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London, 19. Mai. Der Prinz von Wales hat dem Kaiser Napoleon in Lhiselhurst einen Besuch abgestattet.
Telegraphische Depeschen.
A Frankfurt a. M., 22. Mai. Wie man UNS mittheilt, hatte Fürst Bismarck gestern eine Depesche aus dem deutschen Hauptquartier erhalten, worin be- richtet wurde, daß das Hotel des amerikanischen Gesandten in Paris, Herrn Washdurne, von den Nationalgarden geplündert worden sei. Der deutsche Reichs- kanrler hat darauf der Commune sofort die Ankündigung zu Theil werden lassen, daß bei einer Wiederholung ähnlicher Fälle das Bombardement deutscherseits beginne^ 22. Mai. Nachdem in der am Samstag stattgefun-
denen Sitzung Vie Friedensratisicationen auögetauscht worden waren, sand gestern cinr Sitzung um 1 Uhr und eine am Abend statt, welche bis nach Mitternacht ^^^^Pouyer-Quertter, ver mit dem Fürsten Bismarck finanzielle Angelegenheiten berieth, ist schon gestern um 4 Uhr abgereist.
Zwischen Favre und Bismarck kamen Details in Betreff der neuen Grenze und die Bestimmungen über die Cantonnirung der deutschen Truppen in den zu occupirenden Land-Stheilen zur Vcrbanolung.
3 △ CM, 22. Mai. Jules Favre verweilte heute auf seiner Reise nach Versailles 3 Stunden in Coln und besuchte den Dom. Seine Abreise erfolgte mit dem Lütticher Posttrain um 31/2 Uhr.
△ Versailles, 21. Mai, Abends. Die Truppen der Negierung sind heute bei Point du jour und bei Montrouge in Paris eingerückt. Die Enceinte und die Thore waren von den Fooerirten> verlassen. — Malakow und PetitvanvreS sind von den Föderieren geräumt.
+ Versailles, 21. Mai. Eine Depesche des Commandantcn TreveS meldet, daß er um 3V2 Uhr Nachmittags durch die Porte de St. Cloud in Paris ein- gerückt ist mit Füsilieren und Marinesolvaten, welche die Position an dem Thore nahmen und die telegraphischen Verbindungen abschnitten. — Eine andere Depesche von 5 Uhr Nachmittags sagt, auf dem Tho e von Auteuil wehe eine Parlamentär- flagge. Man vermuthe, daß die Insurgenten diese Stellung übergeben wollen. Nach näheren M ttheüungen sind es Truppen vom 37. Linienregiment von der Armee des Generals Vinoy gewesen, welche zuerst durch das Thor von St. Cloud eingerückt sind. — Eine Drpesche des Generals Cissey meldet, daß Parlamentäre gekommen sind, um die Räumung der Position Malakow und des Forts Montrouge anzuzeigen; die Batterien ver Wälle fuhren jedoch am Nachmittage noch fort, zu feuern. — Die letzten Nachrichten von 7 Uhr Abends sagen, daß etwa zwei Regimenter durch das Thor von Auteuil in Paris eingerückt und über den Viaduct der Gürtelbahn vorgeschritten sind. Sie fanden nur geringen Widerstand. — In Paris soll großer Schrecken herrschen, man sagt, daß Pyat, Grouffet und andere Führer verschwunden seien.
△ Versailles, 23. Mai. Die Truppen besetzten die Tmlerten, den Vendome- und Concorde-Platz. Der Nordbahnhof ist im Einverstänvniß mit dem deutschen Commanvo abgeschlossen, um die Flucht der Mitglieder der Commune zu verhindern.
(Wiederholt, weil nicht in allen Exemplaren des gestrigen Blattes abgedruckt.)
A Versailles, 21. Mai. Rochefort wurde heute Nachmittag etngebracht und vom Volte mit dem Rufe: „Tod dem Mörder!" empfangen. Zufolge Vor» dringens der Versailler Avantgarde durch das Neuillythor versuchten die Födertr- len einen Flankenangriff. Von Seiten der Versailler sind Vorbereitungen getroffen, den geheimen Gang zwischen Montrouge und dem Vaurigardtbor zu zerstören.
