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PrriS vierteljährig 1 st- 12 fv. tttt Bringerlohn. Durch di« Post bezogen vierteljährig 1 si. 27 k.

Gießener Anzeiger.

Erscheint täglich, mit AuS» nähme MontagS.

Expedition: Lanzleiberg Lit. B. Nr. 1.

Anzeige- und Amtsölatt für den Areis Kielen.

Re. 27'1. Freitag den 24. November 1871.

fibu TiTinuncn

Amtlicher T b e i l.

Giesten, am 18. November 1871.

Betreffend: Die Ausführung des Gesetzes vom 5. Juni 1869 über die Portofreiheiten im Gebiet

des Norddeutschen Bundes, hier die Dienftfreimarken. .

Das Grsßhrrrotzliche Krrlsamt Gießen

an die Großher^oglichen Bürgermeistereien- die Kirchen- und Schulvorstände des Kreises.

In Auftrag Großherzoglichcn Ministeriums des Innern bringen wir zu Js)rer Kenntniß, daß der Zeitpunkt, von welchem ab die neuen ReichS- postfreimarkcn eingeführt und Dienftfreimarken zum Frankireu von Sendüngeu in Staatsdienstangelegenheiten nicht mehr ausgegeben werden, auf den I. Januar 1872 bestimmt worden ist. ....

Die bisherigen Norddeutschen Dienstfreimarken können daher vom 1. Januar 1872 ab zum Fraukiren der Postsendungen tti Staatsdrenstangelegen- bettelt nicht mehr benutzt, und müsseit die beim Ablauf des Jahres etwa nod) vorhäitdeiten Bestände an sold)elt Marken bei den Drts-Postailstalten gegen neue Reichspostfreimarken des gleidzen Werthbetrages umgetauscht werden, indem von dem genannten Zeitpunkt an zum Frankireu der Postsendungelt in Staats­dienstangelegenheiten mir die allgemein gültigen Postwerthzeichen verwendet werden hülfen. _

Insoweit von Ihnen seither von Dienstfreimarken Gebrauch gemacht wurde, beauftragen wir Sie, sid) nad) Vorstehendem zu bemessen-

v. Rode r.

Politischer T h e i l.

daran denke, Italien zu verlassen. ,

In Petersburg soll das Andenken an die erste Theilung Polens im kunfti- gen Jahre durch Errichtung eines kolosiallen Standbildes der Kaiserin Katharina II. gefeiert werden. Die Enthüllungsfeier soll einen vorherrschend militärischen Charakter haben und sollen dabet sammtliche russische Truppentheile durch Depu- tationen vertreten sein. Mit der Anfertigung des Standbildes ist der Bildhauer Nikieschin beauftragt und sind die Kosten auf 400,000 Silberrubel bestimmt.

Wie in Japan ein preußischer Feldwebel zum Instrukteur der Truppen ge­macht worden ist, so ist in China, demNorth China Herald" zufolge, ein preu­

ßischer Unteroffizier geworben worden, um im Arsenal von Schanghai eine Klasse herangewachsener Burschen in der Bedienung der Krupp'schen Geschütze zu unter- richten.Die Commanvoworte, so sagt bas genannte Blatt, sollen auf Deutsch gegeben werden, erstens aus dem vortrefflichen Grund, weil der Lehrer mit dem Chinesischen unbekannt sein wirb, und zweitens, weil seine Oberen der Ansicht sind, daß nicht allein die Taktik, sondern auch das Schiboleth, dmch welche die­selbe erzielt wird, in'S Auge zu fassen sei. Der neue Plan entstand dadurch, daß ein Geistlicher Namens Karl Kreyer den Beamten des Arsenals einen Deutschen als den Importeur Krupp'schcr Geschütze vorsteüte. ES wurden acht Kanonen ver- schitvr.'.cn Kalibers bestellt, und seither hat Herr Kreyer auch einen zweiten Deut- chen vorgestellt, welcher für den Unterricht in der deutschen Sprache und in der Bedienung der Geschütze angeworben wurde. Das Resultat wird eigenthümlicher Art sein, denn die Chinesen haben jetzt in unmittelbarer Nähe von Schanghai drei verschiedene Abtheilungen eingeborener Truppen, von denen die eine auf Englisch, die zweite auf Französisch und die dritte auf Deutsch einexercirt wird, wahrend wahrscheinlich noch viele Truppen nach dem alten chinesischen Zopf auS- gebildei werden. Sollten diese Truppen einmal in den Krieg ziehen müssen, dann wäre mehr als ein Moltke nöthig, um dieses militärische Babel zu regieren. Am wahrscheinlichsten In einem solchen Falle wäre cs, daß die abendländische Tünche abßele und daß man der alten chinesischen Taktik folgte.

