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Don der Hohen Salve, einem der besuchtesten Aussichtspunkte bet Kufstein in Tyrol, wird demGrünberger Wochenblatt" Folgendes mttgetheilt:

An die Nedaction desGrünberger Wochenblattes" hier. Grünberg, den 9. September 1871. Als ich am 30. August früh am Morgen die hohe Salve befliegen hatte, fand ich die ziemlich zahlreiche Gesellschaft, mit nur einigen Aus- nahmen aus Bayern und anderen Angehörigen des Deutschen Reiches bestehend, in lebhafter Erregung über folgenden Vorfall, der am 29. August gegen Abend sich ereignet hatte: Unter dem Incognito eines Grafen Kleßheim hatte am 29. August Erzherzog Ludwig von Oesterreich (Bruder des gegenwärtigen Kaisers) in Begleitung des Grafen Pachta die Hohe Salve bestiegen. Hier hing in der Wirthsstube des auf der Höhe belegenen Gasthauses, rechts neben der Eingangs- thür, in einfachem Rahmen da- Brustbild des deutschen Kaisers, Königs Wtlhl.m von Preußen. Dieses verlangte der hohe Besucher käuflich von der Wirtbin zu erwerben; anfänglich abschläglich beschiedcn, gelang es ihm dennoch, das Bild für 5 Gulden zu erkaufen, worauf er es aus dem Rahmen löste und auf dem großen offenen Kochherde der Gasthausküche verbrannte. Im Fremdenbuche fand ich die Namen Graf Kleßheim und Graf Pachta eingetragen und ferner in einem poeti­schen Erguß, den ich abschriftlich beilege, den Thatbestand verzeichnet. Letzterer lautet:Wundervoll hast Du geichaffen, o Gott, unsere Erde, die Welten! Nirgends erhebt sich der Stolz, Liebe nur athmet Dein Werk! Tauchte nicht gestern ins Meer der unendlichen Berge die Sonne, Bergend bescheiden ihr Licht, daß sich könnt' zeigen der Mond? Wie nun so mächtig das Staunen ob gleichen Schaffens der Menschen, daß Graf Kleßheim erkauft hier um fünf Gulden das Bild Meines erhabenen Kaisers, Deutschlands leuchtende Sonne, Und es in FeuerSgluth senkt, wechselnd hier immer das Licht!" Wirthsstube zur Hohen Salve, 30. August 1871. I. Bövl, königlich bayerischer Eisenbahn- Osficial. Für die Wahrheit des hier Mitgetheilten bin ich event. bereit, mit meinem Namen einzustehcn, und überlasse Ihnen, ob und in welcher Weise Sie diese Mittheilung in Ihr Blatt auszunehmen für geeignet finden. Achtungsvoll Robert Eichmann.

Wir fanden die Sache neulich schon in österreichischen Blättern kurz erwähnt, auch ward uns selbst darüber geschrieben, wir mochten aber nichts davon veröffent­lichen. Da die obige Mittheilung mit solcher Bestimmtheit auftritt, so haben wir den Bericht hier wicdergeg^bcn, in der Hoffnung und mit dem Wunsche, daß eine Widerlegung nicht ausbleiben möge. (K.Z.)

DieTimes" äußert ihre Befriedigung über die beschleunigte Räumung des französischen Gebiets durch die deutschen Truppen.Die Sache, bemerkt fk legt Zeugniß ab von der inneren Kraft Frankreichs und gereicht gleichzeitig den deutschen wi den französischen Unterhändlern sehr zum Verdienste. Die Deutschen haben mit ebenso großer Klugheit als Großmuth sich geneigt erwiesen, den Ge­fühlen und Interessen der Franzosen Rechnung zu tragen, indem sie nicht auf dem Buchstaben des Vertrages bestanden, so lange seine Garantien im Wesentlichen erfüllt wurden. In dem Verhältniß, wie sich die deutschen Truppen zurückziehen, wird das Land wieder seine alten Gewohnheiten und sein Geschäft aufnehmen und die Regierung wird im gleichen Verhältniß an Stetigkeit gewinnen."

