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Grundlagen vertheilt, und ich habe die Ehre, Ihnen die zu senden, welche Ih­nen zukommen.

In militärischen Kreisen verlautet, daß der Kriegsminister v. Roon beab­sichtige, nach Beendigung des Krieges seines angegriffenen Gesundheitszustandes halber in den Ruhestand zu treten. Als Nachfolger bezeichnet man den Ge­neral-Lieutenant v. Podbielskt. (Post.)

Das jetzt durch mehrere Telegramme von französischer Seite und aus Paris selbst bestätigte Bombardement der inneren Stadt Parts schon bis zum Pantheon und der Rue St. Jaques hin wird den Vertretern der Doktrin derheiligen Stadt" das Concept verrückt haben. Es war bequem, daß von Paris aus die franzö- fische Kriegspartei, die dorr zumal ihren Sitz hatte, das friedliche Europa und besonders Deutschland unausgesetzt bedrohen durfte, sie selbst aber, wie in einem mittelalterlichen Asyl, gegen jede Vergeltung geschützt sein sollte. Diese ist nun­mehr über sie hereingebrochen und wird die von einem Muth ganz besonderer Art beseelten Fanatiker wohl zur Besinnung bringen. Wie die avancirteste Linke schon auf die Uebergabe der Stadt in nicht ferner Zeit sich gefaßt macht, be weist die pathetische Proclamation der Barricaden-Commission, an deren Spitze Rochefort steht, berühmt durch die Lanterne und ein charakteristisches Unwohlsein zur Zeit des Aufstandes, welchen der Proceß Pierre Bonaparte heroorgerufen hatte. Die Einnahme der Stadt wird schwerlich auf dem Wege erfolgen, welchen diese Herren sich ausmalen. Es bezeichnet den gegenwärtigen Krieg, daß die Franzosen stets großartige Vertheidigungö - oder Angriffsplane entwerfen, die im Moment der Entscheidung durch irgend einen Zwischenfall gekreuzt werden und zum Vortheil der Deutschen ausschlagen. Alles deutet daraus hin, baß Paris dasselbe Schicksal haben wird, welches ein Pariser Blatt in diesen Tagen mit einem neuen Wort alsUnocrmeldllchkeit" charakterisirt hat.

Aus Anlaß des AtttmatS auf den Marschall Prim soll die Polizei gegen 30 Verhaltungen vorgenommen haben. Ob man aber den wirklichen Mördern auf der Spur ist, weiß man noch nicht. Das Andenken des verstorbenen Mar­schalls ist von der Negierung auch durch Verleihung glanzender Titel an dessen hinterlassene Familie geehrt worden. Die Wittwe des Marschalls behält dessen Rang mir dem Titel einer Herzogin von Prim und der Stellung als Granbin erster Claffe. Das Marquisat von CastillejoS vererbt auf den ältesten Sodn, der den Titel Herzog von Castillejos führen wird.

Kriegsnachrichten.

Darmstadt, 16. Jan. Seine Königliche Hoheit der Großherzog empfingen gestern Abend nachstehcnves Telegramm:

Orleans, 15. Jan., Vorm. 10 Uhr 31 Min. Das vorgeschobene De­tachement des General Rantzau ist gestern bei Briare von einer feindlichen Divi­sion in Front, linker Flanke und Rücken gleichzeitig angegriffen worden. Dasselbe hat sich mit großer Tapferkeit nach Gien durchgeschlagen, dabei 1 Offizier und 6 Gefangene gemacht. Diesseits Major van der Hoop tobt, Lieutenant Weimar verwundet. Etwa 3040 Mann tobt unv verwundet.

Ludwig, Prinz von Hessen.

Summarische Verlustliste

der Großherzoglichen Armee-Division während des Feldzugs 1870. Abgeschlossen am 31. December 1870.

Truppentheil rc.

Stab d.r Arinee-Divifion, incl. Branchen

Stab der 1. Infanterie-Brigade o tt tf W ff

Rnter Briaade. . .

1. Infanterie-Regimsnt . . .

2.

3.

4. ff ff ....

1. Jager-Bataillon

2.

1. Nciter Regiment

2- tt .......

Abtheilung der Feldbatterten. . Abtheilung der Munit onscolonnen Pionier-(5vmpaanie und leichter Feldbruck.nlrain . . . .

Train Abtheilung Feld-Lazarethe

Summe. .

Offiziere.

Unteroffiziere und Mannschaften.

39

59

104

11

10

28

28

(A)

69

13

10

1 h 299

2054

E

10

2158

en

10

85

87

60

25

20

15

21

302

287

240

101

232

73

19

16

102

19

11

11

4 j

439

413

341

154

459

428

362

160

310

144

52

45

157

13

12

10

15

'S §

e

5

377 230,1378

138

46

42

147

13

33

28

30

24

11

24

23

11

17

13

d 6

§ v 5

*) 3n dieser Rubrik find auch die Offiziersdienst thuenden Unteroffiziere enthalten.

