dauern. Das glauben wir gern.
Arbeitseinstellung der Maurergesellen in ziemlich weitem Umfange zur Thatsache geworden, denn sämmtliche größere Bauten liegen still und nur an ganz vereinzelten Stellen, bei kleineren Arbeiten, ist Hammer und Kelle thätig. Bekanntlich wollen die Gesellen durch den Strike die Verkürzung der jetzigen elfstündigen Arbeitszeit um eise Stunde — von 6 Uhr Morgens bi- 6 Uhr Abends — erzwingen; die Meister sind indessen auch ihrerseits fest entschlossen, dem Verlangen nicht nach, zugeben, vielmehr Falls eine Abänderung der jetzigen Arbeitszeit nicht zu umgehen ist, bas Stundensystem einzusühren, d. h. unter Festsetzung eines Normallohns für die Stunde Arbeit nur nach wirklich gearbeiteten Stunden auszulohnen. — Der Kampf zwischen Meistern und Gesellrn verspricht diesmal viel hartnäckiger zu wer- den, wie vor zwei Jahren, wo die Gesellen im Allgemeinen einen Lohnaufschlag von 162/3 Procerit erzielten, denn in den meisten Contrakten über größere Bauten ist auf Verlangen der Meister eine Klausel angenommen worden, welche den Con- trakt für die Zeit eines etwaigen Strikcs suspendirt. — Die Anregung zu der Arbeitseinstellung geht wiederum von den Socialdemokraten aus.
findet bis auf Weiteres auch auf den Geldverkehr mit Belgien und der Schweiz Anwendung.
In Bayern ist man noch immer zu keinem bestimmten Entschluß gekommen darüber, welches Verfahren gegen die widerspenstigen Bischöfe und Priester einzu- schlagen ist; auch muß die Nachricht von einem gemeinschaftlichen Vorgehen der bayerischen und preußischen Regierung gegenüber der klerikalen Agitation als eine verfrühte zu bezeichnen sein. Es ist von Berlin aus im Allgemeinen auf die Gefahr hingewiesen worden, die aus der Duldung der klerikalen Umtriebe für die Sicherheit des deutschen Reiches hervorgehen möchten, aber man hat sich durchaus enthalten, der bayerischen Regierung, die auf ihre Souveränetätsrechte außerordentlich eifersüchtig ist, bestimmte Vorschläge zu machen. Auch die Ministerkrisis in München scheint sich wieder verzogen zu haben, wenigstens hört man nicht, daß der bayerische Hof die Entlassung des Grafen Bray angenommen oder Letzterer strikte auf seiner Demission bestanden habe.
Aus Mecklenburg-Schwerin wird uns von guter Quelle gemeldet, daß gegen diejenigen Magistratsmitglieder der fünf Städte, welche sich auf der Versammlung in Güstrow von vornherein gegen die Einführung einer konstitutionellen Landesverfassung erklärten, ein Mißtrauensvotum von Seiten der städtischen Bevölkerung jener Städte vorbereitet wird. Was die Haltung der mecklenburgischen Negierung anlangt, so soll die Abneigung des Großherzogs gegen ein konstitutionelles Rc- giment durchaus nicht so groß sein, als vielfach angenommen zu werden pflegt; es steht im Gegentheil zu erwarten, daß, wenn die Agitation in Mecklenburg für Einführung von Repräsentativverfassung mit Energie weitergeführt wird, der Groß- Herzog Friedrich Franz den Widerstand der Junker gegen dieselbe entschieden brechen wird. Von Berlin aus ist in dieser Verfaffungsangelegenheit keinerlei Einwendung weder nach der einen oder anderen Seite hin versucht worden, soviel jedoch steht fest, daß das mecklenburgische Junkerthum auf keinerlei Unterstützung der preußischen Regierung wie im Jahre 1850 und 1851 zu rechnen hat.
