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Unruhe des Hauses das Wort, dann wird der Antrag mit allen gegen die Stirn-

Local-Notizen.

men der klerikalen und konservativen angenommen.

Schluß 4 Uhr. Nächste Sitzung Sonnabend 12 Uhr.

Berlin 0. Nov. Mit dem Scanval, welchen die brutalen Ausfälle Bebel's gestern im Reichstage hervorgerufen haben, wird der beabsichtigte Zweck wohl im Wesentlichen erreicht sein. Einigermaßen unwillkommen war indessen dem Urheber doch wohl die Rede Lasker's, tue dem Bewunderer der Pariser Commune einmal in derber Weise heimgelcuchtet hat. Solche, namentlich auf das Ausland berech» nete Scenen wirbeln nicht einmal mehr viel Staub auf. Man ist durch die Lau­sanner Friedenscongresse, und wo sonst in der rohesten Weise ähnlich declamirt, beziehentlich geschrieen wird, an die Methode jener Leute, die gern für schrecklich gelten möchten, schon gewöhnt, und ihr schlimmstes Fiasco besteht, darin, daß sich Niemand vor ihnen fürchtet. Die eintönigen Wiederholungen desselben wider­wärtigen Unsinns machen einen ermüdenden Eindruck und man kann schon aus ästhetischen Gründen nur denjenigen dankbar sein, die sie zum Schweigen bringen.

[ Berlin, 11. November. Mit dem 1. Januar tritt bekanntlich die neue Maaß und Gewichtsordnung in Kraft. Die bayerische Regierung hat beim Bundes» rath den bestimmten Antrag gestellt, daß Bayern sein eigenes Feldmaaß behalten möchte, weil Neueinführungen mit einem Kostenaufwande von etwa 1 Million Gul- Den verbunden wären. Die Bundesregierungen haben dies Verlangen abgelehnt, sie sind dagegen dahin schlüssig geworden, daß die neue Maaß- und Gewichts« ordnung in Bayern erst mit dem Jahre 1878 eingesührt werde. Anderseits ist den Bayern der Wunsch einer eigenartigen Eichung der Bierseidel nachgegeben

worden. , v .

t Berlin, 11. November. Die bei der stetig zunehmenden Steigerung der für die Unterhaltung der Personenposten aufzuwendenden Kosten mit der Einnahme an Personengeld in ein richtiges Verhältniß zu den Ausgaben zu bringen, ist eine Erhöhung des Personengeldes angeordnet worden.

Wien, 11. November. Der Kaiser überraschte den Grafen Beust heute durch einen halbstündigen Besuch.

Der Gemeindcrath von Trplitz verlieh dem Grafen Beust das Ehrenbürger- recht und die Universität entsandte eine AbschiedS-Deputation an denselben.

Pesth 11. November. Pesti Naplo meldet: Im gestrigen Ministerrathe theilte Aadraffy mit, daß er das Ministerium des Auswärtigen übernommen habe. Bei der Frage, wer nun sein Nachfolger werden solle, sprachen sich sämmtliche Minister nach eigener Ansicht wie nach herrschender Parteistimmung für die Minister» Präsidentschaft Lonyay's aus. Andraffy erklärte, er habe sich in gleichem Sinne gegenüber dem Kaiser geäußert und mit seiner Ansicht die volle Billigung desselben gefunden. Diese Erklärung des Ministerraths wurde sofort Lonyay telegraphisch mitaetheiit, welcher heute eintreffen soll.

Bern 11. November. Der Nationalrath hat mit großer Mehrheit die Commission/anträge, betreffend die Centralisation des schweizerischen Militärwesens in den Händen des Bundes, angenommen.

