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Oießemr Aryelger.

Erscheint täglich, mit TuS» nähme Montags.

Expedition: Canz leib erg Lit. B. Nr. 1.

Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Hießen.

Nx. 13D.

Sonntag den 18. Jnni

1871«

81616 tiSilf d6tt uoch fortwäbrmd sowohl bei der Expedition, Canzleiberg B. 1, als auch

. bei allm Post-Expedrttonen und den Land-Postboten entgegen genommen.

17. Juni.

t Die Militärconventton mit Hessen ist trotz entgegenstehender Behauptungen nach der früher von uns mitgetheilten Grundlage zum Abschluß gebracht worden. Eine Differenz bestand nur in Bezug auf den Uebertritt der hessischen Offiziere in die preußische Armee analog der Vereinbarung zwischen Preußen und Baden. Die Offiziere treten nicht über und ebenso bleibt die Militärverwaltung dem hessischen Kriegsministerium.

Von Deutschen in Böhmen ist an das deutsche Bundeskanzleramt eine ein­gehende Darstellung der muthmaßlichcn Gestaltung der Verhältnisse in Böhmen eingereicht worden. Auch an den Fürsten Bismarck find in letzter Zeit mehrfache private Schriftstücke, theils anonym, theils mit Unterschriften versehen, in dieser Angelegenheit übergeben. Natürlich sind diese Schriftstücke ad acta gelegt. Man verspürt wenig Lust, sich in die österreichischen VersaffungSstre:tigkeiten einzumengen. Einstweilen werben daher die Deutschen in Oesterreich auf politische Selbsthilfe angewiesen sein.

Bekanntlich hält sich eine Deputation von Großindustriellen aus dem Elsaß in Berlin auf, um dem Reichskanzler die dringendsten Wünsche der neuen Provinz an's Herz zu legen. Bei den Audicnzen, welche die Deputirten schon wiederholt bei dem Fürsten Bismarck und dem Minister Delbrück hatten, drückten dieselben insbesondere ba- Verlangen aus, daß die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht' in den Provinzen so wert als möglich hinausgeschoben werde. Ebenso machten sie kein Hehl daraus, daß ihre jungen Landsleute vor Allem darüber beruhigt sein möchten, daß ste bei einem etwa wieder ausbrechenden Kriege zwischen Deutsch­land und Frankreich nicht im Kumpfe gegen letzteres verwendet werben. Fürst Bismarck gab ihnen, wie derPos. Ztg." aus Berlin geschrieben wirb, zur Ant- wort: In düsem Augenblicke könne er über den ersten Punkt noch nichts Positives sogen; was aber ihren zweiten Wunsch anbelangt, so bürsten die elfischen Ab­geordneten versichert sein, baß man ihre durch lange Zusammengehörigkeit voll­kommen erklärlichen sympathischen Gefühle für Frankreich möglichst schonen werde.

Den Republikanern in der französischen Nationalversammlung wirb es in­mitten der dynastischen Agitationen doch etwas bang. Legitimisten und Orleans rüsten sich für die Campagne der bevorstehenden Ergänzungswahlen und die Bona- partisten legen einen nicht geringeren Eifer an den Tag. Hoffen doch die letzteren, in den Wahlen wenigstens fünfzig Sitze zu gewinnen. In dieser nicht sehr tröst- reichen Lege haben Mitglieder der Linken der Nationalversammlung zu Pari« ein Manifest erlassen, welches 81 Unterschriften zählt. Nach einer ängstlichen Klage über die Verbreitung von Manifesten, in denen dem Landvolk die Wiederherstellung des ancien rägime in der Nähe gezeigt und die Intervention in die italienischen Angelegenheiten verlangt wird, sprechen ste ihr Bedauern darüber aus, baß durch solche Agitatroncn die sich bereits wieder erhebenden Bonapartisten ermuthigt werden.

Ob die Ausdrücke de- Bedauerns, diese Klagen an der Situation etwas ändern werden? Wird die Republik als blcßer Lrchtlöschcr, als ein die Lebens- fragen der Politik blo« erstickende« Provisorium die Gemüther befriedigen und den Fiieven und die Ruhe sichern, nach welcher alle Welt in Frankreich verlangt? Sagen nicht auch die übrigen Parteien von ihren dynastischen Programmen, daß nur mit diesen der geordnete Zustand, welcher die Arbeit belebt, geschaffen wer­den könne?

