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Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Kielen

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Mittwoch den 19. April

1871

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Gießen, am 15. April 1871.

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Preis riecteljährtg 1 12 h.

mit Bringerlohn. Durch die Bost vezogen vierteljährig t ff. 27 fr.

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Betreffend: Die Musterung, Abschätzung und Aushebung der bei eintretender Mobilmachung für die Großherzogliche Division erforderlichen Pferde.

wenn sie sich nicht den Vorwurf des Verraths an Frankreich, mit welchem die Parteien wie die Individuen so rasch zu verleumden gewohnt sind, mit voller Schuld zuzichen will und es ist nur zu wahrscheinlich, daß die eigentlichen Macht- haoer von Paris eine Zustimmung weder erwarten noch wünschen.

DieUnion", welche Paris zu einem Freistaat machen will, welcher zu Frankreich in das Verhältniß der Föderation treten soll, möge sich über die Aus­führbarkeit eines solchen Projekts tauschen, aber von der richtigen Ueberzeugung ausgehend, daß eine Gemeinde von mehr als 2 Millionen Menschen eine aus­nahmsweise Constituirung verlange,suchen sie thörichter Weise die locale Befrie­digung und den nationalen Frieden in Institutionen, welche lediglich der Demagogie und dir von ihr entzündeten Leidenschaften örtlich den freiesten Spielraum lassen und ihr Gelegenheit bieten würden, das Land in stete Mitleidenschaft zu ziehen.

Die eigentlichen Machthaber mögen diese Consequenz der unionistischen Vor- schlage vollständig begreifen und daher deren Zurückweisung vorhersehen; solche aber um so mehr wünschen, als sie wohl wissen, daß die Zurückweisung von Frie- denSvorschlägen, mögen sie noch so unsinnig gewesen ^ein, den Zurückweisenden immer ein gewisses Odium zuzieht, welches oem souveränen Unverstände des Pöbels gegenüber seine Ausbeutung finden wird.

Andererseits aber und hauptsächlich widerspricht es dem JakobinismuS, welche, selbst in Paris zur Alleinhrrrschast gekommen zu sein scheint, Frankreich aus der Gewalt der Hauptstadt zu entlassen. Der. JakobiniSmus kann mit derFreiheit" von Paris, wenn es ihm überhaupt um die Freiheit zu thun war, sich nicht be. friedigt erklären, wenn er dieselbe Sorte von Freiheit nicht über ganz Frankreich ausbreiten kann, um mitt lst derselben Frankreich zu terroristren.

Die alten Pariser Verschwörer, die handwerksmäßigen Revolutionäre, sowii die streitbaren Missionäre des neuen Glaubens an dieFrei vereinigten Staate» von Europa- haben jetzt endlich in Paris den ArchimedeSpunkt gefunden, von chem aus sie die bestehende politische Welt aus den Angeln heben zu können Hoffer und sie werden ihn freiwillig nicht verlassen.

Sollte man aber in Versailles kurzsichtig oder ohnmächtig genug sein, uv auf die Friedensvorschläge der Union einzugehen, so würden die Blanqui und Eon sorten auch nichts dabei verlieren, als höchstens ein wenig Zeit.

Denn jene Vorschläge laufen ja eigentlich erst recht dahin aus der Parise Commune freiwillig den Hcbel in die Hand zu geben, mittelst dessen sie Frankreiö aus den Angeln heben könnte.

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M. Sieben Parteien

haben sich im deutschen Reichstage constituirt, von denen die nationalliberale mi nahezu 120 Mitgliedern die stärkste und die aus 13 Abgeordneten bestehend polnische Fraction die schwächste ist. Nur die letztere Partei steht nicht aus der Boden der Rcichsverfassung, alle anderen dagegen betrachten dieselbe als den Aus gangSpunkt ihres nationalen und freiheitlichen Strebens.

Am fläcksten sind diese beiden Richtungen, die nationale Unabhängigkeit un die verfassungsmäßige Freiheit, in denen sich unser Jahrhundert bewegt, auf de

Erscheint täglich, mit Aus­nahme MontagS.

Expedition: Lanzletberg

Ltt. B. Rr. 1.

an die GroscherzogUchen Bürgermeistereien des Kreises.

Nach §. 5 des Reglements vom 28. August 1868 (Regierungsblatt Wr. 53) sind in diesem Jahre erneuert die sämmtlichen in jeder Bürgermeisterei vorhandenen Pferde in einer Liste nach dem dem Reglement beigefügten Formular 1 zu verzeichnen und ist diese Liste, unter Zurückbehaltung einer Abschrift zu Ihren Acten, uns vorzulegen. Wir fordern Sie auf, dieser Vorschrift längstens binnen 14 Tagen unter genauer Beobachtung der Vorschriften des erwähnten §. 5 zu entsprechen.

