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Preis LttFleljübrig t fL 12 fr. mit Vrt»gerlohn. Durch die Bost »«zogen vierteljährig 1 fl. 27 kr.

Gießener Anzeiger.

Erscheint täglich, mit Aus­nahme Montags.

Expedition: Carzzletber g Ltt. B. Nr. 1.

Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Hießen.

Nr. 93 Samstag den 22. April ______ 1871.

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sev al ____werden noch fortwährend sowohl bei der Expedition, Canzleiberg B. 1, als auch

dilt Ven bei allen Post-Expeditionen und den Land-Postboten entgegen genommen.

Abonnenten, welche den Anzeiger bet der Erpedition abbolen lassen, erbalten denselben für 1 fl. pr. Quartal.

Brodpreise vom 22. bis 29. April 1871,

nach eigener Erklärung der Bäcker:

4 Kftind gemischter Brov 21 fr. 2 Pfund gemischtes Brod 10*/2 kr. 4 Pfund Roggenbrot, 18 kr. 2 Pfund Roggenbrot, 9 kr.

Brodpreise: Bei Bäcker Spier: 4 Pfund Roggenbrot, 17 fr. 4 Pfund gemischtes Brod 20 kr.

21. April.

M. Wie in militärischen Kreisen verlautet, wäre die künftige Heeresorgani- sation Deutschlands in ihren Grundzügen bereits festgestellt und würden die bereits vorhandenen 13 norddeutschen Armeecorps in der seitherigen Organisation und die hessische Division im Verbände des 11. Armeecorps verbleiben. An diese 13 Armee­corps, Garvecorps und Nr. 112, würden sich Dann, aus den Contingenten der süddeutschen Staaten rc. gebildet, 5 neue Corps anschließen und solche wie folgt formirt werden : 13. Armeecorps Baden, verstärkt durch einige preußische Regimenter, welche zu diesem Behufe abcommandirt werden; 14. Armeecorps Württemberg; 15. Armeecorps aus norddeutschen und süddeutschen Truppen gebildet und zur Be­satzung von Elsaß und Lothringen bestimmt; 16. und 17. Armeecorps Bayern.

Ueber die Bezeichnung der bisherigen Vertreter des Nordbundes im Aus­lande waren bisher die Angaben verschieden. Es »st jetzt entschieden worden, daß dieselben den amtlichen Titelkaiserlich deutsche" Botschafter, bezw. Gesandte, Geschäftsträger u. s. w. führen werden.

DerStaatsanzeiger" erklärt die Mittheilung, raß dem Generalpostamt die Ordre zugegangen, den Packetdienst für die Armee sogleich wieder aufzunchmen, für unbegründet. Die Feldpost hat grundsätzlich nur Briefe, Zeitungen, Gelder und Mllitär-Dienst"-Packcte zu befördern und ist zur Belörderung von Privat- päckereien nicht verpflichtet. Trotz der größten Schwierigkeiten hat indcß die Post­verwaltung aus eigenem Antriebe sich mit den Ministerien des Kriegs und des Handels in Verbindung gesetzt, um, angesichts der Nachrichten aus Frankreich, den Packetdienst für die Armee wieder aufzunehmen. Die desfallsigen Verhandlungen schweben noch, und es ist bei der in Frankreich herrschenden Unordnung der Be- ginn der Päckcreibesörderung zur Zeit noch nicht zu bestimmen* obwohl Alles ge­schieht, um denselben zu beschleunigen.

Während des Krieges von 1870/71 betrug die Zahl der bis zum 15. März in Deutschland internirt gewesenen kriegsgefangenen französischen Offiziere oder tn diesem Rang stehende Militärbeamte 11,860, wovon 1'62 desertirten, 29 verstarbcn und 10,527 innerhalb der zwölf Corpsbezirke des Norddeutschen Bundes unter- gebracht wurden. Darunter befanden sich u. A. 3 Marschälle, 147 Generale, 166 Oberstlieutenants, 7 Generalintendanten, 20 Militärunterintendanttn rc.

Be-üglich der Mittheilung eines Frankfurter Blattes, wonach für Elsaß- Lothringen und ebenso für Heffen-Nassau Etat.Halter ernannt werden sollten, be- merkt dieN. Pr. Ztg.", solche Einennung sei für Elsaß-Lothringen unwahr- scheinlich, für Hessen-Nassau aber sei davon keine Rede.

