Mormonenchef in seinem Armstuhl sitzend, mit einem Shawl über ihn ausgebreitet. Er sagte, er fühle sich besser, aber noch zu schwach, um viel zu sprechen. Auf Befragen, welche Gefühle er mit Bezug auf die gegen ihn vorgebrachte Anklage, und seine Haftnahme hege, sagte er: „sie sind so leicht wie ein alter Schuh."! Er fürchte nicht da» Resultat. Alle Versuche, ihn und sein Volk zu zerstörens Wären bi» jetzt fehlgeschlagen. Schlechte Menschen wären vordem hierher als Gouverneure und Richter gesandt worden, aber alle hätten sie FiaSco gemacht und seien in Unberühmtheit versunken. Dasselbe Schicksal erwarte auch die jetzigen Beamten. Die Unterredung wurde durch einen Boten abgeschnitten, der aus dem inneren Gemach erschien, um Brigham Joung zum FamiliengotteSdienst abzurufen. Der Berichterstatter der „Tribüne" fügt hinzu: „Betreffs der Haftnahme von Brigham Voung und Wells, den ersten Präsidenten der Kirche, herrscht in der Salzscestadt keine Aufregung und ist keine vorhanden gewesen.
Mainz, 19. Oct. Die polizeiliche Bewachung der Mayer-Michel-Denningkr'- schen Lederfabriken hat heute noch fortgebauert. Unter diesem energischen Schutz hat sich die größere Anzahl der durch Drohungen eingeschüchterten Arbeiter wieder eingefunden. Mißhandlungen solcher Arbeiter durch andere kamen indessen in der Nähe der Fabriken außerhalb der Stadt doch heute Nachmittag noch vor. Ein ziemlicher Theil der Arbeiter ist nicht mehr zugelaffen und durch andere ersetzt worden. Hierdurch sind die Werkstätten wieder in vollen Gang gekommen. In
zustimmen, daß sie, falls über diesen Gegenstand zwischen den gesetzgebenden Faktoren im preußischen Landtage eine Vereinbarung nicht zu Stande kommen sollte, im nächsten Jahre die Bildung eines selbstständigen Bundesrechnungshofes in Anregung bringen werden. — Minister Delbrück erwidert, daß dem nächsten preußischen Landtage über diesen Gegenstand eine Vorlage vorgelegt werden wird und er mit ziemlicher Bestimmtheit annehmen dürfe, daß es gelingen werde, eine Verständigung zwischen der preußischen Regierung und dem Landtage herbeizuführen. Im Urbrtgen seien die verbündeten Regierungen von dem Gedanken durchdrungen, daß der Thätigkeit des Rechnungshofes eine feste Grundlage gegeben werden müsse, und hoffe er, daß sich dieses Ziel auch werde erreichen lassen.
Richter. Wir Alle auf dieser Seite des Hauses (links) haben sehr wenig Hoffnung, daß eine Verständigung der gesetzgebenden Faktoren des preußischen Landtages über diese Frage zu Stande kommen werde. Wir haben traurige Erfahrungen in dieser Beziehung gemacht; ich verweise nur auf die Vorgänge im Herrenhause bei Berathung des Gesetzes über den Unterstützungswohnsitz, das nur zu Stande kommen konnte, weil die Regierung mit Octroyrung drohte. Der Streit zwischen den beiden gesetzgebenden Faktoren im preußischen Landtage ist ein sehr scharfer; ich verweise nur auf die bereits seit 9 Jahren in dieser Beziehung gefaßte Resolution des Abgeordnetenhauses, welche noch immer ihrer Erfüllung harrt. Durch die jetzt bestehenden Verhältnisse ist die RechnungS-Controle ein Gaukelspiel geworden. (Bewegung rechts.) Die Hauptmängel dieser Verhältnisse beruhen in dem Umstande, daß einzelne Positionen in den Ausgaben schon vor Beginn der Eontrole durch
Eine spätere, demselben
lnv verhaftet und die Untersuchung ist im Gange.
ein.