Paris 11. November. In politischen Kreisen wird versichert, daß der be­rühmte Staatsmann Guizot die Functionen eines außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Ministers von Frankreich zu Berlin annchmen werde.

den Expropriationen geistlicher Häuser, Kloster und frommer Stiftungen ist von 1 den Vertretern jener Gesellschaften ein Protest an die Gesandten frembet> SM) e beim Papste eingereicht worden. Es wird in lenem sehr langen Schriftstück her- vorgehoben, daß die besagten Anstalten ohne Unterschied in Rom einen internatio­nalen praeter haben und dem Papste zur Erfüllung seiner ooersten Hirten- pflichten unentbehrlich sind. So weit die letztere Behauptung begründet ist, wird die italienische Regierung, welche durch die Garantiegesetze sich die Hande gebunden hat, nicht umhin können, sich große Rücksichten aufzulegen Sie stoßt be. der be­züglichen Gesetzesvorlage, an deren Ausarbeitung sie beschäftigt ist, auf große Schwierigkeiten und hat den ebenso sachkundigen wie gemäßigten Professor Bonghi zur Hilfeleistung nach Rom kommen lassen.

Wie rufsische Blätter berichten, ist bei den in der Umgegend von Kasan ansässigen Tartaren, die sich äußerlich zur russischen Staatskirche hatten, eine starke Sehnsucht nach dem Islam erwacht, dem ihre Vater durch List oder Gewalt ab­wendig gemacht wurden. Sie kommen zu ihren orthodoxen Pfarrern und er laren ihnen, sie hatten stets im Geheimen die Gebräuche der muhawedamschcn Religion beobachtet und nur äußerlich zur orthodoxen Kirche gehört; sie könnten ihre-An- hänglichkeit an die Religion ihrer Väter nicht länger geheim halten und hatten daher die Absicht, öffentlich zu ihr zurückzukehrcn. Diele Erklärung haben schon Über 7000 Tartaren abgegeben. Die orthodoxen Geistlichen haben von ledern derartigen Fall bei der Staatsanwaltschaft Anzeige gemacht und die gerichtliche Bestrafung der Abtrünnigen beantragt, da nach dem russischen Gesetz der Ab^ll vom orthodoxen Glauben als ein schweres Verbrechen betrachtet wird. Die Re­gierung hat sich bis jetzt von Gewaltmaßregeln gegen die abtrünnigen »artaren fern gehalten, weil sie fürchtet, daß in Folge davon die muhamevanische Agitation nur noch größere Dimensionen annehmen und auch unter den Mordwinen, £{cbu» Waffen und anderen früheren muhawedanischen Völkern, die ebenfalls nur in den BevölkerungSlisten als Bekenner des orthodoxen Glaubens figunren, Verbreitung finden möchte. Doch werden bei fortgesetztem hartnäckigen Widerstände der Tar­taren Executivmaßregeln seitens der Regierung gewiß nicht auöbleiben.

(«irftni 13 November. Nachdem die Siraßenbeleuchtungsansialten in der letzten Zeit mehrmals beschädigt'worden, sind in der Nacht von Freitag auf Samstag wiederum zweiwiffen- schaftlich gebildete Laternenputzer", die mehrere Straßenlaternen zu frühe.gelöscht hatten, gefaßt worden. Damit die Einwohner die Helden naher kennen lernen, welche sich mr Zerstören fremden EigenthumS und im unbefugten Löschen der so nöthlgen und wohlthaNgen Straßenbeleuchtung auSzeichnen, soll deren Nameu künftig veröffentlicht werden.

+ Berlin, 9. November. Deutscher Reichstag. 18. Sitzung. Präsident Dr Siwson eröffnet die Sitzung um I2V4 Uhr. Am Tische des BundeSrathS: Minister Delbrück, v. Lutz, v. Pfretzschner, v. Mittnachl, Generalpostdirector Stephan, Geh. Rath Dr. Michaelis u. A.

