Ausgabe 
20.8.1871
 
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Preis Lierreliährig 1 fl. 12 fr. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährig ' fl. 27 kr.

Gießener Anzeiger.

Erscheint täglich, mit Aus nähme Montags.

Gy>edttion: Canzletberg Sit. B. Nr. 1.

Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Kielen.

Nr. 192, Sonntag den 20. August 1871^

BeDeüungen auf den Gießener Mnreiaer MrbnnV&°Sn,5^b f0W0?IJei ber e$vebition, 6an3iet6erg $. i, ais cu<t 7 ö bet allen Post-Expeditionen und den Land-Postboten entgegen genommen

Abonnenten, welche den Anzeiger bet der Expedition abholen lassen, erhalten denselben für die Monate August und September zu 40 fr.

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, die im Ar- geübt sind, enfeld.

Falköflil) i In Berlin.

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Theil.

Gießen, den 17. August 1871.

Großherzogliche Polizei-Verwaltung der Provinnalhauptstadt Gießen.

________I- B. d. P.: Wagner.

Polizeiliche Bekanntmachung.

3n der Nacht vom 12. bis 13. d. Mts. wurde in Dillenburg der angebliche Wäschereibesitzer Heinrich Heid von Düdelsheim im Kreise Büdinaen wegen Verausgabung falscher Halbguldenstucke, Königlich Bäuerischen Geprägs mit der Jahreszahl 1869, verhaftet. In seinem Besike landen fick auck. ein solches falsches Ha-bgnldenstück, sowie 6 falsche Silbergroschen Königlich Preußischen Geprägs mit der Jahreszahl 1871Z*

. D-I, der angebliche Held, ein Mann von 40 Jahren, mit röthlichem Schnurr- und Pollbart, von schlanker Statur, bekleidet mit blauqrün'-l-incnem

(3U',1)C) - .Heller Weste nut rochen Streifen, Heller sommerhose mit schmalen blanen Streifen und gelbem Strohhut, am Tage vor seiner Verhaft iua üb» ließen gereist em will ch durfte gegründeter Verdacht vorliegen, daß er auch hier oder in der Umgegend falsches Geld der erwähn en Gattunqe n Bahnhofs - Restauratwneu und Wirthshausern verausgabt habe. ui

... . Wir "suchen daher alle Diejenigen, welche etwa in letzterer Zeit in den Besitz von falschen Münzen der fraglichen Art gekommen sein sollten uns schleunigst davon Mtttheüung zu machen. ö - ö uns

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Gefundene Gegen ft au de :

Ein Etuis mit 1 fl. 46 fr., ein kleines Portemonnaie mit 39 fr-, ein Buch über die Beschreibuna der verschiedenen Arten nnn Miiklen snnftr»

(tn d-r Wi-seck aufgefischt, ein kleines Zulegmesser, ein Bet- und Gesang-Büchlein für katholische Chrfiten und cm Lesebuch oon August Lüben unb Gar" 9?7cf7 8ege - - Die Elgenthümer werden ausgeforoert, Nch binnen 3 Wochen bei uns zu melden, widrigenfalls diese Gegenstände ans Berlaimen an die

später -u Gunsten der Armenkasse werden versteigert werden- b vjegeiqianoe aus verlangen m. die Finder zuruckgegeben oder

LS>ie6en, den 18. August 1871. Großherzogliche Polizei-Verwaltung der Provinzialhauptstadt Gießen.

I. B. d. P.: Wagner.

P o litischer Uni.

19. August.

*Die zweite Kammer der Stände wird in wenigen Tagen abermals über eine Mehrforderung der Regierung für bas wieder dem Sterben nahe Darmstadter Polytechnikum zu beschließen haben, da die Regierung gegen das unaufhörliche Drängen und Fordern der Lehrer besagter Anstalt unb einiger Darmstädter Local- Patrioten die Wünsche der Lehrer zu ihren Anträgen gemacht hat, nicht achtend die verderblichen Folgen, die durch Gründung einer zweiten mit Gießen theilweise concurrirenden nicht lebensfähigen Universität für unser höheres UnterrichtSwesen entstehen mußten.

Wieder wie vor drei Jahren, als die Errichtung des neuen Polytechnikums, | das bis jetzt gänzlich Fiasko gemacht hat, beliebt wurde, will der Finanzausschuß i nicht die Verantwortung für diese cie Landesuniversität schwer schädigenden Gxpe- rimente übernehmen unb lebnt das Verlangen der Reg'-rung ab; hoffen wir, daß r die Kammer nicht wie damals den Anträgen des Ausschusses entgegen beschließt.

In der gegenwärtigen Sachlage glauben wir, daß es von Interesse ist, bas ju widerholen, was damals unser Avg. Hr. Heß dem Project der Regierung ent- gegenhielt, leider dem mächtigen Einflüsse der Darmstädter Kirchthurminteressen § gegenüber ohne genügenden Erfolg; seine Rebe lautete nach den stenographischen Berichten:

