Sergents de Ville Spalier und ein am Portal postirtes Musikcorps empfing den Gesandten mit den Klängen der argentinischen Nationalhymne. Bei dem günstigen Wetter hatte sich auf dem Platz ein zahlreiches Publikum eingefunden; die Fenster und Balcone der umliegenden Häuser waren dicht besetzt. Die Bevölkerung der Hauptstadt schien den Hergang als ein tntercssantcs Ereignitz anzusehen. An der Thür der oberen Räume des Palastes machte der Minister des Auswärtigen die Honneurs und geleitete den Gesandten in den großen Empfangssaal, wo der Prä- fldent Dom Domingo Faustino Sarmiento, der im Jahre 1846 im Auftrage seiner Regierung die preußischen Unterrichtsanstalten besichtigte und in Berlin sehr zuvorkommend aufgenommen worden war, inmitten seiner Minister und der Generalität, umgeben von Beamten aller Klassen, den Repräsentanten Deutschlands stehend erwartete. Die Rede, welche nun Herr Le Maistre vortrug, wurde in deutscher Sprache gehalten, da derselbe wußte, der Präsident werbe in spanischer Sprache crwiedern. Diese Erwiederung gilt hier allgemein als besonders warm und deutschfreundlich, und ist es auch, zumal wenn man bedenkt, welche Reserve der Präsident in Rücksicht auf die Kritik der immer schlagfertigen und wachsamen Opposition sich aufzuerlegen hat. Die fremde Diplomatie als solche ist hier, wegen der steten schweren Reclamationen, die von ihr auSgehen, schon an sich kein Gegenstand der Vorliebe; der Vertreter Deutschlands hat aber noch die besondere Ungunst gegen sich, welche die Bewohner eines Freistaats lateinischer Race in Betreff des monarchischen und germanischen UeberwinderS der französischen Republik empfinden. Der Präsident, von HauS aus Gelehrter und besonders Schulmann, wie derselbe denn auch seine vorzügliche Sorgfalt der Hebung des UntcrrichtSwesenS widmet, hat neuerdings eine Anzahl deutscher Professoren an die Universität Cordova berufen, wo sechs neu errichtete Lehrstühle für Naturwissenschaften mit Deutschen besetzt werden sollen. Hierauf spielt dre Erwiderungsrede Sarmiento's an, die auch den Vorstand des hiesigen naturwissenschaftlichen Nationalmuseums, Professor Dr. Burmeister, erwähnt, als des „preußischen Gelehrten und Nach- folger- Humbvldt's."
Friedberg, 16. August. Am Montag Nachmittag brachte uns ein starkes Gewitter heftigen Sturm, Regen und Hagelschlag. Die in der Größe von Haselnüssen oder Eicheln niedergefallenen Hagelkörner zerschlugen nicht wenige Fensterscheiben, im Gebäude des Schullehrer - Seminars allein 86; der im Felde verursachte Schaden soll jedoch nur sehr unbedeutend sein.
Marburg, 12. August. Der Professor Dr. Carl Justi von hier hat einen Ruf an die Unlversität Kiel erhalten und angenommen. Derselbe wirb wohl schon vom nächsten Semester an in Kiel lesen.
Berlin, 14. August. Der Geh. Regierungsrath Stieber erläßt folgende Erklärung: „In einem Artikel der „Elberf. Zeitung" wird ein vorübergehender Besuch, welchen zwei Mitglieder meiner Familie unter höchst gefahrvollen Umständen mir nach langer Abwesenheit vom Vaterlande in Versailles zur Negulirung dringender Vermögensverhältnisse gemacht haben, ohne allen Zusammenhang benutzt, um ein angebliches Zusammenwirken zwischen mir und dem in letzter Zeit so vielfach geschmähten (?!) Zeugen Hentze öffentlich hervorzuheben. Dies veranlaßt mich hier zu der Erklärung, daß der rc. Hentze eine mir völlig unbekannte Person gewesen ist, von welcher ich niemals, weder mündlich noch schriftlich, weder direct noch indirect, irgend eine Mitteilung empfangen habe. Derjenige Beamte des k. Polizei - Präsibtt zu Berlin, welcher damals die Verhandlungen mit dem rc. Hentze ausschließlich geführt hat, war, wie sich dies aus dem amtlich publicirten stenographischen Berichte des Hochverrathsproceffes wider Dr. Ladendorf u. Gen. (Berlin, Verlag bei W. Hayn, 1854) deutlich, z. B. Seite 102, 177, 184 u. s. w. ergiebt, mein Amtsvorgänger, der Polizeidirector Schulz."
