Kartoffeln, Fleisch und besonder- Weißbrod. Die Preußen finden dabei ihre Rech- nung, machen keine zu großen Schwierigkeiten und liefern die Lebensmittel zu trefflichen Bedingungen. Gestern war das Ueberfchreiten der Linien schwieriger. Einer dieser VerproviantirungSorte ist Orly, ein kleines Dorf zwischen Choisy und Villeneuve-le-Noi. Am Sonntag schoß man mit Revolvern auf preußische Soldaten Seitdem gelangt man nicht mehr leicht nach Orly. Der unglückliche Vorfall gab zu folgender Proklamation Anlaß:
Proclamatlvn. Ja Anbetracht, daß es zu verschiedenen Malen vorgekommcn ist, daß auf die deutschen Soldaten von Personen, die nicht zur französischen Armee gehören, geschossen worden ist, so bringen wir zur Kenntniß der Bewohner, baß erstens die Civilbebörden für ähnliche Berg hen verantwortlich werden; zweitens die in Rede stehenden Orte sich der Gefahr aussetzen, nach den Umständen theil- welse oder ganz niedergebrannt zu werden, wenn die Schuldigen nicht sofort der Milltärbehörde ausgeliefert werden.
v. Tümpling, Cavallerie General, Commandant des 6. Armeecorps.
Den nachstehenden Bericht übersendet ein Wehrmann des Landwehrbataillons Düsseldorf der „Crefelder Zeitung" mit der Versicherung, daß die darin erzählten Thatfachen „vollständig wahrheitsgetreu" feien: „Charmes, 4. Febr. Seit meü nem letzten Bericht vom 29. December v. I. ist bei unserem Bataillon nichts Mittherlenswerthes vorgefallen, als daß wir am 1. Januar unsere schönen Quartiere in Mirecourt gegen die weniger guten in Charmes vertauschen mußten. Dieses Städtchen mit circa 3000 Einwohnern, Station an der Bahn von Nancy nach Cpinal, Vesoul rc., ist sehr langweilig und bietet außer der schönen, ungefähr 10 Minuten langen Moselbrücke nichts BemerkenSwerthes, obschon man ihm durch feine wirklich schöne Lage an der Mosel die Eigenschaft als reizender Som- meraufenthalt keineswegs absprechen kann. An den nunmehr ziemlich abgekühlten Fanatismus der hiesigen Bevölkerung erinnern noch die Trümmer von 6 total nüber- gebrannten Häuiern, aus denen bei dem Einrücken der ersten Preußen auf dieselben geschossen worden war. Daß indeß dieser Fanatismus bei Einzelnen noch nicht gebrochen ist, davon hatten wir heute einen eben so klaren, als ergötzlichen Beweis. Wie Ihnen bekannt sein wirb, werben bei den in Frankreich von den Deutschen occupirten Bahnstrecken einzelne Notabeln aus den resp. Ortschaften zur Sicherheit der Züge als Geißel mit auf die Locomotive genommen. So sind auch hier in Charmes die hervorragendsten und reichsten Persönlichkeiten, der Bürgermeister, Notar u. s. w., dazu bestimmt. Alle hatten sich in dieses Loos "ohne Widerstand gefügt, mit Ausnahme des Friedensrichters, welcher sich bisher auf die eine oder andere Art zu „drucken" gewußt hatte. Als aber seine prahlerischen Ausdrücke als: „die PrussienS würben ihn nie dazu bringen" u. s. w. an geeigneter Stelle bekannt würben, da war auch sein Schicksal entschieben. Nachdem er der gestrigen Aufforderung, sich heute Margen 8 Uhr auf dem Bahnhof zu stellen, Nicht Folge geleistet hakte, wurde er von dem hier als Polizei fungirenden Unter oftqier K. (aus Crefelb) unter Assistenz von 5 Soldaten der Wache vorerst mit großer Mühe aus dem Bette geholt unv dann ein anstrengender Versuch gemacht, ihn anzukleiden, welcher indeß, trotz aller Zureden seiner