Vermischtes
entfalten.
die Namen des Erbauers des Gropius, v. Schlichen! Wenn Versammlung getroffen habe, von Ihren Sitzen zu erheben.
vorragendstcn unter ihnen beschränkend, nenne ich Gebäudes und seiner künstlerischen Genossen: Hitzig, ich mit diesen Worten einigermaßen den Sinn der so bitte ich Sie, zum Zeichen der Zustimmung sich Dies geschieht.
Das Haus tritt darauf in die Tagesordnung
k. Cabinetsordre gedeckt sind; wie soll da durch den Rechnungshof Abhülfe ge- schafft werden? Und wie verhält sich das Herrenhaus solchen Zuständen gegenüber? Es erklärte, es habe keine Veranlassung, der Resolution des Abgeordnetenhauses zuzustimmen; wir können also einer solchen Körperschaft das Zustandekommen eines RcichSgesetzeS nicht unterwerfen. Unter großer Heiterkeit des Hauses kritisirt Redner einzelne Acußerungen hervorragender Herrenhaus-M>tg!ieder über die EtatS-Controle und schließt dann mit den Worten: Unser Budgetrecht ist und bleibt ein Messer ohne Klinge, ein leeres Gaukelspiel ohne genaue Eontrole des Budgets. — Damit ist die Debatte geschlossen, und wird die Vorlage zur zweiten Berathung in plenum gestellt.
Schluß I1/4 Uhr. Nächste Sitzung Montag 12 Uhr. Tagesordnung: Erste Berathung der Gesetze über den Reichskriegsschatz und die Amortisation der fünf* procentigen Anleihe. Zweite Berathung des Gesetzes über den ObcrrechnungS- hof, erste und zweite Berathung über das Postwesen und über das Posttaxwesen.
Metz, 16. Oct. Man schreibt dem „N. Anz.": Gestern früh ist ein mit dem eisernen Kreuze decorirter Soldat des k. bayerischen 4. Infanterieregiments, Namens Lang, von der 7. Compagnie, gestorben. Derselbe wollte vorgestern Abend sich in seine Caserne begeben, als er unterwegs ohne bekannte Ursache von einigen preußischen Soldaten zu Boden geschlagen wurde. Die Aufregung ob dieses Vorfalles unter den bayerischen Soldaten ist eine ungeheure und dürfte leider die Ursache zu weiteren Streitigkeiten werden. Die betreffenden preußischen Soldaten
den Ludwigsbahnwerkstätten sind ebenfalls eine Anzahl Arbeiter nicht mehr zugelassen worden. Einzelne Erhöhungen der Löhne betragen dort 30pCt., die durchschnittlich gewährte Zulage im Allgemeinen und überall 10 pCt. Auch im Gas- apparat- und Gußwerk fand eine solche statt und die Arbeitseinstellung unterblieb. Mit diesen Lohnerhöhungen läuft eine Steigerung der Lebensmittelpreise um durchschnittlich 8 pCt. parallel, und scheint diese Steigerung für jetzt nicht abgeschlossen zu sein. Uebersieht man die Resultate der so jäh ins Werk gesetzten Arbeiter- agitation, so sind sie nicht sehr anregend. Neben der Steigerung der Fabrikpreise Wird sie eine ziemliche Anzahl geopferter Existenzen bewirkt haben. Die Mißverhältnisse sind nur etwas verrückt, keineswegs beseitigt. Neben den tiefer liegenden Ursachen der Erscheinung (mangelhafte Schulbildung u. s. w.) tritt heute berechtigter denn je das Verlangen nach endlicher Einführung von gewerblichen Schiedsgerichten und Arbeitervermittlungskammern auf.
t Berlin, 20. Oktober. Deutscher Reichstag. 6. Sitzung. Präsident Dr. Simson eröffnet die Sitzung um 12% Uhr. Am Tische des Bundesraths: Delbrück, v. Pfretzschner, v. Mittnacht, Dr. Michaelis rc.
Der Präsident proklamirt das Resultat der gestrigen Schristführerwahl und verliest demnächst ein Schreiben des Prof. Carl Biedermann, worin derselbe mit- theilt, daß das sächsische CultuSministerium ihm eine Erhöhung seines Gehalts als außerordentlicher Professor an der Universität Leipzig habe zu Theil werden lassen, und um die Entscheidung des Hauses bittet, ob hier der Fall des Art. 21 der Verfassung (Mandatsverlust) vorliegt. — Das Schreiben wird der Geschäfts- ordnungS-Commifsion zur Begutachtung überwiesen.
