lassen, indem ich Sie, im Einverfiändniß mit Sr. Maj. dem Könige von Sachsen, hierdurch rum General-Feldmarschall ernenne.
Ems, 11. Juli 1871. Wilhelm.
Die französischerseits angckündigten letzten Zahlungen finden mit ziemlicher Regelmäßigkeit meist jetzt in Straßburg statt, woselbst es zeitweise sogar an ge- nügenven Kräften zur Uebernahwe mangelt. Zum wenigsten erzählt Herr Pouyer- Quertier, dem es als Rouenneser besonders darum zu thun ist, diese Stadt bald geräumt zu sehen, daß in diesen Tagen ein mit 20 Millionen belasteter Zug stundenlang warten mußte, ehe er in den Bahnhof von Slraßburg gelangen konnte, so groß sei die Ueberfüllung der Schienenstränge und so wenig zureichend sei das zur Verfügung stehende Personal gewesen. Aus allem dem geht indeß nur hervor, daß es der Regierung ernstlich darum zu thun ist, die Angelegenheit schnell zu ordnen, um wenigstens die Departements der Scine-Jnferieure, des Eure und der Somme schleunigst geräumt zu sehen.
Das „Journal ossiciell" bringt eine Notiz über das Verhältniß zu der deutschen Occupation, welche nicht verfehlen wird, großes Aufsehen hervorzurufen. In dem Style derselben will man die Feder von Jules Favre erkennen. Es lautet der betreffende Artikel wörtlich wie folgt: Die deutsche Occupation legt einer großen Zahl unserer Departements noch Opfer und Leiden auf, für welche Frankreich von ganzem Herzen mitfühlt und die es abzukürzen unablässig bemüht ist. Bis ihnen ein Ziel gesetzt ist, werden Mäßigung, Geduld, Gerechtigkeitssinn die besten Mittel sein, ihre Bitterkeit zu mildern. Die Regierung wird nicht müde, von den deutschen Autoritäten die Beobachtung einer strengen Disciplin zu verlangen. Die französische Verwaltung ihrerseits sucht bei jeder Gelegenheit berechtigte Gereiztheiten zu dämpfen und alle Bürger zur strengen Beobachtung der Gesetze zu ermahnen. Der Geschäftsträger des deutschen Reiches, Graf Waldersee, hat dem Minister des Aeußern angezeigt, baß Graf Moltke den deutschen Truppen- commandanten vorgeschrieben hat, keine Strafe mehr zu verhängen, die nicht von den Kriegsgerichten anerkannt worden wäre. Geldstrafen und andere militärischen Maßregeln sind also gänzlich untersagt. Der deutsche Geschäftsträger beklagt sich über die Aufreizungen, welche die herbe Sprache gewisser Blätter in den occupirten Departements betreiben. Wir begreifen vollkommen das Gefühl, welches mehreren Schriftstellern lebhafte Recriminationen eingibt; wenn wir ihnen aber einen Rath ertheilen dürfen, bitten wir sie, sich möglichst jedes Wortes zu enthalten, welches die Leidenschaften verbittern könnte. Mögen sie doch bedenken, daß der Rückschlag ihrer Artikel sich nur allzu oft in Plackereien Jener geltend macht, die sie gewiß beschützen möchten. Unser Aller Pflicht ist, uns in dem Bestreben nach einer all- gemeinen Beschwichtigung die Hand zu reichen. Dieses Bestreben muß uns um so näher liegen, als wir mit etwas guter Aufführung auf das Ende derjenigen unserer Leiben hoffen dürfen, die für uns die unerträglichsten sind.