23. November.

Das Reichskanzleramt hat dem Reichstage Probeexemplare der neu.n Reichs- postmarken eingefender, welche mit dem 1. Januar nächsten Jahres in W rksamkeit treten sollen. Bei diesen neuen Postwerthzeichen ist die bisherige Farbe beibehalten vorden, so daß die Bierpfennigmarken grün, die Groschenmarken roth, die Zwei- groschenmarken blau sind u. s. w. Die Druckfarbe ist im Grunde hell, von einem dunkleren Rande umgeben. In der Mitte tritt medaillonarlig, mittels eines TrockenstempelS hergestellt, in weißer Farbe der Reichsadler hervor, der von Schraf- firungen und punktirten Linien umgeben ist. Unter dem Adler findet sich in gerader Schrift in dunkler Farbe der Werth der Marke angegeben, z. D.Ein Groschen" ic lieber dem Trockenstempel in bogenartiger Form finden sich gleichfalls in dunkler Karbe gedruckt die Worte:Deutsche Reichspost."

-j- In dem vierten Derzeichntffe der beim Reichstag eingegangenen Petitionen begegnet man zunächst einer Reihe von Gesuchen aus allen Gauen Deutschlands um Aushebung des Jesuitenordens, und einer nicht minder langen Reihe von Litten um weitere Bewilligungen zur Unterstützung der Reservisten und Landwehr- lkute, zu welchem Zwecke in einer Petition 40 Millionen Thaler gefordert werden. Auch mehrere Gesuche um Erstattung anderweiter Kriegsschäden sind eingelaufen. Die Berliner Studenten petitioniren um Aufhebung der akademischen Gerichtsbar­

keit und Sicherstellung des Vereinigungsrechts der Studirenden gegen die Heber- ' griffe der akademischen Behörden; einige Pastoren um vollen Sonntagsschutz für tie arbeitenden Klassen; verschiedene Handwerker um anderweite gesetzliche Regelung der gewerblichen Verhältnisse des Hilfspersonals der Gewerbtreibenden, Wieder- tinführung der Arbeitsbücher und strenge Aufrechterhaltung de- §. HO der Ge- irerbeordnung. Director Becker der schwedisch-gymnastischen Heilanstalt in Berlin beansprucht die gesetzliche Aufhebung des Impfzwangs und die Bewilligung einer Nationalbelohnung für die Aufstellung eines untrüglichen Heilverfahrens für die Behandlung der Menschenblattern und Verhütung der Pockennarben; Bewohner der Insel Zingst die schleunige Befestigung des Strandes zum Schutze gegen die Sturwfluthen; ein Verlagsbuchhändler den Erlaß eines Reichsgesctzes über das Kalenderwesen. Ein Hamburger Bürger macht Vorschläge zur Abhilfe der Woh- MngSnoth in den Großstädten, und der Obermeister der Dresdener Schusterinnung bittet, künftig die Bestellungen von Fußbekleidungen für die Truppen direct an Fachmänner oder wenigstens an die JnnungSvorstände zu übertragen. Endlich irfucht eine Dame aus Eisleben den Reichstag um Beistand in ihrer Prozeßsache wider ihren Ehemann, und ein ehemaliger Postexpeditionsgehilse um Nachweis einer dauernden Beschäftigung. WaS der Reichstag alles soll!