Familie und trotz der nöthigen Einsprache des Gewehrkolbens, gänzlich mißlungen ist. Unter diesen Umstanden, und da die Zeit drängte, blieb dem Unteroffizier K. nichts anderes übrig, als den Friedensrichter, den er unter jeder Bedingung zur Stelle schaffen mußte, in demselben Costüme, wie er ihn aus dem Bette geholt, weg zu tranSportircn. Unv so geschah es. Wenige Minuten später sah man, wie der Unteroffizier K. in voller Orvonnanzuniform den Richter von Charmes, welcher nur mit einem Hemde bekleidet war, am Hellen Tage durch den belebtesten Theil der Stabt dem Commandanten zuführte. Die dem Hartnäckigen noch im letzten Augenblicke an- gebotenen Schuhe hatte er höhnisch verweigert, und so durchschritt er barfüßig in stolzer Haltung und mit trotzigen Blicken die Straßen, zum großen Ergötzen sowohl der Soldaten als auch der zahlreich vertretenen Einwohnerschaft. Ob er während seiner vierstündigen Gefangenschaft die Nutzlosigkeit seines Widerstandes eingesehen, oder aber ob ihm die stark sommerliche Kleidung für die jetzige Jahreszeit nicht passend erschienen, genug, er vervollständigte dieselbe durch einen ordent- lidjen Winteranzug. Nachmittags auf dem Bahnbofe mußte man ihn mit Gewalt aus bem Coupe, in das er sich der Vorschrift zuwider gefetzt hatte, herausholen, bei welcher Gelegenheit er noch einen Soldaten in die Hand gebissen. So mußte denn dieser Märtyrer für die grande nation seinen Platz auf der Locomotive in ben Koblen nehmen, wo ihm noch von den Maschinisten unter unzweideutigen Ge- berden ein Topf mit Theer und der entsprechende Pinsel vorgezeigt wurden. Ein Act ähnlicher Art wurde kürzlich in Nancy abgespielt. Diese Stadt sollte nämlich zum Wiederaufbaue der gesprengten Brücke bei Toul 500 Arbeiter st-llen, was jedoch nicht geschehen war. Statt indeß den Befehl unter Drohungen zu erneuern, veranstaltete der preußische Commandant der Stabt auf dem Stanislaus platze ein großes Militärconcert, unv zwar auf 3 Uhr Nachmittags, eine Zeit, wo der größt Theil der Bevölkerung in den Cafes oder auf den Promenaden zu sein pflegt. Bei den ersten Klängen der rauschenden Musik war der Platz von Neugierigen überfüllt, als, o Schrecken, sich dieselben plötzlich eingefchloffen und von preußischem Militär umzingelt sahen. Da- Concert war zu Ende. Das starke Grschlecht, von dem zarten abgesondert, wurde sofort, ohne Rücksicht auf Rang und Stand, zum Bahnhof transportirt und in einem bertilsiehenden Zug nach Toul verladen, wo man buffelbe in den folgenden Tagen, theilS in Lackstiefel und Glacehandschuhen, mit Spaten und Hake versehen, oder in Schiebkarren an der Brücke arbeiten sah. Nur einige Wenige, welche gegen theures Gelb Ersatz- leute stellen mußten, waren entlassen worden. Daß die deutschen Soldaten auch hier ihr Amt als Steuerexecutoren verstehen, zeigt folgendes Bild. Ein Bewohner eines benachbarten Dorfes verweigerte die Zahlung einer rückständigen Steuer im Betrage von 10 Sous — 4 Sgr., zu deren Beitreibung em Unteroffizier und 6 Mann von unftrer Compagnie aasgefchickt wurden. Unter Androhung der üb- lichen R pressalien rückte der Bauer mit dem Gelve heraus, mußte indeß, höherer Anordnung zufolge, dem Commandoführer 4 Franken und jedem Soldaten 2 Fr als Executionsgebühren bez.chlrn. In Summa 16 Franken (4 Th r. 8 Sgr.) Strafe für verweigerte Zahlung von 4 Sgr."