Mit diesem neuesten Manifest wlrd also nicht viel gesagt sein, noch weniger etwa- bewirkt werden, wenn den Republikanern die Hauptsache, die Majori­tät, fehlt.

Die französische Regierung hat auf die von Florenz au- an sie ergangene officiclle Anzeige, daß der Sitz ter Regierung am 1. Juli nach Rom verlegt werden werde, einfach mit der Mitthcilung geantwortet, daß ihr am königlichen Hofe 'beglaubigter Gesandter bereits die Weisung habe, ihr dorthin zu folgen undj fortgesetzt diejenigen freundschaftlichen Beziehungen zu pflegen, welche so glücklich bisher zwischen den beiden Staaten und Völkern bestanden. Die Speculation der! Curie auf Frankreich ist mithin zunächst und nach dieser Seite hin zu Schanden' geworden.

Darmstadt, 15. Juni. Die wiederholten Anstrengungen der hessischen Com- missäre wegen der Reorganisation der hessischen Division, des Obersten v. Lynckcr und des KriegSrathS Niepoth, haben nunmehr doch zu dem am hiesigen Hofe ge­wünschten Resultate geführt. Nach einem heute au,gegebenen Divisionsbefehle bleiben die Truppentheile in ihrer seitherigen Form b.stehen; da- erste Infanterie­regiment und das erste Jägerbataillon werdrn in Darmstadt, das dritte Infanterie- regiment in Offenbach und Worms, das vierte Infanterieregiment und da- zweite Jagerbataillon in Mainz garnisoniren. Die weiteren Truppentheile behalten ihre Garnisonen. (Fr. I.) v

Darmstadt, 16. Juni. Dem Vernehmen nach wurden am 14. d. M. die Natificationtn der Militärconvcntion in Berlin beiderseitig ausgetauscht. Duo 4. Infanterieregiment wird nicht an dem Einzug der hessischen Division Theil nehmen. Zufolge einem Telegramm des General OuarticrmeisterS v. Podbielsky mußte sich gestern Abend bereits ein Bataillon desselben nach feiner neuen Gar­nison Mainz von Landau au- per Eisenbahn begeben. Heute Abend kommt das

! 2. Bataillon des Regiments in Mainz an und morgen wird das 2. Jägerbataillon dah.n befördert. Der gestrigenDarmstädter Zertung" zufolge ist gegen 68 Militär- der DescrtionSprozeß eröffnet. Heute Morgen werden die letzten fran­zösischen Gefangenen, welche sich bisher noch hier aufhieltcn, 300 an der Zahl, in ihre Heimalh besördert. Der pensionirte Minister v. Dalwigk ist am ver- gungenen Montag nach Livland abgcreist, wo er den Sommer zu verbringen gedenkt.

Darmstadt, 16. Juni. Aus glaubwürdiger Quelle vernehmen wir, daß laut Allerhöchster Entschließung Sr. Königlichen Hoheit des Großherzogs die künftigen Garnisonen ter Großherzoglichen Truppen in nachstehender Weise be­stimmt worden sink. Der Divisionsstab, die Brigadestäbe, die Großh. Feldartillerie nebst Train rc., da« 2. Infanterie-Regiment, die Cavallerie und sämmtliche Land- wehr-Bezirks-Commantos bleiben ungeändert an denselben Orten, wie seither. Das 1. Infanterie-Regiment und das 1. Jäger.Bataillon kommen nach Darm­stadt. Der Rcgimentöstab des 3. Infanterie - Regiments nach Darmstadt, das 1. Bataillon nach Offenbach , das 2. nach Worms. Das 4. Infanterie - Regiment wie das 2. Jäger-B taillon rücken, wie bekannnt, als Garnison in Mainz ein.

(D. Z.)

Offenbach, 14. Jam. Heute Mittag ist die Ersatzcompagnie des zweiten hessischen Jägerbataillone in ihre neue Garnisonstadt, nach Mainz, abmarschirt. Dieselbe zählt etwa 180 Mann, welche heute in Kelsterbach einquartirt werden und morgen :n njren Bestimmungsort einrüden. Die hiesige Caserne ist indessen im Innern frisch hergcricbltt worden, was zu ver Annahme berechtigt, daß unsere Stadt doch wieder eine Ga.nison erhalten wird.

München, 13. Juni. Prinz Luitpold hat 8000 fl., da- ihm zufallende RctablrffemensSgcld, dem deutschen Jnvalldenfond geschenkt.