Berlin, 15. Aug. In Betreff der von London über Hamburg gehenden Goldsendungen an die Reichshauptkaffe in Berlin erfährt das Hamburger „Frcmden- blatt", daß die Goldbarrensendungen noch für den ganzen Monat fortdauern werden, dergestalt, daß allwöchentlich zwei Dampfer mit jenen Abschlagszahlungen eintreffen, und zwar jedesmal 100 Kisten ä 5000 Lstr. Zur Bewachung ocr Transporte hat sich das Oberpostamt an die Militärbehörde gewandt, welche die erforderltchen Mannschaften in Hamburg bis zum Abgang des Zuges stellt. Eine Begleitung durch die Polizeibeamten findet weiter nicht statt.
München, 14. August. Graf Hegnenberg-Dux wurde gestern vom Könige auf Schloß Berg in zweistündiger Audienz empfangen.
München, 14. August. Graf Bray ist unterm 22. v. M. zum Gesandten am österreichtsch-ungarischen Hofe ernannt worden. (N. K.)
München, 16. Aug. Fürst Bismarck ist heute Vormittag 9 Uhr nach Salzburg abgereist. Die Minister v. Lutz und Pfretschner begleiteten ihn an den Bahnhof.
München, 16. Aug. Das „Süddeutsche Correspondenzbureau" meldet über den gegenwärtigen Stand der Cabinetskrisis Folgendes: Die Uebernahme des auswärtigen Ministeriums durch den Grafen Hegnenberg-Dux ist gesichert und feine Ernennung unmittelbar bevorstehend. Derselbe übernimmt wahrscheinlich auch die Geschäfte des Handelsministeriums. Das Ministerium des Innern übernimmt wahrscheinlich der Regierungspräsident der Pfalz, v. Pfeufer, das Justizministerium der Oberappellrath DegrigniS. Die Verhandlungen mit beiden find indessen noch nicht abgeschlossen. Die Minister v. Lutz (Cultus), v. Prankh (Krieg) und v. Pfretschner (Finanzen) verbleiben auf ihren Posten.
Königsberg, 11. August. Es geht doch nichts über die russtscherseitS getroffenen Maßregeln gegen die Verbreitung der Cholera-Epidemie. Wie man der „K. H. Z." aus Wilna z. B. meldet, find dort sämmtliche Mineralwasserbuden streng geschlossen worden, während freilich die unentbehrlichen — Schnappöbutiken Tag und Nacht offen stehen. Diese moskowitische Unvernunft würde uns wenig kümmern, wenn wir nur selber nicht durch vermehrte Einschleppung der Seuche als nächste Nachbarn darunter zu leiden hätten. — Am 9. August find beim Polizei-Präsidium als an der Cholera erkrankt angemeldet 23 Personen, als daran gestorben 13.
Gastein, 14. Aug. Graf Beust hatte eine anderthalbstündige Audienz bei dem deutschen Kaiser. Fürst Bismarck wird Mittwocb, den 16. d., Abends hier ankommen. Der Curort ist überfüllt.
_ 131 A"gust. Der Schlag ist gefallen! Der Krieg ist erklärt! Das
*~ortc' denen die deutschen liberalen Blätter die neuesten Maßregeln Pf* ^In!?er SE? Hohenwart begrüßen. Sie kündigen zu gleicher Zeit den ent» schlossenvsten Widerstand von acht Millionen in Oesterreich lebender Deutschen au. Und wenn es diesen gelingt, Abgeordnete ihrer Gesinnung in den schon am 14.
