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Wittwen oder Eltern, sowie auch der Betroffenen selbst, es mit heißem Dank als besondere unverdiente Gnade entgegennehmen werden, wenn die Eisenbahn ihnen mit einem Bettel ihre Rechtsansprüche abkaufen will. Solchen Dingen gegenüber mutz man es so laut wie möglich in alle Lande hinausschrcien, datz Dec Eisen- bahnen, wenn sie nicht ihre Unschuld Nachweisen können, für jede Beschädigung an Leben, Gesundheit oder Arbeitsfähigkeit künftighin nach Dem vollen Werthe des angertchteten Schadens auflommen müssen, und datz die französischen, belgischen, englischen rc. Gerichte schon längst eine Praxis sich heraoSgeottvet baden, welcher die Verurtheilung zu vielen Tausenden, ja Hunderttausenven Schadenersatz ganz geläufig ist. Es ist gar nicht daran zu zweifeln, daß die deutschen Gerichte sich an die nämliche rücksichtslose Schärfe der Auffassung gewöhnen werden, sofern nur das deutsche Publikum jene Lumpen-Bescheidenheit abwirft, die ihm noch so viel­fach auklebt und muthig den vollen Schaden nach einer ohne Aengstlichkeit ange­stellten Berechnung fordert. Nichts wäre falscher, als hierRücksichten nehmen" oderRechnung tragen" zu wollen; denn dem Ruin und den Thränen unzähliger Familien steht nicht etwa das Gedeihen der Eisenbahnen, sondern nur der Schlen­drian derselben g-genüber. So lange man es freilich noch erl.bi, datz Eisenbahnen sich für eine Handlungsweise von empörendster Schmutzigkeit öffentlich lobhudeln lassen können wie neulich die Berlin-Anhalter Bahn für die800Thlr., welche fic den Beschädigten des bei Leipzig verunglückten Bataillons spendete, so lange ist wenig Hoffnung, daß die Begriffe des Publikums über tiefen Gegenstand sich klären. Aber um so mehr ist es Pflicht der Pnffe, das Publikum mit Gewalt auf sein Recht aufmerksam zu machen, und insbesondere die kleine Presse würde sich ein wirkliches Verdienst erwerben, wenn sie diese Anregung in die wertesten Kreise trüge. Sonst wird, trotz des nunmehr in Kraft getretenen Gesetzes, noch auf lange hinaus nicht die Größe des wirklichen Verlustes, sondern der gute Lille der Eisenbahnen für den Schadenersatz maßgebend sein, unv auf die Ausgiebigkeit dieses guten Willens möchten wir keine Berge bauen."

f Berlin, 13. September. Der Garantiefonds der Postverwaltung ist, Dank der Pflichttreue und Gewissenhaftigkeit des Personals im Verhällniß zu den der Post anvertrauten Werthen, ein äußerst mäßiger; cc beträgt nur Viooooo tiefer Werthe. Er könnte aber noch bedeutend knapper gemeffen werden, wenn mast von Zeit zu Zeit noch immer Lerluftfälle vorkämen, die auf recht auffallende und doch sehr leicht zu vermeidende Versäumnisse zurückzusühren sind, und die einzelnen zur Ersatzleistung in erster Linie v.rpflrchtetcn Beamten viel empfindlicher schädigen als den Garantiefonds selber. Oft reicht ein Unglücksf^ll hin, den Wohlstand und die Existenz mehr als einer achtbaren und bis dahin glückt chen Familie zu ver­nichten. Es ist deshalb dankbar anzuerkennen, daß das kaiserliche General-Post­amt Sorge getroffen hat, die complicirteren Garantiefälle den Postbeamten ein­gehend zur Kenntniß zu bringen, um sie dadurch zur genauesten Znnchaltung der Dienstinstruction zu veranlassen.

