solcher organislrten Metzeleien in französischen Orten, so ist der Krieg wieder eröffnet. Dies zu verhüten, liegt noch bei Weitem mehr im Interesse Frankreichs, als, wie wir gern zugeben, auch im wohlverstandenen deutschen Interesse. Ein Nachtheil aber ergiedt sich sofort für die Franzosen: auf deutschen Festungen sitzt eine ganze RUHe von Strafgefangenen, strafbar um ähnlicher Exccffe willen, wie sie die mörderische Einwohnerschaft von Poligny sich hat zu Schulden kommen lassen. Man war vielleicht im Begriff, diese., Gefangenen die Freiheit zu schenken. Wenn cs nun nicht geschieht, Jo mögen dieselben sich für die Fortdauer strenger Hast bei ihren Landeleuten von Poligny bedanken. Denn sie jetzt begnadigen und freilasscn, das wurde so viel heißen, als die französischen Fanatiker ermuthigen zu Attentaten nach Art von Poligny."
Der social-demokratische Congreß in Dresden hat einen seiner würdigen Abschluß gewonnen, indem die Herren Delegirten nach Annahme folgender Resolu- tion durch eine etwa 800 Köpfe zählende Volksversammlung sich trennten: „In Erwägung, daß die gesammte Reaktion dadurch, daß sie sich gegen die Social- Demokratie international verbindet, der Arbeiterpartei den Fehdehandschuh hingeworfen hat, erklärt die Versammlung, sie erwartet: 1) daß die revolutionäre Arbeiterpartei dadurch, daß sie sich ebenfalls revolutionär verbindet, den ihr hinge- worsenen Fehdehandschuh aufnimmt; 2) dieselbe verpflichtet sich, in diesem heiligen Kampf durch einmüthigen Eintritt in die Reihen der social-demokratischen Arbeiter einzutreten und erkennt sie es ebenfalls für jeden denkenden Arbeiter als ihre Pflicht, durch Eintritt in die revolutionäre Propaganda die Bestrebungen derselben zu unterstützen. — Sehr gut gebrüllt, Löwe!
Die „N. Fr. Pr." ruft den Wählern zu: „An die Arbeit! So klingt aus allen freisinnigen Blättern Oesterreichs heraus das Echo auf die drei Hohen- wart'schen Patente. Ohne Zögern und ohne Zagen an die Wühlarbeit, die so entscheidend, so folgenreich für die Geschicke unseres Landes sein wird, wie sie niemals war, seit das Reich besteht. Es handelt sich bei dem Wahlkampfe um Alles, was unserem Volke heilig und theuer ist. Es steht auf dem Spiele und wird von uns vcrtheidigt alles, was im Laufe von sechs Jahrhunderten in mühseliger Culturarbeit im Stuvirstübchen und in der Werkstätte, im Hörsaale und auf der ParlamentS-Tribune, auf den Aeckern und in den Kaufläden, auf dem Markte und am häuslichen Herde der Deutfch - Ocsterreicher errungen, errafft, erschaffen, erhalten hat. Dom Staatsbestande bis hin zur Kindererziehung: Alles wird bedroht von einer Hochfluth der Bildungs- und Freiheitsfeindlichkeit, die mit ihren verheerenden Wogen zerbrechen, zerstückeln, fortschwemmen müßte die stolzen Schöpfungen deutscher Kraft und deutschen Fleißes, wenn sie nicht, gleich der einst Europa bedrohenden Türkenflut, an der unerschütterlichen Standhaftigkeit der deutschen Bürgerherzen scheitert. Daß die Regierung ihre Abmachungen mit einigen Slaven und Ultrarnontan-Feudalen geheim hält, ist ein trauriges Zechen unserer Zustände; daß sie den Pact, um der allgemeinen Erbitterung zu entgehen, vor den Wahlen geheim hallen muß, ist ein Beweis für die Bedenklichkeit der Vereinbarungen. Was gerecht, verfassungsmäßig, staatsfördernd ist, braucht in Oesterreich die Sonne nicht zu scheuen: was sich im Dunkel verbirgt, rechtfertigt den schlimmsten Argwohn. Wir müssen uns bereit halten, die höchste Gefahr abzuwehren. Durch die ausschließliche Auflösung der verfassungstreuen Landtage hat das Ministerium den Deutsch Oesterreichern offen den Krieg erklärt, sich ein- für allemal den Rückzug abgeschnitten."
