pkstähnltche Epidemie den dritten Theil der auf 40,000 Einwohner zu schätzenden Bevölkerung in Krankheit und Tod gestürzt hat. Die Stadt zählt auch 2139 Deutsche, die während de- französischen Krieges über 8500 Pfo. Sterl. für unsere Verwundeten gesammelt haben. Der entsetzlichen Noth zu steuern, hat das Aeltesten- collegium der Berliner Kaufmannschaft beschlossen, Sammellisten auch auf hiesiger Börse au-zulegen.
Berlin, 15. Juni. Deutscher Reichstag. Die heutige 57. Plenarsitzung wird vom Präsidenten Dr. Simson um 10*/4 Uhr eröffnet. — Die erste Nummer der Tagesordnung ist die dritte Berathung des Gesetzentwurfs, betreffend die Ge- Währung von Beihilfen an Angehörige der Reserve und Landwehr. Da- Gesetz wird ohne Debatte angenommen.
E- folgt die dritte Berathung des Gesetzentwurfs zur Verleihung von Do» tationen für hervorragende, im letzten Krieg erworbene Verdienste. Schulze: Die Vorlage sei nicht als eine Vorlage zu betrachten, welche den Dank der Nation zum Ausdruck bringen solle, sondern als eine reine Finanzfrage. Nur dann, wenn das Geld sicher fei, wenn die Einnahmen gewiß wären, könne man an eine Finanzfrage herantreten. Die Nation dürfte eine solche Summe- nicht bewilligen, sie sei aus den Kinderschuhen heraus: Die Vertreter der Nation hätten nur das Budgetrecht zu wahren, das sei ihre Aufgabe, aber nicht etwa so viel Grld zu bewilligen, was den Reichthum einiger vermehre. — Schröder (Lippstadt). Er habe mit schwerem Herzen gegen die Vorlage gestimmt, aber zwei Gründe hätten ihn dazu getrieben: ersten- mußte er sich sagen, daß die Vorlage keinen Anklang im Volke finde, zweitens mußte er sich an die Beispiele der Geschichte halten, welche beweisen, daß die Herrschaft der Gewalt immer damit anfing, daß die Führer der Armee reich wurden. Die Idee von der Geschichte des Cincinatus bleibt wahr und ein Muster für alle. — Krüger (Hadersleben) spricht gegen die Vorlage, Kiefer mit scharfen Worten gegen die Fortschrittspartei, welche im Volke keine Sympathien mit ihrer Negation erwecken werde, wenigstens bei dem Volke in Süddeutschland nicht. — Dr. Löwe. Er habe jede Parteitactik, jede Polemik vermeiden wollen. Nichts sei ihm ferner gewesen, als eine Verdächtigung derjenigen, die der Vorlage zustimmen. In dem Dankgefühle seien alle einig, seine Partei divergire nur in Betreff der Ausdrucksweise dieses Dankes. Er habe nur die mit dieser Danke-weise verbundenen Gefahren bezeichnen wollen, eine Anklage anderer Parteien verdiene er nicht. — Lasker. Das Gefühl der Versöhnung müsse gerade heute die Versammlung erfüllen; es sei bisher seine möglichste Sorge gewesen, daß im Volke die Meinung nicht erregt werde, al- begänne nach der äußeren Einigung der Streit der Parteien im Innern. Er achte die Gefühle der Opponenten, da dieselben nur in anderer Weise jene großen Männer geehrt wissen wollen. Möge der Streit der Parteien, da- Zufällige, aufgegeben werden, und die Liebe zum Daterlande, das Beständige, das Haus auch heute beseelen. (Bravo!) — Ziegler protestirt gegen die Angriffe des Abg. Kiefer. — Lender motivirt sein Nein. Ein Herzenswunsch des Kaisers dürfe niemals einen Volksvertreter bestimmen, gegen seine Ueberzeugung zu handeln. — Nachdem noch einmal die Vorlage empfohlen, wird das Gesetz mit großer Majorität angenommen.
Fürst Bismarck verliest eine k. k. Botschaft, welche die gegenwärtige Sitzung des Reichstages gemäß Artikel 12 der Verfassung auf heute zu schließen befiehlt und die Mitglieder de- Reichstages um 3 Uhr in den Weißen Saal des Residenz- schloffes zufaWmenbkruft. Das Haus nahm die Botschaft stehend entgegen.
v. Unruh (Magdeburg), als Referent der Commiffarien für den Parlaments» bau begründet den CommisstonSantrag: „Der Reichstag wolle beschließen, den Reichskanzler aufzufordern, ein interimistisches SitzungSlocal auf dem Grundstücke der Parzellenmanufactur nach dem Plane des Herrn Geh. BaurathS Hitzig so schleunig wie irgend möglich zur Ausführung bringen zu lassen und zu dem Ende für die baldigste Räumung der zu benutzenden Gebäude der Porzeüanmanufactur zu sorgen.