General Ducrot liegt laut dem „TempS" schwer krank in Vincennes und man zweifelt au seinem Aufkommen. Es hat schon vor mehreren Tagen geheißen, dieser General habe Gift genommen. Der Fregattencapitän Camalignie hat sich bei Uebergabe bcS Fort Montrouge eine Kugel durch den Kopf geschossen.
Die Schuhlieferanten für die Norbarmee, welche Sohlen mit grauem Pappdeckel und einem dünnen Stück Leder geliefert haben, wurden in Lille am 12. Febr. verhaftet und zu den anderen gesetzt, welche Schuhe mit Sohlen von bloßem gelben Pappdeckel geliefert hatten. Das „Echo du Nord" v.rq von dem Gesetze als
lässtgkeit mußten Militärbehörden vorgehen, welche solche Schule annahmen uifr in solcher Jahreszeit an die armen Soldaten vertheilten.
Heber die bewundernswerthen Operationen des Generals v. Werder hö„ Han« Wachenhusen in Versailles, baß ver Letztere hinsichtlich seiner gefährdeten Stellung bei Belfort, in der Ueberzeugung, die Verantwortlichkeit nicht tragen können, erst beim Grafen Moltke anfragte uns von Versailles ausdrücklich Ordre erhielt, seine Stellungen nicht aufzugeben. Selbst in diesem schwierig Terrain des Doubs also leitete Moltke alle Operationen, welche Werber mit seinen Truppen trotz allen localen Schwierigkeiten, trotz Schnee unb Kälte, trotz feind- licher Übermacht zum Erstaunen ber Welt ausführte.
Heber Bitsch, das in ber W 'ff nstillstanbSconvention gar nicht erwähnt iß, erfährt der Karlsruher Correspondent ber „Hamb. Nachr." einige Einzelheiten Der letzte angebliche Ausfall hat nicht stattgefunben. Zwischen den Belagerten unb Belagerern (Bayern) herrscht längst gar fein ausdrücklich abgeschlossener, wohl aber stillschweigender Waffenstillstand und wirb von allen unnützen Feindseligkeiten abgesehen. Die Vebetten unb Vorposten verkehren kameradschaftlich mit einander und tauschen ihre Genüsse gegenseitig aus. Von Zeit zu Zeit begiebt sich die eine ober andere Compagnie des kleinen Cernirungscorps nach Landau, um sich mit etwa abgängig gewordenen Bedürfnissen wieder zu versehen.
Versailles, 12. Febr. Gestern war die Ablieferung der Waffen noch nicht vollendet; es waren erst 240 Geschütze, 46 Mitrailleusen und 24,000 Gewehre abgeliefert worden. Die Deutschen zerstören die schweren eisernen französischen Geschütze, welche ihrem System der Geschützbewaffnung nicht entsprechen. Die Explosionen, welche man in Folge dessen gestern in Versailles vernahm, verur- sachten einige Aufregung. — Die Post- und Proviantzüge von London nach Paris, welche durch ein Mißverständniß mit Beschlag belegt waren, wurden sofort aus Befehl des Hauptquartiers wieder frei gegeben. Der Brüsseler „Gaulois" veröffentlicht eine Liste ber LebenSmittelpreise in Paris vom 9., welche bereits ein bedeutendes Sinken aufweist. Der plötzliche Andrang aller Arten von Lebens. Mitteln ist so groß, daß es unmöglich ist, den neuerlich eingelaufenen Vorschlägen zur Beschleunigung der Verproviantirung Statt zu geben.
Karlsruhe, 14. Febr. Die „KarlsruherZeitung" veröffentlicht folgendes Telegramm des Etappen-Commando's Mühlhausen an das badische Kriegsmrnisterium:
Belfort hat Waffenstillstand abgeschlossen und will capituliren.
Darmstadt, 14. Febr. Auch in letzter Nacht wieder wurden hier Erder- schütterungen verspürt.
Büdingen, 12. Febr. Auch hier sind in der Nacht vom 9/10 d. um 2 Ubr und gegen V26 Uhr bedeutende Erdstöße verspürt worben, von Denen der letztere am heftigsten war. (Auch aus Ulrichstein wird diese Erschütterung als eine sevr heftige, 5—7 Secunden andauernde geschildert.)