t Berlin, 13. September. Der heutigeReichs-Anz." veröffentlicht die Liste derjenigen Personen, welche auf Grund des Gesetzes vom 14. Juli zu Mit­gliedern der neu zu begründenden Gerichte in Elsaß-Lorhringen resp. zu Beamten der Staatsanwaltschaft zu Colmar, Metz, Saargemünd, Straßburg, Mühlhausen und Zabern ernannt worden sind.

f Nach erfolgter Zahlung der dritten halben Milliarde der französischen KriegScontrivutivn und der dadurch bedingten Rückkehr der 2. und 22. Division bleiben auf französischem Boden fortan noch 6 Divisionen mit einer Effektivstärke von rund 80,000 Mann zurück. Dieses Zah'.enverhaltniß entspricht auch den Bestimmungen des V-rtrages, welcher unter dem 11. März v. I. zu Schloß Ferrieres zwischen dem General von Stosch unv Herrn JuleS Favre in Bezug auf die Erfüllung der Friedenspräliminarien abgeschlossen worden ist. Er ist darin die Verabredung getroffen, daß in dem Maße, wie die Zahlung der K.iegölcsten vorschreitet, auch die Zahl der Rationen, für welche Entjchädtgung zu leisten ist, sich verringern soll, unv zwar in der Weise, daß vierzehn Tage nach Ablieferung der ersten Hälfte der zweiten Milliarde nur für 80,000 Rat onen Lebensmittel und für 30,000 Rationen Fourage Entschädigung zu leisten ist. Die Ausführung aller dieser Anordnungkn ist selbstverständlich an die Voraussetzung geknüpft, daß die Abwickelung des ganzen Zahlungsgeschäfts regelrecht von Statten geht.

In den betreffenden Kreisen geht man jetzt ernstlich mit dem Gedanken um, eine besondere Adtheilung für sociale Angelegenheiten im StaalSwiniste-ium zu errichten, an deren Spitze der Geh. Rath Wagner treten soll. Diese verflossene

Persönlichkeit wäre nun aber wahrhaftig gerade der allerungeeignetste Mann iit diesem Posten.

Die Enthüllung des Schiller-Denkmals ist nicht, wie Berliner Blätter mel­den, auf den 10. October in Aussicht genommen, sondern soll bestimmt am 10. November d. I. stattfinden.

Straßburg, 13. September. Der Festungsgouverneur General v. Hart­mann erläßt in der amtlichenStratzb. Ztg." eine Bekanntmachung, wonach der Kaiser dir Wiederherstlllung deutscher Bezeichnungen für die Thore, Werke, Ca- fernen und sonstigen militärischen Baulichkeiten Straßburgs befohlen hat. Die Porte d'Austertitz wird zum Metzgcrthor, die Porte Nationale zum Weißthurm- thor rc. Die Bast.onen der Festung erhalten bestimmte Namen. Nachstehende Bekanntmachung ist erschienen:

Der Maire beehrt sich, seinen Mitbürgern bekannt zu machen, daß, laut einer an ihn ergangenen Mittheilung des Festungs-GouvernementS, Offiziere und Militäroeamte der Garnison vom 29. September er. ab auf Naturalquartier keinen Anspruch mehr machen dürfen. Straßburg, den 11. September 1871. Der stell­vertretende Maire: I. Klein.

Wien, 13. Sept. DieWiener Zeitung" meldet; Der Kaiser hat den Erzherzog Karl Ludwig als Protektor der Wiener Weltausstellung bestätigt und den Erzherzog Rainer zum Präsidenten der Ausstellungecowmission ernannt.

Prag, 12. Sept. Wie dieBohemia" meldet, hat Kaiser Wilhelm den Kaiser Franz Joseph auf Mitte October nach Coblcnz eingeladen.