Constitutionel, France, Salut publik u. s. w. sind heute wieder voll von Ausfällen und Hetzereien gegen Deutschland. Nach der France ist Preußen voll Angst und Sorge über die ihm von Frankreich bevorstehenden Schrecknisse; nach dem Constitutionel „kann Deutschland Frankreich den nach Seoan geleisteten Widerstand nicht verzeihen". Das Wort Chauvinismus hat laut dem Constitutionel keinen Cours mehr in Frankreich, und als es noch üblich war, bedeutete cs etwas ganz Anderes, als man in Deutschland anzunehmen pflegt: es bedeutet „eine kriegerische Stimmung, einen ritterlichen Schwung". Der Constitutionel behauptet, das, was man in Deutschland unter Chauvinismus verstehe, habe in Frankreich gar nicht existirt.
Der Gaulois meldet: Es wird uns versichert, daß eine Anzahl elsässischer Fabrikanten an Herrn ThierS ein Schreiben gerichtet haben, in welchem sie an- kündigen, daß, wenn ihnen die freie Einfuhr der Producte der an Deutschland abgetretenen Landstriche nicht verlängert und wenn gewisse Zollsatzfragen nicht in dem von ihnen angedeuteten Sinne gelöst werden, sie sich genöthigt sehen, Deutsche zu bleiben. Sie fügen hinzu, daß die Deutschen in commercieller Hinsicht geneigt sind, mehreren ihrer Forderungen zu entsprechen, welche von der französischen Regierung zurückgewiesen worden.
Aus der Baar, 13. Juli. Unsere Umgegend wurde dieser Tage in eine große Aufregung versetzt. Es wurde nämlich am letzten Samstag, den 8. d. M., Pfarrverweser Scherer in Mundelfingen, gegen welchen der schwere Verdacht vorlag, unzüchtige Handlungen mit Schulkindern gctrieben zu haben, verhaftet und in das Amtsgefängniß Donaueschingen verbracht. Derselbe hat dem Untersuchungs- richter bereits ein umfassendes Geständniß seines Vergehens abgelegt. Wir müssen noch bemerken, daß gerade dieser Geistliche zu Denjenigen gehört, welche in ihren Predigten und Christenlehren meistens über das sechste Gebot sprechen und sich den Schein großer Frömmigkeit anzueignen bemüht sind. (Bad. L.)
Niedersonthofen bei Kempten, 8. Juli. Der hiesige Caplan ist jedenfalls ein praktischer Mann. Ein hiesiger Gemeindebürger, Unterzeichner der „Döllinger Adresse", erkrankte jüngst bedenklich und gelangte damit an den bekannten Scheideweg zwischen Vernunft und Gewohnheit. Die Gewohnheit siegte: er ließ den Caplan zum „Versehen" holen. Dieser aber verlangte, ehe er seine Arbeiten be- gann, Widerruf der Unterschrift vor zwei Zeuge». Ob die Anwesenheit von Zeugen bischöfliche Ordonnanz ist, weiß ich nicht, aber eine „Bekehrung" vor Zeugen macht natürlich mehr Wirkung, ist ein größerer „Triumph der Kirche", als eine „Bekehrung" unter vier Augen. Kurz, am Schluffe der „Bekehrung" und der übrigen Formalitäten erklärte der Caplan, den Kranken noch nicht ab- solviren zu können, wenn er nicht gleichzeitig — 25 fl. Kirchenbuße zahle. Der mittellose Kranke bat, seine Arwuth rc. zu erwägen, und ich erfuhr nicht, ob der Caplan die 25 fl. bettrieb oder stundete, oder auch sich vielleicht mit einem Mobiliar-
Daß er die 25 fl. von dem Sterbenskranken forderte, ist Thatsache und wird nöthigenfalls durch Zeugen erwiesen werden. (Kpt. Z.)
Berlin, 17. Juli. In Bezug auf die jüngsten Vorgänge im Elsaß, die das bisherige Verfahren der deutschen Verwaltungsbehörden als viel zu milde er- scheinen lassen, haben hier wiederholte Berathungen stattgefunden, welche einstweilen zu dem Resultat geführt haben, daß einmal eine schärfere Handhabung des Be- lagerungszustandes anempfohlen und anderseits der Beschluß gefaßt wurde, schon in der nächsten Zeit die Mannschaften vom 20. bis 23. Jahre in die Armee einzustellen. Die Auswanderung aus diesen Jahresklaffen hat in der That in der letzten Zeit solche Dimensionen angenommen, daß «an nicht zu hoch greift, wenn man behauptet, daß ungefähr 5000 bis 6000 der rüstigsten Männer in französische Kriegsdienste getreten sind oder sich nach Algier zur Ansiedelung begeben haben. Wie wir hören, soll eine nicht unbedeutende Anzahl der Elsässer in das preußische Garvecorps eingestellt werden.
