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Nr. 115
Donnerstag den 18. Mai
1871
Bestellungen auf den Gießener Anzeiger
imb sowohl bei der Expedition, Canzleiberg B-1, als auch itionen und den Land-Postboten entgegen gmommen.
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^urch Vermittelung der Polizeikommissäre einreichcn.
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von den beitragspflichtigen
im Hessen:
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PreiS vrecreljshckg 1 fi. 12 kr. mit Bringerlohn. Durch die Post srzogen vierteljährig il fl. 27 kr.
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I. Btkanntmachung Großh. Brandversicherungöcommisflon, die Aufbringung dcs Bedürfnisses der Greßherzoglichen LandeS-BrandversicherungS-Anstalt für 1870
.............. ... wwi uivvm i, welcher eine stete und . - '0e Rückfracht für jene abzwligcndc Dahn sichern würde.
Darmstadt, 11. Mai. Durch Allerhöchste Dccrcte vom 3. l. M. wurden ernannt: der Landrichter Franz Königer zu Seligenstadt zum Landrichter in Langen, der Landrichter Friedrich Hill zu Herbstein zum Landrichter in Seligenstadt und dlr Landgerichtsassessor Carl Sellheim zu Lauterbach zum Landrichter in Herbstein. Mittelst Allerhöchster Entschließung vom 8. l. M- wurde der Landrichter Johannes Joseph Gulfleisch zu Lorsch zum Landrichter in Darmstadt ernannt.
Darmstadt, 12. Mai. Die heute erschienene Nr. 16 des Regierungsblattes enthält:
sversicherungei n die mit Gr-
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fflC* Des Himmelfahrtsfestes wegen wird die folgende Nnmmer dieses Blattes erst nächsten Freitag, Nachmittags, ansgegeben. Die Expedition.
die Unter. ’ weilenden, 1. '
>e ä 30 ft, 36 fr. ab- kkigenonnm mite.
Wie aus München gemeldet wird, hat die bayerische Regierung dem in Franfsurt a. M. abglfchkossenen Friedcnsvertrag ihrerseits bereits zugcstimmk und die Genehmigung zur Ratistcation ertheilt. Auch der bisherige württcnibergische Bevollmächtigte in Brussel, Gras v. Uexlüll, hat Befehl erhalten, sich nach Berlin zu begeben, um im Namen Württembergs dem Frietensvertrag beizutrctln.
t Eine dreistere Fälschung der Geschichte, Wie sie vor wenigen Tagen ein auch in die Prooinzialcorrespondenz üdergegangener Artikel der Magdeburgifchen Zeitung in Bezug auf die französische Revolution unternahm, ist wohl noch nie versucht worden. Die französische Revolution von 1789 — heißt es in jenem Artikel — hat an freien Institutionen positiv nichts geschossen; sie hat alle Mcnfch.n gleich gemacht, um sie dann alle dlr gllichcr. Knechtschaft zu unterwerfen. Sämmtliche französische Revolutionen waren kein Fortschritt auf dem Wege zur Freiheit, sondern nur das revolutionäre Gegenstüä zu dem Despotismus, der vorher auf dem Throne gesessen hatte.
Darnach wäre also das übereinstimmende Urtheil unserer sämmllichcn Historiker ersten Ranges, wie Schlösser, Heeren, Häuser, von Retteck u. s. w., die mit den Beginn der Revolution von 1789 eine neue Aera für das Menschengeschlecht datircn, umgestoßen. Die Freiheit der Presse, das freie Dersammlungsrecht, die Verfassungen der deutschen Mittel- und Kleinstaaten, welche der Unterdrückung des freiheitlichen Gedankens doch immer eine gewisse Schranke zogen; die Ablösung der Reallastcn, Zehnten re., die der freien Entwicklung des Bauernstandes einen so außerordentlichen Vorschub leistete — alles das sind die mittelbaren und unmittel, baren Folgen der drei Rerolutienen von 1789, 1830 und 1848, von denen eine jede den Anstoß zu den großen Bewegungen gab, welche ganz Europa ergrissen und dre für unser deutsches Vaterland jedesmal von den wohlthätigsten Folgen begleitet waren. Menn die Magdeburger Zeitung auerust: „Heute ist die an- steckende Kraft der Revolutionen vorübtr; wir haben geleint, daß man die Freiheit nicht hinter den Barrikaden erobert", so vermag dies doch die großen und heilsamen Wirkungen jener Umwälzungen, die regelmäßig von Frankreich aus- gingen, ebensowenig abzuschwächen, als die unbestreitbare geschichtliche Wahrheit umzustoßen, daß der Boden der Freiheit bislang noch immer mit Blut gedüngt war.
ausgenommen, da man ohnehin daselbst mit wenigen Ausnahmen gewöhnt ist, die Kinder zum regelmäßigen Schulbesuch anzuhalten.
