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Gießener Anzeiger.
Erscheint täglich, mtt Ausnahme MontagS.
ErDeditton: Canzleiberg Lit. B. Nr. 1.
Anzeige- und Amtsölait für den Kreis Kietzen.
Nx. 190. Freitag den 18. August 1871.
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< Zur Feier deS 18. August.
Bsstzielle Kriegsnachricht.
Großer Sieg unter Führung Sr. Majestät des Königs.
An Ihre Majestät die Königin.
Bivouak bei Rezonville, 18. August, Abends 9 Uhr.
Ich habe heute die in sehr starker Stellung; westlich von Metz befindliche französische Armee angegriffen und in neunstündiger Schlacht vollständig geschlagen, von ihren Verbindungen mit Paris abgeschnitten und gegen Metz zurückgeworfen. Wilhelm.
17. August.
Die Monarchenzusammenkunft in Ischl unv die Begegnung der österreichischen und deutschen Staatsmänner in Gastein steht zwar noch immer im Vordergründe der öffentlichen Discussion; jedoch scheint schon jetzt die Ansicht vorzuwiegen, daß die Verhandlungen zu keinem Resultate führen werden. In der That erfährt man denn auch aus den Mittheilungen, die von Wien nach Berlin gelangt sind, daß der österreichische Hof in den Grundzügen der Hohenwart'schen Politik, die zugleich für die Richtung der auswärtigen Politik Oesterreichs entscheidend sind, streng fest' halten, und dem Wunsche, die Hohenzollern'sche Dynastie in Rumänien aufrecht zu erhalten, keine practischc Folge geben wird. Die feudalen und clerikalen Blatter Oesterreichs sprechen schon jetzt ganz unverhohlen ihre Schadenfreude darüber aus, daß es der Bismarck'schen Politik nicht gelingen werd', den Bestand der hohen zollern'schen Filiale, die in Bucharcst errichtet worden, zu sichern.
Der preußische „Staateanze'ger" ertheilt der „Norddeutschen Allgemeinen" ein förmliches Dementi bezüglich deren Haltung zur katholischen Frage. „Wenn gleichwohl — sagt das amtliche Blatt — d e Norddeutsche Allgemeine Zeitung dadurch, daß sie häufiger Mtttheilungen von amtlicher Stelle erhält, die Ver- muthung erweckt hat, daß ihr ganzer täglicher Inhalt officiösen Ursprungs fei, so ist daö ein Jrrthum, der sich in der öffentlichen Meinung hauptsächlich durch die Gegner der Regierung eingebürgert hat, welche ihr Interesse dab.i finden, vorzugsweise bedenkliche und weniger haltbare Tagesleistungen einer Redaction der Regieiung zur Last zu schreiben. Insbesondere sind die in den letzten Wochen erschienenen und, unserer Ansicht nach, der Klarheit und Einheitlichkeit, welche von gouvernementalen Auffassungen erwartet werden muß. mitunter entbehrenden Erörterungen der Norddeutschen Allgemeinen Zeitung über die Stellung der Regierung zu der CentrumSfraction des Reichstages und zur katholischen Frage auf den Werth zurückzuführen, den sie als Meinungsäußerungen der Rcdaction beanspruchen." — Darnach scheint im Bundeskanzleramt der Wmo für die Katholiken jetzt wieder günstiger zu wehen.