Himbach, im Kreise Büdingen, 10. Febr. Heute Morgen, etwa zwischen 5 bis 6 Uyr, verspürte man im hiesigen Orte eine starke Erderschütterung. Die Häuser bewegten sich und es fiel von gewissen Lehmfachwerken der Giebeln tn südlicher und südöstlicher Rlchtuag, welche durch Die Witterung schon gelitten hatten, verschieDene kleine Theile ab, welche etwa 3 bis 4 Fuß von Den Wänden und Giebeln zerstreut lagen. E:n dumpfes Getöse war bei Der Erschütterung hörbar und verschiedene Personen wachten Durch diesen Stoß vom Schlafe auf. Leute aus Den Nachbarorten, Die heute Morgen hier durchpassirt sind, erklärten auf Befragen, Daß sie diese Erschütterung in ihren Orten in gleicher Weise verspürt hätten.
Bern, 10. Febr. Daß bas Gesuch des Bundesrathes, bas veutsche Hauptquartier in Versailles wöge Ha ab zu Unterhandlungen Behufs einer Verständigung über die Rückkehr der internirten Mannschaften Der Ost-Armee bieten, abschläglich werbe beschieden werben, war vorauszusehen. Die Antwort des Grafen v. Bismarck, welche Herr v. Roeder in feinem Namen Dem Bundesrathe gegeben hat, konnte nicht anDers lauten, als sie wirklich lautet:
Die deutsche Regierung — so ist nach officieller Mittheilung ihr Wort- laut — erkennt an und bedauert Die Last, welche der Schweiz durch die Jn- ternirung erwächst; allein die französische Regierung ist nach den gemachten Erfahrungen außer Stande, Garantieen zu geben, daß diese Truppen nicht sofort wieder gegen Die Deutschen im Felde erscheinen, sobald sie den französischen Boden betreten; Die Schweiz hat bisher in loyaler Weise die Neutralität aufrecht erhalten und wird deutscherseits ersucht, Die kurze Zeit, Die hoffentlich nur noch erforderlich fein wirD, Damit fortzufahren und DaDurch Den FrieDen beschleunigen zu helfen.
Lille, 15. Febr. Die Landbevölkerung betheiligte sich sehr lebhaft an Den Wahlen. Am Wahltage zogen Hausen von Bauern, mit Fahnen, welche die Inschrift: „La paix“ trugen, in Die SlaDt. Einige Dieser Züge waren von Geistlichen begleitet.
Florenz, 7. Febr. Die Regierung soll entschlossen fein, Der StaDt Rom alle möglichen Vergünstigungen zukommen zu lassen. So hofft man, Den jetzigen Magistrat zum Ausharren auf feinem Posten zu bestimmen und vielleicht gar Den Principe Dona zum Bürgermeister zu gewinnen. -- Die Kammer hat heute Den zweiten Artikel Des Garantiegesetzes, betreffend Die Sicherstellung Des Papstes vor persönlichen Angriffen und Beleibigungen, nach viertägigem heißen Reoekampf mit großer Majorität angenommen. Die Discufsion Der übrigen Artikel der ersten Theiles Der Vorlage wird aller Aussicht nach viel glatter von Stattea gehen.
Telegraphische Depeschen.
+ Berlin, 15. Febr. Eine Verordnung des Generalpostamtes verfügt, daß von jetzt auch verschlossene gewöhnliche Briefe nach Paris befördert werben bürfen gegen Die vor Ausbruch Des Krieges in Kraft gewesenen Taxen. Die Verfendunz recommanDirter Briefe ist vorläufig nicht zulässig.
4- Augsburg, 15 Febr. Ein Telegramm Der „Allgemeinen Zeitung" au- Genua vom 13. Februar meldet, daß wegen befürchteter WieDkrholung von Unruhen in Nizza ein Bataillon Des 47. Regiments und andere Truppen fchlcunigfi nach Sau Remo unb Ventimiglia abgegangen find.
4- Bordeaux, 13. Febr. Ganbalbi hat bas Co mm an do
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