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mahlln die Bilder des Erzbischofs von München, des Königs von Bayern, des vorigen Königs von Sachsen friedlich neben einander. Die Stelle neben dem sächsischen Könige ist leer; dort befand sich bis zum 28. August das Conterfei des deuischen Kaisers. Am 28. verzeichnet das Fremdenbuch des iy2 Stunden unter dem Gipfel gelegenen Wirthshauses den eigenhändig eingeschriebenen Namen: Erz­herzog Karl Ludwig. Ist denn hier das Bild des deutschen Kaisers verbrannt worden? fragte ich am 14. ds., und erhielt die Antwort: Nein, das ist oben passirt. Oben erzählten Kellnerin und Wirthin, getrennt befragt, übereinstimmend wac folgt: der Erzherzog nahm das Bild von der Wand und trug cs unter dem Arm in die Küche.Ich glaubte halt, er wollt 'S mitnehmen," berichtete die Wirthin;aber nein, er trug es an den Herd, und da hat er es hinein ge- worfen." Das Blatt, woraus Ihre Zeitung vom 14. d. M. ein Gedicht mit- theilt, findet sich nicht mehr vor. Aber aus der Geschichte verdient das Blatt nicht ausgeriffen zu werden: An Göthe'S Geburtstag ist angesichts des Groß- VencdigerS von dem österreichischen Erzherzoge Karl Ludwig Wilhelm, der deutsche Kaiser, in effigie verbrannt worden.

DasJournal des Debatö" enthält heute einen längeren diplomatischen Artikel über die Gasteiner und Salzburger Zusammenkunft, der, ersichtlich aus osfieiölen Mittheilungen der österreichischen Reichskanzlei fuß-md, zum ersten Male den Franzosen klar zu machen sich bemüht, daß daS zwischen Deutschland und Oesterreich erzielte Einvernehmen in keinem Falle als gegen Rußland gerichtet an­gesehen werden dürfte. Der Derfaffer des Artikels gesteht nicht nur zu, daß die Beziehungen zwischen Berlin und Petersburg andauernd sehr intim geblieben seien, sondern er räumt auch ein, daß Oesterreich ein besonderes Interesse daran habe, zu Rußland in guten Beziehungen zu stehen.Es ist nothwendig für Oesterreich, heißt es wörtlich, die ewigen panslavistischen Umtriebe aufhören zu sehen, welche, wiewohl oft genug officiell von der russischen Negierung verläugnet, dennoch außer­halb dieses Gouvernements von den Freiwilligen des PanslavismuS geleitet wur­den." Der Verfasser glaubt sogar constatiren zu können, daß Rußland auf die Annäherung Deutschlands an Oesterreich mit günstigem Auge blocke, weil es in dersetben eine Bürgschaft des Friedens ersehe. Diese Andeutungen sind durchaus in Uebereinstimmung mit den Angaben, welche über die Natur der Gasteiner Zu­sammenkunft schon Ende August an dieser Stelle gemacht wurden und welche in der Thatsache der diplomatischen Besprechungen der beiden Reichskanzler das Be­streben fanden, eine Versöhnung (wenn man sich dieses Ausdruckes bedienen darf) zwischen Petersburg und Wien über Berlin herzustellen, in Folge deren zu Gunsten des föderalistischen Umschwunges in Oesterreich die Umtriebe des PanslavismuS in Böhmen und Croatien, gleichzeitig aber auch die Umtriebe der Polen in Galizien gegen Rußland ihr Ende finden sollten. Diese autorisirte Auffassung darf nun- medr als derjenige Punkt betrachtet werden, auf welchem der Grundstein der poli­tischen Vereinbarungen ruht, die in Gastein und Salzburg behandelt wurden.