Der Präsident theilt mit, daß Minister Delbrück die Interpellation des Abg. Schulze heute, die Interpellation des Abg. Richter am Dienstag beantworten werde. — Ferner erklärt der Präsirent, er halte es für feine Pflicht, der Befriedigung Ausdruck zu geben, welche die Versammlung über die Herstellung des würdigen und edlen provisorischen Hauses für ihre Berathungen empfinde. Wir verdanken dies, meine Herren, fügt er hinzu, einer energischen Initiative der auSsührenden Künstler, welche mit ihren Gehilfen in kurzer Frist, bei vielfachen Hemmnissen, die ihnen gestellte Aufgabe so glücklich zu lösen verstanden haben. Mich auf die her-
Frachtbriefe für die Main-Weser-, Cöln-Mindener und Oberhessische Eisenbahn, sowie sammtliche zollamtlichen Formulare, sind zu haben bei W. Klee, am Markt.
Blatte aus Metz zugegangene Correspondenz berichtet: Am 15., Abends zwischen 8 und 9 Uhr, fand am Platz St. LouiS dahier eine großartige Schlägerei zwischen bayerischen und preußischen Soldaten statt, so daß von der Caserne CoiSlin eine Compagnie zur Herstellung der Ordnung durch Herrn Major Müller abgesendet wurde. Ern Junker zog den Säbel und commandirte: 4. Regiment angetreten, worauf die 4er wie 8er mit Hurrah auf die Preußen eindrangen. Ein Offizier und ein Corpöral vom 8. Regiment, desgleichen ein preußischer Offizier erhielten nicht unbedeutende Verletzungen. Mehrere Arretirungen durch preußische Patrouillen wurden vorgenommen, doch die Mehrzahl entzog sich denselben durch die Flucht. Auch viele Franzosen, die sich, nebenbei gesagt, in die Faust lachten, erhielten Hiebe. In Folge dieses Excesses, woran wohl über 800 Manu bctheiligt waren, soll höheren Orts ongeordnet worden sein, daß täglich dreimal, und zwar um 2, 4 und 6 Uhr, Verlesen stattfindet. Die gegenseitige Erbitterung unter den Soldaten ist eine furchtbare. Ganz Metz ist ob dieses Vorfalles in Aufregung.
Wien, 21. Oct. Das Gerücht, das gesummte Ministerium Hohenwart habe in Folge eines im Einverständniß des ReichsministeriumS und des Grasen Andrassy an den böhmischen Landtag endgiltig festgestellten Rescripts seine Entlassung eingereicht, ist unbegründet.
Versailles, 21. Oct. Nachdem die Ratifikationsurkunden der auf die Räumung bezüglichen Convention gestern ausgetauscht worden sind, soll, der „Agence HavaS" zufolge, die Räumung der betreffenden Departements bis 4. November beendet sein. — Die Gerüchte, betreffend eine zu erlassende Amnestie, werden alS grundlos bezeichnet. — Officiös werd behauptet, die Geldkrisis habe nichts Bedenkliches, sie sei nur eine Folge der unrichtig rechnenden Spekulation, denn die Regierung befinde sich in der Lage, bedeutende Quantitäten von Silbergeld dem Verkehr übergeben zu können.
1) Interpellation des Abg. Schulze. Dieselbe lautet: „Der Unterzeichnete richtet an den Herrn Reichskanzler folgende Frage: Ist Etwas in Bezug auf den vom Reichstage in der Sitzung vom 25. April d. I. angenommenen Gesetz-Ent- Wurf, die Gewährung von Reisekosten und Diäten an die Mitglieder des Reichstage betreffend, von Setten des BundesratheS geschehen?"
Schulze begründet die Interpellation mit wenigen Worten unter Hinweis darauf, daß die Diätcnsrage nicht eher von der Tagesordnung des Hauses werde entfernt werden, bis der Forderung Genüge geleistet. Redner erweitert die Interpellation noch dahin, daß er Auskunft über die Stellung der einzelnen Bundesregierungen zu der Frage verlangt.
