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Ludwigshafen, 18. September. Nach der „Pf. Ztg." hat der DerwaltungS- ratb der pfälzischen Bahnen für die Gotthardt - Bahn eine Subvention von 1 Million Franken bewilligt, diese Bewilligung jedoch an einige Bedingungen ge- knüpft.
München, 22. Sept. In der Nachmittags abgehaltenen nicht öffentlichen Katholikenversammlung entspann sich eine lebhafte Debatte vorerst über Artikel 4, Vie Bildung de« EleruS betreffend, wobei Döllinger eindringlich vor der Anrufung der weltlichen Obrigkeiten betreffs der Erziehung der Geistlichkeit warnte. Nach der Durchberathung der einzelnen Artikel wird das ganze Programm mit folgenden wesentlichen Aenderungen an Art. 3 und 4 angenommen: Ad 3 wird dem katholischen Volke eine verfassungsmäßig geregelte Theilnahme an den kirchlichen Angelegenheiten vindicirt und schließlich gesagt: „Wir erwarten unter der Voraussetzung der angcstrebten Reformen und auf dem Wege der Wissenschaft und der fortschreitenden Cultur allmählich eine Verständigung mit den protestantischen und bischöflichen Kirchen." Art. 4 Alin. 2 lautet jetzt: „Wir betrachten die künstliche Abschließung des Clerus von der geistigen Cultur des Jahrhunderts (in Knaben- seminarien und einseitig von Bischöfen geleiteten höheren Lehranstalten) bei dessen großem Einfluß auf die Volkscultur zur Erziehung und Heranbildung eines sittlich frommen, wissenschaftlich erleuchteten und patriotisch gesinnten CleruS für höchst ungeeignet." Neber verschiedene Anträge von Auswärtigen über die Bildung von Gemeinden rc. wird die Debatte morgen fortgesetzt.
München, 22. Sept. Bei der heute in geheimer Sitzung der Abgeordneten- kamwer vorgenommenen Wahl des Direktoriums wurde Regierungsrath v. Ow mit 79 von 145 Stimmen zum ersten, Graf SenSheim zum zweiten Präsidenten, Archivar Joerg zum ersten, Landrichter Eder zum zweiten Secretär gewählt Der Candidot der liberalen Partei, Freih. v. Stauffenberg, erhielt 63 Stimmen
München, 23. September. Die heute im Glaspalaste stattgefuneene erst» öffentliche Katholikenversammlung war ungemein zahlreich besucht. Es waren 6600 Eintrittskarten ausgegeben. Die Versammlung nahm die Vorträge mit gespannter Aufmerksamkeit und lebhaftem Beifall auf. Als Redner traten Huber (München), Anton (Wien), Schwicker (Ofen), Munzinger (Bern), van Til (Utrecht), Schulte (Prag) und Pater Hyacinthe auf, Letzterer hielt seinen Vortrag in fran- zöfischer Sprache. — Die Reichsrathskammer hat den Reichsrath Baron Schienet zum Vic Präsidenten gewählt.
Straßburg, 21. September. Die „Straßburger Zeitung" kündigt die bal- dige definitive Beseitigung des Zwangscourses der französischen Banknoten für das Elsaß an und theilt mit, daß die elsässischen Entschädigungsgelder fortan in Silber ausbezahlt werden würden.
Local-Notizen.
Beschlüsse
aus der Sitzung des Gemeinveraths vom 14. September 1871.
Anwesend waren: Der Grvßh. Bürgermeister Vogt, die GemeinderathSmitglieder Berg, Bücking, Feliing, Gail, Hanftein, Nagel, Pietsch, Ricker, Rosenberg, Wallenfels und Wenzel.
1) Der Ankauf einer Wiese am Hamm mit daranliegendem Grabland, aus der Weimar- schen Masse für die Stadt wurde genehmigt. c ,
2) Der am 11. und 12. d. MtS. abgehaltenen GrummetgraSversteigerung, bei welcher die Taxation nicht erreicht worden ist, wurde die Genehmigung ertheilt, weil bei einer nochmaligen Beisteigeruna kein höherer Erlös zu erwarten ist. u
3) Dem Anträge der Großh. Bürgermeisterei, den bei der Räumung deS Stadtcanals btschäftiqten Arbeitern einen Taglohn von 50 kr. zu bewilligen, wurde beigestimmt.
4) Nach dem vorgelegenen Voranschlag deS hiesigen Armenfond« für das Jahr 1872 hat sich für denselben ein Mangel von 4000 fl. ergeben, dessen Deckung durch Aufnahme in den Vor. avschlag der Stadt pro 1872 beschlossen wurde.
5) Dem Vorschläge Großh. Oberförfterei Gießen, daS Fällen deS Holze« im Stadtwalde für da« Erndtejahr 1872 an di« seither beschäftigten Rottmeister au« der Hand zu veraccordiren, wurde beigestimmt. A ,
6) Die an den Steiiihauer Conrad Sommeriad von Beuern aus der Hand vergebene Lieferung einer Rahme auf den Canal in der Alicenstraße wurde genehmigt.