DasJournal des DebatS" berichtet, daß sich Thiers neulich bezüglich des Falles, daß der Papst ein Asyl in Frankreich verlangen sollte, gesprächsweise fol­gendermaßen ausgelassen habe: Suchen wir, sagte ThierS, die Entschließung des Papstes in keiner Weise zu beeinflussen, rathen wir ihm weder zu noch ab, herzu- kommen; aber wenn er ein Asyl verlangt, wird er mit tiefer Achtung empfangen werden. Er wird Sicherheit und Ergebenheit finden und vollständig frei sein.

Zch wollte ihm Anfangs Avignon anbieten, aber wegen der Abneigung der Ein- wohner dieser Stadt gegen das Projekt zog ich es vor, ihm das Schloß von Pau zur Verfügung zu stellen. Uebrtgens glaubt ThierS nicht, daß der Papst ernstlich

1- Berlin, 20. November. Die städtischen Behörden von Berlin beabsich­tigen, dem Bildner des Schillerdenkmals, Professor Reinhold Begas, außer dem contlactlich siipulirtin Honorar von 33,000 Thlr. noch einen Ehrenpreis von 5000 Thlr. zu zahlen, da das Denkmal selbst die allgemeinste Anerkennung ge­sunden und es anderseits zweifelhaft ist, ob der kontraktlich bedungene Preis ein genügendes Aequivalent für die Gediegenheit des Materials und die Schwierigkeit der Bearbeitung bietet.

Das hiesige Stadtgericht macht bekannt, daß die neue Aktiengesellschaft der Rumänischen Eisenbahn bereits heute in das Handelsregister eingetragen wor» den ist. v ,

t Berlin, 20. November. Eine Allerhöchste Cabinetsordre vom 18. d. be­stimmt , daß sich die Armee an der am 26. November stattfindenden kirchlichen Feier zum Gedächtniß der Gestorbenen in allen Garnisonen in möglichster Aus­dehnung zu betheiligen hat. Sämmtliche Osfiziere legen an diesem Tage am linken Oberaim einen Trauerflor an. Alle Fahnen und Standarten der Linie und der Landwehr mit einem Trauerflor behängt werden von den Truppen überall mit in die Kirche gebracht und während des Gottesdienstes am Altar oder vor der Kanzel ausgestellt. In denjenigen Garnisonsorten, in welchen eine kirchliche Gedächtnißfeier für die Verstorbenen am 26. d. M. nichi begangen wird, soll ein entsprechender militärischer Gottesdienst für die Garnison abgehalten werden.

t Berlin, 21. November. Deutscher Reichstag. 26. Sitzung. Präsident Dr. Simson eröffnet die Sitzung um 11 Vt ^r. Am Tische des Bundesrat Hs: Minister v. Roon, Delbrück, v. Prctzschner, v. Lutz, Viceadmiral Jachmann, Capitan« lieutenant Hensel, Geh. Admiralitätsrath Jacobs u. A.

Das Haus tritt sofort in die Tagesordnung ein.

1) Fortsetzung der zweiten Lesung des ReichghauShaltSetat pro 1872. Gruppe IV. Marineetat.

Bei der Generaldiscussion über den Antrag Wehrenpsennig betheiligen sich die Abg. Schmidt, v. Behr, v. Forckenbeck, v. Kufferow, der Marine-Ministcr v. Roon.

Bei der Specialdebatte werden die Tii. 17 der Ausgaben ohne Diskussion genehmigt. Zu Tit. 8 (Militärpersonal) beantragt Schmidt (Stettin), die 7000 Thlr. Gehalt für den General-Jnspecicur der Marine (Prinz Adalbert) als künftig