Minister Delbrück: Meine Herren: Indem ich zur Beantwortung der Inter-
Darmstadt. Auf besonderen Befehl Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs ist der, malen im Gloßherzoglichen Museum ein Kunstgegenstand ausgestellt, auf welchen wir die Aufmerksamkeit des Publikums lenken möchten. Es ist daS Geschenk, welches das Offiziercorps deö Leib- galde^Regiments Seiner Königlichen Hoheit am Tage Seines 50jährigen militärischen Jubiläums verehrt hat. Dasselbe ist in dem Atelier von Sy und Wagner in Berlin gefertigt und beurkundet den Geschmack und die Technik dieses Ateliers in glänzendster Weise. Die sinnige JubiläumSgabe zeigt uns auf schön gedachtem und gearbeiteten Piedestal aus schwarzem mit Silber verziertem Marmor den Fahnenträger des Regiments aus getriebenem Silber im Feldcostüm, zu feinen Füßen die Wahrzeichen eines errungenen Sieges, ein Mitrailleusen-Rohr und einen französischen Adler au zerbrochener Stange, wie er in voransturmender Bewegung die Fahne des Regiments aufmunternd erhebt. Die vordere Seitenfläche des Piedestal trägt in vergoldetem Lorbeerkranze auf mattem Silbergrund in glänzenden Buchstaben die Widmung der Schenker an den Hohen Jubilar; die ■ hintere Seitenfläche im Lorbeerkranze das mit dem Bande deö LudwigSordens geschmückte hessische , Wappen; auf der rechten und linken Seitenfläche sind auf glänzendem Silbergrunde in vertiefter Schrift die kriegerischen Thaten bei Regiments verzeichnet, von dem Jahre seiner Errichtung 1621 ' an bis zum großen Felezug des Jahres 1870,71, in dem das Regiment seinen kriegerischen Ruhm wieder in so glänzender Weise bewährt hat. DaS schöne Werk ist ein wahres Meisterstück moderner Silberbildnerei, in dem sich Kunstgeschmack und vollendete Technik in gleich schöner Weise
pellation das Wort ergreife, muß ich allerdings bekennen, daß ich sie nicht richtig verstanden habe. Als ich gestern von der Interpellation Kenntniß bekam, ging ich davon aus, daß e» dem Hrn. Interpellanten mehr darauf ankomme, officicU von dieser Stelle aus angegeben zu hören, welche Stellung der Bundesrath zu dem Gesetz-Entwurf genommen hat. Ueber diese Stellung Auskunft zu geben, war ich sofort bereit. Wenn aber der Hr. Interpellant etwas Weiteres zu wissen begehrt, namentlich eine Auskunft darüber, was von Seiten der einzelnen Bundesregierungen zu einer theilweifen Erledigung de- Gesetz-Entwurfcs geschehen sei, so bür ich nicht in der Lage, darauf zu antworten, und hätte ich die Interpellation in diesem Sinne verstanden, so würde ich nicht in der Lage gewesen sein, mich 4W sofortigen Beantwortung derselben bereit zu erkläre». Ich beschränke mich auf
^wort, die ich sofort zu geben bereit und im Stande war, nämlich dahin, *ie ^'Mdesrath die Mittheilung des Herrn Präsidenten über den vom Hause
Beschluß seinen Ausschuß für DerfaffungSwesrn überwiesen hat, daß dieser sn Äfc d'°> Bunde-rath Bericht »stattet hat und daß auf diesen Bericht der Mnntetr-td den einstimmigen Beschluß gefaßt hat, dem Gesetz-Entwurf d.e Zn- stemmung nicht zu erthrilen. (Sensation.) " Damit ist die Interpellation erledigt.
Erste Berathung über die Uebersicht der Ausgaben und Einnahmen des m n (üt da« Jahr 1870 und Entwurf eine- Gesetze«, detr. die Norddeutsch u-berschuss-s au« dem Bunde-hauShnlt »vm Jahre 1870. — «etWMnttraa 0 Benda'« wt'd die Vorlage der Budget-Commisston überwiesen.
3) Erste Berathung über den Gesetz.Entwurf, betr. die Eontrole de« Reich«. hauShatte^sur^da^J^hr gteunte toer6tn 6t( Vorlage in der Boraursetzung
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