September neu zu eroffetenten Reich-rath zu wählen, so steht es mit der Zwei- drittel-Majorität, deren das Ministerium bedarf, um den Föderalismus einzuführen, sehr mißlich aus, obgleiih hierzu, und nur hierzu, die Czrchen in den Reichsrath eintreten wollen. Die 6cntscheibung liegt daher in den rein deutschen Provinzen. Das Tagblolt bemerkt: „Wählen diese verfassungstreu und freisinnig, und halten ihre gewählten Deputaten fest zusammen, so kann das Ministerium nichts durchsetzen, was die Verfassung schädigte, außer durch einen Staatsstreich, und voraus- fetzen, daß die Krone ihren Ministern zu einem Verbrechen freie Hand lassen würde, dürfen wir als Bürger einer konstitutionellen Monarchie nicht. Siegt dagegen das Ministerium bei den Wahlen in den deutschen Provinzen, da« heißt, setzt es eine gehörige Anzahl clerifaler Eandidateu durch, dann steht es im Belleben der Regierung, jede beliebige Maßregel durch das Abgeordnetenhaus burchzudrücken, und im Herrenhause kann ein nur Halbwegs energisches Cabintt schließlich immer haben, was es begehrt. Czechische Deputirte aus Böhmen, klerikale aus den Alpenprovinzen , das ist'S, was das Ministerium braucht, ein Weniger würde cs zu Grunde richten." Die Vorstadt-Zeitung schreibt: „Oesterreich steht nunmehr vor der schwersten Krise, die es jemals durchzukämpfen hatte. Die Clerikalen und die Feudalen rücken an zum Sturme gegen das verhaßte SwatSgrundgesetz; schon sehen sie dasselbe in allen Fugen erzittern, schon zweifeln sie nicht mehr daran, daß es ihnen glücken werde, den stolzen Bau, in welchem alle Völker neben einander wohnen und für die freiheitliche Entwicklung des Staates wirken sollten, in Trümmer zu zerschmettern, so daß „kein Stein auf dem anderen bleibe". Von der Gefahr, welche diese Parteien über Oesterreich herausbeschwören, wollen sie nichts wissen; sie sind die privilegirten Retter Oesterreichs, und was die acht Millionen Deutsche anbetrifft, die bei der Rettung ins Gedränge kommen, nun, viese sind gerade gut genug, die Kosten des Ausgleiches zu bezahlen. Nun gilt es also für die Deutschen, zu sorgen, daß diese Arbeit niemals fertig werde; es gilt, den Beweis zu liefern, daß es unmöglich ist, die Deutsch-Oesterreicher unter das Joch der Slaven zu beugen, es gilt, die Achtung, die man den Deutsch- Oesterrelchern versagt, wieder zu erzwingen. Die Slaven fordern sie heraus und kündigen, tm Bunde mit den ultramontankn Mächten, ihnen den Krieg an. Die Deutschen sind bereit zu diesem Kriege, sie werden ihn durchfechten mit einer Energie, die nichts zu wünschen übrig lassen wird." Die Neue Freie Presse bemerkt: „Die Staatsregierung will eine Anleihe aufnehmen und kann dem jetzigen Reichsrathe die Zustimmung nicht ablocken , ein verfassungswidriges Skandal - Anlehen . wie unter Belcredi, wäre nicht mehr durchführbar, das Kunststück, Geld zu nehmen, wo man es findet, würde weniger an Skrupeln als an der Unmöglichkeit des Findens scheitern; die Regierung mag den Parlamentarismus noch so sehr mißachten, sie muß um ihrer Fortfristung willen einen gefügigeren Reichsrath schaffen." Auch dieses Blatt spricht bas Vertrauen zu einem kräftigen Widerstande der Deutschen aus. Es fällt sehr auf, daß die Maßregeln des Ministeriums Hohenwart von Kaiser Franz Joseph unmittelbar vor der Zusammenkunft mit dem Deutschen Kaiser getroffen sind. Das feudale „Vaterland" meint; „In Ober-Oesteneich und Salzburg kann man ausgleichsfreundlicher Majoritäten gewiß sein. In Steter- mark wird sowohl die katholisch-conservative, als auch die slovenische Partei eine bedeutende Verstärkung erhalten." Auch für Tyrol erwartet es eine Verstärkung der Ausgleichspartei.
Lemberg, 13. August. Der Polentag hat soeben begonnen; die Betheiligung von Seite der Fremden ist eine geringe; etwa 30 sind aus Preußen, ebensoviel aus Schlesien und gegen 200 aus Galizien eingetroffen; aus Rufsisch-Polen ist Niemand anwesend. Die Stadtbevölkerung blieb vollkommen theilnahmslos.
(Pr.)
Metz, 11. August. Der hiesige neue Municipalrath hat am 9. seine erste Sitzung gehalten. 26 Mitglieder waren anwesend, 2 meldeten schriftlich ihre De- misston an auS Gesundheitsrücksichten. Die Anwesenden gaben jeder einzeln das Versprechen ab, die Functionen, für Die sie erwählt worden, treu zu erfüllen. In einer Sitzung vom 10. wurde die Mittheilung entgegengenommen, daß ein den 8483 um Metz gefallenen französischen Soldaten errichtetes Denkmal wahrschein- lich Ende dieses Monats vollendet fein wird. (Straßb. Z.)
Newyork, 15. Aug. Zufolge eines Berichtes über die Lage des Staats- schatzes zu Ende des vergangenen Semesters überstiegen die Einnahmen die Aus- gaben um 91 Millionen Dollars.
Local-Natizen.
Beschlüsse
aut< Der Sitzung des Gemeinderatvs vom 10. August 1871.