München, 17. Juli. In der Ansprache, die der Bürgermeister Erhardt an den Kronprinzen am Siegcsthor hielt, drückte derselbe seine Freude aus, den Kronprinzen bei dem erhebendsten Feste, das München je gefeiert, begrüßen zu können, erinnerte an des Kronprinzen Aufenthalt in München bei Beginn des Krieges, hob hervor, wie glänzend sich der Kronprinz im Vertrauen auf die gerechte Sache Deutschlands bewährt habe, und erwähnte, daß außer der militärischen auch die politische Einigung erzielt und das deutsche Reich neu erstanden sei. Die Ansprache schloß folgendermaßen: „Ew. königl. Hoheit haben sich die Liebe der süddeutschen Soldaten erobert, aber auch unsere Herzen schlagen Ihnen warm und begeistert entgegen und es soll kein Zwiespalt mehr sein zwischen Nord und Süd. Möge Ew. königl. Hoheit als ein Zeichen der Dankbarkeit für die dem gemein- samen Vaterlaude geleisteten Dienste und als Bewci« unserer festen Hoffnungen für die Gestaltung der Zukunft Deutschlands aus den Händen dieser Jungfrauen den Lorbeerkranz entgegennehmen." Der Kronprinz erwiderte mit Gruß und Dank an München für den überreichten Lorbeerkranz, dankte für den freundlichen Empfang der tapferen Truppen und drückte die Hoffnung aus, daß die im Felde begonnene Waffenbrüderschaft der deutschen Stämme im Frieden würde weiter aus- gebaut werden. Der Kronprinz dankte den Frauen und Jungfrauen für Das, was sie an den Soldaten-Waisen und Verwundeten gethan, und empfahl schließ- lich die gestorbenen Helden dem ehrenden Andenken des Vaterlandes.
München, 18. Juli. ' Dem gestern von der Stadt München im Glaepalaste gegebenen Festbankette wohnten der Kronprinz des deutschen Reichs, der Prinz Luitpold mit feinen Söhnen, der Prinz Adalbert sowie etwa 2500 Gäste bei. Der Glaspalast war feenhaft geschmückt und beleuchtet. Bürgermeister Erhardt trank auf das Wohl des Königs Ludwig. Bürgermeister Wievemayer auf das des Kaisers und des Kronprinzen. Letzterer antwortete, er habe schon wiederholt hcrvorgehobe», wie hoch er die bayerische Tapferkeit und Waffenbrüderschaft schätze und welch' großes Vertrauen der Kaiser der bayerischen Armee cntgegengebracht habe. Die bayerische Armee habe dieses Vertrauen glänzend gerechtfertigt. Sie habe im Kriege ihre Schuldigkeit gethan, möge sie nun die im Felde an den Tag gelegten militärischen Tugenden, welche sie zum raschen Sieg über den Feind geführt haben, im Frieden weiter üben und pflegen. Das Vertrauen, welches die Armee dem Kaiser und ihm (dem Kronprinzen) entgegengebracht, werde, wie er hiermit zugleich im Namen des Kaisers wiederhole, gerechtfertigt werden. Er bringe aus seine Waffengenossen, die bayerische Armee, sein Hoch. Die- Hoch, in das die ganze Versammlung jubelnd einstimmte, wollte kein Ende nehmen und wurde die Rede des Kronprinzen mehrfach von Jubel und Hochrufen unterbrochen. Gegen halb zwölf Uhr verließ der Kronprinz das Fest, das erst gegen Tagesanbruch endete. Der König erschien nicht auf dem Feste, derselbe kehrte Nacht- nach Schloß Berg zurück.
München, 18. Juli. Der Kronprinz des deutschen Reichs ist heute früh über Frankfurt und Ems nach England abgereist. Baron v. Werther begleitet denselben.