Was werden die nächsten Tage Frankreich bringen? Die Krists ist da; wie wird sie enden? Während die Proposition Rivet die Verlängerung der Vollmacht für Thiers und die Aufrechterhaltung der republikanischen Staatsform nebst Verantwortlichkeit der Minister, also einen dreijährigen Modus vivendi verlangt, will die Proposition Adnet ctnfach die Bestätigung des „Paktes von Bordeaux". Da die National-Dersammlung am Samstag mit diesen Anträgen in die Rothwendig- keit gedrängt wurde, endlich einen Beschluß zu fassen, so ist die Spannung auf die Donnerstagssitzung in Versailles ungewöhnlich groß, zumal sich noch gar nicht absehen läßt, wie der Würfel fallen wird. Wie getheilt die Ansichten der Pariser Blätter in dieser „politischen Frage" sind, haben wir in ihren charakteristischen Zügen wiederholt dargelegt. Die republikanischen Blätter sind mit geringen Ausnahmen dem Rivet'schen Anträge günstig, die Debats einem Compromiffe nicht entgegen, die legitimistischen hoffen, die Majorität werde „noch" Muth genug entfalten, Frankreich vor einer VerfassungS-^rtsis zu schützen; die „Union" findet, daß „die greisenhafte Eitelkeit des Hrn. Thiers" an Allem schuld sei. Den Ja- triguen ist jetzt das Feld geöffnet; ^Vie beiden Centren, die vermuthlich den Ausschlag geben, werden rastlos bearbeitet; die Entscheidung wird aber voraussichtlich von der größeren oder geringeren Entschlossenheit des Hrn. Thiers abhängen, und die Conjecturalpolitik dreht sich daher vorzüglich um die Abschätzung derselben. Läßt sich Thiers mit der Präposition Adnet abfinden, so wird der innere Widerstand nur zu bald wieder auflodern; setzt er die Proposition Rivet durch, so wird die Rechte mehr Selbstbeherrschung als bisher, entwickeln müssen, wenn ein ruhiges Spiel der Kräfte Bestand erhalten soll. Thiers scheint in dem bisherigen Gange der Verhältnisse die Ueberzeugung gewonnen zu haben, daß ohne Befestigung feiner Stellung überhaupt das Werk der Wiedergeburt Frankreichs nicht aus der Stagnation zu bringen fei. Auf der anderen Seite muß er wissen, daß alles, was die Linke für ihn thut, nur geschieht, um gegen die Rechte zu operiren, und daß ein Tag kommen könnte, wo er, zwischen zwei Stühle gerathen, einen schweren Fall thäte, der dann nicht einmal ein unvorhergesehener wäre. (K. Z.)
Im Feuilleton des „Constitutionnel" schreibt Hr. Jules Richard aus Anlaß des kürzlich erschienenen Buches des General Chanzy über die Lage Frankreichs: „In meinen Augen ist Eines noch schlimmer als die Niederlage, daß man sich nämlich die Niederlage nicht eingestehen will. Wenn ein Volk nicht verstanden hat, zu siegen, so soll es wenigstens verstehen, die Rolle des Besiegten zu spielen, und einer der größten Beweise für Demoralisation der Franzosen liegt gerade darin, daß sie ihrem Unglück nicht ins Angesicht zu blicken und aus ihm eine Lehre zu ziehen wußten. In diesem Augenblicke giebt es in Frankreich keinen kleinen Geschäftsmann oder Handwerker, der nicht überzeugt wäre, daß man den Jtrkg hätte fortsetzen und dem König Wilhelm feinen Schnurrbart herunterbrennen können. Wenn ihnen Jemand sagt, daß wir besiegt, ganz gründlich und gehörig besiegt worden sind, so möchten sie ihn am liebsten einen Verräther nennen, der sich an den Feind verkauft habe. Unser Nationalstolz, von ganz unerklärlicher Ettelkett getragen, will nicht zugebcn, daß die große Nation einmal hinter sich! selbst zurückgeblieben wäre. Uno dann hat man die Geschichte von Frankreich und' namentlich die Geschichte der Republik so sonderbar geschrieben, daß man es den Franzosen nicht verargen kann, wenn sie von ihren früheren Niederlagen nichts wiffcn. Die Geschichtsschreiber haben ihnen gesagt, daß sie stets Sieger gewesen
