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Nische Regierung auf ihre im Jahre 1860 am 2. Juli erlassene Verfügung auf- merksam. __________________

Macht Niederhalten"; er verlangt unter h fugen Ausfällen auf Laskers ihn (Bebel) und feine Partei zu schulmeistern, die Herstellung der ursprünglichen Worte.

f Berlin, 11. November. Deutscher Reichstag. 17. Sitzung. Präsident Dr. Simson eröffnet die Sitzung um 12*/t Uhr- Am Tische de- Bundesraths: Reichskanzler Fürst Bismarck, die Minister Delbrück, Camphauscn, ». Pfrctzschner, und Andere.

Erster Gegenstand der Tagesordnung ist die Interpellation Richter:

Ich ersuche den Herrn Reichskanzler um Auskunft über den gegenwärtigen Stand der Vorarbeiten für den Erlaß eines Gesetzes über den Betrieb des Apo- thekergewerbes und eines Gesetzes über die gewerblichen Hilfskassen." Richter motivirt die Interpellation mit der Dringlichkeit der Regelung beider Angelegen­heiten. Minister Delbrück verspricht die Realisirung beider Gesetze in möglichst kurzer Zeit; die Verschiedenheit der concreten Verhältnisse in allen Theilen Deutsch­lands, welche eine gerechte Gesetzgebung berückstchtigen müsse, verursachen zur Zeit noch erhebliche Schwierigkeiten.

2) Erste Lesung des Gesetzes über die Ausprägung von Reichsgoldmünzen.

Minister Delbrück erläutert die Vorlage. Nachdem schon die ersten Zoll­vereinsverträge eine Münzeinheit in Aussicht genommen, müsse jetzt der entscheidende Schritt gethan werden. Die Münzconvemion von 1837 habe die Grundlage ge­legt, 1838 schuf man Das Zweithalerstück als VereinSmünze, 1857 eine Gold- münze, die Krone, welche sich jedoch nicht einzubürgern vermochte. Ende 1865 vereinigten sich mehrere Länder zu der sogen, lateinischen Münzconvention, der gleichfalls die Goldwährung zu Grunde lag, und nun schien die Einführung eines internationalen Münzsystems höchst wünschenswerth. Die verbündeten Regierungen seien jedoch der Überzeugung, daß die Schaffung einer internationalen Münze nicht möglich ist; denn Anschluß an ein anderks System würde nämlich ein völliges Aufgeben des Funvamentalgrundsatzes gewesen sein, daß man für die Aufrecht- »Haltung einer vollwichtigen Z'rkulationsmünze sorgen muß. Daher habe man sich entschlossen, zu einer nationalen Münze zu greifen.

Dr. Bamberger hält das Vorgehen der verbündeten Regierungen für durch- aus richtig. Auf das metrische System müsse man verzichten, weil ein internatio- nales System nur auf Conventionen beruhen kann, die nicht immer Gültigkeit haben; auch habe die Umrechnung des Frankensystems große Schwierigkeiten, da ein 20-Fraukstück genau 6 Thlr. 22 Sgr. ist. Mit der Vorlage sei er vollständig einverstanden. Die bedeutenden Quantitäten Gold, welche durch die bedeutenden Kriegsentschädigungen nach Deutschland kommen, erleichteren den Uebergang zur Goldwährung; nothwendig sei aber vor allen Dingen ein absolutes Verbot Der ferneren Ausprägung von Silbermünzen, im Gegentheil müsse die Reichsregierung schon jetzt darauf Bedacht nehmen, das Silbergeld schon jetzt nach und nach ein-

zuziehen und einzuschmelzen. Ueber die Bestimmung, daß den Fürsten gestattet sein soll, ihr Bilvniß auf die Münze zu setzen, wolle er nicht sprechen, es möge man­chem Fürsten daraus ankommen, seinen Kopf zu erhalten (Heiterkeit), größere Wichtigkeit habe die Frage, ob Mark, ob Gulden, doch daran werde die Vorlage nicht scheitern.