7) Der Kaufbrief mit Karl Plank über abgetretenes Gelände zur Erweiterung deS Friedhof«, wurde vom Gemeinderath unterschrieben.
8) Der vorgelegte Kostenvoranschlag über Anlage eines Gossenpflasters auf der nördlichen Seite der Alicenstraße im Betrage von 64 fl. wurde zur Ausführung beschlossen.
9j Die nochgesuchte Ueberlaffung des nüthigen Gelände- zu einer Einfahrt in da« von der Firma Franz Peppler <fc Comp. zu erbauende Gebäude am Hinteren Theile de« Vtehmarkt-
platze« wurde unter der ausdrücklichen Bedingung beschlossen, daß der Stadt sowohl als dem Müller- Möser da« unbeschränkte UebeiwandlungSrecht über den verkauften Platz nach dem Mühlgraben verbleibt.
10) Der Gegenstand in Betreff der Anschaffung einer neuen Feuerspritze für die Stadt wurde an den Bauausschuß verwiesen, welcher unter Zuziehung deS Stadtbaumeisters und der Hauptleute der beiven Feuerwehren Vorschläge machen möge.
11) Die am 10. Juli d. I. abgehaltene Holzversteigerung, bei welcher der Tarifpreis nicht erreicht worden ist, wurde genehmigt, da nach der Aeußerung Großh. Oberförsterei eine nochmalige Versteigerung kein günstigeres Resultat eiwarten lasse.
12) Die in der Dienstwohnung des Octroierh.bers Frech nüthigen Arbeiten sollen nach einem vom Siablbaum.ister zu fertig.nden Kostenvoranschlag zur Ausführung kommen.
13) Die über Errichtung eines neuen GerälheschuppenS auf dem Turnplatz zu 310 fl veranschlagten Kosten wurden zur Aufnahme in den 1872er Voranschlag genehmigt und die alsbaldige Ausführung der Arbeit beschlossen.
14) Von einem durch Großh. KreiSamt mitgetheilten Schreiben des Großh. RegierungS- commissärS an den Verwa tungSralh der Oberbessifchen Eisenbahn , nach welchem die Ketlen- barriere an dem Uebergang der Frankfurter Straße durch eine starke, leicht sichtbare Barriere ersetzt werden soll, erhält der Gem inder.-th Kenntniß.
15) Die schon im Voranschlag für 1870 vorgesehene, aber durch die KriegSereignisse bi- jetzt unterbliebene Abböschung des Hinteren TheilS des Wieseckflusses soll alsbald vorgenommen werden.
(Eingesandt)
Gießen. Gin alter Studio, aus den 30er Jahren, besuchte ich kürzlich wieder einmal die alte Musenstadt Gießen, und war nicht wenig erstaunt über die vielfachen Veränderungen und Verschönerungen, die seit nahe 40 Jahren hier Statt gefunden. Am Bahnhof war mir natürlich Alle- fremd; nur das Anatomie-Gebäude, das Arresthaus und die ehemalige Caserne, jetzt Klinik, in welcher mir in jenen Jahren eine Zeit lang ein unfreiwilliger Aufenthalt angewiesen wurde, waren mir noch bekannte Erscheinungen. Die neuen , im schönsten Style angelegten Straßen — neue Anlage und Alicenstraße — die einer großen Stadt zur Zierde gereichen würden, die baulichen Verschönerungen im Innern der Stadt, die herrlichen Punkte in der Umgebung rc. tiefen in mir das alte Studentenlied wach:
Gießen an der Labne Strande,
Ist die schönste Stadt im Lande rc.
und Gießens Bewohner können jetzt mit einiger Berechtigung einftimmen.
In commercieller Beziehung bat Gießen einen bedeutenden Aufschwung genommen, eine Folge der hier eiumündenden 4 Eisenbahnen. Leider läßt sich dies von der Universität nicht sagen; bedeutendere Lehrkräfte werden stets nach andern Hochschulen gerufen, und leisten in der Regel dem Rufe Folge, und so ist Gießen von Marburg nun überflügelt und die Zahl der Musensöhne bedeutend zusammengeschmolzen.
Meine alten Freunde waren meist nach allen Windrichtungen hin zerstreut und nur selten traf ich Einen, der sich meiner noch erinnerte.
Einen Tag widmete ich dem Besuche der umliegenden Höhen und interessanten Orte, wo überall sich Herz und Mund laben kann und machte die Runde, vom Schiffenberq anfangend und auf der Heuchelheimer Mühle endend. „Schöne Au sicht" und „Germania" sind neue Wirth- schaften und schön gelegen mit hübscher Fernsicht; im Pbilosophenwald ruht man im tiefen Schatten herrlicher Tannen; d>r Schiffenberg Hal noch seinen alten Reiz und ist immer ein beliebter Aus flug der Gießener. Die Badenburg, so idyllisch gelegen, der Staufenberg, mit seiner alten, jetzt restaurirten Burg; Gleiberg, mit seinem noch in Trümmern »stolzen Schlosse — wie gerne weilte ich hier überall!