A London, 20. Mai. Dem „Daily Telegraph" wird aus Versailles gemeldet: Es ist ein Parlamentär angekommen. Von Paris wurde ein Ausfall versucht am Boulognerthor und wurde mit bedeutendem Verlust zurückgeschlagen. Der polnische Graf Lamoisly, welcher bezüglich der Pulverexplosion durch die bei ihm gefundenen PKpiere stark compromittirt ist, wurde gefangen genommen.
Literarisches.
* Die Ferb er'sche Buchhandlung stellte eben einen Kupferstich von Lessing's berühmtem historischem Gemälde: „Huß vor dem Scheiterhaufen am 6. Juli 1415" aus Dieses Gemälde machte bis vor Kurzem auf seiner Rundreise in den größeren Städten, wo es zur Ansicht ausgestellt war, durch seine ausgezeichnete Ausführung ungeheures Aufsehen. Die größten amerikanischen, englischen und deutschen Zeitungen brachten hierüber die ausgezeichnetsten Kritiken und verlohnt es sich gewiß der Mühe, gedachten Kupferstich, der auch ein Meisterwerk der Kunst ist, in Augenschein zu nehmen-
* Im Verlage der Depots gemeinnütziger Schriften in Darmstadt erschien soeben eine pikante historische Erzählung aus dem Kriege vom Jahr 1870. Von l)r. Rh einfels.
Der talentvolle Verfasser, welcher sich durch viele Schriften und unter anderen auch durch sein Buch die schöne Büßerin einen dankbaren Leserkreis erworben hat, wird uns an der Hand der Geschichte über die Schlachtfelder führen. Die Thaten bei Weißenburg, Wörth, Metz, Sedan, Paris u. f- w. werden wir mit ihm erleben, er rciar uns unsere Brüder, wie sie, grauenhaft verstümmelt, ihre letzten Seufzer nach den Lieben in der Heimath auShauchen, wie ihre letzten Blutstropfen von dem durstigen Boden Frankreichs als letztes Opfer für's Vaterland und seine Freiheit aufgesogen werden. ' r zeigt uns aber auch, wie deutsche Männer kämpfen wie deutsche Hiebe sitzen. Und wiederum heraus aus dem betäubenden Kanonendonner,-dem athemraubendcn Pulverdampf, dem Geraffel dahinfausender Batterien und dem Gewinsel sterbender Krieger folgen wir ihm in das innerste Kämmerlein von zwei treuen guten Menschcnhcrzcn. Wir werden wieder Mensch, indem wir Menschen sehen, welche sich des höchsten Glückes erfreuen, das uns beschicden, des Glücks der Liebe. . . r, p
Der Preis der Lieferung beträgt 3 Sgr. = 12 fr. rhcm. und erscheint mindestens alle 14 Tage eine Lieferung. Außerdem erhält der Abonnent auf Verlangen das Prämienblatt: Errettung der Husarenbraut von den Frauctireurs gegen Nachzahlung von 27 fr.
Borsennachrichteu- 22. Mai 1871.
Prexiss 4l/2°,9 Oblig. 943/4 Frankf. 3‘/2°/o Obi. 82!/» Nasa. 41/2° o Obi. 94’/4 Kurheas. 4°/0 „ 65 V2 Gr. Hess. 5% Obi. 1017/8 „ . 4°/g n 9ii/2
» n 3V2% n -
Bayer. 5° 0 - 1007/g
w 41/2 ö/o Ijahrige 97
„ 40/0 1 jährige 90 Würtemb. 4*/2 % Obi. 043/4 Raden 4'/3o/o Obi. g. E. L. 943/8 Oesterr. Silberrente 56i/z
n Papierrente 48
„ 5% M. steuerf. —
Amerik. Bonds 1881r 995/e
w n 1882r 965/h
, 1885r 963/g
„ n 1887r 965/s
Spanier, neuest. 3% 821/4
Actieii.