Gleichzeitig wollen Sie auch die Ergänzungsliste (Absatz 4 des §. 5> anlegen und pünktlich fortführen.

v. Starck.

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Bekanntmachung.

Auf Grund des §. 21 der Gewerbeordnung und des 14 der Großherzoglichen Verordnung vom 1. November 1869 wird

Montag den 2£. l. M», Vormittags 10 Uhr,

im Negierungsgebäude dahier eine öffentliche Sitzung der unterzeichneten Behörde abgehalten werden.

Gießens am 15. April 1ö71. Großherzogliche Provinzial-Direction Oberhessen.

Paris und feine Berföhnungsvarschläge.

Da- Schicksal meint es gut mit Deutschland. Es ijl, als ob es sich die Franzosen zur specieüen Aufgabe gemacht hätten, nicht blps uns die Wege zur Erreichung unserer nationalen Ziele gebahnt zu haben, sondern auch noch jede übelwollende Kritik, welche sich gegen unsere Kriegführung, wie gegen den Frie­densschluß richtete, zu entrichten.

Fehlte doch gar nicht viel, daß sich die europäischen Sympathien dem be- siegten Frankreich zuwandten, um ihm mindestensmildere" Friedcnsbcdingungen zu vermitteln! Jetzt, wo sich die französischen Kugeln über den Häuptern der Pariser kreuzen und keine größere Intelligenz bei der Auswahl ihrer Opfer be- weisen, wie weiland die deutschen, fällt eS wohl Niemandem ein, der Nation, welche kein Mitleid gegen sich selber beweist, eine andere Theilnahme zu beweisen, als diejenige, welche aus dem Bedauern entspringt, daß ein großer Staat muth- willig an seinem eigenen Untergänge arbeitet und eine große Nation ihrem legi­timen Antheil an den civilisatorischcn Arbeiten der Zeit entsagt, nachdem sie der Prätension entsagen mußte, an ter Spitze der Civilisation zu marschiren.

Am gründlichsten freilich sind die Sympathien sür dasheilige" Paris ge­straft worden, welches kein Fuß derBarbaren" betreten sollte und jetzt der erklärte Sitz der Barbarei geworden ist, wenn immer der Krieg Aller gegen Alle, welcher sich dort in der Unsicherheit jeder Existenz, sowie jedes öffentlichen wie privaten Besitzes characterisirt, wohl nicht anders bezeichnet werden kann.

Mcrktrürdiger Weife fehlt cs den Parisern diesmal auch nicht an der Selbst- erkenntniß und gerade auch von derjenigen Seite, auf welcher sich verhältnißmäßig noch die meiste Mäßigung und politische Vernunft zeigt, wirb der Friede auf tcr Basis der Ausscheidung von Paris aus der Gemeinsamkeit des französischen Lebens versucht.

Die Union zur Wahrung der Rechte von Paris gesteht durch ihre der Ver­sailler Negicrung gemachten Vorschläge indircct ein, daß Paris unheilbar sei und der Zerrüttung seiner Fieberparcxysmen überlassen werden möchte, und scheint zu hoffen, daß Frankreich, um seiner selbst willen, sich dieses brandigen Gliedes ent­ledigen werde.

Anders wären-diese Vorschläge gar nicht zu erklären, welche der Hauptstadt Prärogativen geben wollen, deren jetziger Gebrauch den entschiedensten Widerspruch gegen dieselben an die Hand geben müßte; anders läßt sich die Zumuthung nicht erklären, daß die von der Nation berufene Versammlung und die aus ihr hervor- gegangene Negierung die Pariser Municipalrevolution anerkennen und die Stadt, welche bisher die Hauptstadt des Landes war, der Pöbelherrschast als Domäne überlassen soll.

Die Dcccntralisation, welcher man jetzt in Frankreich sehr laut das Wort redet, nachdem das aus tausend Wunden blutende Frankreich an seinen Schmerzen die Wirkung der politischen Initiative empfunden hat und noch empfindet, die cs bisher aueschlicßiich der Hauptstadt überlassen hat, eben diese Dccentralisation, wäre nur der Beginn der staatlichen Zersetzung, deren Prozeß allerdings schon während des Krieges eingeltitet wurde.

Die Versailler Regierung kann aus die Pariser Vorschläge nicht eingehen,

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