Der Präsident theilt mit, daß die Interpellation des Abg. Richter tn der nächsten Sitzung beantwortet werden wird. Dor Eintritt in die Tagesordnung nimmt das Wort der Abg. Bebel. Er wolle es dem Urtheil der öffentlichen Meinung überlassen, ob es gerechtfertigt war, daß ihm gestern das Wort entzogen wurde: aber Protest wolle er einlegen gegen diese Maßregelung auf Grund einer Geschäftsordnung, welche das Haus in demselben Augenblick selber verletzte. Der 43 der Geschäftsordnung schreibe vor, daß vor einem Beschluß auf

Ded Wortes der betr. Redner zweimal zur Ordnung gerufen werden muffe, der Präsident habe ihn aber nur zweimal unterbrochen, doch nicht zur Ordnung ge­rufen. Redner erinnert zur Bekräftigung seiner Ansicht an einen gleichen Vorfall mit dem Abg. Liebknecht in der letzten Session des Norddeutschen Reichstags. ®räfioent. Er hab- dem Abg. Bebrl gestern zweimal gesagt, er verletze die Dih- nunfl des Hauses; das halte er gleichbedeutend mft einem Ordnungsruf, fei levoch Der Abg. Bebel anderer Meinung, so möge die Sache zur Herbeiführung eines Beschlusses des Hauses an die Geschäftsordnungscommission verwiesen werden, Dieser Vorschlag wird angenommen , nachdem Bebel erklärt, die gestrigen Unter­brechungen nicht als Ordnungsruf aufzufaffen.

Auf der Tagesordnung steht:

1) Dritte Lesung des Gesetzentwurfs, betr. die Einführung dur Gewerbe» Ordnung in Württemberg und Baden. Wird ohne 'Debatte nach Den Beschlüssen der zweiten Lesung genehmigt.

2) Dritte Lesung der Uebersicht Der Einnahmen und Ausgaben des Nord­deutschen Bundes für das Jahr 1870 und des Gesetzes über die Verwendung der Ueberschüffe ans dem Bundeshaushalt des Jahres 1870. Wird ebenfalls oZae Debatte definitiv nach den Beschlüssen Der zweiten Lesung nebst Den dazu ange­nommenen Resolutionen genehmigt. m

3) Erste und zweite Lesung Des Antrags Lasker und Genossen, an Stelle der Nr. 13 des Art. 4 Der Deutschen Verfassung zu setzen:Die gemeinsame Gesetz- otbung über Das gejammte bürgerliche Recht, das Strafrecht und Das gerichtliche Verfahren, einschließlich der Gerichtsorganisation." Miquel empfiehlt Die Annahme dieser Verfassungsänderung. Wie eine gemeinsame deutsche Sprache, existlre em gemeinsames deutsches Recht, zur Zeit seien aber noch Drei verschiedene Rechtsgebiete vorhanden: das Landrecht, das gemeine deutsche Recht und der Code Napoteon. Diesem Zustande müsse ein Ende gemacht, ein gemeinsames deutsches Recht geschaffen werden, da auch das preußische Landrecht, dieses Recht des aufgeklarten Absolutismus, nicht mehr genüge. Reichensperger (Krefeld). Der Antrag achte nicht Den Zug des germanischen Volkes nach Jndmidualistrung, er fei der Lust zur Centralisation entsprungen, und deshalb stimme er gegen denselben. Was bleibe Denn Der Souveränetät Der LanDeSregierungen übrig, wenn ihnen Die Justizhoheit genommen werde, was nach Der Annahme Des Antrags mit einem Federstrich ge­schehe? Hüte man sich doch, in französische Fußtapfen zu treten, nachdem man ge­sehen, wohin dort das Centralisiren und Unifiziren führte. (Beifall tm KeiUrum.) . Dr Friedenthal. Hier handelt es sich nicht um Centralisation oder Decentra- lisation, sondern um gerechte Abwägung dessen, was dem Reiche und was den Einzelstaaten zukommt. Das Haus möge durch Annahme des Antrags den ersten Grundstein zu einem nationalen Rechte legen. - v. Helldorf halt es für sehr be- Denklich, den einzelnen Regierungen die Autonomie auf dem Gebiet des Rechts zu tauben. Herx (Nürnberg) für den Antrag, um die Buntscheckigkeit des Rechts- wefens in den Kleinstaaten und namentlich in Bayern aus der Welt zu schaffen. Man habe von Hintergedanken bei dem Anträge gesprochen; nun wohl, das gebe er zu. Sein Hauptgedanke bei der Unterstützung des Antrags sei Der gewesen, daß es auf diese Weise am leichtesten fei, zu Der obligatorischen Civilehe zu ge­langen. (Oho!) Er hoffe, daß alle liberalen Elemente nach dieser Erklärung den Antrag auf's Kräftigste unterstützen werden. (Lebhafter Beifall.) Dr. Schüt- tinger (bayerischer klerikaler) wendet sich gegen die Ausführungen des Vorredners , und sucht nachzuweisen, daß das Bedürfniß zu Dem Anträge fein erhebliches sei. ! __ Frhr. v. Stauffenberg (Bayern) für Den Antrag; die Partei des Vorredners habe von jeher den Fortschritt der Gesetzgebung in Bayern verzögert, am liebsten! ganz verhindert. Zur zweiten Lesung nimmt nur Dr. Mohl unter lebhafter!

