ausnahme Montags, und lcträgt der Abonnementspreis in der Stadt Gießen vicrtcliäbrliL 1 fl. 12 kr. frei ins Haus geliefert. * y
Den seitherigen Abonnenten in der Stadt Gießen werden wir, wenn vorher keine ausdrückliche Abbestellung erfolgt, das Blatt auch im IV. Quartal 1871 zusenden und den AbonnementSbctrag wie früher durch Quittung erheben lassen.
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Amtlicher Theil.
Gießen, am 23. September 1871.
Betreffend: Legitimationen der in Oesterreich reisenden ausländischen Arbeiter und Gemerbs-Gehülfen.
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an die Großherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises.
_ Zitier Mittheilung der K. und K. Oesterreichisch-Ungarischen Gesandtschaft dahier sind wiederholt ausländische deutsche Arbeiter und Gesellen in
Oesterreich angehalten worden, welche als Neiselegitimation lediglich ein von ihrer Behörde bestätigtes Arbeitszeugniß produciren konnten, während nach den in den St. und K. Staaten gültigen Vorschriften jeder Ausländer, der sich nach Oesterreich begiebt, mit einem ordnungsmäßigen Reisepässe oder mindestens mit einer solchen Urkunde, welche über den Vor- und Zunamen, die Beschäftigung, den Charakter, besonders aber über den Znstandiqkeitsort des Reisenden vollen Aufschluß gewahrt, versehen sein müsse und gerade diese Angabe besonders in solchen Fällen, wo es sich um die Behandlung ausländischer erwerbs- und subsiftenzloser Personen handelt, entschieden nothwendig sei. 1 ’
„ „ . Auftrag Großherzoglichen Ministeriums des Innern empfehlen wir Ihnen, Arbeiter und Gewerbsgehülfen Ihrer resp. Gemeinden, welche sich nach
zu^machen wollen, auf die Nothwendigkeit des Besitzes solcher Legitimationsnachweise zur Vermeidung von polizeilichen Beanstandungen aufmerksam
In Verhinderung des Kxeisraths:
K e k u l 6 , Kreisassessor.
t Die Civilehe.
Der Streit, welchen der zu erwartende Gesetzentwurf über die Civilehe entzünden wird, dürfte sich, wie die Dinge liegen, viel weniger um die Frage der Civilehe selbst, als um den Gegensatz zwischen der obligatorischen und fakultativen Civilehe drehen. Der Kern der Frage wird der sein: Soll Jeder, der eine Ehe eingeht, sie vor dem staatlichen Beamten zu schließen haben, wobei ihm selbstoer- ßändlich unbenommen bleibt, sich hinterher kirchlich einsegnen zu lassen, oder soll es in die freie Wahl jedes Einzelnen gestellt sein, ob er die staatliche oder die kirchliche Form der Eheschließung vorziehl?
Nach ossiciösen Berichten ist es die zweite Form, die fakultative Civilehe, der sich die Ansicht der Regierungskrcise zuneigt. Es muß anerkannt werden, daß auch diese Form fortan jedem Einzelnen die gesetzmäßige Eingehung einer Ehe ermöglichen würde, ganz ohne Rücksicht auf etwaige kirchliche Satzungen, und daß damit einer der schlimmsten Uebelstände der bestehenden Verhältnisse beseitigt wird. Das ist ober auch Alles, was sich zum Lobe der fakultativen Civilehe sagen läßt, denn kein Unbefangener wird in Abrede stellen können, daß bei dieser letzteren die Kirche einen ungleich größeren Einfluß auf die Gemüther auszuüben im Stande ist, als bei der obligatorischen Civilehe.