Der Maire von St. Denis hat folgende Bekanntmachung veröffentlicht:
An die Bewohner von St. Denis. Der Maire von St. Denis bringt zur Kenntniß seiner Mitbürger folgenden Befehl des preußischen Generals, Comman- danten von St. Denis, 5. Juli. Auf Grund eines Angriffes, besten Opfer gestern um 10 Uhr ein Unteroffizier, Oberfeuerwerker der Garnison, geworden, welcher von vier Individuen der Stabt schwer verwunbet worden war, befehle ich: 1) daß jeder Privatmann, der von 10 Uhr Abends an in den Straßen angetroffen wird, zu verhaften ist; 2) daß alle Kaffeehäuser und öffentlichen Orte um 10 Uhr Abends geschlossen werden müssen, ausgenommen drei, welche die Offiziere besuchen, und zwar folgende: die Wiener Brauerei, Rue de la Charonnerie 5, die Brauerei Dreher, Rue du Port, die Brauerei Rue de Paris. Dieser Befehl hat heute seine Ausführung erhalten.
de Malachowski, Grneralcommandant des Platzes von St. Denis.
Darmstadt, 12. Juli. Die heute ausgegebene Nr. 23 des Großherzoglichen Regierungblattes enthält:
1. Bekanntmachung Großh. Ministeriums der Finanzen, die zur Ausfertigung von Uebergangsscheinen bei der Versendung übergangssteuerpflichtiger Gegenstände ermächtigten Stellen betreffend.
2. Bekanntmachung Großh. Ministeriums der Finanzen, die zollamtliche Be- Handlung des Gütertransports und der Waaren-Abfertigung auf dem Rhein und dessen konventionellen Nebenflüssen betreffend.
3. Uebersicht der für das Jahr 1871 genehmigten Umlagen zur Be- streitung der Bedürfnisse der israelitischen Religionsgemeinden des Kreises Alzey.
4. Uebersicht der für das Jahr 1871 genehmigten Umlagen zur Bestreitung der Bedürfnisse der israelitischen ReligionSgemeinden des Kreises Oppenheim.
5. Uebersicht der für bas Jahr 1871 genehmigten Umlagen zur Bestreitung der Communalbedürfnisse in den Gemeinden des Kreises Worms.
6. NamenSveränberzrngen.
7. Ertheilung eines Erfindungspatentes. Seine Königliche Hoheit der Groß- Herzog haben allergnädigst geruht: am 14. Juni den Fabrikanten Conrad und Theodor List zu Lauterbach auf deren Nachsuchen ein ErsinvungSpatent auf die durch Zeichnung und Beschreibung näher erläuterte Construction einer Maschine zum Schlichten von Baumwollgarn im Strang, unter dem ausdrücklichen Dor- behalte jedoch, daß durch bas verliehene Patent Niemand in der Anwendung bereits früher schon bekannt gewesener Theile der Erfindung gehindert werden soll, während der nächsten fünf Jahre für den Umfang des Großherzogthums zu ertheilen.
8. Dienstnachrichtcn (bereits mitgetheilt).
9. Militä.dienstnachrichtcn.
10. Charakterertheilung. Seine Königliche Hoheit der Großhrrzog haben allergnädigst geruht: am 19. Juni dem Hypothekenconservator am Hypothekenamt für den Sprengel des Bezirksgerichts Alzey Valentin Brück den Charakter Justizrath zu verleihen.
11. Dienstentlassungen. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben allergnädigst geruht: am 15. Juni den Schullehrer an der zweiten evangelischen Schule zu Lang-Göns, im Kreise Gießen, Georg Zeiß, auf sein Nachsuchen aus dem Schuldienste — und am 23. Juni den Bergkasster bei dem Bergamt Dorheim, Wilhelm Winter, auf sein Nachsuchen aus dem Dienste — zu entlassen.
12. Versetzungen in den Ruhestand. Seine Königliche Hoheit der Groß- Herzog haben allergnädigst geruht: am 14. Juni den Schullehrer an der ersten evangelischen Schule zu Rüsselsheim, im Kreise Groß - Gerau, Hermann Dietrich Müller, — am 15. Juni den Schullehrer an der ersten katholischen Mädchenschule zu Heppenheim, im Kreise Heppenheim, Joseph Roos, — den Schullehrer an der
evangelischen Schule zu Gonterskirchen, im Kreise Schotten, Johann Heinrich Stein, — und am 18. Juni den Director der Ober-Steuer-Direction, Dr. Adolph Hügel, auf sein Nachsuchen und unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste — in den Ruhestand zu versetzen.
