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Gießener Anzeiger

Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Kichere

Mittüioch den 18. October

Nr. 2£2

1871

i Bayern und die Gefandtschaftsfrage.

'nicht unwesentlich alterirt wird. Was die bisherigen Silbermünzen anbetrifft,

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Das Borgeben Bayerns in der Gesandlschaf,«frage kann man mit oufrichti.!"''^ der Decimalelntbeilung vollständig widersprechen, so muß man gestehen, daß ° ' u .. __ Pf* hiinf« >rf?t n» brr nrrlrhiononon (Wou.Aa. r J. (. .t i z._ rr. < .<

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Preis vierleljährig 1 fl. 12 r. mit Dringerlohn. Durch die Post bezogen viertelZährtg t R. 27 fr.

j- Dem Bundesrathe ist jetzt der Entwurf über die Ausprägung von Reichs- goltmünzen zugegangen, wovon nach §. 1 46^2 Stück auf 1 Pfund gehen; der dreißigste Theil heißt Mark und zerfallt in 10 Groschen, der Groschen in 10 Pfennige. Außerdem sollen noch §. 3 geprägt werden: Reichsgoldmünzen zu 15 Mark (93 = 1 Pfund), 20 Mark (693/4 1 Pfund fein Gold). Die aus» gemünzten Reichsgoldwünzen werden von der Reichskaffe und von den Staats-, Provinzial- und Communalkaffen in fämmtlichen Bundesstaaten zu festen Werthen in Zahlung genommen und zwar die 30-Markstücke zu 10 Thalee, die 20-Mark- stücke zu G Thaler 20 Silbergrofchen oder 11 Gulden 40 Kreuzer füdd. Währ., 15 Maik zu 5 Thlr. 8 Sgr. oder 8 fl. 45 fr. südv. Währ. Die GewichtSab- weichung darf nur 21/, Tausendstel, die Feingehaltabweichung 2 Tausenbtheile be­tragen. Die Bestimmungen über die Goldkrone sind aufgehoben. Außerdem blei­ben die nach Maßgabe der Bestimmungen des Münzvertrages vom 24. Januar 1857 ausgeprägten groben Silbermünzen der Thalerwährung im gefammten Bun- desgebiete in Wirksamkeit. Der Motivenbericht bezeichnet die Vorlage als eine sehr dringende. Wenn man nun auch anerkennen muß, daß die Reichsregicrung die vielen Schwierigkeiten, welche ihr die Eoncurrenz ter vier verschiedenen bisher in Deutschland bestehenden Münzsysteme bereitete, durch die Adoptirung der Mark als Einheitsmünze sehr glücklich überwunden hat, so ersieht man aus dem vor- liegenden Entwurf, oaß das böse Ende hinterher folgt und leider nur wieder Halbheiten geschaffen sind. Die Hauptaufgabe der Münzreform bestand doch Darin, durch die Etablirung der Decimalgoldwährung die Thaler-Rechnung ganz und gar zu verdrängen und in den Bereich der Scheidemünze zu verweisen. So sehr die Prägung von 10- und 20-Markstücken dieser Ausgabe entspricht, so sehr widerstrebt ihr die Einschaltung der 15- und 30-Markstücke; 15 Mark betragen genau 5 Thaler; 30 Mark 10 Thaler; und die Thalcrrechnung wird auf diese Weise immer im Flor bleiben, abgesehen davon, daß das Decimalsystem hierdurch

ger Freude begrüßen, denn durch nichts kann die bayerische Regierung ihre volle Hingabe an den deutschen EinheitSgedanken mehr documentiren, als durch diesen hochherzigen Schritt. Geht Bayerns König auf dem eben betretenen Wege weiter, so verdient er aus's Neue den Dank des deutschen Volkes.

Der freiwillige Verzicht auf die Ausübung des GesaNdtschaftsrechts läßt Jeden erkennen, daß auch der bloße Schein einer spezifisch bayerischen Politik dem AuSlande gegenüber vermieden werden soll. Dadurch wird man im Auslande sich nie mehr der trügerischen Hoffnung hingeben können, als werde die deutsche Ein­heit nicht von großer Dauer sein, und man wird es als ein eitles Beginnen erkennen, auf die deutsche Uneinigkeit zu fpeculiren. Selbstverständlich ist, daß die auswärtigen Regierungen, bei denen Bayern sich nicht mehr vertreten läßt, durch Gesandte, auch ihrerseits die diplomatische Vertretung in München aushören lasten, und wird dadurch nur ein den thatsächlichen politischen Verhältnissen entsprechender Zustand hergrstellt.