Oest. Creditact. 265V1 5% östr. F. St. E. B. 400 Loixbard. Bahn 163 Ludwigsh.-Bexbach 170
Maxbahn 1163/4
Bayer. Ostbahn 1293/4
Hess. Ludwigsb.-Act. 1473/4 Rhein-Nahebahn-Act. 32!/s
Oberhessen T 72~’/8
Prioritäten«
3°/0 oster. Stsb.-Prior. 567/a 3% öst. e. Lombard-721/2 3°/0 Livorneser 325/g 5O/o Toscaner 51
5% Elisabeth.-Prior. 77!/2 do. II Emiss. 83___________
~ AnfeSteiislooae.
Kurh. 40 Thlr. Loose 65 /;
Nassau 25 fl. 39 V«
4% bayr. Präm.-Anl. 107 I z2
Ansbacher 7 fl. 12
40/0 badische Loose 1071/2 Badische fl. 35 Loose 62 Oestr. fl. 250 v. 1854 72’/8 1858r PrioritätslooRe 159>/2 1860r Loose 795/a 1864r „ 120
Braunschweiger 173/4 Stadt Florenz 83Vz
WecStseL
Amsterdam k. S. 100
Augsburg k. 8. 997/ß
Berlin k. 8. 105
Bremen k. S. 967/g
Brüssel k. 8. 94
Hamburg L 8. 877/g
Leipzig k. 8. 104’/2
London k. 8. 119s/g
Lyon k. 8. —
Paris k. S. 95i/8
Wien k. 8. 95Vs
ditto m. 8. —
ditto 1. 8. —
Discento 31 2% 61.
Geldsortem.
Pr. Cassen-Scb. 1 448
Sachs. n —
Div. Gassen-A. —
Pr. Friedrdor 9 58—59 8
Pistolen . . 9 43—46 tr doppelte 9 48—50
Holl. fl. 108t. 9 54—56 Ducaten . . 5 35—37 20 Frankenst. 9 251/2—26 V2 Engi. Sover. 11 54—58 Kuss. Imper. 9 45—48 Dollar in Gold 2 27—28
Actieii.
Frankf. Bank 135
Frankf. Vereins-Kasse 111
Darmst. Bankact. 346
Wien Barkactien 748
Galizien 244'/z
LIHMM IM iIJJRJI H W
Allgemeiner Anzeiger.
2161) In meinem neuerbauten Hause ist der zweite Stock nebst Zubehör 311 ver- miethen und den 1. August zu beziehen.
Bierbrauer Weller, Wolkengasse.
Besondere Bekanntmachung.
Bekanntmachung.
2153) Im Firmen-Register des unterzeichneten Gerichts ist heute folgender Eintrag vollzogen worden.
Heinrich Rübsameu zu Gießen betreibt daselbst seit 1. Januar 1868 eine Handlung mit Kurzwaaren. sowie mit fertigen Leinen- und Wollen - Waaren, unter der Firma: .Heinrich Rübsamen." j
Gießen, den 22. Mai 1871.
Großherzogliches Stadtgericht Gießen. Muhl.
Die Vergebung von Weißbinder- arbeit bei der Stadt Gießen.
2154) Die sämmtlichen Straßen sollen mit Aufschriften ihrer betreffenden Namen versehen werden und soll die hierzu erforderliche Weißbinderarbcit, veranschlagt zu 121 fl. 35 fr., auf dem Summissionswege vergeben werden.
Die Offerteneröffnung, der die Sumrmt- tenten beiwohnen fönnen, wird am 27. Mai d. I., Vormittags 9 Uhr, vorgenommen, und müssen bis zu dieser Stunde Uebernahmslustige ihre Angebote verschlossen und mit der Aufschrift:
„Bezeichnung der Straßen" versehen, bei uns eingereicht haben.
Voranschlag und Bedingungen liegen bei uns zur Einsicht offen.
Gießen, den 13. Mai 1871.
Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Vogt.
Holzversteigenmq.