Fürst Bismarck glaubt die Zustimmung des Bunde-rathS zu diesem provisorischen Neubau auf dem Grundstücke der Porzellanmanufactur in Aussicht stellen zu können; ein Umbau des Abgeordneten- oder des Herrenhauses werde doch nicht ohne Zustimmung der betreffenden Körperschaft vorgenommeii werden können. Im Uebrigen würde der Neubau bis zur Herbstsession bewerkstelligt werben können und die Summe von ungefähr 170,000 Thlr. nicht übersteigen. Er glaubt im Interesse der Regierungen, wie des Reichstages den CommisstonSantrag empfehlen zu können.
Der Antrag wird mit großer Majorität angenommen.
Präsident Dr. Simson giebt eine Uebersicht der vollendeten Arbeit. Von Seiten der verbündeten Regierungen sind vorgelegt, 23 Gesetzentwürfe, 2 Verträge und 6 anderweitige Vorlagen, die sämmtlich die Genehmigung des Hauses fanden. Von den Mitgliedern wurden 21 Anträge eingebracht, au- denen 2 Gesetzentwürfe hervorgingen; 7 Interpellationen sind beantwortet worden. An Petitionen gingen 524 Nummern ein; davon sind 291 als zur Erörterung im Plenum nicht geeignet befunden, 22 anonyme ad acta gelegt, 152 erledigt, 59 unerledigt geblieben. Da- Plenum hielt 57, die Commissionen 67, die Abheilungen 138 Sitzungen.
v. Franckenberg-Ludwigsdorf. Meine Herren! Wenn auch das Dankgefühl bei uns auch ohne dessen besondere Verlautbarung unverbrüchlich fest steht, so erlaube ich mir dennoch den Vorschlag, eine anderwärts lieb gewonnene Gewohnheit mit dem heutigen Tage auch bei uns einzubringen, nämlich die, am Schlüsse einer Sitzungsperiode dem Herrn Präsidenten unfern gemeinsamen Dank darzubringen. (Bravo!) Da ich der Zustimmung gewiß zu sein glaube, so beginne ich sofort damit und spreche dem Herrn Prästventen unfern wärmsten Dank au- für die abermalige Mühewaltung, deren sich derselbe in einer lang gewordenen SitzungS- Periode unterzogen und mit der er die Geschäfte sicher, kräftig und fördernd geleitet hat, und reihe daran den Wunsch, daß eS ihm vergönnt sein möge, sich an den großen und schönen Erinnerungen noch lange zu erfreuen. (Bravo!) Meine Herren! bethätigen Sie Ihre Zustimmung dadurch, daß Sie sich särruytlich von .Ihren Sitzen erheben. (Das geschieht.)
Präsident Dr. Simson. Meine Herren! Die Anerkennung, die mir der eQrwurötge Alterspräsident ausgesprochen, und die Zustimmung, mit der das hohe Haus feine Worte aufnimmt, bewegen mich auf das Tiefste, sie gewähren mir einen reichen, sicher nicht in diesem Maße verdienten Lohn, für eine Mühewaltung, » h r- ^trauen berufen zu sein mir ein hohes Glück und Segen ist.! Nehmen Sie meinen innigsten Dank dafür und für das mir überall bethätigte Wohlwollen auch heute entgegen. Nun, meine Herren, lassen Sie uns mit dem Rufe auseinancergehen, mit dem wir vor jetzt einem Vierteljahr die Arbeiten des ersten Reichstages begonnen haben. Dieser Ruf vergegenwärtigt in einem einzigen Wort den unvergleichlichen, und so Gott will, unvergänglichen Erfolg und!
Gewinn der wunderbaren letzten elf Monate, die wir durchlebt haben: der deutsche Kaiser, Se. Maj. der König Wilhelm von Preußen, er lebe hoch! und nochmals hoch! und immer hoch! Die Versammlung stimmt begeistert in den Ruf ein. — Schluß 1 Uhr.
Florenz, 14. Juni. Abgeordnetenkammer. Sella legte den Gesetzentwurf, die Gotthardsbahn vor, beifügend, daß er aus der Vorlage (zu deren Gunsten) eine CabinetSfrage mache.