Der bayerischen Regierung ist der Entschluß um so hoher anzurechnen, als ihren Gesandten rurch das Schlußprotokoll zum Vertrag von Versailles vom 23. November 1870 eine Bedeutung gegeben ist, die sie früher nie besaßen. Darnach ist den bayerischen Gesandten die Vertretung der Reichsgefandten in Verhinde­rungsfällen übertragen, ein Fall, welcher ja in Rom bei der Abreise des Grafen Arnim durch Uebernahme der diplomatischen Functionen für das Reich von Seiten des bayerischen Gesandten, Grafen Tauffkirchen, realisirt würben

Bayern nimmt eine ehrenvolle und einflußreiche Stellung innerhalb deö deutschen Reiche- ein und kann des Prunkes der besonderen Vcrtrttung nach Außen hin wohl entbehren. Dem zweitgrößten deutschen Staate steht die Vertretung Der Präfidialmacht im Bundesrathe zu; ebenso führt Bayern in dem Ausschuß für Die auswärtigen Angelegenheiten, Der aus Den Bevollmächtigten der drei Königreiche Bayern, Sachsen unD Württemberg, unD zwei vom Bundesrathe alljährlich zu wählenden Vertretern anderer Bundesstaaten zusammengesetzt ist, den Vorsitz und hat dadurch reichlich Gelegenheit, seine Stimme in der Reichspolitik geltend zu machen.

Dem Auslande gegenüber muß Deutschland so geschlossen wie möglich vor» gehen, auch der Schein muß unbedingt vermieden werden, daß ein Staat Sonder­interessen, die mit denen des Reichs nicht zusammenfallen, in der äußeren Politik verfolgen könne. Die einheitliche Vertretung aller deutschen Staaten ist zugleich eine größere Friedensbürgschaft und gibt der deutschen Politik größere Sicherheit und Freiheit Der Bewegung.

Geht Bayern entschlossen zum Vortheil seiner selbst und des großen deutschen Vaterlandes auf dem betretenen Wege voran, so werden Die andern Mittelstaaten ihm balD folgen müssen; ist Der größte Staat nach Preußen iw Reiche zur Ein- sicht gekommen, Daß er Der besonderen Diplomatischen Vertretung entbehren kann, so tocrDen auch Die anDern Regierungen auf Diese Bahn gedrängt werden.

Erscheint täglich, mit Äul. nähme Montags.

Expedition : Tanzleiberg öit. B. Nr. 1

Die Sicherung einer Eisenbahn-Verbindung zwischen Deutschland unD Italien durch Die Schweiz, welche bereits im verflossenen Jahre von Dem norDDeutschen Reichstag beschlossen wurDe, wirD Gegenstand Ihrer Berathung werden. Die Re-

Berlin, 16. Oct. Eröffnung des Reichstages. Die vom Kaiser gehaltene Thronrede lautet: Geehrte Herren! Als ich Sie im März dieses Jahres zum ersten Male begrüßte, hatten die Vorarbeiten für die regelmäßige Gesetzgebung durch Den Krieg Verzögerungen uno Unterbrechungen erlitten. Ihre Thätigkeit war vorzugsweise für Diejenigen Fragen in Anspruch zu nehmen, welche sich un- mittelbar aus Der neuen Gestaltung Deutschlands herleiten. Gegenwärtig wird die Ordnung des Reichshaushalts Ihre hauptsächliche Aufgabe sein. Es kommt darauf an, durch Verwendung eines Theilcs der Mittel, welche wir den Erfolgen des Krieges verdanken, die einzelnen Bundesstaaten von den Dorschüffen zu ent­laßen, welche sie bisher für die Zwecke des Reiches zu leisten hatten und auf diesem Wege ein normales Verhältniß zwischen Dem Haushalt des Reiches und dem Haushalt seiner Glieder herzustellen. Es kommt darauf an, die für Deutsch- lanD erworbenen Gebiete mit denjenigen Einrichtungen in den Haushalt des Reiches einzufügen, welche ihnen mit dem Reiche gemeinsam sind, oder ihnen von letzterem gewährt werden. Es kommt Darauf an, dafür Sorge zu tragen, daß die äußere l!age Der Beamten des Reiches Den Anforderungen entspreche, welche im öffcnt- Uchen Interesse an sie gestellt werden müßen. Ich hatte gehofft, daß Ihnen auch ein Etat für Die Verwaltung Des Deutschen Heeres, wie er Den DaucrnDen Bedürf- nijfen desselben genügt, würde vcvgelegt werden können. Der Umfang, in welchem die Durch den Urieg veranlaßten Arbeiten alle Kräfte Der Verwaltung auch über Die Dauer Des Krieges hinaus in Anspruch genommen haben, unD Du Umgestal-

Die bunte Reihe Der verschiedenen Gepräge sehr schlecht in Die erstrebte Einheitlich­keit De- Deutschen Münzsystems passen und ganz geeignet sind, eine gelinde Con- fusion anzurichten.

