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im Ganzen nur geringe Summen ausgesetzt sind. In erster Linie steht die Wieder­erstattung der durch den Krieg hervorgerufenen Kosten, im Ganzen 500 Millionen Thaler; sodann die Entschädigung der Gemeinden und Corporationen für die dem Staate geleisteten Dienste, ferner die Entschädigung der Elsässer und Lothringer bezüglich der durch Vie Belagerung der Festungen verursachten Verluste, der Schiffs- eigenthümer, der aus Frankreich vertriebenen Deutschen, im Ganzen ungefähr 100 Millionen Thaler. Dazu kommen etwa 200 Millionen Thaler für die Mi- litärpensionen in Rechnung, so daß also rund 800 Mtllionerr Thaler auf die durch den Krieg verursachten Kosten und Verluste in Abrechnung zu bringen sind. Er­wägt man ferner noch, daß für die Erwerbung der französischen Ostbahn in Elsaß- Lothringen ca. 90 Millionen Thaler aufzuwenven find, so bleiben noch etwa 400 Millionen Thaler disponibel, an welcher Summe in erster Reihe die Kosten für Entfestigung der Städte, Erweiterung der Festungs-Enceinten, die Dotationen für Gcnerale u. s. w. participiren dürften.

Nach offieiellen Zusammenstellungen belaufen sich die Verluste ver deutschen Armee im Kriege gegen Frankreich an Tooten und Verwundeten auf 4990 Offiziere und 112,038 Unteroffiziere und Soldaten. Hierbei sind aber diejenigen Verluste nicht mit eingerechnet, welche durch Krankheiten herbeigeführt wurden, die sich nach angestcllrer Wahrscheinlichkeitsberechnung auf etwa 40,000 Mann belaufen. Dem­nach würde sich der Gcsammtoerlust aaf ca. 160,000 Mann beziffern.

t Berlin, 19. Mai. Deutscher Reichstag. Die heutige 38. Plenarsitzung eröffnet Präsident Dr. Simson um 1174 Uhr mit der Mittheilung, daß von der Kronanwaltschaft zu Celle die Erlauvniß zur gerichtlichen Verfolgung derHan- nover'schen Landeszeitung" wegen Beleidigung des Reichstages nachgesucht werde. Das Haus beschließt, die Sache der Geschäftsordnungscommission zur Vorbcrathung zu überweisen.

Auf der Tagesordnung steht zunächst die Prüfung dec Wahl Sonnemann's in Frankfurt a. M. Bei der am 17. März v. I. stattgehabten engeren W chl zwischen Freiherrn v. Rothschild und Sonnemann erhielt Letzterer von den giltig abgegebenen 7437 Stimmen 3758, allo 39 über die absolute Majorität uno wurde in Folge dessen als Abgeorvnner proclamirt. Hinterher haben aber ca. 800 in Frankfurt domicilirende Bayern gegen die Giltigkeit der Wahl pro- testirt, weil sie trotz ihrer Reklamation nicht in die Wahlliste ausgenommen und somit von der Wahl ausgeschlossen worden sind. Die Wählerlisten lagen nämlich vom 19. bis 26. Januar aus, der Vertrag mit Bayern, obwohl er schon vom 1. Januar ab in Wirksamkeit ist, wurde erst am 31. Januar veröffentlicht, uns obwohl die Wählerlisten erst am 9. Februar abgeschlossen wurden und die Bayern noch vorher ihre Aufnahme in die Listen verlangten, wurden sie doch unter dem Vorgeben abgewiesen, cd fei dazu schon zu spät. Aus diesen Gründen beantragt der Referent der dritten Abtheilung, Albrecht, die Ungiltigkeit der Wahl Sonne- mann's. Der (Korreferent Reichensperger (Crcfeld) beantragt dagegen, die Wahl für giltig zu erklären, da über den Termin, wo der Bünvnißvertrag mit Bayern gesetzliche Kraft erhält, noch Zweifel obwalten. Diesen Ausführungen tritt Frei­herr Schenk v. Stauffenberg (München) bei, wogegen Römer (Württemberg) für Ungiltigkeitserklärung spricht und Vas Verfahren ver Frankfurter Behörven tadelt, was von Vem Regierungscommiffär Geh. Rath v. Puttkam r als ungerechtfertigt zurückgewiesen wird. Bei Ver Abstimmung wird die Wahl Sonnemann'S mit großer Majorität für giltig erklärt.