Rom, 14. Juni. Im Vatikan hat heute der feierliche Empfang der 65 katholischen Deputationen stattgefunden, worunter die zahlreichste die der Tyroler war. Die Bevölkerung hat sich der Jubiläumsfeier und den Deputationen gegenüber passiv verhalten. — Für da- Cavourmonument wurde in 48 Stunden die erforderliche Summe gezeichnet.
Telegraphische Depeschen.
+ Paris, 15. Juni. Der „Francais" erklärt, der Finanz-Minister habe auf alle anderen Anlethedeckungsmittel verzichtet und werde nur den öffentlichen Credit in Anspruch nehmen. Eine höchst einflußreiche Gruppe hiesiger mit aus- wärtigen verbundener Finanziers überreichte ehegestern ein Memoire an Pouyer- Quertier, worin demselben auPS Dringendste anempfohlen wird, das österreichische seit 1866 adoptirte Finanzsystem, d. h. keine Anleihe, sondern die Benutzung der Banknotenpreffe in Anwendung zu bringen. Die Finanzgruppe Rothschild bekämpft diese Finanzplane.
△ Paris, 17. Juni. Das „Journal de Paris" bestätigt, daß die An- lehens-Verhandlungen, namentlich in Folge Zurückhaltung der englischen BanquierS, gescheitert sind. Der Finanzminister müsse das Resultat der Juliwahlcn abwarten und große Cresitgarantien bieten.
4- Versailles, 16. Juni. Die Ausgabe der französischen Anleihe wird sich nur aus zwei Milliarden fünfprocentiger Rente belaufen.
4- London, 16. Juni. Die Comiteberathung des Unterhauses über das Heereereform-Gesetz ist als nahezu erledigt anzusehen.
Die Gräfin von Paris gebar ein Mädchen.
Louis Napoleon und Eugenie besuchten den Prinzen und die Prinzessin von Wales.
. Local-Notizen.
Gießen, 15. Juni. (Sitzung des Gemeinderaths.) Anwesend die Herren: Berg, Bücking, Ebel, Felsing, Gail, Haustein, Heß, Körber, Löber, Nagel, Pietsch, Rosenberg, Silbereisen, Wallenfels und Wenzel. 1) Empfang des hiesigen Regiments. Hüttenbefitzer Herr Buderus hatte daS Anerbieten gemacht, zum Gebrauche bei dem festlichen Einzug des Regiments der Stadt mehrere Böller zur Verfügung zu stellen. Der Gemeinderath beschloß, dieses Anerbieten dankend zu acceptiren. 2) Die Wahl der GinschatzungScommission für 1871. CS wurden gewählt: a) in die erste Abtheilung: die Herren Felstng, Gail und Bücking als Gemeinde- rathSmitglieder, sodann die Herren Canzleirath Clemm, Franz Peppler, Advocat Baist, Earl Schwan, Philipp Walther und Andreas Weidig als Steuerzahlende; b) in die zweite Abtheilung: aus dem Gemeinderath die Herren Vogt, Wallenfels, Nagel und Rosenberg, aus der Zahl der Steuerpflichtigen die Herren W. Keller, Friedr. Müller, Ferdinand Hoffmann, Theodor Wortmann, Uhrmacher Leo, Julius Hoch, Wilh. Schmall, Georg Plank und Philipp Krailing. 3) Dem Gesuch des Eonrad Raab von Zett bei Alsfeld um Aufnahme als Bürger zu Gießen wurde willfahrt. 4) Ebenso auch der Bitte deS Posthalters Conrad Krausch in gleichem Betreff. 5) Der Gemeinderath nimmt Kenntniß von einer Verfügung Großherzogl. Kreisamts Gießen, wonach der provisorisch ernannte Schulinspector Herr VigeliuS in dieser Stelle definitiv bestätigt worden ist. 6) Dem Gesuch der Rathsdiener, ihnrn die Remuneration für 1871 jetzt schon auszahlen zu lassen, wurde willfahrt. 7) Der Eintritt des Großherzogl. CanzleirathS Clemm in die Leihe des Wall- pförter JagddistrictS an Stelle des auSgeschtedenen PostcassierS Hoffmann wild vom Gemeinderath gutgeheißen. 8) Der Gemeinderath erließ auf Nachsuchen daS Octroi von dem, auf den Geburtstag Sr. Königl. Hoheit des Großherzogs durch die Mannschaften des hiesigen ErsatzbataillonS getrunkenen Wein. 9) Der WirthschaftSplan der Stadtwaldungen auf 1872 fand die Billigung des Gemeinderaths. 