DieN. Allg. Ztg." enthält eine Darstellung res gegenwärtigen Der- pflegungswesens für die deutschen Truppen in Frankreich, woraus hervorgeht, daß die Klagen über mangelhafte Verpflegung unbegründet sind. Es sei nur auf die reglementarische Verpflegung gegenüber früherem Uebeifluß zurückgegangen. Uebri- geus würden sich die Zustände von Tag zu Tag bessern und sich hoffentlich binnen Kurzem ganz zur Zufriedenheit der Truppen gestalten, trenn die Okkupationsarmee erst in feste CantonnementS eingerückt sein würde.

Wie wir bereits meldeten, haben französische Kriegsgefangene, die im Elsaß oder in Deutschlothringen heimathbercchtigt sind, die Absicht kundgegeben, nicht nach Frankreich zurückzukehren, wenn sie Aussicht hätten, in die deutsche Armee oder auch in den Civildicnst ausgenommen zu werden. Ee war ron vornherein onzunehmcn, daß die deutsche Negierung solchen Wünschen gegenüber keine ungünstige Haltung einnchmen, vielmehr die Erfüllung derselben nach Möglichkeit erleichtern werde. Diese Voraussetzung ist denn jetzt auch durch ein Rescript des Knegs- ministeriums an die stellvertretenden Generalkommandos und das Commando der immobilen Gardetruppen vom 1. April d. I. bestätigt worden. Es werden hier- noch, wie die Straßburger Zeitung meldet, die Truppenthetle angewiesen, solchen Gesuchen um Ausnahme in die deutsche Armee, so weit es das militärische Interesse gestattet, allen Vorschub zu leisten und etwaige Anträge im CivilstaatSdienst in den neuerworbenen Gebieten dem kaiserlichen Ctvilcommissar im Elsaß, Herrn Re­gierungspräsidenten v. Kühlwetter, zur Prüfung resp. Bescheidung zu überweisen. Die jetzigen Zustände Frankreichs machen es gewiß höchst wahrscheinlich, daß viele Kriegsgefangene aus Elsoß-Lothringen, statt jenseits der Vogesen ihr Glück zu versuchen, dieses wohlwollende Entgegenkommen der deutschen Regierung benutzen werden. Von deutscher Seite aber gibt man einen neuen Beweis der vertrauens- vollen Bereitwilligkeit, die Elsässer in allen Stücken als vollberechtigte Deutsche zu behandeln, sobald sie selbst ihre neue Lage offen und ehrlich annehmen.

Das Bombardement von Paris fordert täglich bedeutende Opfer. Am 16. und 17. wurden die TerneS und der obere Theil des Faubourg St. Honore arg mitgenommen. Eine Bombe fiel in das Haus 270 des genannten Faubourg und zündete dasselbe an. Das Feuer wurde aber schnell gelöscht. Aus einem Omnibus

am Rond Point der TerneS wurden drei Männer von Bombensplittern erschlagen, ein Schweinemetzger, der an seinem Laden stand, getödtet, ein Vorübergehender tödtlich verwundet und einer dritten Person das Bein weggeschlagen. Am 16., 9 Uhr Morgens, eröffnete die Batterie des Trocadero das Feuer gegen den Mont Valerien, der sofort antwortete und Passy, Auteuil, den Arc de Triomphe und die umliegenden Stadttheile wieder mit einem Kugelregen Überschüttete. Die Bomben sollen bis ganz in die Nähe des Jndustriepalastes der Champs ElyseeS gefallen sein. Viele Häuser wurden beschädigt, auch eines tn der Rue de Berry, eine Straße, die von den Champs ElyseeS nach dem Faubourg St. Honore führt.

Eine abenteuerliche Vermuthung und Combinotion wird derN. Fr. Pr." aus Brüssel mitgetheilt. Von dort wird diesem Wiener Blatt am 13. geschrieben: Seit einigen Tagen sind hier plötzlich in aller Stille der Herzog von Bassano und Herr Rouher nach England abgereist. Am Tage ihrer Ankunft begaben sie sich beide nach Chiselhurst. Seit ihrer Ankunst dort heißt es, der Exkaiser sei unwohl, er hütet das Zimmer und ist unsichtbar. Man fragt sich hier, ob dies nicht eine Comödie ist, wie sie weiland Louis Napoleon in Ham abgespielt? Noch ist ja vom ersten Kaiserreich die Rückkehr von der Insel Elba zu parodiren. Sie werden sehen, der Mann des 2. December wird auch diesen Versuch noch wagen. Wundern Sie sich daher nicht, wenn der Kranke von Chiselhurst plötzlich einen Landungsversuch in Boulognc macht oder in den französischen Nordprovinzen eS versucht, das bonapartistische Wünschelhütchen wieder zu Ehren zu bringen.

