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Gießener Anzeiger
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Anzeige- und Amtsblatt für den Areis Hießen
Ne. 2747
Dienstag den 24. Oktober
1871
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Preis cierteljährig 1 fl. 12 kr. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen viertelsährtg 1 fl. 27 h.
ioren der Gesetzgebung unseres Vaterlandes erwarten, daß sie nicht aus Hinneigung zu den Tendenzen des Protestantenvereins sich zu Aenderungen von Grundprmci- Pien der Verfassung bereit finden, oder die den öffentlichen Frieden gefährdenden Anreizungen von Staatsangehörigen zum Hasse und zur Verachtung gegeneinander in Schutz nehmen werden. Was ich aber nicht unterlassen will, wozu mein Ge- Kiffen mich auffordert und meine Stellung als katholischer Bischof mich berechtigt, ist, den nichtswürdigen Verleumdungen cntgegenzutreten, welche bei dieser Gelegenheit wieder gegen eine große Zahl unbescholtener, im Dienste der Kirche wirkender Männer in unverantwortlicher Weise geschleudert worden sind, und welche indircct «uch den deutschen Episcopat treffen, welcher sich der Mitwirkung der Jesuiten in
- französische Regierung hatte sich bisher gegenüber den bonapartistischen Umtrieben in die größte Passivität eingeschlessen, da sie es nicht für möglich hielt, daß eine nicht nur durch die Ereignisse, sondern auch durch einen wahren Strom von authentischen Enthüllungen geschlagene Partei an die Wiederherstellung eines verhaßten Systems denken sollte. Jedoch hat die Regierung sich endlich genöthigt gesehen, die Ungeduld des Publikums, welches die Beunruhigung durch eine unmöglich gewordene Partei satt hat, nachzugeben.. Am 15. und 16. d. M. war der Mlmsterrath fast permanent und vereinigte sich in dem Entschluß, der Kammer bei ihrem Wiederzusammentritt ein Gesetz vorzulegen, welches den Prinzen der Familie Bonaparte den Boden Frankreichs verschließt. Dem Prinzen Napoleon ward von der permanenten Commission, welcher Thiers die Angelegenheit über- wiesen hatte, auf sein Gesuch die Reise durch Frankreich gestattet, weil die Mehr- heit der Commission dafür hielt, daß es unnütz sei, einem Prinzen, der das un- populärste und verachtciste Glied der früheren kaiserlichen Familie sei, das Prestige des Exils zu verschaffen. Außerdem hat Vie Regierung beschlossen, bei der Kammer die Versetzung der Minister Ollivier und Palitao in Auklagezustand zu beantragen.
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Erscheint täglich, mu Lu^. nähme Montags.
Expedition: Sanzleiberg
Lit. B. Rr. 1.
Wie aus Rom gemeldet wird, ist der zwischen der Curie und der Versailler Regierung entstandene Zwist bezüglich der Präconisation französischer Bischöfe keineswegs beigelegt. Seitdem Napoleon nicht mehr Kaiser der Franzosen ist, hat der römische Hof in dem Wortlaut der Schreiben, in'welchen die Ernennung der kirchlichen Würdenträger enthalten ist, sehr wesentliche Dinge geändert. Zur kaiserlichen Zeit constatirte der Papst zuerst die Ernennung des Bischofs durch die französische Regierung und rrtheilte sodann seinerseits demselben die kirchliche Investitur, ^eit dem 4. September 1870 aber thut die Curie, als ob sie die französischen Bischöfe direct zu ernennen hätte, gerade wie es ihr in Italien in Folge der Garantikgesetze freisteht. Herr Thiers will aber nicht, wie man es zuerst vorhatte, beide Länder in denselben Topf geworfen sehen, und besteht mit großer Hartnäckigkeit auf den Vorrechten der gallicanischen Kirche und den Stipulationen des Con- cordats. Die Spannung zwischen dem römischen Hof und der Versailler Regierung soll sogar sehr stark sein.