Aus Turiner Zeitungen erfahren wir, baß Herr Nigra, italienischer Ge- sandter bei der französischen Republik, nächstens über Turin nach Rom reisen und sich mit dem Minister der auswärtigen Angelegenheiten besprechen wird. Auch der König wird für die nächste Woche in Turin erwart.t. Herr Nigra soll sich groß? Mühe geben, eine Annäherung Italiens an Deutschland zu verhindern und des- halb bei Herrn ThierS eifrig dahin wirken, daß die französische Regierung doch Alles meiden möge, was bei der freundschaftlichen Haltung Deutschlands gegen Italien dieses letztere Land von Frankreich entfernen könne. Herr ThierS sei ganz auf diese Anschauungsweise eingegangen, werbe aber durch den mächtigen Einfluß des französischen ElcruS gehindert, eine solche Politik mit dem nöthigen Nachdruck durchzuführen.

Gießen, 20. September. Wie wir vernehmen, ist gestern die an dem Bahn- Hof Wetzlar gelegene P^oSphoritfabrik durch Explosion in die Lust geflogen. Man spricht von 4 Tobten, welche gräßlich verstümmelt worben seien und 4 Verwun- deten. Unachtsamkeit des Heizers soll Schuld an Diesem Unglück sein.

Darmstadt, 16. September. Die gestern Abend stattgehabte Generalver­sammlung des Protestantenocreins war äußerst zahlreich besucht. In Betreff der Kirchenvorstandswahl wurde die vom verstärkten Vorstand vorgelegte Eandivaten- liste einstimmig gebilligt, und es wurde be chloffen , die Liste der Candibaten zu einer geeigneten Zeit in die Hände der Wähler zu bringen. Ein aus 18 Per- sonen bestehendes Wahlcomite wird die Wahlangelegenheit betreiben. Bezüglich des Protestintentags wurde eingehender Bericht erstattet und beschlossen, daß am Nachmittag des zweiten Verhanblungetags, wenn die Zeit es erlaube, eine fpeciell für hessische Angelegenheiten bestimmte Versammlung in noch zu bestimmendem Local abg halten werden soll. In dieser Versammlung soll darüber verhandelt werden: 1) Wie die Regierung zu einem Einschreiten gegen das in Hessen Der» faffungSwitrig verkündete UnfehlbarkeitSbogma und gegen den Jesuitenorden zu bewegen. 2) Was in Betreff einer Aendcrung des protestantischen Verfassungs­entwurfs und gesetzlicher Beseitigung der PrasentationSrechte zu thun sei. Die Frage, ob unirte Eltern genöthigt werden können, ihre Kinder in den Religions­unterricht lutherischer und unionsfeindlichcr Lehrer zu schicken, wurde angeregt und für eine eingehende Erörterung und Thätigkeit des Protestantenvereins in Aussicht genommen.

Darmstadt, 17. September. Die Großh. Eommission zur Prüfung der Ansprüche aus Frankreich ausgewiesener Hessen hat unterm Heutigen daS nach­stehende Circular an die Großh. KreiSämter gerichtet:

Nachdem die Festst llung und Ueberwersung der auf das Großherzogthum entfallenden, durch Reichsgesetz zu Bcihülfen an AuSgewiesene bestimmten Summe vor Kurzem erfolgt ist, wird ti: Auszahlung der auf die einzelnen Anmclbungen bewilligten Betrage mit thunlichster Beschleunigung zu Ende geführt werden. Die in jüngster Zeit gemachte Wahrnehmung, daß eine n.cht unbeträchtliche Anzahl von Liquidanten, in der Meinung, daß die Auszahlung der Bcihülfen nur hier "folge, sich bei uns m t dem Verlangen alsbaldiger BeirteDigung einfindet, ver­anlaßt uns, Sie ergebenst zu ersuchen, durch geeignete Bekanntmachung in den Kreisblättern die Interessenten von der Reise hierher abzumahnen und darauf auf- \ merkjam zu machen, daß die Ueberweisung der bewilligten Summen in der Regel durch die betreffende Großherzoglrche Districts-Einnehmerei staltfindet, sowie daß die Bittsteller, bezüglich deren Anmeldungen noch Anstände obwalten und diejenigen, deren Ansprüche geprüft und der Großberzoglichen Haupistaatek.sse bereits zur Auszahlung überwresen sind, in keinem Falle sofortige Bfriedigung bei ihrem per­sönlichen Erscheinen zu gewärtigen haben, mithin die Kosten der Reise vergeblich aufwenden.