«Meine Herren, wenn ich meine Zustimmung zu dem Antrag cer Majorität des Ausschusses motivire, so glaube ich nicht nöthig zu haben, vorauszuschicken, I daß ich nicht an den Unterrichtsanstalten gespart haben will. Sie wissen, m. H., daß mir nicht leicht eine Summe für Unterrichtszwecke zu groß ist, vorausgesetzt, daß ich überhaupt sehe, daß sie diesen Zwecken entsprechend verwendet wird. Ehe man aber den von der Regierung vorgeschlagenen Schritt thut, muß man sich doch F recht gewissenhaft die Frage vorlegen, ob denn durch die Erweiterung Der technischen L Schule zu einer polytechnischen dem Großherzogthum ein Vortheil erwächst und ob {* überhaupt zeitgemäß ist, eine neue polytechnische Schule zu gründen, die weniger t vielen soll, als die concurrirenden großen Anstalten in Earlsruhe, Stuttgart und Zürich, als die mit kolossalen Opfern neu zu gründenden in München und Aachen; üblich, m. H., ob es recht ist, eines zweifelhaften Versuchs wegen eine blühende ^sialt schwer zu schädigen. Das Gutachten ber von der Regierung ernannten Eommission sagt klar, daß es der Schule nicht an tüchtigen Lehrkräften, nicht an Lehrmitteln, nicht an Gelb, daß es ihr nur an Einem, an der genügenden Zahl »cn Schülern fehle. Es beschäftigt sich oeßhalb auch mehr damit, wie für Die vorhandene Schule Schüler, als wie für ein etwa vorhandenes Bebürfniß eine Schale zu schaffen sei. thut mir auch vollkommen klar dar, daß mit Geld» Mitteln allein der beabsichtigte Zweck nicht erreicht werden kann, sondern daß | hierzu noch and-re Mittel nöthig sind, die ja auch in der Vorlage der Regierung l ieben angebeutlt sind, nämlich Privilegien und Zwang dadurch, baß einzelne I naatSdienstApiranten an ber Schule geprüft werden sollen. Da muß ich aber I faßen, m. H., ist es recht, eine blühende Bildungsstätte im Land, an der die «technischen Fächer, trotz so außerordentlich geringer Mittel für dieselben, sehr l.krßreulich gedeihen, dadurch schwer zu schädigen, daß man ihr einen Theil der

(ödjüler entzieht, um , doch immer auf bas Ungewisse hin, ein Experiment zu mQqjen, um einen Theil der Staatstechniker auf einer Schule niederer Ordnung auszub'.loen und sie dadurch eine Stufe niederer zu stellen, als die StaatStechnikrr benachbarter Länder, denen eine akademische Ausbildung gewährt wird. Man hat Dtc akademische Studienfreiheit als dem Studium der technischen Wissenschaften für febr nachtheilig erklärt. Das würde wohl, wenn es wahr wäre, nur beweisen, ®fl8 diese akademische Freiheit einigermaßen zu beschränken wäre. Es ist aber nicht roattr; Denn das bloße Kathederlehren ist ja auch auf der Universität längst über- rounDen und in allen DiSciplinen, vor Allem in Den technischen, totrD auch an Der Universität ein großer Theil Der Zeit zu praktischen Hebungen verwenDet.

Man fängt Doch auch schon seit langer Zeit an, zu erkennen, unD bedeutenDe Fachmänner, wie Karmasch unD Culmann, haben eS ausgesprochen, daß es ein s- die technischen Anstalten von Der Universität ganz zu trennen und so Die Kräfte zu zersplittern. Es könnte ja doch etwas ganz Anderes geleistet toer- Den, wenn man es, wie in Zürich und in Paris, verstände, Die vorhandenen Jiraftc zu vereinigen und so an einer Anstalt Den Staatstechnikern Die höchste mathematisch-naturwissenschaftliche Bildung zu geben, die das Land überhaupt bietet.

Der ursprüngliche Zweck Der Schule war, die Schüler vorzubereiten $u höherer technischen Ausbildung, entweder eine höhere technische Schule ober eine Universität zu beziehen. Dieser Zweck wurde bei Der sogenannten Reorganisation im Jahr 1S64 im Wesentlichen zwar beibehalten, aber doch insofern geschädigt, ald eine Art Vermischung Der allgemeinen Klassen, Die Der Schule zur Zeit ihrer büebflen Blüthe ihren Hauptwerth verliehen, mit Den Fachklaffen eintrat unD für Icßtere ein ganz bestimmter StuDtenplan nicht mehr eingehalten wurde, was meiner Meinung nach wohl viel zum Rückgang der Anstalt beigetragen ha­ben mag.

Was die Mittel Der Anstalt anbetrifft, so hatte dieselbe zur Zeit Der Höchsts" blüthe, Ende Der Vierziger unD Anfangs Der Fünfziger Jahre, bekannt- lid) einen Staatsbeitrag von 6400 fl.; er wurDe später auf 10,100 und Dann auf 13,500 und zuletzt auf 19,500 fl. erhöht. Es laß sich leider nicht ableugncn, meine Herren, daß die Sache in demselben Maße zurückging, wie ihre Mittel "höht wurden, und gerade dieser Umstand läßt uns wenigstens nicht erwarten, durch eine vergleichsweise kleine Summe allein der beabsichtigte Zweck erreicht wird. Die Ursachen des Rückgangs der Schule sucht das Gutachten im Wesentlichen in der Gesetzgebung. Wie viel gerade in D(r Gesetzgebung und wie D el an anderem die Ursache liegt, will ich nicht untersuchen; man kann aber doch biutgertveife kaum erwarten, daß die Regierung einer Gewerbeschule oder technischen Swule zu Liebe darauf verzichten wird, ihren Architekten und Eameralisten eine iuchUge akademische Bildung zu geben, wie sie Die Techniker anderer Länder erhalten.

ißa« nun da« Ledürfnik im Grojzhcr;ogthum nach einer polytechnischen anbelangt, so sagt das Gutachten, daß es nicht wohl thunlich sei, eine polpiechnische Schule auf die Inländer allein zu begründen, tah aber auch nicht