Es folgt Vie erste und zweite Berathung des Advitionalartikels zu den Post- verträgen mit Nordamerika vom 21. October 1867 und 7./23. April 1870. Der Additionalartikel setzt fest, daß, wenn eine regelmäßige Dampferlinie zwischen einem Hasen Deutschlands und einem Hafen Oer Vereinigten Staaten zum Transport der deutsch-amerikanischen Posten gegen eine solche Vergütung benutzt werden kann, daß die gesammten Beförderungskosten zwischen den Grenzen der beiven Gebiete für jeden einfachen Brief i/2 <L>gr. nicht übersteigen, der einfache BriefporiosaA bei der zwischen den beiden Verwaltungen mittels der betreffenden Linie virect aut- gewechsellen Briefe frankirt 2y2 Sgr. oder 6 Cents, unfrankirt 5 Sgr. oder 12 Cents betragen soll. Bei der vom Oberpostoirector Stephan eingeleiteten Dis- cussion bittet Schmidt (Stettin) um baldige Maßnahmen gegen das unverhält- nißmäßig hohe Porto nach anderen amerikanischen Staaten, namentlich nach den britischen Besitzungen hin, während Mosle (Bremen) die Ueberweisung des Post- dienstes zwischen Deutschland und Amerika mittels ContracteS an eine der nord­deutschen Gesellschaften in Hamburg oder Bremen beantragt. Nach einigen weiteren Bemerkungen des Abgeord. Löwe (Bochum) und des Oberpostvirectors Stephan wird der Artikel fast einstimmig genehmigt.

Es folgt der Bericht ver Budgetcommisfion über den Nachtrag zum Postetat. Nach dem Anträge der Commission werden sämmtliche Ausgabepositionen ohne Weiteres genehmigt, vagegcn folgende zwei Resolutionen zur Debatte gestellt: 1) den Reichskanzler aufzufordern, die erforderlichen Schritte za thun, um ohne Verletzung bereits erworbener Rechte non dem Eintritt des neuen PenflouSreglementö an die Revuction und endlich Aufhebung der Offizierspostmeisterstellen eintreten zu lassen; 2) den Reichskanzler*aufzufordern, bei Aufstellung des Etats für 1872 in Erwägung zu nehmen, ob nicht die Gehälter der Postsecretäre in Städten von 3040,000 Einwohnern den Gehältern der Secretäre in größeren Städten gleich- zustellen sind. v. Behr (Greifswald) erklärt sich gegen Vie Resolution ad 1 und zwar, weil das von Friedrich dem Großen eingeführte Institut der Offizlers- postmristerstrllen sich während der 100 Jahre seines Bestehens stet» bewährt habe und für das Avancement der Postbeamten nicht schädlich fei. Techow und Grum- brecht für die Resolution. Die Offiziere könnten bei einigem Ehrgefühl derlei Stellen gar nicht annehmen, weil ihnen im krassesten Gegensatz zu den andern Postbeamten nur ein Scheinexamen auferlegt wird. Roß (Hamburg) gegen Vie Resolution, ebenso BunveScommiffar Major v. Kirchbach, der aus ver Thatsache, daß zwei Drittel der Beamtenstellen von gevienten Militärs besetzt find, die Brauch- k. . derselben veducirt, ferner Graf Moltke. Bei Ver Abstimmung wird inbeß dte Resolution mit großer Majorität angenommen, ebenso Vie zweite Resolution, nachdem Rcichensperger (Crefcld) den Wunsch ausgesprochen/ auch die Postsecretäre ^^bnigen rheinischen Städten, welche durch ihre Industrie den Städten von 40,000 Einwohnern gleichstehen, in gleicher Weise zu berücksichtigen.