Bildet die bürgerliche Trauung nicht die Regel, sondern die Ausnahme, dann wird es den Geistlichen sehr leicht werden, die Civilehe in der öffentlichen Meinung zu discredttiren, während, wenn Jeder, auch der christlichst Gesinnte, der Civilehe unterliegt, letztere sich überraschend schnell in der allgemeinen Achtung deftfiigen wird. Eben darum hat aber auch der Staat da- dringendste Interesse, °n der obligatorischen Civilehe fcstzuhalten. Wenn der Staat die heiligsten Begehungen, in welche Menschen je zu einander treten können, unter seinen Schutz stellt, dann übernimmt er damit aber auch die Verpflichtung, diesen Schutz wirksam zu machen, d. h. er hat unter allen Umständen schon um seines eigenen Anians willen seinen Einrichtungen Achtung zu verschaffen.
Mit der Bdoptirung der fakultativen Form der Civilehe verfolgt die Bun- tesregierung augenscheinlich den Zweck, die Conflicte in ihren Wirkungen abzu- schwächen, welche dem deutschen Reiche durch die Einführung der Civilehe drohen Lochten. Ob dieser Zweck durch die halbe Maßregel erreicht wird oder ob nicht küich ein volles, krästiges Vorgehen, durch Einsührung der obligatorischen Civilehe!
der Widerstand verrotteter Vorurtheile viel kräftiger und nachhaltiger gebrochen wird, das ist es, was Regierung und Volksvertretung ernstlich zu prüfen haben.
Auf den Conferenzen des Weltpostcongrcsses, zu welchen Fürst Bismarck die Einladungen erlassen haben soll, würde es sich in erster Reihe um die Creirung einer internationalen Briefmarke handeln, d. h. die Wahrmachung der nicht neuen Idee, alle Länder und Staaten der ganzen civilistrten Welt durch eine Einheit-- briefmarke zu verbinden und eine einheitliche Brieftaxe auf der Welt zu schaffen. Von den weitgehenden Rückwirkungen auf Handel und Industrie, welche eine billige Korrespondenz zwischen allen Staaten zur Folge hat, würde der Staat selbst am Meisten profitiren. Von den weiteren, eigentlich kommerziellen Vortheilen, welche die internationale Briefmarke gewähren wird, sei nur einer erwähnt, nämlich die Creirung eines einheitlichen Werthzeichens, durch welches es möglich gemacht ist, von dem kleinsten deutschen Orte einen Betrag anweisen zu können, der beispielsweise in London odcr Paris binnen wenigen Stunden ausbezahlt werden kann, was jetzt erst in Togen oder Wochen möglich ist. Es leuchtet ein, daß dies Projekt eine aufmerksame Durchberathung verdient und mit seiner Verwirklichung würbe der deutsche Geist wieder ein weltgeschichtliches Ereigniß geschaffen Haden, das einen vollständigen Aufschwung im Verkehr Hervorrufen würde.
t Der Kampf, welcher zwischen der deutschen Partei in Oesterreich und den Feudalen, Czechen, Polen und Übrigen Slaven entbrannt ist, wird zumeist noch zwischen Graf Hohenwart und Graf Beust geführt. Officiöse Wiener Blätter leugnen zwar eine Mim'sterkrifls ab, indessen nach zuverlässigen Mittheilungen von Wien aus, die in den Berliner Negierungskreisen verbreitet sind, ist die Stellung Hohenwart'- einigermaßen erschüttert. Daran ändert auch die Thatsache nichts daß der Kaiser Franz Joseph persönlich das energische Vorgehen Hohenwart'- vollkommen billigt; wie große Sympathien die österreichischen Hoskreise dem deut- scheu Elemente entgegenbringen, zeigte sich ja erst neulich bei dem Auto da-Fe auf der Hohen Salve. Wichtig ist vor Allem, daß die Magyaren sich immer mehr auf die Seite der Deutschen stellen und dieselben zu einem aggressiven Vorgehen ermutigen; jeder Unbefangene in Ungarn hat natürlich das Gefühl, daß wenn die Politik, welche Hohenwart in Seene gesetzt hat, in Cislcithanien vollständig gelingt, dieselbe auch gegen Ungarn zur Anwendung gebracht wird und auch dort


