Bekanntmachung.
Betreffend: Bestellung eines Fleischbeschauers der Stadt Gießen.
Dec Mehgermeister Herr Wilhelm Planck dahier ist zmn Stellvertreter des zur Zeit fungirenden Fleischbeschauers der Stadt Gießen, Herrn Georg Sony, in Verhinderungsfällen des Letzteren bestellt und als solcher verpflichtet worden.
Gießen, den 16. Februar 1871. Großherzogliches Kreiöamt Gießen.
v. Starck.
Po l i tif ckH r T h e i l.
18. Februar.
Die halbofficielle „Prov.-Corr." sagt über die bevorstehenden Friedensverhandlungen: Dle Wahlen zur National-Versammlung haben in Frankreich überall mit größter Ruhe stattgefunden, und in Wahrheit mit größerer Freiheit von Machteinflüssen der Regierung oder der Parteien, als es jemals früher der Fall gewesen war. Der Ausfall der Wahlen ist der republikanischen Partei nicht günstig, — unter 750 Abgeordneten sollen kaum 150 sich als Republikaner be- kennen; ebenso ungünstig aber scheint es mit der Partei des bisherigen Kaiserreichs zu stehen, welche noch nicht 100 ihrer Anhänger durchgesetzt haben soll. Etwa zwei Dritttheile der Abgeordneten sollen den Parteien der alten Königs- Häuser, besonders den Orleanisten, angehören. Die Kämpfe und Entschließungen über die inneren Fragen werden jedoch unzweifelhaft vertagt werden, bis die äußere Frage über Krieg und Frieden gelöst ist. Die bisherige Negierung der nationalen Vertheidigung hat sofort nach dem Zusammentreten der Nationalversammlung die bisher geübten Befugnisse niedergelegt und der Volksvertretung die Berufung einer neuen Regierung anheimgegeben. Vermuthlich wird die Versammlung zunächst einen Regierungsausschuß von einigen Personen erwählen, welcher sich mit dem deutschen Hauptquartiere über die FriedenSvedingungen in sofortige Verhandlungen zu setzen haben wird. Sobald eine bestimmte Aussicht auf die Verständigung über die unerläßlichen Grundlagen des Friedens vorhanden ist, dürfte eine Verlängerung des Waffenstillstands behufs der definitiven Friedens- Verhandlungen eintreten. Die Nationalversammlung wird alsdann voraussichtlich von Bordeaux nach Paris verlegt werden.
Nur in dem unwahrscheinlichen Falle, daß die französische Volksvertretung sich der unausweislichen Nothwendigkeit des Friedens und den Bedingungen desselben verschließen sollte, würden mit dem Ablauf des Waffenstillstandes die Kriegsoperationen sofort mit voller Energie wieder beginnen, und für diesen äußersten Fall sind seitens unserer Heeresleitung alle Vorbereitungen getroffen, um einige der bisher vor Paris verwandten Armeecorps alsbald in erster Linie nach Westen und Süden verwenden zu können. Doch ist die volle Zuversicht begründet, daß dieser Fall nicht eintreten werde, daß vielmehr unsere Truppen in nicht langer Zeit lorbeergekrönt den Weg in die Heimath werden antreten können.
Nach dem Wortlaute der Convention vom 28. Januar 1871 haben die deutschen Heere 22 französische Departements ganz und 3 theilweise in ihrer Gewalt. Die ersteren sind Aisne, Ardennen, Aube, Eure, Eure-et-Loire, Indre-et- Loire, Loir-et-Cher, Loiret, Marne, Haute-Marne, Mcurthe, Meuse, Moselle, Oise, BaS-Rhin, Haut-Rhin, Haute-Saone, Sarthe, Seine, Seine-Jnf^rieure, Seine-et- Marne, Seinc-et-Oise, Somme, VoSgeS, Jonne. Diese 25 Departements, welche mit Ausnahme einiger Punkte ganz von deutschen Truppen besetzt, und deren HülfSquellen zur Zeit für Frankreich nutzlos sind, haben einen Flächeninhalt von etwa 2640 Quadratmeilen und eine Bevölkerungszahl vom über 12 Millionen Einwohnern, welche an 62 Millionen FrcS. Grundsteuer bezahlen. Außerdem aber fino Die Departements Cüte d'or, Doubs, Saone-et-Loire rc. theilweis besetzt; diese letzteren repräsentiren ihrerseits wiederum eine Fläche von 3 Millionen Hektaren mit über 2 Millionen Einwohnern und 15 Millionen Francs Grundsteuer. — Da ganz Frankreich aber etwa 54 Millionen Hectaren Gebiet hat, von denen also über 18 Millionen in Feindes Hand sind, und 39 Millionen Einwohner zählt, die im Ganzen 160 Millionen Francs Grundsteuer bezahlen, so erhellt aus den vorangeschickten statistischen Angaben, daß Frankreich im gegenwärtigen Kriege mit Deutschland jetzt ein Drittel seines Gebietes und mehr als ein Drittel seiner Bevölkerung verloren hat und zwar mit dem erschwerenden Umstande, daß die von deutschen Heeren besetzten Gegenden die reichsten und fruchtbarsten sind, weil sie verhältnißmäßig den bei Weitem größten Theil der Grundsteuer des ganzen Landes aufbringen, und Die vertheidigungSfähigsten, weil in ihnen die deutschen Truppen fünfundzwanzig Festungen nehmen mußten. Es wurden bis zu dem am 28. Januar abgeschlossenen Waffenstillstände folgende fünfundzwanzig Forts, Cita- dellen und Festungen genommen: Lichtenberg, Lützelsteifl, Marsal, Vitry, Fort Mortier, Straßburg, Neu-Breisach, Schlettstavt, Pfalzburg, Toul, Verdun, SoiffonS, Laon, Metz, Diedenhofen, Longwy, Meziöres, Montmüdy, Sedan, Ro- croy, Peronne, Ham, La Fore, Citadelle von Amiens, die Forts um Paris. Außerdem wurden feste Schlösser genommen, wie Mömpelgard und Robert le Diable und die Belagerungen und Cernirungcn fortgeführt um Bitsch, Belfort, Langres und Besanyon.
