Darmstadt, 15. Juni. Wir geben im Nachstehenden die Dislokationen der! Großherzoglrch Hess. (25.) Division für den 18., 19., 20. und 21. Juni 1871 :
I. Dislocation für den 18. Juni:
Divisionsstab: Heppenheim.
2. Infanterie-Regiment Stab: Heppenheim.
1 Bataillon: Heppenheim, Laudenbach, Hemsbach.
1 „ Weinheim, Sulzbach.
II. Dislocation für den 19. Juni:
Divistonsstab: Seeheim und Jugenheim.
2. Infanterie-Regiment Stab: Eberstadt.
1 Bataillon: Eberstadt, Matchen, Seeheim.
1 „ Bickenbach, Jugenheim, Alsbach, Hühnlein.
III. Dislocation für den 20. Juni:
Divistonsstab: Seeheiw, Jugenheim.
2. Infanterie-Regiment Stab: Ober-Ramstadt.
1 Bataillon: Ober-Ramstadt.
1 „ Roßdorf.
IV. Dislokation für den 21. Juni:
Divistonsstab: Darmstadt.
2. Jnf-anterie-Regimeut Stab: Darmstadt.
1 Bataillon: Darmstadt.
1 „ Arheilgen, Wixhausen. (Darmst. Ztg.)
f Berlin, 14. Juni. Deutscher Reichstag. Die heutige 56. Plenarsitzung eröffnete Präsident Dr. Simson mit geschäftlichen Mittheilungen. Aus der Tagesordnung siehcn zunächst Petitionsberichte, welche in ihrer größeren Mehrheit dem Reichskanzler zur Berücksichtigung empfohlen werden.
Es folgt die zweite Lesung des Gesetzes über die Gewährung von Beihilfen an Angehörige der Reserve und Landwehr. Auf eine bezügliche Anfrage des Abg. Dernburg erklärt Fürst Bismarck, er fetze voraus, daß die Berwaltung und Rech- nunzslegung über den überwiesenen Fonds innerhalb der verfassungsmäßigen Vor- schristen geschehe. — Schulze wünscht, daß Vie vier Millionen nicht zu Darlehen, sondern zu Unterstützungen verwendet werben; Dr. Bamberger dagegen möchte die Summe gewissermaßen nur als Garantiefonds für die Ausfälle bei den Darlehen betrachtet wissen, denn bei Schenkungen werde man einerseits leicht irren, .anderseits bei den Empfängern vielfach anstoßen. — Das Gesetz wird einstimmig genehmigt.
Zu der zweiten Lesung des Gesetzes über die Verleihung von Dotationen in Anerkennung hervorragender, im letzten Kriege erworbener Verdienste, beantragt v. Bennigsen Namens Der Commission folgende Fassung für Den Entwurf: „Zur Verleihung von Dotationen an diejenigen deutschen Heerführer, welche in dem letzten Kriege zu Dem glücklichen Ausgange desselben in hervorragender Weise beigetragen haben, sowie an deutsche Staatsmänner, welche bei den nationalen Erfolgen dieses Krieges in hervorragender Weise mitgewirkt haben, wird dem Kaiser eine Summe von Vier Millionen Thalern aus der von Frankreich zu zahlenden Kriegsentschädigung zur Verfügung gestellt." — v. Ketteler (Paderborn) beantragt einen Zusatz, nach welchem die Vier Millionen erst nach Bestreitung vcr Kriegskosten , Der Ergänzungskosten für Die Armeeausrüstungcn und die bisherigen Bewilligungen aus Der Kriegöcontributton.