Ueber Den großen Brand von Ehicago liegen jetzt ausführliche telegraphische Einzelheiten aus verschiedenen Quellen vor. Da dieselben in Den meisten Punkten übereinstimmen, geben wir folgende Zusammenstellung des vorliegenden Materials: Der Brand begann in einem Stalle am Sonntag den 8. d. M. Abends; ein Junge ging in den Stall, um eine Kuh zu melken, und nahm eine Petroleum­lampe mit. Das Thier warf die Lampe um, die Flüssigkeit verbreitete sich über das Holzpflaster und das Feuer griff mit großer Schnelligkeit um sich. Die Leute wurden gerade verrückt vor Aufregung, viele wurden zu Tode getreten und andere kamen in den Flammen um. Im Ganzen glaubt man, daß 500 Personen ihr Leben einbüßten. Am Montag Abend glaubte man, daß die heftigen Regengüsse dem Feuer Einhalt thun würden, aber im nördlichen StaDttheile wüthete dasselbe unaufhörlich fort und erst am Dienstag, 10 Uhr Nachmittags, gelang es, des Elementes Herr zu werden, nachdem vorher Tausende von Gebäuden in die Luft gesprengt waren. Tausende von obdachlosen Familien haben sich in der Nähe der Stadt gelagert, unD Da sie Dem Hungerlode nahe ftnD, befürchtet man eine Ruhe- flbrung. Die Regierung hat 500 Mann Truppen an Ort und Stelle geschickt. Der angerichtete Schaden wird neuerDings auf 300 Millionen Dollars veran» schlagt. Während ein Telegramm derTime-" meldet, daß mehrere Brandstifter abgefaßt und entweder erschossen oder gehängt worden seien, sagt eine anderweitige Depesche, acht Personen seien wegen Plünderung gehängt worden, welches letztere wahrscheinlicher ist. Aus allen Theilen der Vereinigten Staaten sind bereits zahl­reiche Sendungen an Geld unD Lebensrnitteln nach Ehicago abgegangen und sämmt- liche Eisenbahnen transportiren dieselben kostenfrei. In Newyork herrschte am 9. in Folge Dieses Unglücks eine ungeheure Panik, zumal unter Den Aktionären Der Versicherungsgesellschaften.

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kommenDe Jahr ausgeDehnt werDe. Der Ihnen vorzulegende Etat verlangt Den Bundesstaaten keine höheren Beträge für die Zwecke des Reiches, als der geltende. Der Haushalt des Jahres 1870 hat, ungeachtet Der Wirkungen __ Krieges, einen Ucberfluß gelassen, wegen Dessen VerwenDung Ihnen eine Gesetzes- Vorlage zugeht. Die Ordnung Des Münzwesens, welche Die Verfassung dem Reiche überweist, Hai seit Jahren Die Sorge Der Regierungen in Anspruch genommen und das Interesse des Volkes beschäftigt. Ich habe Den Augenblick für gekommen ge­halten, um Den Grund für diese Ordnung zu legen, nachdem eine ganz Deutsch­land umfassende Regelung des Münzwesens möglich geworden ist, und die wirth- schaftlichen Verhältnisse für dieselbe niemals günstiger waren, als jetzt. Der Bun- Desrath ist mit Der Berathung einer Gesetzesvorlage beschäftigt, welche zunächst eine umlaufsfähige Goldmünze schaffen unD Die Grundzüge eines gemeinsamen deutschen Münzwesens seststellen soll.

tung, in welcher ein Theil des Heeres begriffen ist, haben leider Die rechtzeitige Aufstellung des Etats verhindert. Ich bin daher genöthigt, Ihre Zustimmung Dafür in Anspruch zu nehmen, daß Die UebergangSzeit, welche Die Reichsverfaffung zum Schluffe des laufenDen Jahres für Den Militäretat bestimmt, noch auf

Beftettnngen auf den GieHener Anzeiger bei allen Post-Expeditionen uni den Land-Poftboten entgegen genommen.

Abonnenten, welche den Anzeiger bei der Erpedition abbolen lassen, erhalten denselben für das IV. Quartal 1871 zu 1 fl.

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