Den besten Beweis aber für die militärische Stärke dieser Provinzen, in denen Frankreich seit Jahren Alles für einen Offensivkrieg gegen Deutschland vorbereitet hat, gicbt der Bau so vieler Festungen und die Anlage der bedeutendsten Mllltär-EtablissementS in denselben. Es finden sich allein im Elsaß und dem d.uischen Theile von Lothringen sechs Festungen erster Classe: Straßburg, Belfort, Neu.Breisach, Bitsch, Diedenholen und Metz; vier Festungen zweiter Classe: Schlett- stadt, Pfalzburg, Marsal und Lützelstein; zwei kleinere feste Punkte: Lichtenberg und Mömpelgard. -- Die Militär-Etablissements in Straßburg und Metz sind in ersterer Ftstang ein arscnal do conslruclion und ein Ponton-Depot, in Metz kill arsonal do conslruclion, ein arscnal de gonie, eine Puloermühle und eine Schmiede. Außeibem finden sich eine Geweprfabrik in Mutzig, eine Fabrik für blanfe Waffen in Klingenthal, eine Locomotlv- und Eisenbahnwagen-Fabrik in Mühlhausen und großartige Tuchfabriken in dieser Stadt, Bischweiler und Metz.
Das Aeltestrn Collegium der Berliner Kaufmannschaft hat beschlossen, dem Kaiser bei seiner Nuckk«hr einen goldenen Lorbeerkranz zu überreichen. Die Kosten werden durch freiwillige Beiträge der Corporations - Mitglieder gedeckt werden.
In den im englischen Blaubuche veröffentlichten Actenstücken über die Kriegsfrage, meld e der Telegraph in Kurze zusammenfaßt, ist von Der englischen Re- gierunj) der Gesichtspunkt festgehal en, düß eine Intervention so lange zu vermeiden sei, als nicht eine d«e Annahme beider Theile verheißende Basis vorgeschlagen sei. Das heißt mit anderen Worten, England halte eine neutrale 23er- minlung nur für ersprießlich, wenn sie von beiden kritgstihrenden Theilen bean-
Jfpruebt würde. Dies wurde schon früher als die von England und Amerika inne, gehaltene Stellung bezeichnet. Es war das auch wohl erklärlich. Das Borges eines neutralen Staates auf die Einladung eines einzelnen kriegführenden Theiler würde Den intervenirenden Staat der Gefahr, sich vergeblich zu compromitliren, aussetzen. So weit ist Englands Verfahren klar. Dagegen wird Näheres übet oie englische Depesche vom 20. Jan. nach Berlin abzuwarten sein, die Den Wunsch aussprach, die deutsche Negierung möge ihre Ansichten bezüglich Der Friedensbedingungen zu erkennen geben. Das Motiv dieses Sch-ittes ist noch nicht klar ersichtlich. Damals war die (Kapitulation von Paris noch nicht erfolgt und bit Directe Verständigung zwischen Preußen und Frankreich noch nicht in Den Vorder- gründ getreten. Sollte England am 20. Januar ein Dazwischentreten beabsichtigt haben, so wird es sich seitdem wohl'überzeugt haben, daß dadurch nur der Wider« stand Frankreichs von Neuem angefacht werden müßte. Nach Der bevorstehenden definitiven Constitnirung Der Versammlung wird die provisorische Regierung Rechenschaft ablegen und ihr Mandat tn Die Hände Der Versammlung zurückgeben. Diese wird Dann eine Executiv-Commission ernennen, welcher die deutschen Friedens- bedingungen mitgetheilt werden sollen. Dies ist der normale Weg, und für eine medensgefäbrliche Einmischung scheint kein Raum vorhanden. Wer wirklich den Frieden will und nicht etwa unter dem Schein der Friedensbemühung die Erschöpfung beider Theile im Auge hat, wird sich vor jeder Intervention hüten und een jetzt eingeleiteten Proccß sich ruhig vollziehen lassen.
Der Vicekönig von Aegypten hat am 22. Januar Dem norddeutschen General- Consul v. JaSmund die Summe von 36,000 Franken für die deutschen Verwundeten einhändigen lasten.