Darmstadt, 14. Jan. lieber die Verluste der Großherzoglichen (25.) Division sind wir in den Stand gesetzt, weiter zu veröffentlichen:

2. Infanterie-Regiment.

Zu der, in diesem Blatte vom 14. d. M. veröffentlichten Verlustliste bezüg­lich des Gesichtes bei Briare am 31. Dec. 1870 wirb auf Grund glaubwürdiger Mittheilung ergänzend bemerkt:

1) Eorporal Johannes Riebel aus Pfaffen - Beerfurth und die Musketiere Karl Wilhelm Bauer (Lauer) aus St. Goar, Heinrich Schenk aus Nidda, Philipp Dohsy (Oosy) aus Limburg und Melchior Wall aus Holzhausen, sowie der Gefreite Heinrich Schmiet von der 3. Comp. aus Gießen (welcher am 1. d. M. wegen Krampfen von dec Feldwache in das Lazareth zu Briare ge­bracht worden war) sind von d.m Feinde als Gefangene mitgeführt worden;

2) Musketier Suppes aus Eichclsdorf ist nicht tobt, sondern schwer ver­wundet;

3) Musketier Adam Otterbein aus Queck und Valentin Mangold aus Maar sind gestorben und in Briare begraben worden.

Von der völkerrechtswidrigen Betheeligung der französischen Bevölkerung am

Krieg, die bei unseren Truppen die gerechteste Erbitterung Hervorrufen muß, giebt nachstehender Bericht aus Orleans vom 10. dS. ein beredtes Zeugniß: Das falsche Gerücht, baß die Franzosen in den letzten Schlachten gesiegt, hat die Physiognomie der Stabt auffallend geändert. Überall stehen Gruppen, laut sich unterhaltend, zusammen; man begegnet wenig freundlichen Gesichtern, und, was das schlimmste ist, die Mordversuche gegen unser Militär mehren sich. So wurde gestern ein junges Ehepaar eingebracht, welches die bei ihm im Quartier liegenden Soldaten des 1. Infanterieregiments mit Phosphor vergiften wollte. Eine große Anzahl abgeschnittener Köpfe von Streichhölzern fand b>e Mannschaft Abends in der Suppe. Doch hiermit noch nicht genug, entdeckte ein Unteroffizier fast zu gleicher Zeit ein Kohlenbecken mit glimmenden Kohlen unter dem Bette, offenbar tn der Absicht dahin gestellt, die projectirte Vergiftung durch Erstickung zu vollenden. In Blois wurde der Musketier Ameran 3. Eomp. 4. Infanterie­regiments in seinem Quartier erstochen gesunden. Strenge Untersuchung gegen die Hausleute ist eingelcitet.

Ueber den gegenwärtigen Bestand der Pariser Vertheidigungs-Armee giebt ein Pariser Corresponbent desDaily Telegraph" folgende Nachrichten:

Die in Paris vorhandene bewaffnete Macht beträgt Alles in Allem 525,000 Mann und wird in drei Armeen gethetlt.

I. Armee. General Thomas. 300,000 Mann; Nationalgarden und seden­täre Nationalgarben. Ein Theil der ersteren, in neuformirten Regimentern zu­sammengestellt, ist auch für den Gebrauch im freien Felde bestimmt, hat aber nur 5 Batterien und keine Cavallerie; die Garde sedentaire besetzt die Posten der Stadt und Vie Wälle der Stadt-Enceinte; die städtische Garve versieht den Polizci- dir'nst. Die Bekleidung ist dem Blieben überlassen, als Unifvrmabzeichen sind jedoch ein Käppi mit rother Cocarde, blaue Pantalons mit rothen Streifen vor- gcschrieden.

II. Armee. General Ducrot. 150,000 Mann reguläre Truppen und Mobil- gardcn mit 80 Feld- und Mitrailleusen-Battericn, sowie mit 2 CavallerieRegi- mcntern. Sie soll durch Verstärkungen, muthmaßlich durch die bei der 1. Armee ausgesonderten Kriegsbataillone, auf 200,000 Mann gebracht werben und campirt außerhalb der Stadt. Die 2. Armee besteht aus brei Armeecorps, von denen die Verben ersteren je brei, das letztere zwei Divisionrn haben.

III. Armee. General Vinoy für die Besetzung der Forts bestimmt, ist 70,000 Mann stark, und aus den Depot-Bataillonen der früheren kaiserlichen Garde (welche in die Garde-Marme eingereiht sind und ihre früheren GalonS verloren haben), einigen Linien-Bataillonen, den früheren Stadt-Sergeanten, Gen­darmen rc. zusammengesetzt. Die 3. Armee zerfällt in 7 Divisionen, von denen jedoch die 2. Dioision unter dem Viceadmiral be la Ronciere aus dem Verbände dieses Corps inzwischen ausgetreten und selbstständig geworden ist. Diese Division bildet die Besatzung von St. Denis und wirb auch zu Ausfällen benutzt, wie dies bei dem letzten Ausfall gegen le Vourget am 21. vor. M. der Fall ge­wesen ist.