t Schon gestern haben wir die aus französischen Quellen stammende Nach richt, betreffend die Verhandlungen über die Zahlung der franchsischen Kriegsentschädigung unv die daran sich knüpfende Räumung der Departements Seine, Oise, Seine-et'Marne rc., als unrichtig bezeichnet. Thatsächlich hat das französisch- Gouvernement Vie Zahlung in Wechseln mit 3 MonatSsicht für die dritte Halde Milliarde vorgeschlagen, und Thiers hat dann allerdings noch den Antrag gestillt, die vierte halbe Milliarde ebenfalls jetzt ,n Wechseln zu zahlen. Diese Summe ist bekanntlich erst am 1. Mai 1872 fäll-g unv nach ihrer Zahlung revucirt sich die OccupationSarwee auf 50,000 Mann. Nach Lage der Sache würde sich also, wenn Vie dritte halbe Milliarve anstatt erst am 31. December sofort bezahlt würde, die OccupationSarmee in die Ehampagne und das französische Lothringen zurückziehen, wo sie vis zum 1. Mai 1872 auf der jetzigen Stärke von 150,000 Mann bleiben würde. Gelingt es indeß Herrn Thiers, feinen zweiten Vorschlag durchzubringen, so würde sich die Occupation-arrrne auch sofort in die Ehampagne zurückziehen und eine Reouction auf 50,000 Mann erfahren. Bis jetzt ist jedoch nur wenig Aussicht vorhanden, daß dies Bestreben Frankreichs guten Erfolg haben wird, unv ein solches Fehlschlägen würde sich das französische Gouverm ment einzig unv allein selbst zur Last legen müssen. Wie officiös nämlich nach Berlin berichtet wird, nehmen die Friedensverhandlungen in Frankfurt o. M. durchaus keinen erfreulichen Fortgang, da die französischen Bevollmächtigten nur Wünsche unauf- börlich geltend machen, ohne unsere Wünsche auch nur annähernd zu refpectiren. FrauzösischerseitS scheint man in dem Wahn zu leben, daß Deutschland die Pflicht des Entgegenkommens habe, und so dürfte sich auch bei der mangelnden Gcneigt- bOt zu irgend welcher Gegenleistung die Initiative in Betreff des Modus der Räumung des besetzten Gebiets als nicht sehr fruchtbar erweisen. Deutschland trachtet auf den Frankfurter Verhandlungen in erster Reihe darnach, Erleichterungen für Elsaß zu erlangen; finden diese Wünsche auch ferner nicht bas mindeste Gehör, so macht man sich darauf gefaßt, daß die Verhandlungen, die bereits augenfchein- lich ins Stocken gerathen stnv, gänzlich abgebrochen werden. Frankreich wird sich
die fühlbaren Conlequenzen einer solchen Eventualität allein zuzuschreiben haben, während Deutschland glücklicherweise in der Lage ist, auch diesem Zwischenfalle mit voller Ruhe entgegensehen zu können.
Durch kaisrrl. Ordre ist bestimmt worden, daß den verheiratheten oder einen eigenen Hausstand führenden activen Offizieren und servisberechtigten Beamten der OccupationSarmee in Frankreich von dem Friedensschluß, ab für die Dauer ihrer Betheiligung an der Occupation die Miethsentschädigung ihrer letzten Heimatbs- garnison unter Anrechnung der etwa durch das Reglement vom 13. August 1855 bereits gezahlten Servisunterstützung gewährt werden soll. Denjenigen dieser Offiziere unv Beamten, welche während des Kriegszustandes ihre Garnison im „immobilen" Zustande haben verlassen müssen, ohne dort im Genuß einer Dienst. Wohnung gewesen zu sein, soll bei Führung des vorgeschriebenen Nachweises die Miethsentschädigung für die ganze Dauer ihrer Abwesenheit, unter Anrechnung der etwa schon empfangenen Servisunterstützung, und^war so lange sie nicht die ganze Felvzulage bezogen haben, nachträglich angewiesen werden.
Es ist darauf aufmerksam zu machen, daß Jeder, der nach seiner Entlassung vom Militär einen Versorgungsanspruch geltend zu machen berechtigt ist, dies nur thun kann, wenn er sich damit an den Bezirksfelowebel rcsp. an das Landwehr- Bezirks-Commando, wenn dasselbe am Orte ist, wendet. Der Antragsteller hat zur festgesetzten Zeit die Beweisstücke, durch welche er feinen Antrag unterstützt, vorzubringen. Wer wegen Krankheit sich nicht persönlich melden rann, hat dieS unter Bescheinigung zur Anzeige zu bringen, worauf die Ortvbehörde die Anträge annimmr und weiter befördert.
t Dem Kaiser ist jetzt ein Vorschlag unterbreit t worden, wonach die Forts von Metz fortab die Namen unserer bedeutendsten Heerführer tragen sollen; auch die Inschriften an militärischen Bauten, Kasernen rc. sollen verändert werden unv zum Beispiel auf dem genannten Werke statt der Tafel „begonnen unter Kaiser Napoleon 1867" fortan die Worte zu lesen fein: „begonnen 1867 zu Preußens Trutz — vollendet 1871 zu Deutschlands Schutz!"