v. B?nnigsen. Die Commission hat in ihrer gestrigen Sitzung vertrauliche Miltheilungen von der Regierung erhalten, Deren Resultat der oben mitgetheilte Antrag ist. Die Commission ging dabei von Der Ansicht aus, Daß es nicht an- gezeigt erscheine, bet Diesen großen, gleichermaßen militärischen wie politischen Erfolgen nur Den Heerführern Nationalbelohnungen zuzuwnven, fonDein sie auch solchen Staatsmännern zu gewähren, welche bei Der Ein'gung veö Vaterlandes, namentlich bei Den Abschlüssen mit Den Südstaaten in Versailles sich besondere Verdienste erwarben. Die Minorität machte in Der Commission geltend, Daß durch Belohnungen Der Militärs für hervorragende Thaten im Kriege in Frankreich Der Militarismus gekräftigt worden; daß die Regierung die Namen Der zu Dotirenden nennen müsse, ehe man Die geforderte Summe bewilligen könne; Die g forderte Summe sei so groß, Daß man nicht Die Gewißheit habe, ob aus Der Kriegs- contnbution alle auf dieselbe angewiesenen Bedürfnisse bestritten werden können u. s. w. Die überwiegende Majorität Der Commission hat diese Bedenken nicht theilen können. Von Der Aufnahme Der Namen Der zu DoiirtnDen glaube sie Ab stand nehmen zu sollen, weil es für die Commission sehr schwer ist, unter Der großen Menge verdienter Männer augenblicklich die richtige Auswahl zu treffen; Der Reichskanzler gab die Versicherung, daß es sich nur um Dotationen an sol.be Männer handelt, Die wirklich in hervorragender Weise um Den Ausgang Des Krieges sich verdient machten, nicht um Die Männer, welche schon Durch tbre amtliche Stellung berufen sind, auf Die Leitung der Geschäfte einzuwirkrn. Ich bin von Der Commission sowohl wie vom Reichskanzler ermächtigt / folgende wer Kategorien namhaft zu machen, aus Denen die zu Dotirenden ausgewädlt werden sollen: Heerführer einer selbstständig operirenden Armee; Heerführer, die zwar krim selbstständig operirende Armee commandirten, in wichtigen Momenten aber selbstständig und entscheidend eingriffen; die Chefs der Stäbe, und endlich diejenigen Männer, welche die Organisation und Befestigung unserer nationalen Wehrkraft durchführttn. — WaS Die geforderte Summe anlangt, so ist daraus aufmerksam zu machen, daß Preußen schon im Jahre 1813, wo es ungleich ärmer rote heute war, Den Generalen bedeutende Dotationen gewährte. Selbst bei voller Würdigung Der Bedenken Der Minorität ist Die Summe von 5 Milliarden doch so hoch, D 'ß Der Reichskanzler keinen Anstand nahm, zu versichern, Daß nach Deckung aller Bedürfnisse aus der Kricgscontrivulion noch eine bedeutende Summe zur Ver- thcilung unter Die Einzelregierungen übrig bleiben werde. Im Jahre 1866 stimmte Die Minorität nur gegen das Dotütionsgeseh, weil neben Den Heerführern auch Der Damalige Ministerpräsident und Der KriegSminister bedacht waren; und wer wurde auch zu behaupten wagen, Daß Männer wie Blücher, Gneisenau, Stein unv Hardenberg an ihrer allgemeinen Achtung eingebüßt hätten Dadurch, Daß König Friedrich Wilhelm III. sie für ihre Tyaten tm Jahre 1813 mit Grund- • 're- Jetzt zum ersten Male hat Deutschland ohne fremde Beihilfe, aber
tn. -nißfeit sich erhoben zur Abrechnung mit Dem lange Drohenden Nachbar; dieser Steg brachte Der Nation das.Höchste, was sie fordern kann, die Erlösung aus ^ayrhunderte tanger Uneinigkeit und fremder Bevormundung, (Bravo!) etwas rt/rAuu Aehnltches, Das die Gemiither in solcher Weise erregte, ist in Der
Vefchimle noch nie dagewes n. Wir müssen uns immer wieder auj's Neue klar werden, tu welch' großer Zeit wir leben. Wenn auch Das ganz? Volk an Der (zrlungung Der Erfolge mitwirkte, so ragen doch Die Verdienste einzelner Männer
aus der Menge in einer Weise hervor, daß es den Gefühlen einer edlen Nativ« nicht widerstreben kann, Diese Männer aus sich heraus zu belohnen mit einem sicht, baren Zeichen Der nationalen Anerkennung, diese Männer, welche Das, was Der Feind übel machen wollte, zur größten Wohlthat verwandelten. (Lebhafter Beifall.)