C6 folgt Vie dritte Lesung ves Gesetzes über die Jnhaberpapiere mit Prämien, $u »eldjem aoermaU eine ganze Reihe von Amendements vorliegt. Richter (Rudol- stadt) beantragt tn §. 2 das Verbot der Weiterbegebung von Prämienloosen, rn > 6 die Strafandrohung für die öffentliche Ankündigung, Ausbietung ober Empichlung VerZclben, als eine harte Beschränkung der Preßfreiheit, zu streichen, wahrend v. Hennig gegen die Richterischen Anträge ist. Bei der Specialdiscussion gelangt 1 ohne Debatte, die §§. 35, welche Abgeord. Bamberger zu streichen

nttet, mit einer redaktionellen Aenderung, durch welche die Präclusiofrist für die Abstempelung auf den 15. Juli d. I. noratirt wird, zur Annahme, ebenso §. 6. § 2 erhält nach Ablehnung des Richterischen Antrages folgende von Dr. Profch vorgeschlagene Fassung:Inhaberpapiere mit Prämien, welche nach der Verkündi­gung des gegenwärtigen Gesetzes, Der Bestimmungen tn §. 1 zuwider, im Jnlande ausgegeben sein mochten, ingleichen Jnhaberpapiere mit Prämien, welche nach dem 30. April 1871 im AuSlanoe au-gegeben find, dürfen weder weiter begaben, noch an den Börsen, noch an anderen zum Verkehr mit Werthpapieren bestimmten Orten zum Gegenstände eines Geschäfts oder einer Geschäftsoermittlung gemacht werden.

Reichskanzler Fürst Bismarck: Ich habe dem hohen Hause mitzutheilen, daß nach einer heute eingetroffenen amtlichen Mrttheilung der französischen Regierung die Nationalversammlung in Versailles den Frieden ratificirt uno auch zu dem Gebietsaustausch ihre Genehmigung ertheilt hat (Bravo!) und zwar mit einer Majorität von 443 gegen 98 Stimmen. Diese Opposition von 98 Stimmen richtete sich aber auch nur gegen den Gebietsaustausch, nicht gegen den rutificirten Frieden, so daß also letzterer nach allen Seiten hin zu befriedigen scheint. Auf allerhöchsten Befehl werde ich mich noch heute nach Frankfurt begeben, um den Austausch der Friedensdocumente zu vollziehen und die etwa noch notwendigen Besprechungen mit den französischen Abgesandten zu halten. (Lebhaftes, allseitiges Bravo!)

Schluß 33/4 Uhr. Nächste Sitzung morgen 11 Uhr. Tagesordnung: Zweite Lesung des'Gesetz s über Die Vereinigung von Elsaß-Lothringen mit dem deut­schen Reiche.

Buenos-Ayres, 14. April. Das gelbe Fieber wüthet fort; täglich sterben mehrere Hunderte, obwohl der größte Theil der Bevölkerung, die Stadt verlassend, aufs Land geflüchtet ist. Ein Leeret Der Regierung orvnet die Einstellung Der Geschäfte bis zum 1. Mai an.

Telegraphische Depeschen.

's! Frankfurt, 21. Mai. Dem Vernehmen nach werden der ersten Conferenz, in welcher die FrieoenSratificationen ausgetauscht wurden, noch mehrere Sitzungen folgen un) ist Der eigentliche Schluß erst am Montage zu erwarten. Fürst Bis- marck soll erst am Dienjhge abreifen wollen. Die zweite Zusammenkunft des deutschen Reichskanzlers mit Den Herren I. Favre und Poayer-Quertier findet heute Nachmittag nach 1 Uhr statt.

Berlin, 20. Mai. i)ie Aktien Der Berliner Wechsierbank wurden heute eingeführt uno mit 106 bezahlt. Es fand enormes Geschäft statt. Die Subskrip­tion auf 1,000,000 wird Den 22. o. M. aufgelegt.

+ Paris, 20. Mai. Ein Decret Der Commune ordnet für Raub und Dieb­stahl Die Todesstrafe an. Alle Versammlungen werden untersagt. Das Marine- corps wird aufgelöst. In Der gestrigen Sitzung Der Commune erklärte Mrot in Bezug auf den Gefängnißvienst, es würden viele Unschuldige gefangen gehalten. Mutier beantragte die Abschaffung des Gottesdienstes. Gestern wurden zwei an­gebliche Spione erschossen. Vier Personen, angeklagt, die Explosion Der Patronen­fabrik mit verursacht zu haben, wurden zum Tode verurtheilt. Das Centralcomite steht in vollem Einverständniß mit Dem Sicherheitsausschuß und besitzt wieder un­umschränkte Macht. Die Föderirten versuchen jenseits Vanvres Das verlorene Terrain wieder zu gewinnen. Auf Den Trocadero fallen zahlreiche Granaten und verursachen viele Verwundungen.