Bei der Anzahl der nach definitiver Feststellung 5922 Köpfe umfassenden Anmeldungen, kann, ungeachtet bereits eine beträchtliche Anzahl geprüft und aus­bezahlt worden ist, die Erledigung der uns obliegenden Aufgabe noch einige Wochen in Anspruch nehmen.

Es dürfte sich daher empfehlen, wenn diejenigen Liquidanten, deren Lage eine alsbaldige Berücksichtigung dringend nothwendig erscheinen läßt, ihre des- fallsigen Gesuche von den betreffenden Großherzogl'chen Bürgermeistereien attestiren und durch Sie an uns gelangen lassen, da auf sonstige, nicht besonders begründete Erinnerungsvorstellungen keine Rücksicht genommen werden kann.

Schließlich machen wir darauf aufmerksam, baß die Erledigung der erhobe­nen Ansprüche insbesondere dadurch verzögert wirb, daß von den bedeutendere Summen in Anspruch nehmenden Liquibanten nur ein geringer Theil sich veran­laßt gesehen hat, seine Anmeldungen, der unterm 28. Juni l. I. ergangenen Auf- forderung Großherzoglichen Ministeriums des Großherzoglichen Hauses und des Aeußern entsprechend, durch Erklärung über Wieberausfincen des zurückgelassenen Mobiliars zu berichtigen, oder bezüglich der angeblich durch Zerstörung, Nach- forderung von Miethe rc. entstandenen Verluste irgend welche Bescheinigung beizu­bringen.

Darmstadt, den 17. September 1871. Großherzogliche Commission zur Prüfung der Ansprüche aus Frankreich ausgewiesener Hessen. Dr. Goldmann. Schaum.

Berlin, 17. September. Die neue Uniformirung der kaiserlichen Postbe­amten, welcher die Postbeamten in Bayern und Württemberg vorläufig fern bleiben, ist nach den vorgelegten Modellen von Sr. Majestät dem Kaiser gutgeheißen wor­den. Sie besteht in dunkelblauen Ueberröcken nach dem Schnitte der Marine- Offiziere mit überfallendem Sammetkragen, auf welchem die Gradabzeichen an­gebracht sind. Die alte Postfarbe (orange) wird nur in dem Rockoorstoß bei« behalten.

t Berlin, 18. September. In den Tagen vom 29. bis 24. Februar 1872 wird h.erselvst nach den Beschlüssen des Ausschusses der vierte Congreß deutscher Lanvwirthe tagen und sich hauptsächlich mit der Wegebau- und Steuerfrage, Bank- und Münzwesen, sachgemäßen Ausbildung der landwirthschaftlichen Jugend, na­mentlich zur Erlangung des Rechts zum einjährigen Militärdienst und mit der Frage der Differential - Tarife der Eisenbahnen beschästiaen. Die Sammlungen für die Lanvwirthe in Elsaß-Lothringen Haden etwa 27,000 Thlr. ergeben, laut Bericht; etwa 23,000 Thlr. davon haben bereits ihre Verwendung gefunden.

Berlin, 19. September. Fürst Bismarck ist heute Mittag, von München kommend, hier cingetroffen. Kurz nach seiner Ankunft wurde der Fürst von den anwesenden Ministern begrüßt.

Gumbinnen, 18. September. Seit 5 Uhr Nachmittags vollständig winter­liches Schneetrnbcn. Hafer und andere Feldfrüchte noch ungefchnttlen, Wintersaat größtcntheils noch unbestellt.

München, 18. September. Die deutschen Bevollmächtigten haben, wie hier­her gemeldet wird, gegen die in der gestrigen Sitzung der französischen National­versammlung angenommenen Aenderungen zu dem Vertragsentwürfe, betr. die el- sässisch-lothringische Zollangklegcnhcit, Bedenken erhoben, welche das Zustande- kommen des Vertrages in Frage stellen.