Der „Constitutionel" sagt in einer Polemik gegen die „Nordd. Allg. Ztg.", welche ihm seinen Chauvinismus vorhielt: Die deutschen Zeitungen möchten glauben machen, daß wir zur Revanche drängen. Wir denken nicht, wir dürfen nicht an die Revanche denken. Wenn aber jemals der Tag der Vergeltung für uns leuchten sollte, so wird diese in Deutschland selbst vorbereitet sein. Deutschland wird es ohne Zweifel nicht ewig ertragen, Preußen unterworfen zu fein; es wird mit eigenen Händen jene künstliche Einheit zerbrechen, die in Wahrheit nur ein demüthigendes Joch für es ist. Mae uns betrifft, wir wollen den Frieden, aber einen aufrichtigen, auf Gegenseitigkeit beruhenden Frieden, und wenn wir uns noch von Zeit zu Zeit gegen die Preußen erheben, so geschieht das, weil die Preußen zu vergessen scheinen, daß der Friede zwischen ihnen und und unterzeichnet ist, und daß sie mit ihrer gewaltthätigen Aufführung in den Ländern, die sie besetzt halten, aus der Occupatio» nur eine Fortsetzung de- Krieges machen. Die deutschen Blätter halten uns das Beispiel des Herrn Jules Favre entgegen. Sie sind mit Herrn Jules Favre sehr zufrieden, entdecken an ihm die liebenswürdigste Verföhn- lichkeit, erwirken von ihm, was sie wollen, und würden seinen Rücktritt sehr be- dauern. Das glauben wir gern. Aber wir appelliren an die Deutschen selbst. Herr v. Bismarck hat einmal gesagt: „Die französische Ehre ist nicht besser, als die deutsche." Nun denn, würden die Deutschen zu einer Versöhnung etwa die Hand reichen, die nur auf Kosten ihres Charakters und ihrer Würde erfolgen könnte?
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Berlin, 16. Juli. Der Minister des Innern, Graf Eulenburg, hat be. kametlich in Ems soeben dem Könige Vortrag gehalten, und es verlautet hier, daß es sich dabei um die weiteren Consequenzen der neulichen Staats-Ministerial- beschlösse rückstchtlich der Stellung des Staates zu den katholischen Jnfallibilitäts- wirren gehandelt habe. Jedenfalls müssen diese Beschlüsse und der ihnen entsprechend ergangene Erlaß des Cultus-Ministers an den Bischof von Ermeland zu weiteren — wahrscheinlich auch gesetzgeberischen — Maßnahmen führen. Die Speuer'sche Zeitung giebt darüber — wie es scheint, aus guter Quelle — bereits einige nähere Aufklärung. „Das Schreiben des Hrn. v. Mühler", sagt sie, ,unter- scheidet sehr scharf und vollkommen zutreffend zwischen der römisch-katholischen Kirche vor und nach dem 18. Juli 1870. Die preußische Regierung kann selbstverständ- lich nicht daran denken, die bi-herigen gesetzlichen Bestimmungen nur gegenüber dem Tyeile der katholischen Kirche, welcher da- Unfehlbarkeits-Dogma nicht anerkennt, aufrecht zu erhalten und die übrigen von den Wohlthaten der Gesetzgebung ^^^uschlikßen. Es kann sich nur darum handeln, das bestehende Verhältnis zwischen Staat und Kirche überhaupt einer gesetzlichen Revision zu unterziehen, nachdem diejenige römisch-katholische Kirche, welcher die preußische Versassunas- Urkunde umfassende Garantieen der Selbstständigkeit gewährt, zu existiren aufge- er* "Germania" hat vor einigen Wochen hervorgehoben, die Kirche
Es Körper, sondern ein lebendiger, entwicklungsfähiger Organismus,
d" Staates, die Berechtigung dieser neuesten Entwicklung einer wohl aber zu prüfen, ob diese Entwicklung derart ist, die bestehenden, gesetzlich fixirten Beziehungen zwischen Staat und Kirche zu alte- !ine"'R-^n ®efrS*Jul,<gen M StaatS-Ministerium- bejaht unD.uapian Die zd fi. dci
preußische Verfassung und Gesetzgebung geschaffenen stück abfinden ließ. Zustandes (Art. XV. der Verfassung) tn Aussicht genommen worden." 'Thatsache und wird