Finanzmintster Camphausen freut sich, daß die beabsichtigte Reform voraus­sichtlich vollständig und leicht gelingen werde. Die deutschen Banken nähmen schon jetzt darauf Bedacht, zur Goldwährung überzugehen, und die vorhandenen Silber- bestände würden zur Minderung der Reichslasten benutzt, wie beispielsweise schon jetzt für 3,600,000 Pfv. Sterling Schatzanweisungen eingelöst sind. (Beifall.) Er fetze voraus, daß die Ausprägung von Silbermünzen sistirt wird, ein absolutes Verbot fei jedoch nicht thunlich, weil man damit auch die Ausprägung von Sieges- thalern verhindern würde. Auf die Details werde er bei der zweiten Lesung zurück- fommen.

Dr. Gerstner (Würzburg) bekämpft die Vorlage, weil mit derselben die wünschenswerthe Münzeinheit nicht erreicht wird, sie vielmehr das für den Wohl- stand des Volkes nothwendige internationale Münzsystem vollständig ausschließe. Er beantragt die Verweisung an eine Commission.

Prof. Dr. Tellkamps spricht für die Vorlage, bleibt jedoch auf der Tribüne unverständlich.

Graf Münster (Hannover) hält die Vorlage für einen großen Fortschritt, wird aber doch gegen dieselbe stimmen, wenn den einzelnen LandeSsürsten überlassen bleiben soll, ihr Bildniß aus die Münze zu prägen. Die Münze sei ein Zeichen ihrer Zeit, ein Stück Geschichte; was solle der Münzsammler sagen, wenn er auS der heutigen großen Zeit eine Reichsmünze mit dem Bildnisse des Fürsten von Reuß findet? Die Kaiseridee müsse in jeder Weise im Volke lebendig erhalten werden. Als Einheitsmünze wünscht er den Wilhelmsthaler.

Bunvescommissar v. Pfretzfchner (Bayern). Die Münzhoheit sei ein unbe­strittenes Recht der Souveränetät, die deutschen Fürsten hätten bet der Gründung des Deutschen Reiches auf das Münzregal nicht verzichtet, das Verlangen des Vor­redners involvire somit eine Verfassungsänderung. (Widerspruch.) Man solle doch nicht die Schwierigkeiten künstlich erhöhen, die Dem Werke entgegenstehen.

Willmans spricht für Die Vorlage, Dr. Mohl (Stuttgart) gegen dieselbe. Gegen die Goldwährung habe er nichts einzuwenden, wohl ober gegen die hier in Vorschlag gebrachte Goldmünze, wUche zu viel Schwierigkeiten biete. Nament­lich der kleine Mann werde durch diese Münze in hohem Grade beeinträchtigt, da ihm seine Handelsbeziehungen nicht ermöglichen, die entstehenden Ungleichheiten mit andern Münzen zu paralistren. Vor fast leeren Bänken plaidirt Redner sehr ein­gehend für die Adoptirung des Frankensystems. Um 5 Uhr vertagt der Prä­sident die Debatte aus Montag Morgen 11 Uhr.

t Berlin, 11. November. Nach einem neuerlichen Erlasse der Minister des Krieges und des Innern findet die Vorschrift in Der Anmerkung ad §. 159, 2 Der Militär-Ersatz-Jnstruktion vom 26. März 1868, nach welcher Ausstandsver- längerungS-Gesuche zum einjährig-freiwilligen Militärdienste berechtigter junger Leute an Den Oberpräsidenten des Domicils zu richten sind, auf Theologen keine An- Wendung. Sowohl die erste, als auch alle weiteren Zurückstellungen der Theologen vom Militärdienste sind auf Grund Der Bestimmungen in Anlage 3 Der Ausfüh- rungs-Verordnung zur Militär-Erfatz-Jnstcuktion von Den Ecfatz-BehörDen dritter Instanz desjenigen Orts zu verfügen, in welchem Der betreffende Militärpflichtige nach §. 20, 2 Der gedachten Instruktion gestellungspflichtig ist.

Berlin, 13. November. N.'ichstag. Der Vice-Pläsioent Fürst Hohenlohe eröffnet Die Sitzung, Da Simson erkrankt ist.