Von kompetenter Stelle wird vor einem Auswanderungs-Speculanten W. Hippinson gewarnt, der es im Auftrage der peruanischen Regierung unter- nvmwen hat, 10,000 Einwanderer weiblichen Geschlechts in Peru einzusühren. Die sich verlocken lassen, werden es sicherlich bereuen.
Neueren Nachrichten aus Frankreich zufolge ist es bestätigt, daß Marquis ve Gabriac in Berlin Weisung erhalten tot, sich mit den deutschen Behörden über die Wahl geeigneter Persönlichkeiten zur Besetzung französischer Consulate in Elsaß- Lolhringen zu verständigen. Definitiv feststehend wird betrachtet, daß in Mühl- Hausen ein solches Eonsulat errichtet wird, dagegen ist dies in Bezug auf Straßburg noch unentschieven. Es dürfte die Annahme gerechtfertigt sein, daß nach Er- lcdigung dieser Frage auch diejenigen in Elsaß-Lothringen seßhaften Personen, welche ihre Pensionsberechtigung aufrecht erha'ten zu sehen wünschen, ohne zu einem Verlassen ihres Aufenthaltsortes gezwungen zu fein, dann ebenso reuissiren werden, wie die Inhaber französischer Rententitel, deren Zinsen von bestimmten Bankhäusern in Straßburg, Metz, Eolmar und Mühlhausen zukünftig auSgrzahlt werden sollen. Auf Schloß Zabern befand sich eine Art Stift für Offizierswittwen, duffen Ins-ffen nach dem Friedensschlüsse von der französischen Regierung die Weisung erhielten, den Ort zu verlassen, wobei ihnen gleichzeitig eine geringe Reisevergütung und eine sehr kleine Summe ausgezahlt wurde. Sie wandten sich mittlerweile an die deutsche Regierung mit der Bitte, daß man ihnen doch das Mobiliar, in welchem flk feit Jahren gewohnt, überlassen möge. Auf Befürwortung des Generalgouver- neu- s Grafen Bismarck-Bohlen soll, wie aus Paris berichtet wird, dies jetzt geschehen unv das Schloß selbst möglicherweise in ähnlicher Art den Wittwen deutscher Offiziere als Aufenthaltsort zur Verfügung gestellt werden.
t Wenn auch noch nicht entschieden ist, welches Gewehr in der deutschen Armee eingeführt werden soll, so steht doch bereits fest, daß die neue Kriegswaffe ein Hinterladungsgewehr fein wird, bei welchem die Entzündung durch einen directen Schlag des Hahns auf die Außenfeite der Patrone erfolgt. Wahrscheinlich wird man sich für irgend ein Rcpetirgewehr entscheiden.
Aus dem Bistbum Ermeland wird der „Volkszeitung" geschrieben: In diesen Tagen sind die Erzpricster von Ermeland zu ihrem B-schof nach Frauenburg be- schieden worden, um, dem Vernehmen nach, in der Dr. Wollmann'schen Angelegenheit weitere Beschlüsse zu fassen. Es soll eine Deputation an den Minister oder gar an den Kaiser in Aussicht genommen sein.
Aus Buenos Ayres vom 8. Juni wird der „Schlesischen Ztg." geschrieben: Gestern Nachmittags 2 Uhr hat der kaiserliche Ministcrresident für die La-Plata» St aten, Herr Le Maistre, sein Beglaubigungsschreiben als Vertreter des Deutschen Reichs dem Präsidenten der Argentinischen Republik in öffentlicher Audienz überreicht. Der Präsident hatte ihn zu dieser Feierlichkeit von dem Unterstaatsfecretär des Ministeriums des Auswärtigen und von zweien seiner militärischen Adjutanten in einem vierspännigen, von fünf reichgalonnirten berittenen Leibgarden cscortirten Staatswagen abholen lassen. Vor dem Regierungsgebäude bildete eine Abtheilung