...-j- Berlin, 14. Juni. Ja Bezug auf die Theilnahme der süddeutschen Könige an dem Einzüge der deutschen Truppen in der deutschen Hauptstadt ist in tiefem Augenblicke noa, nichts entschieden, obwobl von hier au« die äußersten An­strengungen gemacht werden, die Könige von Bayern und Württemberg dazu zu bewegen, persönlich Mitzuwirken bei der großartigen Siegesfeier. In der Zurück­haltung der beiden Monarchen will man übrigen- hier keineswegs ein Mißtrauen g'gen die Entwickelung der nächsten Zukunft de- deutschen Reiche- erblicken; man glaubt vielmehr den Grund derselben in dem Umstande suchen zu sollen, daß die füddeutschen Könige äußerlich in einer ähnlichen Stellung erscheinen würden, wie die an der Feier bethelllgten kleinen norddeutschen Fürsten; diese Auszeichnung oder vielmehr dieser Unterschied soll aber nach der Ansicht der süddeutschen Di- plomatie bei jeftr Gelegenheit scharf hervortrcten.

Die scandalose Geschichte in Bielefeld, die körperliche Mißhandlung eine« Reservisten durch einen Hauptmann v. Falkenstein, ist im Wesentlichen richtig. Die -Lache ist bereits hier anhängig gemacht worden. Wie wir vernehmen, ist von hier au- Befehl ertheilt worden, die Untersuchung zu beschleunigen und über da- Resultat derselben sofort zu berichten.

t Berlin, 15. Juni. Noch niemals ist Berlin von einer Festlichkeit der­maßen in Anspruch genommen, wie von dem diesmaligen Truppeneinzuge, zu dem sich die ganze >Ltadt, ohne Ausnahme, rom Palaste bis zur ärmsten Hütte, von dem fassionablen Geheimrathsviertel bis hinaus in die Arbeitervorstädte auf­herrlichste schmückt. Das Gedränge in den Straßen war heute schon in den frühe­sten Morgenstunden so stark, daß Fußgänger nur im langsamsten Schritt vorwärts kommen konnten; in der Siegesstraße und in den in dieselbe einmündenden Straßen­zügen war der Wagenverkehr vollständig unterbrochen. Die Anzahl der Fremden, Vie zum Einzüge herbeiströmten, ist auf mindesten- 100,000 zu schätzen. Bei solcher Gelegenheit zeigt sich recht deutlich, wre viel Berlin in feiner Entwicklung hinter andern Städten zurückgeblieben ist. In den Gasthäusern, vom feinsten Hotel ersten Range« bis zur ärmlichsten Ausspannung, war schon Anfang- dieser Woche absolut kein Plätzchen mehr leer. Eine leere Droschke ist ein Naturwunder, Miethwagen, die zu gewöhnlichen Zeiten zu 34 Thaler für den ganzen Tag zu haben sind, akkordirten heute nicht ander-, wie mindesten- 2 Thaler pro Stunde. Auch die Lebensmittel sind kolossal im Preise emporgeschnellt; Fleisch ist um 2 bis 3 Sgr. pro Pfund aufgeschlagen, ein Halbweg anständige- Diner kostet 2 bi« 3 Thaler, also gerade das Doppelte des gewöhnlichen Preise-, das Bier ist kaum zu genießen, weil die Brauereien die günstige Gelegenheit zur Absorption de- schlechten Gebräues natürlich nicht unbenutzt vorüberstreichen lassen. Aber all diese Calamitäten vermögen nicht den Festesjubel zu beeinträchtigen. Der eingefleischte Royalist erfreut sich neben dem anragirtestcn Anbeter der Pariser Commune der splendiden Ausstattung, mit welcher die junge Kaiserstadt seine alte Garde begrüßt. Unk in der That, Berlin leistet diesmal Außerordentliches. Seit beinahe einem Menschenalter sah ich alle diese Veranstaltungen, welche Berlin bei feierlichen Ge­legenheiten traf, aber niemals etwas AehnlicheS. Ja selbst das Gepränge, welches bei Eröffnung der litzten Pariser Industrieausstellung überwältigend auf mich ein- wirkte, verblaßt vor der Opulenz, in welcher die Einwohner Berlin- diesmal wetteifern, lieber die Einzelheit verweise ich auf meinen morgenden Festbericht.

Berlin. Der ht.sige Consul der argentinischen Republik und der Eonsul der Republck Uruguay, rufen in Gemeinschaft mit einem in Hamburg gebildeten (Somite die Hilfe der Deutschen für das Elend in Buenos ° Ayrcs an, wo eine