13. Concurrenzeröffnungen. Erledigt sind: die evangelische Pfarrstelle zu Spachbrücken, im Dekanate Reinheim, mit einem Gehalt von 967 fl. 47 fr., wobei jedoch bemerkt wird, daß in Folge günstiger Verpachtung eines Theils des Psarrgutes bas Einkommen sich nicht unbeträchtlich erhöbt; die zweite evangelische Pfarrstelle zu Gedern, im Dekanate Gedern, mit einem Gehalt von 516 fl. 34 kr.; dem Herrn Grafen zu Stolberg-Wernigerode und Gebern steht das Präsentationsrecht zu dieser Stelle zu; die evangelische Pfarrstelle zu Hangen - Weisheim , im Dekanate Osthofen, mit einem Gehalt von 1214 fl. 11 fr.; die erste evangelische Mäbchenschulstelle zu Lauterbach, im Kreise Lauterbach, mit einem Gehalt von 500 fl.; die katholische Schulstelle zu Ludwigshöhe, im Kreise Oppenheim, mit einem Gehalt von 300 fl.; die Districtseinnehmerei Lampertheim, wofür eine Dienst- caution von 4000 fl. erfordert wird. Concurrenzfähige Bewerber haben sich binnen 14 Tagen anzumelden; die Stelle eines Steuercommiffärs des Steuercommissariats Nidda. Concurrenzfähige Bewerber haben sich binnen einer Frist von 14 Tagen anzumelden.
14. Sterbefälle. Gestorben sind: am 25. April der pensionirte Bauaufseher Johann Schambach I. zu Bensheim; am 7. Mai der Lehrer Johannes Kleinhans an der ersten evangelischen Schule zu Westhofen; am 17. Mai der Großherzog. liche Consul August Hoyer zu Moskau; am 30. Mai der pensionirte Schullkhrer Johannes Mahr zu Eberstavt; am 3. Juni der Militär - Pensionär Jacob Diehl aus Mainz; am 16. Juni der Zollauffeher Graulich zu Mainz; am 17. Juni der pensionirte Hofger.-Registrator Justizrath Konrad Engelbach zu Gießen.
Berlin, 13. Juli. Unsere Nachbarfestung Spandau ist in der vergangenen Woche von sämmtlichen französischen Gefangenen geräumt worden und befinden sich jetzt nur noch die freiwillig aus der Armee getretenen und absichtlich zurück- gebliebenen Franzosen dort. Deren Zahl ist übrigens nicht gering, so daß fast jeder Offizier in Spandau einen französischen Privatdiener hat. Der Commanvant hat einen Mohren, welcher als Zuave in der französischen Armee gedient hat, als Burschen engagirt, der sich als recht anstellig bewähren soll.
Anläßlich der Erhebung der österreichisch-ungarischen Gesandtschaft in Berlin zum Range einer Botschaft wird der Botschafterposten nach österreichische Nach- richten mit einer andern Persönlichkeit besetzt werden. Wer der Nachfolger des Grafen Wimpffen sein soll, darüber ist noch nichts Definitives beschlossen worden, die Nachricht jedoch, daß Freiherr v. Gablcnz für diese Stelle ernannt werden soll, wird von unterrichteter Seite für unbegründet erklärt. In Wien soll Ge- neral Schweinitz preußischerseits auch als Botschafter verbleiben, da er auch in Hofkreisen eine sehr wohlgelittene Persönlichkeit ist.
Der bekanntlich zum Oberbefehlshaber der Besatzungstruppen in Frankreich ernannte General der Cavallerie, v. Manteuffel, soll, wie man hört, auf längeren Urlaub kommen und inzwischen durch den Generallieutenant v. Stosch, den General- Intendanten des Heeres im Felde, vertreten werden.