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Frankfurt a M., Domplatz Nr. 8. __

Börsennachrichten. 11. November 1871.

Preuss. 41/2% Oblig. 100% Frankf. 3V2o/o ObL 86Vz Nass. 41/2% Obi. 983/4 Kurhess. 4% 92 Nr. Hess. 5% Obi. 103^4 4o/o 96i/4

, 3i/30/0 » 9U/2

Bayer. 5% T 1001/4

41/2 % 1jährige 100

40/o 1jährige 95 Wiirtemb, ^1/2 % Obi. 993/4 Baden 4i/2o/o Obi. 0. E. L. 993/ö Oesterr. Silberrente 575/g

Papierrente 49 Amerik. Bonds 1881r 993/4 1882r 963/4

_ 1885r 97

1887r 97

Spanier, neuest. 3% 313/4

Aetien.

Frankf. Bank 138

Frankf. Vereins-Kasse 120

Darmst. Banka et. 437

Wien Bankaktien 799

Galizien 259

Oest. Creditaot. 3031/2

AetScn.

50/0 östr. F. St. E. B. 393 Lombard. Bahn 1997/s Ludwigsh.-Bex.baoh 195 Maxbahn 1431/2

Bayer. Ostbahn 145 Rhem-Nahebahn-Aot. Hess. Ludwigsb.-Aet. 175 Oberhessen w 791/4

Prioritäten.

3O/o öster. Stsb.-Prior. 581/2 30/0 öst. s. Lombard 791/2 3% Livorneser 373/4 5% Toscaner 57^4 5% Elisabeth.-Prior. 811/2 do. II. firniss. 791/4

Anleäaensloose.

Kurh. 40 Thlr. Loose 693/4 Nassau 25 fi. 42 40/0 bayr. Präm.-Anl. 113 Ansbacher 7 fl. 12 4% badische Loose 111 Badische fl- 35 Loose 70 3% Oldenburg, ä 40Thlr. 363/4 Oestr. fl. 250 v. 1854 1858r Prioritätsloose 184 1860r Loose 86 1864r n 139 Braunschweiger 191/4 Stadt Florenz 83i/8

Weclieel.

Amsterdam k. S. 99

Augsburg k. S. 993/4

Berlin k. S. 105

Bremen k. 8. 96

Brüssel k. S. 927/s

Hamburg k. S. 88

Leipzig k. S. 105

London k. S. 1173/4

Lyon k. S. 91

Paris k. S. 91

Wien k. 8. 100

ditto m. 8.

ditto 1. 8.

Disconto 4 %__________

Geldaorten« fl. kr.

Pr. Friedrdor 9 5859

Pistolen . . 9 4042

doppelte 9 4042 Holl. fl. 108t. 9 5355 Ducaten . . 5 3436 20 Frankenst. 9 1819

Engi. Sover. 11 4547

Russ. Imper. 9 42 44

Dollar in Gold 2 24 V225 Vs -

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