Die Sonne warf bereit« längere Schatten, und hinab ginq'S zum „Westphälischen Hof", umgetaufteu Windhok, seit Kurzem wieder zu einem WiUhSlocal umgeschaffen. Wie manche Er, innerungtn wurden hierin mir erweckt! Wie oft war der Windhof in früheren Jahren mein Ausflugsort, wo ich meinen ganzen Studienkram vergaß! Dec neue Wirth, Herr Braubach, hat eine wirthschaftliche Einrichtung getroffen, die ihm alle Ehre macht. Der WirthSgarten bi.tet eine prächtige Aussicht, und ein hier ausgestellte- großes Perspectiv laßt auch sehr entfernte Punkte deutlich erkennen , z. B. lag der wohl 8—9 Stunden entfernte Felvberg in schönster Abend Beleuchtung de- den Gipfel klönenden HanieS vor mir. Im Hofe hat Herr Braubach ein „Hotel zur Eintracht" angelegt — ein arößerer Behälter, in welchem verschiedene Vierfüßler und Vogelarten vertreten sind. Ein Bassin mit Springbrunnen vor diesem „Hotel" ist recht gut an» gebracht.
Im unteren WirthSzlmmer finden wir eine ganz schöne SchmetterlingSsammlunq und einen gelehrigen Kakadu, der verschiedene Künste producirte. In einer Cpheulaube, im Zimmer recht sinnreich hergestellt, credenzte mir die liebliche WirthStochter ein vorzügliche- Glas „Heß". Ein recht gemüthliches Plätzchen, das! Im „kleinen Sälchen" wurde ich durch weitere interessante Einrichtungen, die Herr B. getroffen, angenehm überrascht. Ein schönes Aquarium, eine große, sog. fliegende, Vogels-Hecke, eine kleine Münzsammlung ein Meisterstück eines Tischler« aus dem Jahr« 1788 geben dem Zimmer, auch im Ü brigen elegant auSgcftatt.t, eine besondere Anziehungskraft. Der frühere Pauksaal ist zu einem geräumigen Tanzsaal umgeschaffen. Möge Herr V. die ihm gebührende Anerkennung von Seilen deS Publrkums flndrn!
Meine Rundreise beschloß ich mit einem Besuche der Heuchelheimer Mühle, die ich sehr zu ihrem Vortheile verändert fand. Der alte Bach fließt noch immer an der Felswand hin, dichtbelaubte Kastanien bedeck.n mit ihrem kühlenden Schalten da« liebliche Plätzchen.
Auf der Rückfahrt am folg,nden Ta e b sah ich mir nochmals, wehmüthig gestimmt, alle diese Orte au- der Ferne, bis das Dampfroß sie allmählich meinen Blicken entzog. L. B ... n.
Allgemeiner Anzeiger
Besondere Bekanntmachung.
4027) Wegen der Chaussiruna eines Theils des Glcibcrger Wegs kann derselbe von Montag den 25. September l. I. an bis auf Weiteres nicht befahren werden.
Giessen, den 23. September 1871.
Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Vogt.
04., 1 " =====
Bersteigerunften.
Lieferung von Kornstroh.
4046) Künftigen Donnerstag, den 28. d. M-, Vormittags 10 Uhr,
wird die Lieferung des pro IS71/?» erforderlichen Kornstrohs für die Garnison Gießen auf dem Büreau der unterzeichneten Verwaltung mittelst Sou nission vergeben, woselbst die Lieferungsbedingungen zur Ein» ficht offen liegen.
Gießen, den 22. September 1871- Großherzogliche Garnison-Verwaltung.
Kalbfleisch.
Annonce.
4022) Mittwoch den 4. October d. I., von Nachmittags 1 Uhr an,
lalfen die Unterzeichneten in ihrer Wohnung, 6<chnhosstrasse:
LOO Dutzend rein wollene Herren-, Frauen- und Knaben-Jacken bester Qualität, in verschiedenen modernen Farben, sowie
100 Dutzend Frauen- u. Kinder-Strümpfe, einzeln und parthienweise meistbietend verkaufen. M. Noscnthal Söhne
zu Wetzlar.
Feilgebotenes.
Neue Gewichte, Geschäfts- und HauS- haltunaS Waagen aller Art, Bohnenschneidmaschinen, Häckselmaschinen, Rübenschneider, Wasser- und Iauchepumpen
(3955)_____________bei Emil Pi stör.
Neue englische Bückinge zum Rohessen sind eingetroffen.
(3574) I. A. Busch Söhne.
4059) Zwei Uniformen von einem Einjährigen, sowie eine Nähmaschine (Lincoln-System) sind zu verkaufen. Zu erfragen Seltersweg Lit. E. Nr. 62.___
Milehverkanf.
3992) Im früher Loos- fchen .Höfchen, Lit. D. Nr. 218, ist täglich, Vormittags halb 9 Uhr und Abends 7 Uhr, frische Milch und D i ck m i l ch ,;u haben.
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