Graf v. Spee wird im patriotischen Sinne für Den Commissionsantraz stimmen, Der für ihn zugleich einen religiösen Standpunkt einnehme, da der jetzige Kampf ebenso wie Der im Jahre 1813 mit Gott für König und Vaterland geführt worden sei. Bei Diesem nationalen Standpunkt unterscheide er aber doch noch, Den national-liberalen Standpunkt, denn Den Unverstand, Daß eine nationale Kirche möglich sei, wurde ihm wohl Niemand zutrauen.
v. Lenthe. Ich bin ein Mitglied der Commissions-Minorität. Wir hatten event. die Herabsetzung der Summe gewünscht, Denn es handelt sich hier nicht nur um Die 4 Millionen, sondern um die Schaffung eines Präjudizes für künftige Fälle. Ich werde keinen Augenblick Drn Standpunkt des geldbewill genden Ab- gkordneten verlassen, und glaube damit Den höchsten Standpunkt einzunehmen, Denn bei Der scharf angespannten Steuerkraft ces Volkes muß man sich die Sache richtig überlegen und nicht leichthin sich auf den „höheren" Standpunkt stellen. (Murren rechts.) Verschiedentlich ist auf Den patriotischen Dank hingewiesen; wir haben durch Die Bewilligung Der 4 Millionen für Die Reservisten bewiesen, Daß wir nicht undankbar sind, aber etwas anders ist es mit Dieser Dotation. Ich halte es nicht für nöthig, Der Ehre, welche die Heerführer sich erwarben, noch äußere Vorzüge hinzuzufügen. In einem Staat von allgemeiner Wchrpflicht, handelt es sich nicht um einzelne hervorragende Leistungen. Wenn Jemand an Der Spitze Der Armee steht, glaubt er präDestiuirt zu sein auf Belohnungen. Bewilligen wir sie nicht, so zeigen wir ihm, Daß er nicht prädestinier ist. Mit Annahme des Dotationsprincips stärken wir nur Den Militarismus; e.ne Nationalbelohnung ist überhaupt nur denkbar, wenn Die Namen genannt werden. Mit unfern Finanzen muß es doch nicht so gut stehen, Denn vor wenigen Tagen noch hörten wir vom BundesrathStische, Das Landbriefbestellgeld könne nicht entbehrt werden.
Nachdem noch Reichensperger (Olpe) den Commissionsantrag befürwortet, wird Der Schluß der Debatte angenommen; Duncker protestirt dagegen, weil seiner Partei in dieser Sache nun schon zweimal das Wort abgeschnitten fei. — Der Commissionsantrag wird mit 178 gegen 5t Stimmen angenommen.
Fürst B.smarck theilt mit, er hoffe in Dir morgigen Sitzung Die Entschließungen des Kaisers, bezüglich Des Schluffes Der Session an Das Haus gelangen zu lassen; wahrfchrinlich wcrDe Der Schluß morgen Nachmittag 3 Uhr erfolgen.
Schluß 4y2 Uhr. Nächste Sitzung morgen 10 Uhr. Tagesordnung: dritte Lesung Der beiden Dotationsgesetze, Antrag Braun (Hersfeld) wegen eirkcS provisorischen Parlamentsgebäudes, Petitionen.
Lelegr^phifche Depeschen»
4- Berlin, 15. Juni. Der Reichstag hat in seiner heutigen Sitzung das Gesetz, bemffenü Die Gewährung von Beihilfen an die Reserve und Lanewehr^ sowie Das Dotationsgesetz in Dritter Berathung Definitiv genchwigt. Fürst Bismarck verlas hierauf eine kaiserliche Botschaft, der zufolge Der Schluß Des Reichstages heute Nachmittag um 3 Uhr Durch den Kaiser erfolgt.