Die Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit aller dieser Mannschaften ist natür­lich eine höchst verschiedene.

Das luxemburgischeWort" meldet, baß eine Abtheilung luxemburgischer Jäger nach der Grenze nahe Longwy abgegangen ist, um das Gebiet des Groß- herzogtbums gegen den Uebertritt der kriegführenden Truppen zu vertheidigen.

Versailles, 12. Jan. (Depesche der Times.) Das Bombardement war von 2 Uhr Nachts bis heute Nachmittag 2 Uhr ungemein heftig. Ein Regen von Granaten fiel auf Paris, wo verschiedene kleine und große Feuersbrünste stattfanben. Einige Positionen von Clamart und Meudon wurden von den Preußen besetzt. Die Franzosen machen kleine Ausfälle und überraschten gestern ein bayeri­sches Piket in einer Redoute bei Clamart, wurden aber zurückgeworfen. Sie haben unmaskirte neue Batterien. Die Böschungen der Forts, ebenso die Schieß- scharten haben stark gelitten, aber die Replis feuern noch ununterbrochen. Vor dem Valerien find große Truppenmassen ausgestellt. Das deutsche Feuer wird immer stärker und wirksamer.

Havre, 14. Jan. 500 Mann preußische Truppen sind gestern wieder in Dieppe eingetroffen. Ueber bas bereits bekannte Gefecht bei Bourneville wird berichtet, baß sich die französischen Truppen nach Demselben auf Formetot und Conteville zurückgezogen haben.

Satire, 14. Jan. Die Preußen kamen heute nach Fäcamp.

Ile, 14 Jan. Die Preußen uwgehen, wie eS heißt, den rechten fran­zösischen Flügel und bedrohen Cambrai; auch werben einige Scharmützel ge­meldet.

v Berlin, 12. Jan. In Bezug auf die Beschäftigung der Kriegsgefangenen hat das Kriegsministerium eine Circularoerfügung erlassen, durch welche die Com- mandanturen angewiesen werten, auf Anfertigung von Handarbeiten in den Wohn­räumen der Kriegsgefangenen selbst Bedacht zu nehmen, da die Winterkälte und die große Stärke der meisten Depots der Arbeit im Freien ungewöhnliche Schwie­rigkeiten bereiten. Es soll dabei zunächst auf die voraussichtlich mehrfach' vor­handenen individuellen Kunstfertigkeiten Rücksicht genommen, den Handwerkern die Ausübung ihres Handwerks möglich gemacht, und für bas nöthige Material u. f. w. Sorge getragen werden. Zur Deckung der dadurch entstehenden Kosten und zur Erzielung eines Arbeitslohnes für die Kriegsgefangenen muß die Verwerthung ihrer Arbeiten erstrebt werden, doch ist dabei zu vermeiden, daß die Privatindustrie durch die billigere Gefangenenarbeit geschädigt werte. Mit Rücksicht hierauf wer­den mehrere beschränkende Maßregeln in Vorschlag gebracht. Als geeignete Be­schäftigung werden empfohlen die Anfertigung von Fluß- und See-Fischernetzen, Strohmatten, Decken und Schuhen aus Tuchabfällen, welche von den Handwerks- stättcn bec Truppentheile zu requiriren fein würden, von Holzschn tzereien, Carton- nagen, Couverts u. f. w. Um die Arbeitslust der Gefangenen anzuspornen, wird die bisher gültige Verpflichtung einer unentgeltlichen Arbeitsleistung von 5 Stun­den beseitigt, und der volle Reingewinn aus dem Erlös der Arbeiten den Gefan­genen zu Gute kommen, sei es, baß ihre materielle Lage dadurch verbessert oder ein Sparpfenniq für sie angesammelt werde. Vorgeschlagen wirb speciell die An­schaffung von Unterrichtsmitteln und von Tabak, der von einem Theil Der Ge­fangenen zu Cigarren verarbeitet werden könnte. Der Gewinn ist unter sämmt- l che Mannschaften gleichmäßig zu vertheilen, ob dieselben bei den betreffenden Arbeiten, im inneren Dienst oder bei Arbeiten im Freien beschäftigt werben. Doch ist nicht ausgeschlossen, baß diejenigen Leute, welche durch eine besondere Kunstfertigkeit hervorragend werthvolle Albeiten liefern, eine Extrazulage vorweg bekommen. Zur vorschußweisen Beschaffung von Materialien u. s. w. sind dem Kriegsministenum Privatmittel in Aussicht gestellt worben, aus welchen jedem Ge- fangenenvepot eine gewisse Summe ä Fonds perdus übergeben werben soll. Sollte

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