Befolgungen geeigneten Orte durchaus nothig. Er brauche auch Ruhe, um den Plan der neuen FortS zu entwerfen, tie er in der Umgegend von Paris bauen lassen will." Die „Cloche" schreibt: „Die Rechte ist auf Herrn Thiers wüthend, veil er wie früher die Commissionen besucht und gestern in die Sitzung gekommen ist, ohne dem Präsidenten davon Anzeige zu machen, was er übrigens nur dann zu thau verpflichtet ist, wenn er die Absicht hat, Vie Rednerbühne zu befttigen." In Betreff VtS Ravinel^chen Antrages, der in feiner Umgestaltung den Status quo aufrecht erhält, meint das „S>ecle": nach den Ferien werde ein anderer W>no wehen, der Sitzungssaal der Nationalversammlung in Versailles sei so eingerichtet, daß er ohne Gefahr, das Schloß in Brand zu stecken, nicht genügend gehetzt werden könne, Feuersgefahr oder Kälte werde dann die H-tzköpfe schon nothigen den anderen nacbzugeben und im Palais Bourbon ein milderes Klima und mehr Sicherheit vor Brandunglück zu suchen, so daß vor Neujahr noch die UebersieDe- lung zu hoffen sei. Das „Journal des Debats" ermahnt die Nationaloersammlung: „Statt sich mit den Mitteln zu beschäftigen, um in Versailles zu bleiben, sollte die Kammer Muth fassen und in Paris tagen, wie das englische Parlament in London; auch möge die hohe Versammlung sich erinnern, daß die Preußen Paris von Frankreich getrennt haben; will sie nun auf diese vom Feinde begonnene Trennung das gesetzliche Siegel und ihre Unterschrift setzen?"
Darmstadt, 12. September. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allerznäcng't geruht: am 28. August den ordentlichen Professor in der juristischen Fakultät der Landes - Universität Dr. Oscar Bülow, auf fein Nachsuchen, mit Wirkung vom 1. April 1872 an von seinem Dienste zu entlassen.
Berlin, 4. September. Die „Volksztg." schreibt: Seit fünf Wochen ist der Sohn eines hiesigen Lehrers und Schriftstellers auf unerklärliche Weife verschwunden. Der junge Mensch war in einer hiesigen Buchhandlung als Lehrling angestellt, verließ um die Mittagszeit das Geschäft in gewohnter Weise, ist aber weder zu Hause noch im Geschäft angekommen. Es liegt weder ein Grund zu heimlichem Entweichen vor, noch hat er irgend welche Mittel dazu in Händen, noch je eine Neigung zu Extravaganzen gezeigt. Der junge Mensch heißt Hans Lackowitz, ist 15 Jahre alt, von schmächtiger Gestalt, dunkelblond, mit vielen Sommersprossen versehen, bekleidet mit Rock, Hose, Weste von demselben grauen Zeuge, Strohhut. Etwaige Auskunft über den Verbleib des Vermißten wird die Eltern (Berlin, Melchiorstraße 32) von schwerer Sorge befreien, und cS werden alle Zeitungen um Abdruck dieser Notiz ersucht.
Berlin, 11. September. Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" bezeichnet die MittheUung verschiedener Blätter, daß die Oberleitung der Bergbauverhältniss? in Elsaß Lolhringen dem Oberbergamt Bonn übertragen sei, als unrichtig, und fügt hinzu, vorläufig sei erst ein höherer Bergbeamter Preußen» beauftragt, sich über die dortigen Verhältnisse zu infcrmir<n und da- Resultat zu berichten; bis dahin türfte die Lage der Bergangelegenheiten von Elsaß Lothringen unverändert bleiben.
t Berlin, 11. September. Die Abwesenheit des Fürsten Bismarck von Berlin wird jedenfalls noch einige Zeit länger dauern, als man bei der Abreise des Reichskanzler- vermuthete. Wenn nicht dringende Geschäfte eine Abänderung verlangen, wird der Fürst mit seiner Familie den Aufenthalt in Reichenhall aus eine längere Zeit ausdehnen.
Glasbrenner's Montag-zeitung entnehmen wir die Miltheilung, daß die Verlobung des regierenden Fürsten von Schwarzburg. Rudolstadt m l der zweit.n Tochter des Großherzogs von Mecklenburg-Schwerin auf Anlaß des Letztgenannten aufgelöst worden ist.