+ Paris, 20. Mai, 11 Uhr Abends. Heftiger Kampf heute Nachmittag im Westen und Südwesten; mörderisch für die Insurgenten, welche viele Ver­wundete hatten. Die Commune erklärt sich zufrieden, mit Den heutigen Erfolgen. Die Montmartrebatterie Demontirte Die Batterien zu Genevilliers. Die Einwohner von Malakow uno Der anliegenden Dörfer Vaugirarv und Montrouge fliehen. 70 Nonnen nebst 200 anderen Weibern sind in St. Lazare gefangen. Berichte von Dombrowsky und Wrodlewsky bestätigen die Erfolge Der gestrigen Operationen und behaupten, die Versailler Approchen seien zerstört. Die Versailler verhinderten gestern uno heute Die Ankunft von Lebensmitteln in Paris,.

+ Paris, 20. Mai. Die Föderirten armirten Barrikaden in Der Rue Peyronnet mit 4 Mitrailleusen. Das Barrikadencomite hat angeordnet, daß die Bewohner aller an Straßenecken liegenden Häuser dieselben verlassen. Die Häuser sollen^von Nationalgarden besetzt und die Mauern derselben creneltrt werden. Der Sicherheitsausschuß zeigt an, daß er mit Einwilligung der Commune seit gestern die Leitung Der Kriegsführung übernommen habe. Die Föderirten beab­sichtigen im Bois De Boulogne zur Offensive überzugehen, um Die Angriffsarbeiten zu verhindern.

+ Paris, 21. -Ulai, 8 Uhr Morgens. Die Versailler errichteten Drei schwere Breschbatterien, welche auf Auteuil feuern, und haben Alles im Bois de Boulogne zum großen Angriffe bereit. Die heftige Kanonade Dauerte Die ganze Nacht. Die Föderirten behaupten, alle Angriffe zurückgeschlagen zu haben. Pyat verlangt imöengeur" Die Abschaffung Der Beichte und die Besteuerung Der Junggesellen.

4- Versailles, 19. Mai. Ein Tagesbefehl des Marschalls Mac Mahon verkündet die V.-raichtung der Vendome-Säule und sagt, die Fremden haben sie geschont, aber Die Commune hat sie gestürzt. Menschen, die sich Franzosen nennen, Haden es gewagt, unter Den Augen Der Deutschen, Die uns beobachten, das Zeug- niß der Siege eurer Väter über Das coalisirte Europa zu zerstören. Soldaten, wenn die Thaten, an welche die Säule erinnerte, nicht mehr in Erz eingegrabeif stnv, so werden sie Doch in eueren Herzen lebendig bleiben. Durch sie begeistert, werden wir Frankreich neue Beweise unserer Tapferkeit und patriotischen Hingebung zu geben wissen.

+ Versailles, 19. Mai. Zwei Bataillone stürmten gestern Abend La Grange Ory und Das Maison Plichon mit Dem Bayonnette und nahmen Darauf das Fort Montrouge. Die Föderirten verloren etwa 400 Mann an Tovten und Verwun­deten, Die Versailler nahmen eine Fahne, verließen aber Dann Die eroberten Posi­tionen wieder, weil diese Dem Feuer zu sehr ausgesetzt waren.

4- Versailles, 20. Mai. Man sagt, Daß Rochefort in der Nähe von Meaur verhaftet worden fei.

+ Versailles, 20. Mai. Die Versammlung erklärt für dringlich, daß Die Behörden sich m«t Den deutschen Heerführern über Die Städte verständigen, wo Die Deutschen Gannsonen halten sollen, und Die Municipalitäten Dieser Städte veran- lassen, die nöthigen Vorkehrungen für das Unterkommen der Truppen zu treffen.

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