10) Das Gesuch des Heinrich Weidig und Genossen, ihnen für, in Gießen geschlachtetes und als ungenießbar befundenes Vieh Ersatz aus der Gemetndecaffe zu leisten, wurde abgewiesen. 11) Dem Forftwart Hahn zu Annerod wurde für besondere Dienstleistungen im Interesse der Stadt eine Remuneration von 20 fl. mit dem Bedeuten bewilligt, daß in der, seit 1870 erhöhten Besoldung zugleich die Vergütung für die Beaufsichtigung und Pflege der Wiesen enthalten sei, für die Folge also keine besondere Bewilligung mehr eintreten werde. 12) Bei einer am 17. October v. I. abgehaltenen Holzversteigerung war der Erlös unter dem TarifpreiS geblieben. Der Gemeinderath beschloß dessen ungeachtet, sich für die Genehmigung auszusprechen, weil die Forstbehürde bescheinigt hatte, daß der Erlös dem Werth des, zur Versteigerung gekommenen HolzeS entspreche und eine zweite Versteigerung kein günstigeres Ergebniß geliefert haben würde. 13) Eine freigewordene Pfründe aus der Plock'fchen Stiftung, welche monatlich 4 fl. betrügt, wurde dem Wilhelm Völler zuerkannt. 14) In Bezug auf die von der Oberheffischen Eisenbahn- gesellschast in der Gemarkung Gießen herzuftellenden Wege und Uebergänge war zwischen dem städtischen Baumeister Namens des Gemeinderaths und dem Sectionöingenieur Lippold Namens der erwähnten Gesellschaft ein Uebereinkommen dahin getroffen worden daß die Stadt das Fehlende noch Herstellen läßt und dafür eine Vergütung von 350 fl. erhalt. Dieses Uebereinkommen, welches nach dem Ermessen des Gemeinderaths die städtischen Interessen gehörig sichert, wurde mit Ausnahme eines Punktes genehmigt, gleichzeitig aber auch beschlossen, der 'Eisenbahngesellschaft gegenüber zu erklären, daß sich die Stadt ausdrücklich Vorbehalte, wegen der ohne vorherige Anfrage auf städtischem Waldgrund vorgenommenen Ausgrabungen die entsprechende Schadloshaltung auf jedem ihr beliebigen Wege zu verfolgen.
INI, ■■ ■
Auszug aus den Kirchenbüchern der KM Gießen.
a. Evangelische Gemeinde.
Kopulirte.
Den 4. Juni. Johannes Becker, Arbeiter dahier aus Garbenteich des verstorbenen dasigen Ortsbürgers Hubertus Becker, ehelicher Sohn; und Elisabeth Borrü des verstorbenen Ortsbürgers und Schuhmachermeisters zu Saasen, Ludwia Borre' eheliche Tochter.
Den 10. Juni. Heinrich Schäfer II., Ortsbürger in Geilshausen und Cigar- renmacher dahier, des Ortsbürgers in Geilshausen, Johann Heinrich Schäfer, ehelicher Sohn; und Marie Elisabeth Schweitzer, Adoptivtochter des Ortsbürgers zu Wiejeck und Bahnwärters an der Main-Weserbahn bei der Badenburg, Konrad Schweitzer.
Den 15. Juni. Johann Emil Georg Karl Schultheiß, Bürger, Kürschner und Pelzwaarenhändler dahier, des Bürgers und Kürschners, Konrad Schultheiß, ehelicher Sohn; und Elise Hermine Johannette Keck, des verstorbenen Bürgers und Glasermeisters, Karl Ludwig Keck, eheliche Tochter.
Getauft.
Den 11. Juni. Dem Bürger in Rockenberg und Assistenten an der Main- Weserbahn, Georg Friedrich Bauer, ein Sohn, Christian Friedrich Wilhelm, geboren den 20. Mai.
Beerdigte.
Den 13. Juni. Margarethe Höhn aus Ober-Hilbersheim, alt 46 %, gestorben am 11. Juni.
Den 14. Juni. Philipp Formhals, ehelicher Sohn des Ortsbürgers in Alt-Buseck und Maschinenputzers auf der Cöln-Gießener Bahn, Heinrich Formhals, alt 4 M- 23 T., gestorben am 12. Juni.
Besondere!
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2584) 3m ' zeichneten Genc trag vollzogen
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