An Paris tritt die entscheidende Katastrophe immer näher heran, denn es 'st mit Gewißheit anzunehmen, daß Thiers tri kürzester Zeit als Sieger in die Fortisicationen, die er geschaffen, einziehen wird, nachdem es ihm nunmehr ge- lungen, eine Armee zu formtreu, deren Loyal'tät die Feuerprobe auf das Vorzüglichste bestanden hat und der aus den deutschen GcfangenendepotS unausgesetzt Ver- Härtungen zugefubrt werden, die von gleichem Geiste beseelt sind. Es wird dann ein politisches Drama beginnen, das an wirklichem Interesse den militärischen Er- e'gnisscn, deren Centrum Paris feit so vielen Monaten gewesen, gewiß in Nichts nachflehen durfte. Inzwischen gestalten sich die letzten Momente der Commune für deren Anhänger immer unerquicklicher; zu der fast unvermeidlich gewordenen Todesgefahr von Außen hat sich noch der unaufhörliche Hader und Zwiespalt im Innern gesellt. Fast jede Stunde bringt eine Veränderung in den Formen und Persönlichkeiten der Regierung.
Am Sonnabend hat Jules Favre der.Nationalversammlung in Versailles ebenfalls Rechenschaft über seine Mission nach Frankfurt und über das Resultat der persönlich mit dem Fürsten Bismarck gepflogenen Friedensverhandlungen ab- gelegt. Die Verantwortung für die verschlimmerte Situation Frankreichs wälzt der Minister auf die Pariser Insurrection, welche Deutschland die Nothwendigkeit auferlegt habe, die Okkupation zu verlängern.
Erscheint täglich, mit Ausnahme Montags.
Expedition: Canzleiberg 3it. B. Nr. 1.
1 3552 für tint i ist die Gerat । Dcrsiche-
10. 20 Cs. für 3,488. 45 ft. cs. 10,459,425.
Fcs. 3,470,081 angelegten ft-
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o c 151 Dle Ausführung der schon so lange besprochenen Lenne-
LahN'Bahn scheint encich sich verwirklichen zu wollen. Nach zuverlässigen Nach- richtcn wird dem nächsten Preußischen Landtage deshalb Vorlage gemocht werden. Die Richtung der Bahn dürste aber nur von Altenhunden nach Cölbe von der Preußischen Staatsregierung besürwoitct, dagegen die Abzweigung einer Linie von Dautphe nach Gicßcn in die Gesctzksvorlage gar nickt aufgenommen werten. Als x tlCfe ^^^tvähnte Unterlassung soll dir bedeutende Kostenaufwand von 41/2 Millionen Thaler angeführt wtrdcn. — Wenn auch nicht zu verkennen ist, daß diese bedeutcnde Summe für jene Abzweigung aufgewendet werden muß, so ragt sich doch, ob denn eine solche Kapitalanlage sich nicht als rentabel beweisen und welche Folgen der Wegfall dieser Abzweigung haben würde. Diese Frage ist in einer gestern in Wetzlar stattgefundenen Versammlung Gegenstand längerer Besprechung gewesen. Die Versammlung hat schlicßlick einen Ausschuß, bestehend aus 9 Mitgliedern, mit dem Auftrag betraut, die Gründe für die Anlage jener Zweigbahn und deren Rentabilität darzuthun. Wir dürfen erwarten, daß alle diejenigen, welche sich für die Sache interessiren, dem Ausschuß durch Beschaffung von Material für seine nicht leichte Arbeit zur Seite stehen. Namentlich dürfen wir dieses auch von dem Handelsstande und dem Verwaltungsrath der Ober- hcfsischcn Eisenbahn erwarten. Letztere dürste bei der Durchführung jenes Pro- icctes um so mehr wesentlich bethciligt sein, weil hierdurch die wohlfeilste Verbringung der Steinkohlen aus dem Westphälischen Revier über die Oberhessischen Eisenbahnen nach dem Süden Deutschlands immer mehr angestrebt würde. Es ^dürfte dann nur noch der ohnehin in sicherer Aussicht stehenden Fortsetzung der Obe,hessischen Eisenbahn von Gelnhausen nach Gemünden bezw. Partenstein. — cberVifö ist wesentlicher Factor für die Anlegung einer Abzweigung der berühmte