sind. Man hat mit Recht bemerkt, daß unsere Generale nicht ein Wort von Geographie verstünden; aber man kann mit demselben Rechte behaupten, daß unsere Staatsmänner nichts von Geschichte verstehen. Wie dem auch sei, diesmal müssen wir zugeben: wir sind geschlagen worben. Mögen unsere Niederlagen auch ruhmvoll gewesen fein, wir sind geschlagen worden, und wenn unsere Regierenden un- einen Dienst erweisen wollen, so mögen sie uns nicht zu trösten suchen, sondern im Gegentheil uns unaufhörlich von unseren Leiden und unseren Niederlagen sprechen. Nicht indem es sich leicht tröstete, hat Preußen sich für Jena gerächt, sondern indem es sein Unglück ernstlich ins Auge faßte und arbeitete, um es wieder gut zu machen. Wenn Herr Thiers sich um das Vaterland verdient machen will, so bitte er seine Freunde von der Akademie, ihrem selbstgefälligen Lächeln und Jubiliren einen Dämpfer anzulegen; dagegen bestelle er bei einem tüchtigen Mann, z. B. beim Oberst Stoffel, eine kleine populäre Schrift, welche den Titel führt: „Was Preußen nach Jena that." Man lasse dieses Buch auf Staatskosten drucken und gebe es allen Schulkindern, die eine Prämie oder ein Accefsit erworben haben. Das wirb besser fein, als wenn man beständig wiederholt: Die Ehre ist gerettet. Nein, die Ehre ist nicht gerettet; nein, es giebt keinen Trost für unser Unglück; nein, wir sind nicht nur Besiegte, sondern obendrein rühmlos Besiegte."
Der römische Correspondent der Pall Mall Gazette schreibt: „Zwischen der italienischen Regierung und dem Vatican, vertreten durch den französischen Ge- schäststräger de Vlllestreux und Herrn be Solvyns, den belgischen Gesandten, sind Unterhandlungen gepflogen worben wegen Rückgabe des Quirinals an den Papst. ViSconti-V nosta erwiderte den Vorschlag mit folgender Antwort: Suchen Sie einen modus vivendi anzubahnen, indem Sie uns ersuchen, dem Papste den Ouinnal zurückzugeben? Sie sprechen sehr entschieden für den heiligen Stuhl. Verbürgen Sie uns auch, daß auf diese Gabe unsererseits eine Vereinbarung zwischen dem Papste und Italien folgen wird? Sie haben selbst noch nicht die Einheit Italiens anerkannt, und können Sie uns ein Pfand dafür geben, daß Sie keinen Hintergebanken an Widerstand hegen? Beantworten Sie diese Fragen mit einer offenen und aufrichtigen Erklärung und Sie werben uns bereit finden, nicht morgen, sondern heute noch den Papst wieder in den Besitz des Quirinals einzusetzen. Können ober wollen Sie bas aber nicht, so kann Italien nicht einwilligen, den Quirinal zur Verfügung des Vatikans zu stellen. Denn wenn es sich unter solchen Umständen zur Nachgiebigkeit entschlösse, so würde es seine eigene Autorität und feine Sache verläugnen, und was noch von größerer Wichtigkeit ist, das Recht fremder Mächte, in feine heimischen Angelegenheiten einzugreifen, anerkennen."