Die Vereinbarungen in Gastein und Salzburg werden von derTimes" als die naturgemäße Folge eines entscheidenden Krieges bezeichnet. Preußen habe seine Ziele erreicht und werde nun im richtigen Laufe der Dinge conservativ, d. h. darauf bedacht sein, den Frieden zu erhalten, um seine Errungenschaften zu sichern. Ein Gleiches müsse von Italien gesagt werden, und Oesterreich habe die Gedanken an die Vergangenheit aufgegeben, um sich in die Verhältnisse zu schicken und sich herzlich mit den beiden anderen Staaten hinsichtlich einer Politik zu eini­gen, welche momentan durch die gemeinsamen Interessen geboten sei. Im Weiteren beleuchtet das leitende Blatt die neugeschaffene Lage und sagt im Wesentlichen: Gegen das große Princip des Friedens als solches ist natürlicherweise nichts einzuwenden, allem Frieden heißt bei einer Uebereinkunft wie die jetzige nur die gewaltsame Aufrechterhaltung des Status quo, und man muß deshalb erwägen, was dieser letztere bedeutet. Es würben keine Bündnisse für Aufrechterhaltung des Friedens nöthig fein, wenn alle Staaten gleichmäßig mit der Stellung zu- frieden wären, in welcher sie der Abschluß des jüngsten Krieges gelassen hat. Im gegenwärtigen Falle könnte man es sich kaum verhehlen, daß der Zweck, welchen die erste der drei verhandelnden Mächte auf jeden Fall wenigstens verfolgte, als sie die heilige Tripelallianz, so weit dieselbe überhaupt Gestalt angenommen hat, vereinbarte, darauf hinauslief, dem erbitterten Frankreich Nachgiebigkeit und Gefügigkeit auszuerlegen. Gleichzeitig aber kommt auch Oesterreichs Bekehrung von seiner früheren Unruhe zur Beruhigung und Zufriedenheit zum Ausdruck. Bei diesem lltzteren Prozesse handelte es sich auf beiden Seiten, bei Preußen so« wohl wie Oesterreich, um Geben und Nehmen. Oesterreich mußte sein Trachten nach Einfluß in Deutschland aufgeben und Preußen mußte dem Gedanken entsagen, die deutschen Provinzen der österreichischen Monarchie anzulocken. Aus beiden Seiten scheinen diese nothwendigen Grundbedingungen ehrlich angenommen worden zu sein, und in den Augen englischer Staatsmänner liegt hierin das wichtigste Z cl des Bündnisses, da dasselbe den Frieden Mitteleuropas sichert. Die besten Interessen drr Civilisation würden wahrscheinlich durch treue Anhänglichkeit an eine Vereinbarung, welche jede von beiden Mächten in ihrem besonderen Macht­bereiche das Entgegenkommen und die Freundschaft der anderen sichern würde, gefördert werden. Zwischen Ost und West ist hinlänglicher Raum für beide. Wenn man übrigens alles dieses fcsthält unt) unräumt, dann bleibt noch die Frage offen, welche Politik Frankreich unter den neuen Verhältnissen einschlagen wird und welche Gegenyolitik von seinen Gegnern angenommen werden dürfte. Es wirb noch un- vergessen fein, daß die Verträge von 1815 fast den einzigen Zweck hatten, Frank, reich nieverzuhalten, und daß sic trotz alledem vor den Augen der Jetztzeit zcr- rissen wurden, allerdings nach einem langjährigen Frieden. Glücklicherweise ist nun die Uebereinfunft von Gastein und Salzburg keine gegen Frankreich gerichtete heilige Allianz, allein sie läuft doch auf eine klare Anerkennung des von Preußen namentlich auf Grundlage französischer Verluste und Demüthigungen eingenommenen Ranges durch Oesterreich und Italien hinaus. Es muß Frankreich tief kranken, -u finden, baß zwei Mächte, auf deren Sympathien und Inter ssen es bauen zu dürfen glaubte, eng mit dem Feinde verbunden sind. Der Gedanke mag unzwufel- haft einstweilen den Frieden sichern, allein er wird nicht dazu beitragen, die Miß­stimmung der Ration zu mildern." Daß der neue Bund in eine Bahn der Reaktion einlenken könne, wie ehemals die heilige Allianz, glaubt dieTimes" schon des­

halb nicht annehmen zu dürfen, weil Oesterreich sowohl wie Italien m t großer! Entschiedenheit auf dem Pfave des Liberalismus sortschrcite. Die ;

schließt mit den Worten:Was uns aubetrifft, so können wir nur sagen, daß jede Sicherheit des europäischen Friedens England angenehm sein muß."