Aus Versailles wird vom 16. gemeldet: Louis Blanc widerspricht dem Ge­rüchte, daß er beabsichtige, den Antrag auf zweijährige Ucbcrtragung der Regie- rvngSgewalt an Thiers zu unterstützen.

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Frankfurt, 20. April. Bei der gestrigen Bombcnoffaire in dem v. Roth- schild'schen Bureau wurden, wie man erfahrt, doch einige Makler durch herum- flifgende Glassplitter, wenn auch nicht erheblich verletzt. Der Thäter heißt Karl Müller und ist in Deutsch-Lothringen zu Haus. Bei der Detonation sagte er, auf den in seinen Händen baltenden Brief zeigend, worin er 4 Millionen for­derte : voici ler.plication. Er ließ sich ganz ruhig fcstnchmen und sagte dabei: Machen Sie mit mer, was Sie wollen. Müller soll schon am Montag auf dem Bureau gewesen sein und eine Million unter der Drohung gefordert haben, das Haus in die Luft zu sprengen, wenn man sie ihm verweigern werde. Der Thä­ter wurde den Physicis zur Beobachtung seines Geisteszustandes übergeben. Was den Schaden anlangt, so sind einige Thüren und Wände zerborsten und 125 Fensterscheiben zertrümmert.

M. Berlin, 19. April. Deutscher Reichstag. Um 11% Uhr eröffnet Präsident Dr. Simson die heutige 18. Plenarsitzung. Die Plätze im Hause, am Tische des Bundeöraths und auf den Tribünen sind sehr zahlreich besetzt.

Aus der Tagesordnung stehen:

1) Antrag von Dr. Braun (Hersfeld) zu erklären: Die Errichtung eines monumentalen ParlamcntShauses ist ein Bedürfniß der deutschen Nation; 2) dem­nach dem Reichskanzler gegenüber den Wunsch auszusprechen, daß zunächst die Ermittelung eines passenden Bauplatzes, die Aufstellung eines Programms und der Bedingungen für eine öffentliche Concurrenz durch eine Commission erfolge, welche aus Mitgliedern des Bundesraths, Mitgliedern des Reichstags, Com- miffaricn der preußischen Regierung und Architecten zusammenzusetzen ist; se.ner den Reichskanzler zu erfuchcn, bis zur Vollendung des ParlamcntSgcbäudeS für ein ausreichendes provisorisches Gebäude zu sorgen; 3) seine Bereitwilligkeit zu crklärcn, die zu den Vorbereitungen zum Bau des ParlamcntShauses erforder­lichen Geldmittel zur Verfügung zu stellen. v. Dernuth (Oschersleben) bean- tragt dazu, den Antrag in folgender Fassung anzunehmcn:1) zu erklären: die Errichtung eines den Aufgaben des deutschen Reichstages entsprechenden und der Vertretung des deutschen Volkes würdigen Reichötagshauses ist ein dringendes Bedürfniß; 2) demnach dem Reichskanzler gegenüber den Wunsch auSzusprcchen, daß, unter Zuziehung des Beiraths von Sachverständigen, zunächst die Ermitte­lung eines paffenden Bauplatzes, die Aufstellung eines Programms und der Be- dingungen für eine öffentliche Concurrenz durch eine Commission erfolge, welche aus Mitgliedern des Bundesraths, Delegirten des Reichstages und Commiffarien der preußischen Regierung zusammengesetzt ist; 3) den Reichskanzler zu ersuchen, bis zur Vollendung des ReichStogSgebäudeS auf thunlichste Beseitigung der Män­gel des gegenwärtigen provisorischen Zustande- Bedacht zu nehmen; 4) die Be­reitwilligkeit des Reichstages zu erklären, die zu den Vorbereitungen zum Bau des Reichstagshauses erforderlichen Geldmittel zur Verfügung zu stellen."

v. Oheimb (Minden) berichtet über mehrere Petitionen, die, weil mit den vorliegenden Anträgen übereitistimmend, lediglich zur Kcnntnißnahme des Hauses