+ Berlin, 15. Juni, Nachmittags 3 Uhr. Der Reichstag ist soeben vo« Kaiser mit solgender Tyronrede geschloffen worden:
„Geehrte Herren! Als ich Sie vor drei Monaten an dieser Stelle begrüßte, bezeichnete ich es als Den ehrenvollen Beruf Des ersten Deutschen Neichstagrs, dir Wunden, welche Der Krieg geschlagen hat, nach Möglichkeit zu heilen. und dn Dank Des Vaterlandes Denen zu bethätigcn, welche den Sieg mit ihrem B!ut^ und ihrem Leben bezahlt haben. Sie haben Diesen Berus nach Dem Herzen Df deutschen Volkes erfüllt. Mit freigebiger Hand haben Sie für die an ihrer Gt sundheit geschädigten Krieger und für Die Hinterbliebenen Der Gsfallenen gewährt was Die Dankbarkeit des Vaterlandes erstatten kann. Sie haben Die verbündet^ Regierungen in Den Stand gefetzt, Die Nachtheile zu mildern, welche Der Ruf zur Fahne für die Erwervsverhältniffe vieler Berufenen herbeigesührt bat. Zum Erss> Der Schäden, welche die Anwohner unserer bisherigen Grenzen und Die für Deutsch land zurückerworbencu Gebiete erlitten haben, zur Ausgleichung Der Verluste, totld Die Deutsche Schifffahrt Durch den Krieg erfahren hat, und zur Erleichterung dkl L-.ge, in welche Deutsche Mitbürger Durch ihre Auswerfung aus Frankreich verseh worDen sind, haben Sie bereitwillig Ihre Mitwirkung gewährt. Im Vereine asi den verbündercn Regierungen haben Sie es mir ermöglicht, Den Dank des Vater- landes Den Männern Darzubringen, wrlche Das deutsche Heer zu seinen Thatri erzogen, dasselbe von Sieg zu Sieg geführt und Die glorreichen Errungenschaft! des Krieges sichergestellt haben. Ich erfülle ein Bedürfniß meines Herzens, inDrd ich Ihnen Dafür in meinem und des Deutschen Heeres Namen meinen kaiserlich Dank aussprechk. Durch die neue Ncdactivn der Reichsoerfassung haben die staals« rechtlichen Verhältnisse Deutschlands Die Den Verträgen entsprechende Form jt- wonncn und durch Den Nachtragsetat für 1871 haben Die finanziellen Bezichun^ Der Bundesstaaten zum Reiche ihre Regelung gefunden. Der größte Tyeil ter Gesetzgebung des norddeutschen Bundes ist zur Gesetzgebung des Reiches geworDn, und Du letztere hat im Beginn Ihrer gemeinsamen Thätigkeit Die Haftpflicht tei industriellen Unternehmungen in einer Weise geregelt, Deren Wohlthaten an trjw Stelle Den Invaliden Der Arbeit zu Gute kommen werden. Für Die EinrichtunglN, welche in Elsaß und Lothringen zu treffen sind, ist die gesetzliche Grundlage ze- wonmn; die Verhandlung.n, welche Darüber in Ihrer Mitte stattfanden, werte« den Bewohnern dieser Gebiete Die Uederzeugung gewähren, Daß Den deutsche« Regierungen und dem dkutschen Volke — wie auch über einzelne Fragen Die W sichten abweichen mögen — Der eine Gedanke und Der eine Wille gemeinsam ift Das rückerworbene Land unter der Schonung bewährter Einrichtungen Durch iiiti milde Verwaltung und Durch eine freiheitliche Entwicklung fmur Gesetzgebung j» einem auch innerlich verbundenen Gliede unseres großen Vaterlandes zu mach-il- Während Der Dauer Ihrer Versammlung ist Der Frieden mit Frankreich enDgil^ abgeschlossen worden. Dieser Abschluß uno die Wiederherstellung gesetzlicher M walten in Frankreich haben es zu meiner Freude möglich gemacht einen großll Theil des Heere- in Das Vaterland zurückkehren zu lassen. Der Schluß Ihrer Thätigkeit fällt zusammen mit dem Einzüge Der siegreichen Truppen aller Deutschs Hecrestheile in meine Hauptstadt. Sie werden, geehrte Herren, Zeugen M EÄ zuges sein, und wenn Sie unter Dem Eindrücke dieser nationalen Feier in 3^
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