Aus Amerika kommen Nachrichten, welche aus Anlaß der gegen die Mormonen gcthanen Schritte und der Verhaftung des Brigham Aoung eine Revolte am Salzsee in Aussicht stellen. Am 5. d. M. nämlich wurde eine Masscnvcr- sammlung im Tabernakel in der Salzseestadt abgehalten, und Brigham Aoung jr., nachdem er die Mormonen gehörig fanatistrt halte, verfluchte im Namen Gottes ofle Nicht-Mormvnen, und schloß mit den Worten: „Darum vertraut auf Gott, haltet euer Pulver trocken und stets einen tüchtigen Vorrath von Munition bereit." Ein Berichterstatter der „Ncwyork Tribüne" besuchte am 3. ds. Brigham Zloung
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Aus Anlaß der Benedetti'schen „Enthüllungen" kommt der „D. R.-Anz." heute schr auSsührlich auf die von dem früheren französischen Gesandten in Berlin veröffentlichten Schriftstücke zurück, um die Veröffentlichungen Benedetti's auf Grund der im Verlaufe des Krieges in die Hände der deutschen Truppen gefallenen geheimen französischen Archive zu corrigiren. Wie die von Benedetti veröffentlichten Depeschen haben auch die Monita des „D. R.-A." nur einen historischen Werth für den künftigen Geschichtsforscher. Bemerkenswerth ist jedoch, daß das amtliche Blatt erklärt, sich nur auf dem Felde der Abwehr verhalten zu wollen, nöthigen- fallS aber mit weiteren Enthüllungen aufwarten zu können.
t Jur Anschluß an die Verfügung des Generalpostamts, betreffend die Ersetzung der bisherigen norddeutschen Freimarken, Franco-CouvertS ic. durch neue Postwertzeichen am 1. Januar ist heute noch nachzutragcn, daß letztere mit dem deutschen Reichsadler und der Bezeichnung „Deutsche Reichspost" versehen werden. Dienstsreimarkrn werden vom 1. Januar 1872 ab nicht mehr ausgegeben, da sich die Behörden nach getroffener Uebereinkunst von diesem Zeitpunkte ab allgemein der gewöhnlichen Postwertzeichen zur Frankirung der dienstlichen Correspondenz bedienen werden. Der auf die Herstellungskosten der gestempelten Streifbänder berechnete Aufschlag beträgt 3*/2 Silbergroschen oder 13 Kreuzer per 100 Stück, statt bisher 3 Silbergroschen oder 11 Kreuzer. Das Publikum hat mithin zu entrichten für 100 Streifbänder ä y3 Silbergroschen: 36 Silbergroschen 10 Pfennige. Sendungen, bei welchen im Jahre 1872 noch veraltete Postwertzeichen irrthüm- lich verwendet werden, sind als unfrankirt anzusehen und, sofern sie zur Absendung kommen, mit dem tarifmäßigen Porto zu belegen. Es soll jedoch für die Zeit bis zum 15. Februar 1872, soweit thunlich, darauf Rücksicht genommen werden, dem Absender oder dem Adressaten den Werthbetrag der alten Freimarken rc. zu erstatten.
Don Elberfeld aus ist eine Petition an dcn Reichstag abgegangen, welche den Antrag stellt, der Reichstag wolle ein Gesetz Vorschlägen, welches die Zahlungs- leistung mittels ZinScoupons und Dividendenscheinen der Strafe verbietet.
Die große Zah( der Eisenbahnunsälle hat in jüngster Zeit nicht allein die Aufmerksamkeit des Publikums, sondern auch die der Regierung auf die iw Bahnbetriebe herrschenden Zustände gelenkt. Seit Jahren sind viele dieser Vorkommvisse auf Unaufmerksamkeiten der Weichensteller zurückzusühren und hat man des- halb die tägliche Dienstzeit dieser Leute thunlichst zu verringern gesucht, damit eine um so größere Aufmerksamkeit während der immerhin noch langen Arbeitszeit ermöglicht werde. Es verdient deshalb zur Kenutmß gebracht zu werden, daß Vie königliche Verwaltung der bergisch-mäikischen Bahn jetzt von einem Thetle ihrer Weichensteller eine Ausdehnung ihrer Dienststunden von 12 auf 14 verlangt.