Darmstadt, 15. September. An Stelle des kürzlich verstorbenen Geheim- raths Zimmermann ist CabinetScaffedirector Winter zum CabinetSdirector ernannt worden. Aus zuverlässiger Quelle erfahren wir, daß man an hiesigem Hofe zwar die Militärconvention alsbald ratificiren, aber in Bezug auf Versetzungen ic. den preußischer Seits gestellten Anforderungen nicht nachkommen wollte und deshalb bis jetzt die Ratification des Kaisers nicht erfolgte; doch sollen die An­stände nunmehr beseitigt fein.

Braunsberg, 10. September. Heute Morgen um 8 Uhr begab sich Dr. Wollmann, von zwei Eollegen begleitet, zur hiesigen Pfarrkirche, um die Messe zu hören. Schon am Tage vorher wollte man mit Bestimmtheit wissen, daß der Fanatismus des Pöbels aufgestachelt fei, um Wollmann mit roher Gewalt von der Kirche fcrnzuhalten, refp. aus derfelven hinauszustoßen. Es wurden zwei dunkle Persönlichkeiten bezeichnet, die bestellt feien , zu diesem Zwecke, mit Stöcken be­waffnet, an den beiden Kirchenthüren Wache zu halten. Doch gelangte Wollmann unangefochten bis in die Rathsherrenstühle. Nicht lange währte es, so trat der Küster Spohn an ihn heran und sagte:Herr Wollmann! Der Herr Domherr läßt Sie bitten, Sie möchten so gütig sein, die Kirche zu verlassen." Herr Woll­mann antwortete in fester und ruhiger Stimme:Sagen Sie dem Herrn Dom­herrn , ich würde das nicht thvn." Beneficiat Dietrich celebrirte dann in Woll- mann's Anwesenheit die Messe toejter bis nach der Priester - Communion , brach Dann ab und entfernte sich von dem Altäre. Die Lichter wurden ausgelöscht und die Laien, welche schon an der Communionbank niedergekniet waren, um des Abend­mahl zu empfangen, mußten warten, bis Herr Wollmann sich entfernt hatte. Die Kirche war für Vie bezeichnete Zeit ungewöhnlich stark besucht, ohne Zweifel, weil man allgemein einen ähnlichen Vorgang vermuthtt hatte. Als Wollmann die Kirche verließ, machten die anständiger aussehenden Leute ehrerbietig Platz; vor ver Kirche blieben die vor ihm Gehenden stehen und grüßten mit ostensibler Hoch­achtung. Nur ein verkommen ausgehendes Individuum sagte, als Wollmann vor- überging, aasspeiend:Pfui! schmutziges Subject". Das noch zurückgebliebene Volk, darunter viele Frauen, sammelte sich vor der Kirche und gab laut seine Entrüstung kund über vaS Verfahren der Geistlichkeit gegen den pflichttreuen Priester. Da nun Herr Wollmann weder provociren noch auch Anlaß zu Störungen öffent­licher Andacht geben will, so wird er die Messe in der hiesigen Pfarrkirche künftig nicht mehr besuchen. (Elb. Anz.)

Paris, 16. September. DerAgence Havas" wird aus Versailles ge- meldet: Thiers wirb sich heute in die mit der Prüfung des Vertrages über Elsaß- Lothringen beauftragte Commission begeben. Man hofft, daß eine Vereinbarung erzielt werden wird. Sollte sich die DiScusston zu sehr in die Länge ziehen, wirb heute Abend oder morgen eine Extrasitzung gehalten. Hier eingegaugenen Nach- richten zufolge wurde gestern in Lyon und St. Etienne die Nationalgarve durch Maueranschlag aufgefordert, binnen 48 Stunden die Waffen abzuliefern. De­peschen von heute morgen constatiren, daß in den genannten Stävten vollkommene Ruhe herrsche.

Paris, 16. September. Nach demJournal osficiel" ist Kolb - Bernard und nicht, wie zuerst gemeldet, Buffet, zum Präsidenten der mit der Prüfung de- Vertrages, betreffend Elsaß-Loihringen, bttrauttn Commission ernannt worden. Zum Secretär derselben wurde Leurent gewählt.

Paris, 16. September. Wie versichert wird, haben vier Bureaux für Ge­nehmigung des Vertrags, betreffend Elsaß-Lothringen, gestimmt, sieben Bureaux dagegen, während andere vier Bureaux Modificationen verlangen. DasJournal des Debats" meint, es fehlten die Garantien für genaue Ausführung des Ver­trages, und fürchtet, die Industrie Deutschlands wie die der Schweiz würde von der im Elsaß geöffneten Pforte Nutzen ziehen. Um den Vertrag annehmbar zu machen, müßte die vollständige Räumung des französischen Territoriums stipulirt werden.