Das :'n neuerer Zeit angeregte Verfahren, die mit der Post zu versendenden Packereien ohne declarirten Werth statt mit einzelnen Buchstaben oder anderen Zeichen mit der vollständigen Adresse zu versehen, hat sich sowohl in Bezug auf den Beförderungsdienst als auch Bestellungsdienst höchst zweckmäßig erwiesen. Da trotzdem immer noch ein sehr großer Theil von derartigen Postsendungen nur mit einzelnen Buchstaben siguirt, der Post übergeben werden, so wird das Publikum von letzterer wiederholt ersucht, alle mittels der Post zu versendenden Päckereiev ohne declarirten Werth stets mit der vollständigen Adresse des Empfängers zu be- zeichnen.
Wie man hier wissen will, war die Entsendung Odo Russel's als Botschafters des Cabinets von St. James an den Hof des deutschen Kaisers Gegen- stand langer und lebhafter Unterhandlungen zwischen London und Berlin. Dtt Kaiser und Fürst Bismarck hätten lebhaft gewünscht, den gewandten Diplomaten in Berlin zu sehen, in London machte sich indeß eine Gegenströmung geltend, so daß Odo Russel'S Berliner Mission wieder aufgegeben war. Schließlich wäre eS dem Einflüsse des Kronprinzen gelungen, dieselbe zu erwirken.
Die Ernennung des Kronprinzen von Sachsen zum Feldmarschall hat in den sächsischen Hoskreisen die freudigste Anerkennung gefunden, wie uns versicheit wird. Die Beziehungen Sachsens zur preußischen Regierung sind überhaupt feit langer Zeit sehr herzliche zu nennen; zu wünschen wäre dabei aber nur, daß die Gefälligkeiten der sächsischen Regierung nicht im Represstvsystem bestehen möchte«, das man jetzt auf vielfachen Gebieten dort angewendet sieht.
München, 13. Juli. Der Pfarrer von Tuntenhausen bei Aibling, der siH weigerte, die vom erzbischöflichen Ordinariat in Umlauf gesetzte Adresse gegen Döllinger zu unterzeichnen, wurde in sein Amt, das ihm vor etwa zwei Monaten übertragen wurde, nicht auch durch den assistirenden Pfarrclerus, sondern einzig durch den BezirkSamtmann eingeführt. Pfarrer der Nachbarschaft haben nun gegen denselben gepredigt und ihren Pfarrangehörigen vorgeschwindelt, der Pfarrer von Tuntenhausen sei nicht rechtmäßiger Pfarrer; die Messe, die er lese, fei ungiltij und wer ihr beiwohne, begehe eine Sünde. Daraufhin hat nun der Letztere den Schutz der Staatsgewalt zur Wahrung seiner ihm zustehenden Rechte angeruftn und in einer Eingabe an das Cultusministerium seinen Rechtsstandpunkt dargethan. Dem erzbischöflichen Ordinariat, das ihn zur Verantwortung wegen der Verweigl- rung seiner Unterschrift auf der bezeichneten Adresse aufgefordert hat, wurde a!S Antwort eine Abschrift dieser Eingabe zugestellt. Indessen werden bereits in der ganzen Pfarrei die Familien gegen den Pfarrer gehetzt, und besonders zeichnen sich in diesem heimtückischen Geschäft die jüngeren, zur Intoleranz und zum Fanatismus nach jesuitischen Grundsätzen erzogenen Cleriker aus. (F.J)
Nom, 4. Juli. Heute waren auf dem Zwölfapostelplatze tret Bataillon? Nationalgarde ausgestellt. Vom TrajanSforum kam zu Wagen Msgr. Valentin!, Erzbischof in partibus, angefahren. Ein Offizier befahl dem Kutscher, zu halte,i, der Prälat aber rief: „Vorwärts!", und die Pferde drangen durch die Truppe» hindurch. Der Offizier, der übrigens kein Römer, sondern aus Viterbo ist, lief dem Wagen nach und gab unter der wiederholten Benennung Canaglia dem Erz- bifchof zwei Ohrfeigen. Derartige Vorfälle sind in Rom gar nicht selten.
Telegraphische Depeschen.
4- Straßburg, 14. Juli. Eine Verordnung des Generalgouverneurs fett die Wahlen zu vollständiger Erneuerung der Gemeiuderäthe in allen Gemeindeil
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