Wie in t<m „W.- g, tm.RTTr ÄÄZEKWo E 22
tur* Nn fi ff“ ®ra^Ur° b‘rnl "klart, einzilnen gaben enlstantkn 276,092 ff. 143/, kr., daruntcr ^an Brlndrnlschadtaunü.n und
urch den Krieg besonders hart betroffenen Gemeinden zur Linderung des drückend- Abschätzungskostcn aus 1870 246 056 fl. 18V» fr und es sind Lr st-n No'hstante« ot,r auch jur Mednbelcbung der Bau.hä.Igk-i, unverjin-I.che ein 2 r ü 7 m
b'- M Hohe tun 10,000 Thalern, rückzahlbar nach anm Jahre, zu Betursniffc- 7n 352,898 11" J °7f je Ei nd?rk Gu b.? B.a»
«wahren. Gemeinden, welche darauf nflectiren, Mn ihre molivirien Gesuche vnsicherunaskavital, t ‘ ~ • - P " toUlr,n
durch Brrmttl-Iung ter Pol^zeirammissare einnichen. Starkenburg 130,397,440 ff.” in Rheinhessen ~123 316 82o"ss'
(.“n "" ßnnj(n e,ffl6 VoIlc Anerkennung und man 352,898,550 fl., 6 Kreuzer Beitrag repartirt und in Einem -iiele' 'i
felbfl m,|u,la“ tc" t,m »»geschriebenen L.hrsyslem; der Schuizwang^eisten Tagen de« Monat» August laufenden Jahre«, '
felbp erregte mcht nur feinen Mißmuth, sondern er wurde vielmehr mit BeifalliGedäudebesitzern erhoben werden. 9
Wenn das genannte Blatt ferner die Lehre aus dem heutigen Elend in Frankreich zieht, „rechtzeitig dafür zu sorgen, daß die Massen der großen Städte nicht das politische Uebergewicht über die Gesammtheit des Volkes gewinnen, weil in diesen Massen die sotialistischen Ideen einen leichten Boden findens so zeigt sich hierin der ganze Egoismus und die Kurzsichtigkeit des Blattes, welches mit Leidenschaft die besonderen Interessen einer einzelnen Ges.llschaftsklasse vertritt. Die Unterdrückung der socialistischcn Ideen, do- also ist des Pudels Kern; als ob nicht auch in der socialistischen Bewegung der Neuzeit ein vernünftiger Keim schlummerte! Käme es auf die Magdeburger Zeitung an, dann würde der So- cialismus mit seinen Auswüchsen und Verirrungen bei uns recht bald einen fruchtbaren Boden finden, denn die Hetzereien der reichen Bourgeoisie gegen die ärmeren und unterdrückten Klössen, zu welchen das genannte Blatt indirekt auffordert. Würden den Wortführern der focialistifchm Partei die Wege ebnen und in kurzer Zeit Krisen heraufbeschwörcn, die die Bourgeoisie nicht zu Überstehen vermöchte.
Von dem Gerechtigkeiissinn unserer Regierung dürfen wir erwarten, daß sie solche Ausschreitungen der Priffe, wie sie die Magdeburger Zeitung in jenem Artikel zu Tage gesördert, gebührcnd würdigen wird. Dir Negierung, die über den Parteiin steht, hat Gerechtigkeit gegen alle Klassen des Volkes zu üben; sie wird nickt im Bunde mit dem Egoismus der Bourgeoisie und der Unwissenheit des Landvolkes die Armen unteidrücken, sie soll vielnnhr die der schrankenlosen Willkür des Kapitals preisgegrb.nen Massen in den großen Städten gegen ihre Bedrücker aufs kräftigste in Schutz nehmen und diejenigen foeialen Reformen durch- ku a i " u V
führen, welche die ollmälige Befreiung jener Massen von ter STprannei Vr« pirale 8^ -?^e"flcf!’..bcrÖbau tn tcm Revier Wetzlar
anbohnen. Für die Dynastien in Deutschland wird es jedenfalls vorthcilbafter Q - fein, diesen letzteren Weg einzuschlagen, als dem Rathe des Magdeburger Zeitung zu folgen und jene Massen unbedingt nieoerzuhalten.