Bebel rügt in persönlicher Bemerkung, richte seiner Mittwochsrede die Worte:

Lasker gesteht die Correctur zu; besagte Worte gebrauchte er in Der Auf. regung über Bebel's Lob auf die Pariser Commune; es sei schlimm genug, Daß ein Deutscher Abgeordneter es wage, die Schandthaten Der Pariser Communisten, welche diese nicht einmal vor Gericht aufrecht zu erhalten den Muth hatten, vor Dem Reichstage zu loben.

Bebel replicirt, er habe am Mittwoch nicht von der Commune gesprochen, was heute Lasker und Dessen Fre mde über die Commune verbreiteten, seien infame Verleumdungen. (Rufe: Pfui! Aufhören! Zur Ordnung! Hinaus!)

Lasker: Darauf habe er nur zu erwidern: er corrigirte die Worte aus An- standSrücksichten.

Der Zwischenfall ist beendet; es folgt Die Fortsetzung Der Münzdebatte.

Berlin, 13. November. Der Ober - Präsident Möller traf aus Straßburg hier ein. Er confenrte gestern mit Fürst Bismarck und Graf Eulenburg. Der­selbe wurde heute Morgen vom Kaiser empfangen. Die Rückkehr nach Straßourg wird etwa in vier T-'-gen erfolgen.

München, 10. Nov. Professor Friedrich hat von seinenacta ad illu strandum concilium vaticanum anni 1870 j tzt die zweite Aotheitung (Verlag der Bech'schen Buchhandlung in Nördlingen) erscheinen lassen, welche gewiß nicht geringeres Aufsehen erregen wird, als Die im Frühjahr D. ). erschienene erste Ab- lheilung. Der Aerger der Ultramontanen über Die ihnen höchst unliebsamen Ent-' hüttungen des Getreides am Conci! und über die Beleuchtung, in welche mancher Vorgang, Der nach ihrem Wunsch in Geheimniß gehüllt bleiben sollte, dadurch gesetzt wurde, hat sie zu der Behauptung veranlaßt, Der Herausgeber habe nur vurch Vertrauensmißvrauch solche Actenstücke in Die Oeffentlichkeit bringen können. Zur Sache selbst thäte das nicht das Mindeste, denn es beeinträchtigt weder Die Aechtheit noch Die Beweiskraft Der Aktenstücke. Aber Dem Charakter des Heraus- gebers würde es, wenn es wahr wäre, einen Makel anhängen, welcher ihm in (einer Eigenschaft als einer D.r Führer Der katholischen ReforMdeivegung bedeutend Abbruch thäte. Er hat sich daher veranlaßt gesehen, in Der Vorrede zur zweiten Adtheilung Die Quellen nachzuweifen, auS welchen er ge chöpst hat, und das ge- fchieht in einer Weise, daß allerdings Die bösen Zangen gänzlich verstummen müssen. Die jetzt erschienene zweite Abheilung enthält außer Den osficiellen, daS heißt Den vom Sekretariat Des Concils Den Bischöfen mitgeihe lten Accen Del Concils noch eine große Zahl bisher unbekannt gebliebener Vorstellungen und Ein­gaben Der Minoritatsbljchöfe, welche manch' interessantes Schlaglicht auf die Mittel, die bei Dem Concil in Bewegung gesetzt wurden, werfen.