Darmstadt, 18. Aug. Der Bericht des ersten Ausschusses der zweiten Kammer über den Antrag der Abgeordneten Heß und Bindewald, die Errichtung eines Gebäudes für die technischen Fächer an der Landesuniversität Gießen betreffend, erstattet von dem Abgeordneten Kraft, liegt nunmehr vor. Der Bericht geht da- «wn aus, daß ein Bedürfniß einer Abhilfe sowohl für die technischen Fächer der Universität, von denen bas physikalische und pharmacologische Cabinet und das Forstk'nstitut mit ihren Sammlungen noch in Miethräumen untergebracht seien, als für den Unterricht in der Botanik, dem nur sehr beschränkte und ungenügende Räumlichkeiten zur Verfügung stünden, bestehe, und baß, wenn demselben durch einen umfassenden Neubau Rechnung getragen würde, ein Theil der jetzigen Univer- fitätsgebäude für die Justizbehörden verfügbar werden würbe. Namentlich könnten Dann das sogenannte Schloß, in welchem sich dermalen die Kanzlei der Universität, das Universitätsgericht, die Sitzungszimmer rc. befinden, zur Disposition für die Justiz- pflege bleiben. Da jedoch vor der in Aussicht stehenden neuen Gerichtsorganisa- tion und in Anbetracht der sich ihrem Enve nahenden Finanzperiode in Bezug auf den fraglichen Gegenstand nichts mehr geschehen könne, so fei dem vorliegenden Bedürfniß gegenwärtig nicht mehr durch eine Gelbverwilligung abzuhelfen. ES wird beantragt: die Kammer wolle Großherzogl. Regierung ersuchen, sobald als Die neue Gerichtsorganisation auf Grund der deutschen Reichsgesetzgebung feststehe, eine Proposition einzubrtngen, zum Zweck, die vorliegenden baulichen Bedürfnisse Der Landesuniversität und der Justizbehörden zu Gießen in angemessener und toür- cigcr Weise gleichzeitig zu befriedigen. (D.Z.)
Darmstadt. Prinz Ludwig hat, um das Andenken der in dem verflossenen ruhmvollen Feldzug Gefallenen zu ehren, bei dem Großherzogl. Osfiztercorps die Errichtung eines Denkmals auf dem Schlachtfelde von Gravelotte in Anregung gebracht. In dem betreffenden Schreiben an die Commandeure heißt es: „Am 18. August v. I. war es der Division zum Erstenmale befchieden, in ihrer Ge- fammtzahl unserem Feinde mit Energie entgegenzutreten und wesentlich zum Erfolge Der ewig denkwürdigen Schlacht beizutragen. Die Verluste dieses Tages sind für Die Großherzogl. Division die bedeutendsten während des ganzen Feldzuges, die Folgen aber auch sehr erheblich gewesen. Um ein bleibendes sichtbares Andenken an die Tharen der Division am 18. August zu stiften, glaubt der Prinz die Anregung geben zu sollen, daß auf dem nunmehr deutschen Boden, wo die Division 8 Stunden lang dem Andringen de- Feindes widerstand und wo so viele theure Kameraden den Erfolg mit ihrem Blute besiegelten, ein Denkmal errichtet werbe/ Das Offiziercorps hat in freudiger Zustimmung eine Commission von 4 Offizieren aller Waffengattungen mit Ausführung der Details betraut.
Berlin, 17. Aug. An unterrichteter Stelle ist hier noch nichts von der Angabe einzelner Morgenblätter bekannt, wonach die Wiederaufnahme der Frie» Densverhandlungen in Frankfurt unmittelbar bevorstände. Graf Harry v. Arnim, der diesseitige Bevollmächtigte bei diesen Verhandlungen, welcher vor einigen Tagen hier war und auch mit dem Fürsten-Reichskanzler conferirt hat, ist allerdings von hier abgereist, hat sich aber noch nicht nach Frankfurt, sondern zu seiner Familie in die Mark begeben. Im Uebrigen mag es richtig sein, daß die Wiederaufnahme der Verhandlungen al- nahe bevorstehend angesehen wird. ES ist an dieser Stelle bereits witgetheilt, daß durch die direkten Erklärungen des Fürsten Bismarck, durch Die neuliche Audienz des französischen Botschafters Marquis de Gabriac den Franzosen kein Zweifel mehr darüber bleiben kann, daß Deutschland sich auf ein längeres Hinzieben der Verhandlungen nicht einlassen wirb.
t Berlin, 18. Aug. Um den Actionären der in Berlin einmündenben acht Eisenbahnen bei der nächsten Rechnungslegung einen Anhalt zur Beurtheilung der Frage zu geben, was sie denn eigentlich für die ppt. 50,000 Thaler gehabt haben, mit welchen die Direktionen der Ostbahn, Niederfchlestsch-Märkrschen, Görlitzer, Anhalter, Potsdamer, Garbelegener, Hamburger und Stettiner Bahn ihre zur Generalversammlung hier anwesenden College» au- Gesellschaftsmitteln fetirten, geben wir nachstehend da- Menu de- Festmahls im Concerthaufe am Mittwoch:
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