Landwirthfch aftliches.

(Mitgetheilt von der höheren landwirthfchafilichen Lehranstalt in WormS.) WormS, 14. September.

Ernteergebnisse. Die von Bartholomy Etienne in Marseille über Frankreichs neueste Ernteergebnisse gesammelten Berichte lauten ungünstig; cd ist eine sehr gute Ernte in 3 , eine gute in 23, eine erträgliche in 19, eine mittelmäßige in 34, eine schlechte in 9 Departements unt eine sehr schlechte in dem Departement Eure-et-Loire gemacht worden. DaS Erträgniß Franl- reichs an Weizen b.trug im Jahre 1868 , wo cd wohl die höchste Ziffer erreichte, 116,783,000 HectolitreS; im Jahre 1869 ging es auf 107,941,000 HectolitreS zurück, und die Zister von 1870 ist noch nicht festgestellt. Für das laufende Jahr schätzt der Fachmann, Herr Baral, ft<£ maß Mittheilung der allgemeinen deutschen landwirthschastlrchen Zeitung bad Erträgniß auf nric 10,04 HectolitreS per Hectare, was im Ganzen eine Quantität von 78,523,000 HectolitreS er­geben wurde. Da nun das Bedürfniß des Landes sich in der Regel auf 100 bis 110 Millionen HectolitreS beläuft, so wäre ein Deficit von wenigstens 22 Millionen HectolitreS zu decken. Die Mitlheilungen FleischhammS, Brüssel, sprechen sich über die Erträgnisse in Belgien fort* dauernd recht günstig aus, doch gehen die Meinungen hinsichtlich der Qualität sehr auseinander, insbesondere soll die MehlanSdeute bed Weizens in einem schlechten Verhältnisse stehen zu beit verlockend schönen Aussehen ber Körner. Auch die holländischen Nachrichten lauten gut, selbst betreffs der Qualität. AuS Posen wird berichtet, daß die sämmtlichen Halmfrüchte einen reich­lichen Ertrag an Stroh ergeben, der Körnerertrag des Roggens aber nur dem vorjährigen gleich- zust.llen sei; Weizen ergab eine gute Mlttelernte, jcdoch fei die Qualität in Folge oeS starker Lagerns und plötzlichen Reifens nicht befonbeid. Gerste, obwohl etwas gelb, erzielte ein gutiS Resultat; Hafer sei vorzüglich. Der Berliner Wochenbericht vom 8. September, wie ihn die eben angeführte Zeitung mittheilt, sagt:Die Beurtheilung der Ernte ist in der letzten Woche keine andere geworden, und hat bad sich mehr uno mehr cousolidirende Bewußtsein einer In Eng­land, Frankreich, Ungarn und Rußland defecten und in den übrigen europäischen Staaten nicht übermäßig großen Ernte der Hauptbrodfcüchte, im Verein mit den mehr moverirten, aber keines­wegs verstummten Klagen über Kartoffeln, zu einer Coujunetur im Getreidehandel geführt, vot der sich heute noch nicht sagen läßt, ob sie ihren Eulmiuationdpunkt bereits erreicht haben wirt. D.e Gefammtütuation, parteilos betrachtet, muß jedoch noch als recht unsicher betrachtet werden, denn unläugbar ist die Speculatton diesmal gewaltig anticipirend vorgeschritten. Die Bewegung in Getreide ist überall zu einer Zeit eing treten, wo die Speicher mehr oder weniger gut gefüllt sind, während sie zur Aufnahme des neuen Einschütts leer sein müßten ferner deckt der Eonsua überall nur von Hand zu Mund seinen Bedarf und ist eine Waarenbewegung, wie wir sie sonst um diese Zeit gewohnt zu sein pstegten, noch nirgends erkennbar. JrdenfallS muß der definitive 'Ausfall der Kartoffelernte abgewartet werden, bevor festzustellen ist, ob und wie viel Portiom» {an Menschennahumg fehlen und ob und von wo sie ergänzt werden müssen. Für Weizen invess«» {durfte diese Frage b.reitS jetzt reif fein und kann nach Lage der Einten wohl angenommen wer­den, daß billige Prciie für bad ganze Jahr kaum vorübergehend in'S Auge zu fassen sind, obwohl auch hierfür weder Englands noch Frankreichs Notirungen in Einklang mit unseren jetzigen Preise» zu bringen sind. ,,

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