Straßburg, 8. Nov. Wir kehren allmählig in normale Verhältnisse zurück. Es werden demnächst auch Die Schwurgerichte wieder fungiren. Es sind zu diesem Behufe bereits Maßregeln für Aufstellung Der Geschworenenlisten getroffen. Im Uebrigen ist Die ordentliche Gerichtsbarkeit in voller Thätigkeit und hat sich im Allgemeinen einer Anerkennung zu erfreuen, welche von allen Ständen Der Gesell- ichaft laut ausgesprochen wird. Die Entschädigungen für die vom Bombardement heimgesuchten Einwohner Dauern fort. Für Den Wiederaufbau einer neuen Kirche find 800,000 Fr., für die Präfektur 650,000 Fr., Die Bibliothek 600,000 Fr., die Bildergallcrie 600,000 Fr. und Das Theater 1,100,000 $r. bewilligt. Diese Summen werden freilich nicht hinreichen, um Alles vollständig wiederherzustellen; allein es sind noch andere reiche M-ttel vorhanden, um schließlich alle Bedürfnisse auLzugleichen. Leider Dauert die Auswanderung noch immer fort. Die öffent­lichen Blätter bringen täglich Ankündigungen von Haus- und Mobiliarverstei- gerungcn. Viele Familien haben keinen anderen Grund zum Wegzug als Die Furcht vor Dem Wehrgesetz und Der raschen Einverleibung ihrer Söhne in Das deutsche Heer.

Wien, 11. November. Der Cirkular - Erlaß vom 5. März 1861 bestimmt unter Aufrechterhaltung Der Allerhöchsten Ordre vom 30. Juni 1841 , daß Den fiuoirenDen Inländern, die auf den vier österreichischen Uaiverfitäten Wien, Prag, Gratz und Innsbruck zugebrachte Studienzeit auf Dal vorschriftsmäßige triennium quadriennium academicum angerechnet werden soll, schließt aber hiervon Hinsicht- Uch Der Sludirenden der Mevicin Die Universitäten zu Gratz und Innsbruck aus, da an diesen Hochschulen eine Medicin'sche Fakultät damals nicht bestand. Nach­dem inzwischen sowohl in Gratz als in Innsbruck eine medicinische Fakultät er­richtet worden ist, und diese Universitäten som t gegenwärtig jenen zu Wien und Prag gleich stehen, hat der Unterrichtsminister die vorgedachte Beschränkung DeS Cirkular'Erlasses aufgehoben.

Nom, 6. November. Graf Brafsicr De St. Simon, Gesandter Des Deut­schen Kaisers, ist von Savona, wo er sich der Gesundheit Halder aufgehalten hatte, nach Florenz zurückgekehrt und erwartet die Instructionen seiner Negierung, uv seine Residenz nach Nom zu verlegen.

Parts, 8. Nov. In Montmartre fanden gestern wieder Nachsuchungen statt. Eine größere Anzahl Straßen war über 4 Stunden abgesperrt. Man soll viele Waffen und sogar eine Kanone aufgefundcn haben. Der Marschall Muk Mahoa will j^tzt ein Schreiben zum Besten geven. In demselben soll vargethan werden, daß der Kaiser bei Sedan nicht mehr den O^er'oefihl gehabt habe. Man ist be­gierig zu sehen, ob er dieses Schreiben mit oder ohne Ermächtigung des Kriezs- ministers erscheinen lassen wird. Der bekannteGeneral" Cremer wird wahr­scheinlich verhaftet werden, Da er sich weigert, Den Befehlen des Krftgsminister- nachzukommtn.

Parts, 12. Nov. Die Direktoren der Bank von Frankreich traten heute Vormittage bei Dem Präsidenten Der Republ k zu einer Berathung zusammen. Der Umlauf Der Banknoten beziffert sich, wie man versichert, gegenwärtig aus 2335 Millionen. DieFrance" meldet unter alltm Vorbehalte, Der Papst habe in Versailles eröffnen lassen, Daß er nach Frankreich üderzusteveln und da­selbst seinen Wohnsitz zu nehmen gedenke. Thiers habe D.n P 'pst von diesem Vor­haben abzubringen gesucht, demselben jedoch für Den Fall, daß er Darauf beharren sollte- Dar Schloß von Pau zur Verfügung gestellt.

Local - Notizen.

I Gießen, 14. November. Am letzten Sonntag Abend wurden an der von dem birhertge- lBeiitzer hemilich verlassenen, am Cr^rci^rplatz gele.«<nen ÄiithschaftZur Germania" fast alle iFenster, zusammen 26 Scheiben, einaewolfen. Die Thäter stnd heute von der Polijei ermittel« Daß Lasker im stenographischen B?- worben. Es sind drei Lehrlinge, darunter ein Glaser.

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