2152) Dienstag den 30. d. Mts., von Morgens 8 Uhr an, sollen im hiesigen Gemeindewalde versteigert werden
I. im District Wehrholz,
17 Stecken Nadel-Scheidbolz,
40 „ „ Prügelholz,
23 „ „ Stockholz,
2150 Wellen „ Reisholz,
48 Stück Nadel-Bauholz-Stämme von 505 Cubiffuß,
71 Stück Nadel-Stangen;
II. im District Mausberg:
4 Stecken Eichen-Scheidholz (Küferholz), 3 Stück Eichen-Bauholz-Stämme von!
668 Cubikfuß (auch zu Glaser- unb; Schreincrholz geeignet.)
Letzteres Holz kommt gegen Mittag zur Versteigerung. ,ri
Die Zusammenkunft und der Anfang ist am Steinbusch, am Wege nach Crumbach.
Ruttershausen, den 22. Mai 1871.
Großherzogliche Bürgermeisterel Ruttershausen.
Klinfel.
2155) Donnerstag den 25. Mai, Nachmittags 1 Uhr, .
wird an der Peppler'schen Mühle bei Gießen eine große Parthie Eichen-Klötze in Abschnitten, welche sich für alle Holzgeschäfte eignen, öffentlich gegen gleich baare Zahlung versteigert. Das Holz ist meistens Prima-Qualität.
FeilgevoteneS.
2159) Eine Zimmer - Donckc ist billig zu verkaufen. Bei wem ? sagt die Exped. dieses Blattes.
Bierbrauer Weller, Wolkenaasse.
1802) In meinem Ncbenhausc ist der untere Stock, von Hrn. Windecker bewohnt,
CO co
01 bei
B ernnrethu«geK.
2158) Ein freundliches Logis mit Zubehör im 3. Stock, zu permictben und den 15. August beziehbar.
L- Kämmerer.
2162) Feinsten saftigen Schweizer-Käse empfiehlt Carl Lorrtt.
2119) Steinkohlen in ganzen, getheilten Ladungen und im Einzelnen,
Ziegelkohlcn in ganzen Ladungen empfiehlt I- G> D. Bapst.
Für Unterleibslnuch- Müende.
2174) Die Bruchsalbe von G. Sturzenegger in HeriSau, Schweiz, hat in Folge ihrer vorzüglichen Wirksamfeit bei UnterleibSbrüchcn, Muttervorfällen und Hämorrhoiden vielseitigsten Dank geerntet. .Zahlreiche Atteste bestätigen eine vollständige Heilung selbst bei veralteten Fällen- Auf fran- firte Anfrage wird Gebrauchsanweisung gratis versandt. — Zu beziehen in Töpfen zu Rthlr- 1 20 Sgr. fl. 3. — sowohl durch den Erfinder selbst als durch 3. V. Lindt, Nachfolger, Apotheker, Lchnurgasse 58 in Frankfurt a. M.
2161) Feinstes Blüthen- nrehl empfiehlt ________gort L0un.
Gemüse-Pflanze», schön und stark, im Freien gewachsen, als: Blumenkohl-, Erfurter Weiß- und blut- rothe Rothkraut-, Rosenkohl-, Wirsing-,! beste Sorte Qber-Glaskohlraben-, grüne! und niedrige Winterkohl-, blutrolhe Rothe- rüben-, 9iömischkohl-, Kopfsalat-, Fleischzwiebel-, Sellery-, ungefähr 20,000 gelbe, und weiße einwurzelige Unterkohlraben- und! 60 bis 70,000 Oberndorfer Dickwurzel- > Pflanzen verkauft E- Pipp. (21 i6)
1990) Stückstccken empfiehlt ________S- Katzenstei n (Holzbandlnng.) s Bunmwnehs, kaltflüssig, sowie in Stangen, ist wieder vorräthig bei
Ernst Hermes, Materialist.
vollftätt- bestehend aus 5 Zimmern, Küche und allen
£ tnißj I Bequemlichkeiten, zu vermiethcn und im
difte Besten sino wegen August beziehbar.
schneller 2lbreise sel,r biiltfl *>■ B-ck-r, 9foic 9tnianc.
zn verkunfeu. Das Näficre Nenenweft Lit. B. Nr. 187,
Parterre.
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