Stuttgart, 16. September. Zur Kaiser-Wilhelm-Stiftung für deutsche In, validen ist aus Württemberg bis zum 10. d. M. die schöne Summe von 231,142 fl. 54 fr. eingegangen. Die BesoldungSerlöhungsfrage ist auch bei uns in Fluß gebracht. In ausführlicher Begründung stellt der Schwäb. Merkur die Nothlage der meisten Beamten dar und fordert Aufbesserung. Bezeichnend ist, baß eine Kategorie niederer württembergischer StaatSoiener ihre schlimme Situation in den Blättern für das Armenwesen" geschildert hat.

Paris, 16. September. Die Räumung der Umgegend von Paris geht ihren regelmäßigen Gang. Die Uebergabe der Forts soll jetzt am 20. September erfolgen. Eine besondere Convention ist abgeschlossen worden, um die Förmlich­keiten zu regeln. Im Augenblick der Uebergabe wirb jedes Fort von 25 deutscher Soldaten besetzt und an 25 französische Soldaten übergeben, während in einer genau bezeichneten Entfernung 100 Mann Deutsche und 100 Mann Franzose» als Reserve ausgestellt werden. Vier deutsche Mck.tärs, welche gestern in Cioil« kleidung nach Paris gekommen waren, wurden in einem Kaffeehaus des Boule­vards Sebastopol von ungefähr 40 Franzosen, da man sie erkannte, mit Flaschen und Gläsern beworfen, mißhandelt und dann zum Prosoßen geführt. Es waren zwei Lieutenants und zwei Sergeanten.

Paris, 19. September. Die Uebergabe der Forts an die französischen Truppen wird nach demJournal osficiel" morgen Vormittag statifinden und die Räumung der benachbarten vier Departements am 25. d. Mts. be­endigt sein.

Versailles, 17. September. National - Versammlung. In der auf gestern Abend 9 Uhr anberaumten Nachtsitzung kam der Bericht der Commission zum Lor- Lage. Derselbe empfahl Die Annahme des vorgeschlagenen Zollvertrages unter der Bedingung e Niger Aenderungen, deren wichtigste solgcnde sind: die elsässischen Produkte, die Frankreich transinrcn, zahlen beim Eintritt über die Grenze den vollen Zoll; die Herabsetzung des Tarifs für elsässische Produkte wird nach den neulich beschloss.nen Tarifs berechnet; die zuschlägüchen Einfuhrzölle, welche in Jahre 1872 erhoben werten können, werden ohne Abzug hinzugechgt.

Raoul Duval verlangte, daß die Berathung vertagt werbe. Buffet will Vit Frage einer noch grünt licheren Prüfung unterzogen wissen.

Nachdem noch andere Redner gesprochen, ergriff ThierS daS Wort und sagte! Die Unterhandlungen wahren bereits mehrere Monate. Der Augenblick, sie zu schließen, ist gekommen. Aus Achtung vor Der Versammlung haben wir Ihneü die Grundzüge des abzuschtleßendin Vertrages vorgelegt, um die noch nicht be­endeten Unttrhandlungen fortfu^rin zu können. Die vertragsmäßig pünktliche Zah­lung Der viertln H ttmilliarde würde eine Geldkrisis herdeiführen können. Dir Anfrechthaltung des Viertel- und dann des Halb-TarrfS während des Jahres 1872 wüide eine hinreichende Schutzmauer gegen Die elsässischen Produkte sein, Deren Concurrenz wir b s jetzt ohne irgend einen Zoll ausgebalten haben, selbst wenv Die Industrie während Der Drei letzten Monate von 1871 einigermaßen darunter leiden sollte. Es würde eine Sünde gegen das Vaterland fein , wenn wir noch

Zögern wollten, Das Gebiet ton Der fremd.» Besatzung zu bifreien. (Beif ll) 'Die in Elsaß und Lothringen eingerichteten Syndikate werden steenge Wacht üben, .Desgleichen die französischen Zollämter.

Die von Der Commission beantragten Aenderungen wurden schließlich vov ITHierS genehmigt, dessen Rebe überhaupt gtoß.n Beifall ärntete.

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