Nach einem Telegramm aus Peking vom 26. Januar an das LonDoner j auswärtige Amt herrscht im Norden China'« vollständige Ruhe.
Kriegsnachrichten.
Versailles, 16. Febr. Belfort auf Convention Übergeben. Die Besatzung verläßt Die Festung mit militärischen Ehren am 17. und behält Die Besetzung Der Departement Cote o'Or und Jura. Ihr ist Der Abzug mit Feldausrüstung und Archiven zugestanden. Die deutschen Truppen besetzen das Departement Doubs, mit Ausnahme de« Landstrichs südlich von Lons le Saulnier.
Brüssel, 17. Febr. Aus Versailles wird der „Jndepend. beige" berichtet: Menotti Garibaldi schrieb an Den General v. Manteuffel, die Fahne des 61. Regimentes sei unter Leichenhaufen gefunden, die Fahne demnach mit der äußersten | Tapierkeit vertheidigt worden. Dieser Schritt Garibaldi's machte im Hauptpuartitt einen angenehmen Eindruck.
Ihber Den Rückzug Garibaldi's aus Dijon wird Dem „Standard" von seinem Specialcorrespondenten im Hauptquartier Garibaldi's geschrieben:
Als am 29. Januar daselbst die Kunoe von Der Kapitulation von Paris und oem Abschluß eines 21 tägigen Waffenstillstandes bekannt wurde, riefen die Rothhemden: „Wir sind verrathen! Es lebe die Republik! Es lebe der Krieg! Es lebe Garibaldi! Avanti, Avanti! Wir wollen Frankreich retten, obgleich die Franzosen Feiglinge sind!" Am 31. Januar zeigte sich eine ungewöhnliche Bewegung in den Straßen von Dijon, die in Folge eines vagen Gerüchtes entstanden, daß die Drei Departements des Jura, Doubs und Cote d'Or, folglich auch Dijon, nicht in den Waffenstillstand inbegriffen seien. Es hieß, Der FemD stehe in Der Nachbarschaft von Dijon, und gegen 11 Uhr Morgens hörte man deutlich das Knattern des Gewehrfeuers. Die Franzosen eröffneten ein entferntes Feuer । auf Die Preußen, das aber seine Wirkung verfehlte uno unerwidert blieb. Am ' Abend wurde angezeigt, daß mit den Preußen ein Abkommen getroffen worden, Dijon binnen 24 Stunden zu räumen, und große Massen Feinde näherten sich von allen Seiten. Die Räumung ging in confasester und unordentlichster Weife vor sich, obgleich die Preußen sich ganz still verhielten. Der Generalstab legte eine grenzenlose Unfähigkeit an den Tag; viele Offiziere reisten per Eisenbahn ab und überließen es ihren Mannschaften, Den Rückzug auf Der Chaussee anzutreten. Marooiren, Plünderung unD unnützes Schießen marfirten Den Ruckzug, Der Die ganze Nacht und fast Den ganzen nächsten Tag Dauerte. Die größte Zügellosigkeit bemächtigte sich Der Leute, Die eher einer Bande Meuterer als Soldaten glichen. Gambetta constatirte, daß er 50,000 Mann zur Verstärkung Garibaldi's abge- fanot; tn Wahrheit bestand aber Garibaldi's Armee aus nur 25,000 Mann mit 80 Geschützen, eine viel zu starke Truppenmacht für em Parteigängercorps, und nicht groß genug für eine reguläre Armee, Deren Führung Garibaldi aber nicht gewach en ist.
Die bei FonlenoU gefangenen Landwehrleute sind jetzt ausgewechselt und in Toul eingetroffen. Verwandet von ihnen war nur Der Feldwebel Koch durch etnett Bayonnetstich in die Seite; er ist aber auch wieder hergestellt. Alle bestätigen, Daß sie von Seiten der Franzosen von Anfang an sehr gut unD anständig behandelt worden sind.
Nach Berichten aus Bordeaux hat Die französische Armee des Centrums ihr Hauptquartier von Vierzon nach Chatauroux (an Der Eisenbahn von Orleans nach Bordeaux) verlegt. Clermont wird zum militärischen Centralpunct hergerichtet.
Darmstadt, 16. Febr. Bei Der gestern stattgehabten Ziehung Der Großh. Hess. 25»fl.-Voofe fielen auf nachbenannte Nummern Die beigesetzten Haupttreffer: Nr. 28,410 15,000 fl., Nr. 37,115 4000 ft, Nr. 7000 2000 ft, Nr. 25,614 1000 ft, Nr. 13,967 und 73572 je 400 ft, Nr. 17,726 und 42,129 je 200 fl., Nr. 21,171 und 79,478 je 100 fl.
Aachen, 13. Febr. Der hiesige Gemeinderath hat beschlossen, bei Sr. Majestät dem Kaiser und König Die unterthänigste Bitte zu stellen, daß für die Kaiserkrönung die Stadt Aachen huldreichst ausersehen werde.
Hamburg, 15. Febr. An den Senat ist nachstehendes Dankschreibtndt^ Generats Moltte einaetroifcn: „Ein
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