Der „Nass. Bote" bringt folgende Erklärung des Bischofs von Limburg: Der zu Anfang dieses Monats in Darmstadt abgehaltene Protestantentag hat sich bemüssigt gesehen, wie überhaupt sich mit inneren Angelegenheiten der katholischen Kirche zu beschäftigen, so insbesondere eine Agitation für ein staatliches Verbot des Jesuiten-Ordens ins Werk zu setzen, indem er e» als „eine Pflicht der deutschen Protestanten und der ganzen deutschen Nation" erklärt, dahin zu wirken, daß jede Wirksamkeit in Schulen und Kirchen den Angehörigen und Asfiliirten (!) des Jesuiten-Ordens verschlossen werde. Ich kann es den Rechtsgelehrten über- lassen, die Unvereinbarlichkeit eines solchen Verlangens mit der gesetzlich garan- tirten Religionsfreiheit und Autonomie der Kirche nachzuweisen, und von den Fac-
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ifl durch die Jesuiten der confessionelle Friede gestört worden; niemals haben sie etwas von der katholischen Lehre Abweichendes gelehrt oder geübt, w*e auch nur Unverstand und Böswilligkeit ihnen falsche und unmoralische Grundsätze zuschrechen. Indem ich diese Erklärung öffentlich abgebe, darf ich hoffen, daß Alle, denen es um Recht und Wahrheit und religiösen Frieden zu thun ist, derselben mehr Werth beilegen werden, als den Aeußerungen eines Vereins, dessen Ingrimm gegen den Jesuiten-Orden aus seiner offen ausgesprochenen Bekämpfung alles positiven Chri- stenthums und aller bestehenden kirchlichen Ordnung erklärlich ist. Limburg, den 17. Oct. 1871. Dr. Peter Joseph Blum, Bischof von Limburg.
„Wiener Abendpost" hebt in einer Besprechung der vom deutschen Kaiser gehaltenen Thronrede die besondere Bedeutung der Stellen derselben hervor, welche die politischen Aufgaben Deutschlands al- eminente Friedensaufgaben bezeichnen und von diesem Standpunkte aus der im Verlaufe des Sommers statt- gchabrcn Monarchenbegegnungen gedenken. „Die warmen Worte des demschin Kaisers, fahrt das Blatt fort, geben politischen Gedanken und Empfindungen Ausdruck, welche hier besonders lebhaften, freudigen Wiederhall finden müssen. Die Befriedigung DlUtfchlandS, daß die letzten Erscheinungen der Trübung der Be- ziehungen zwischen Oesterreich und Deutschland und die letzten Erscheinungen gegen- stitiger Verstimmung für immer beseitigt sind, kann nur eine gleich aufrichtige und unbedingte Befriedigung in allen denkenden patriotischen Kreisen der Bevölkerung der österreichisch.ungarischen Monarchie Hervorrufen."
Wiener Telegramme vom 19. d. M. melden, daß die Situation in Men unverändert und eine Entscheidung noch nicht getroffen ist.
Eine Wiener Eorrespondenz der „Grazer Tagespost" erzählt ein geflügeltes Wort des Grafen Brust, welches die krillfch-Lage, in der sich Oesterreich befindet, charaeteriflrt; Graf Beust soll gesagt Haden: Wie die Dinge stehen, gibt cs nur j»tt Möglichkeiten, entweder Belagerungszustand in Prag, oder Belagerung«»», stand in Wien. ö 8
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0« Bezug auf die Beihilfe an entlassene Landwehrleute und Reservisten, für jfpp^ifdje und teologische Bildung zu würdigen und von der Liebe und Anöäna- welche sich die bewilligte Summe von vier Millionen Thalern überall als unge-Achknt mich zu überzeugen, welche allerorts, wo sie aearbeitet baden ihnen
erwiesen hat, will die Elberf. Ztg." „von hoher Seite" erfahren haben,^hohem Maße zu Thcil geworden sind. Nirgendwo in meiner gem-schten D,öce'se daß die Reichcregierung die Initiative des Reichstages nicht abvarten werde, — .........« - - -- 6 ” ,<v-'Llüce|e
wahrscheinlich, um zu verhindern, daß eine Verstimmung im Reichstage, wie sie bei dem Bunscn'scheu Anträge zu Tage trat, hervorgerufcn werde. Die Reichsregierung soll die Einzelnregierungen der deutschen Staaten um schleunige Einsendung von Uebersichtcn über die Verwendung der denselben überwiesenen Fonds und die Zahl der Anmeldungen ersucht haben, um das wirkliche Bktürsniß festzu- stellen. Offenbar ist eine Mehrbewilligung schon insoweit nothwentig, als die noch bei den OccupationStruppen in Frankreich sich befindenden Reservisten und Land- wehrlcute noch nicht bedacht worden sind.
feinen Dlvccsin b-dtcnb Zwanzig Jahr- lang habe ich G-legenh-lt gehabt, tieft unD fragte ihn, ob er oi'e Leser ter „Tribüne" über seinen phpstschen Zustand unv Manner In ihrer mannichfaltigen Thältgkelt durch eigene Erfahrung kennen zu seine Ansichten über seine jüngste Beihastung infi-rmiren wolle. sand den