Anwesend: der Großherzogliche Bürgermeister Vogt und die Gt'meinderathSmilglieder Felfing, Haustein, Heß, Nagel, Wenzel, Wallenfels, Körber, Ricker, Bücking, Silbereisen und Löber.
1) Wegen der von dem Schulinspector angeregten Anschaffung eines Blitzableiters auf die Schule im Oöwald'schen Garten wurde beschlossen, die Sache bei Berathung des Voranschlags für 1872 in weitere Erwägung zu ziehen, und fich über die beste Methode der Anlegung bei hiesigen Autoritäten zu erkundigen.
2) Den Lehrern Römer und Schäfer wurden für ertheiltcn Unterricht an der neu errichteten 5. Elasse der Stadtmädchenschule eine außerordentliche Vergütung von je 15 st. bewilligt.
3) Der Gemeinderath ertheilte dem Vorschläge seines Vorsitzenden, die der landwirthschaft- lichen Lehranstalt schon früher bewilligten 5 Normalmorgen Versuchsfeld nach deren Wunsch am alten Anneröder Weg zu überweisen, seine Einwilligung.
4) ES wurde die von der Oberförsterei Gießen beantragte Beschaffung von Metermaaß stäben für die Forstwärter und Holzsetzer der Stadt zum Preise von 1 st. 45 fr. das Stück genehmigt.
5) Ein Gesuch mehrerer Häuserbesitzer um Pflasterung der kleinen Sandgasse wurde zmück- gesetzt, weil eine Beschlußfassung erst dann erfolgen kann, wenn zuvor festgestellt ist, wie weit fich das Eigenthum der Stadt an die fragliche Gasse erstreckt.
6) Statt einer neuen Spritze, welche im städtischen Voranschlag für 1871 vorgesehen ist, hatte der Stadtbaumeister die Anschaffung eines Wasserzubringers als zweckgemäßer vorgeschlagen und bemerkt, daß fich in Wetzlar ein solcher Apparat befinde. Mehrere Mitglieder deS Gemeinde raths erboten fich hierauf, von solchem unter Assistenz deS Stadtbaumeisterö Groß Einsicht zu nehmen.
7) Verschiedene Anschaffungen für die Stadtschule, im Betrage von 6 fl. 30 fr., wurden genehmigt.
8) Ein Anerbieten des Zimmermeisters Ruckstuhl, an die Stadt Gießen sein an der Pipp'schen Schanze belegeneS Befitzthum zur Erweiterung des SchoorfahrwegS anzufaufen, soll, nachdem der Gemeinderath Augenschein an Ort und Stelle genommen, in Erwägung gezogen werden.
9) DaS rasche, somit wirksamere, Begießen der Straßen auf dem Seltersberg unterlag seither dadurch einer besonderen Schwierigkeit, daß der Gießapparat an dem Schoorgraben, in der Nähe des Neustädter Thoreö, also zu weit entfernt von oben erwähntem Stadttheil, ij. füllt und wegen der bedeutenden Steigung des Weges nur langsam an den Ort seiner Bestimmung gebracht werden könnte. — Großh. Kreiö-Amt Gießen halte hieraus Veranlassung genommen,
s die Verwaltung der Main Weser Bahn zu dem Anerbieten zu bestimmen, das für den obenerwähnten ^Theil des SelterSbergs nöthige Wasser gegen eine geringe Vergütung abzugebeu. — Diese- Anerbieten wurde von dem Gemeinderath aeeeptirt.
Amerik. Bonds
ßorsennt
16. Aoi
; 3Vt°/
Bayer. 5% 4'/2°/o 40/0 tJal
Würtemb. 4‘/j Baden 4'/?/o 0 Oesterr. Sdber Papien
* M/n M-
Spanier, neues ' Xt frankf. Bank Frankf. Verei Darmst. Bank Wien Bankac Galizien 2431
Besondere
Sefa
3453) Die A SiWMgs-Ges gkli-bt der Prov Quartal 1871 ii
Montag i Dorn m örtlicher Li MH in dem iMM werden Gießen, am 1- Der Präsident E der Pr
1
Al°ckcho
Tech
Serfteigerui: . 3373) Der Nfe gehörig c Oßlftr. Flache v
Dienstaa
Per hiesigem $ Wn versteig Gießen, den Grotzherzox
ssreito
V ^f hiesiger Wer gut Deutlich versteil g^Nufeck, Q[ ^herzogliche
steilo
1616) Br
>v°in in be len
8?
X
5 lMvckneie
8 'Uppenkr
L