Paris, 13. Sept. Sitzung der Nationalversammlung. Eine Botschaft des Präsidenten der N publik kommt zur Verlesung. Der Inhalt derselben stimmt mit dem bereits Mitgetheilten überein. Die Versammlung diecutirt hierauf den Antrag auf Vertagung. Die Commission beantragt Vertagung vom 17. September bis 4. Decemder, Ernennung eines permanenten Ausschusses von 25 Mitgliedern und Verlängerung der Vollmachten des Bureau's bis zum Wiederzusammentritt der Versammlung. Der Commissionsantrag wird angenommen.

Paris, 14. September. Die Entwaffnung der Nationalgarde hat in mehre­ren Departements begonnen. Dieselbe geht überall in vollständiger Ruhe und Ordnung vor sich. Die Unterhandlungen mit dem Grafen v. Arnim über die Verlängerung der zollfreien Einfuhr der elsässischen Erzeugnisse in Frankreich dauern fort. Man hofft, noch vor der Vertagung der Kammer zu einem Ergebniß zu gelangen.

London, 14. September. Soeben ist hier eine Correspondenz zwischen dem auswärtigen Amte und einem Collegium ausländischer Bonvsbesitzer, betreffend die rumänische Eisenbahnfraqe, erschienen. Auf die diesbezüglichen Reklamationen ant­wortend, b.tont Lord Ruffel, daß die Regierung den politischen Standpunkt fest­halte, in die Schuldangelegenheiten fremder Staaten osficiell nicht zu interveniren.

Algier, 12. Sept. Ein Befehl des Gouvernements vom 11. ds. Mts. verordnet die Aufhebung der arabischen Bureaus und die Reorganisation der Administration.

Konstantinopel, 10. Sept. Die zwischen der Pforte und Msgr. Francht getroffenem Vereinbarung wegen der Ernennung des Patriarchen und der Bischöfe für die armenischen Katholiken, ist sowohl vom päpstlichen Stuhle als auch von den Armeniern abgelehnt worden und Franchi stellt nunmehr den Abbruch der Verhandlungen und seine Abreise in Aussicht.

Frischbäck er ? u Gießen.

Sonntag den 17. September. Heinrich Kuhn am Kreuz, Ludwig Schnei­der in der Neustadt und Ernst Wallenfels in der Wallthorstraße.

kirchliche Anzeige

der ev a n ge l i sch e u Gemeinde zu G ie ß en.

G o t t e S d i e n st.

9lm 17 Seutember- < Morgens: Pfarrer vr. Seel. ' \ Nachmittags: Pfarrer Landmann.

(Künftigen Sonntag den 24. September: Feier des heiligen Abendmahls.)

Die Pfarrgeschäfte für die Woche vom 17. bis 23. September besorgt Pfarrer Dr. Seel.

Allgemeiner Anzeiger

Besondere Bekanntmachung.

F r i st a b l a u s.

3792) Alle Rückstände zur Fürst­lichen Rentei Lich sind binnen acht Tagen bei Vermeidung von gericht­licher Beitreibung zu bezahlen.

Lich, den 7. September 1871.

Kreutzer.

Bevsteige^ungen.

Holzverstn^erunq im Gießener Stadtwalde.

3842) Montag den 18. September d. I., von Vormittags 9 Uhr an,

soll in dem Gießener Stadtwalde, Distric- ten Stolzenmorgen, Philosophenwald, Heeg­strauch, Katharinenhütte und Neuheege, nachverzeichnetes Holz öffentlich versteigert werden, als:

I. Brennholz:

l1 /< Stecken Eichen-Prügelholz,

VI4 Stockholz,

1133 Wellen Rcisholz,

95Vz Stecken Nadel-Prügelholz,

35Va Stockholz,

6520 Wellen Neisholz,

216 Dorn-Wellen;

11. Bau -, Werk und Nutzholz:

12 Nadel-Stämme mit 293 Eubikfuß,

430 Stangen 502

Die Zusammenkunft ist auf dem Trieb.

Gegen vorschriftsmäßige Bürgschaft wird Zahlungsftift bis 1. März 1872 gestattet.

Die Grobherzoglichen Bürgermetstereien der umliegenden Orte werden ersucht, dies in ihren Gemeinden bekannt machen zu lassen.

Gießen, den 11. September 1871. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.

Vogt.

Brodlieferung.

3902) Künftigen Montag, den 18. d. Mts., Vormittags 11 Uhr,

wird die Lieferung des Brodes für die Gar­nison Gießen, aus das IV. Quartal d. I-, aus dem Büreau der unterzeichneten Ver­waltung in der Zeughaus-Caserne mittelst Soumission vergeben, woselbst die Liefe- rungs Bedingungen zur Einsicht offen liegen.

Gießen, den 14 September 1871.

Grobherzogliche Garnison-Verwaltung.

I. A.:

Schlosser, Stabsquartiermeister.

3892) Die durch die Aufhebung des Eich­amts Lich entbehrlich gewordenen Mobilien und Eichgeräthschaften, bestehend in einem Schrank, einem Tisch, Frucht- und Flüssig- keitsmaßen, Maßstäbeir, einer Glasschleif- maschine und sonstigen Gegenständen, sollen Dienstag den 19. d. Mts., Nachmittags 2 Uhr,

bei der Wohnung des seitherigen Eichmeisters Schlossermeister Christian Schnabel zu

>Lich gegen sofortige Bezahlung versteigert ^werden.

j Gießen, den 12. September 1871.

Grobherzogliches Kreisbauamt Gießen.

Zn Verh. des Kreisbaumeisters: Schäcker, Kreisbauaufseher.

: 3920) Montag den 18, l. Mts , Vormittags 9 Uhr, sollen die zur Errichtung eines neuen Ge- rälheschuppens aus dem Turnplatz erforder- tlichen Arbeiten, als:

Maurerarbeit, veranschl. zu 75 fl. 34>/z Fr. Zimmerarbeit, 117 12'/4

Schreinern beit, 36 42

Schlosserarbeit, 16 2

sowie die

Herstellung eines Gossen­pflasters daselbst, veran­schlagt zu......75 15

auf dem Rathhause versteigert werden.

Gießen, den 15. September 1871.

Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. V 0 gt.

3921) Montag den 18. I. Mts., sofort nach Beendigung der oben angeküudigten Versteigerung, wird die zu 64 fl. veran­schlagte Herstellung eines Gossenpflasters an der Alieenstraße auf dem Rathhause in !Accord gegeben-

Gießen, den 15. September 1871.

I Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.

Vogt-

3911) Mittwoch den 20. September d. I., Vormittags 10 Uhr,

werden in dem Landeszuchthause Marien- schloß:

1) 600 Malter Kartoffeln,

2) 20 Centner untererdige Kohlraben,

3) 7 Zwiebeln

zur Lieferung öffentlich versteigert und Mittwoch den 27. Septeinber d. I.,

Centner

circa

80

Rüböl,

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geschälte Gerste, Kaffee.

Nudeln,

1 Vr Schmierseife, 100 Liter Leinöl,

Vormittags 10 Uhr, soll im Sounüssionswege vergeben werden

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für das Jahr 1 >72 die Lieferung von: ~ ' Reis,

gedörrte Zwetschen, Kilogramm Pfeffer, Faß (ä 50 Maas) Essig, Centner Kernseife,

12) 39 Faß (ä 50 Maas) Petroleum,

13) 32 Centner Bohnen,

14) 27 Erbsen,

15) 25 Linsen und

16) 40 Salz.

Die unter pos. 1 bis 7, unter 8 und 9, unter 10 und 11 ausgesührten Gegenstände werden zusammen, diejenigen unter 12, 13, 14, 15 und 16 aufgeführten aber einzeln vergeben. Lieferungsbedingungen und Pro­ben find täglich von 8 bis 12 Uhr Vor-