Um dem fühlbaren Mangel an Unterorfaieren abzuhelfen, sollen künftig auch über den Etat hinaus junge Leute in die Unteroffizierfchulen eingestellt werden, soweit es die räumlichen Verhältnisse zulassen.
München, 9. September. Die Nachricht von dem Crawall in Nürnberg hat hier einen tiefen Eindruck gemacht, da auch hier die hohen Fleischvreise eine Verstimmung unter den niederen Classen der Bevölkerung bereit- erzeugt haben; dazu kommt noch der Aerger über da- erbärmlich schlechte Bier, das manche Wirthe ihren Gästen verabreichen, obwohl man im Allgemeinen über das Bier, wie es vom Braukessel kommt, durchaus nicht klagen kann. Man muß es übrigens der niederen Bevölkerung Münchens nachsagen, daß sie in hohe Preise, wenn sie die selben für in der Natur der Dinge, wie jetzt beim Fleisch, begründet erkennt, sich ohne Anstand fügt. Begreiflich aber ist, daß die Leute für ihr theureS Geld wenigstens auch gute Waare wollen, und daß sie sich ärgern, wenn ihnen Kuhfleisch für Mastochsenfleisch aufgehängt wird, oder wenn ein M-tzger in der Stille da- alte mit dem neuen leichten Gewicht vertauscht. Im Punkte des Biers aber sind die Münchener ganz besonders empfindlich, und da könnte, zumal die Furcht vor der Cholera ihre Reizbarkeit schärft, über Nacht leicht ein respektabler Crawall hereinschneien.
München, 9. September. Der Kronprinz des deutschen Reichs hat dieser Tage jeder Dir Drei Ehrenjungsrauen, welche bei dem hiesigen Truppeneinzug Den L orveerkranz überreichten, ein Medaillon zust.lLn lassen, auf Dessen Vorderseite Die m t Brillanten und Rubinen verschlungenen Buchstaben F. W. angebracht sind, während sich im Innern DeS Medaillons das Photographie - Porträt DeS Kronprinzen befindet.
München, 11. September. Die deutsche OccupationS - Armee beginnt am 12. September Den Rückmarsch in anderweitige CantonnementS; Die bayerische 2. Division ist in Die Nähe von Sedan dirigirt.
Nürnberg, 10. September. Da man für gestern Abend, wie es scheint, in Folge aasgisprengtrr Gerüchte, neue Ruhestörungen befürchtet hatte, waren im Laufe ves Tages zur Verstärkung Der Garnison 150 Mann Jäger aus Erlangen und eine Chevauxlegersabiheilung aus Schwabach hier eingetroffen. Die Truppen wurden in Den (Sajerntn in Bereitschaft gehalten, die Hauptwache war stärker besetzt als gewöhnlich, und auch sonst waren geeignete VorsichlSmrßregeln getroffen, um jedem Versuch weiterer Exceffe sofort kräftig begegnen zu können. Erfreulicher Weise ist jedoch wahrend der ganzen Nacht Die Ruhe nirgends gestört worden.
(R- K.)
Stuttgart, 9. September. Gestern Nacht um 10 Uhr hat die Schild-vache am Pulvermagazin, ein Soldat Der 1. Compagnie des 1. Infanterie-Regiments, Den Soldaten Lutz von Tischardt, OA. Nürtingen, des gleichen Regiments, welcher Den Versuch machte, Die Schildwache am Pulscrthurm mittelst zweier Schein- Hölzer zu ängsttgen, nach votausgegangcnem 6maligen An.usen zum Halten auf
eine Entfernung von ea. 60 Schritten mitten durch die Brust geschossen, daß er sofort todt war.
Stuttgart, 12. September. Der Kaiser wild nächsten Mittwoch Abend in Freiburg eintreffen und dortseldst bi- Donnerstag Nachmittag verweilen. — Die Eröffnung Der Eisenbahn von Freiburg nach A tbretsach wird Freitags im Beisein des« Großherzogs von Baden stat'finden.
Metz, 7. September. Heute Vormittag fand hier die f.ierliche Einweihung des von Der Stadt Den während des jüngstvergangenen Krieges hier gefallenen und beerdigten französischen Militärs auf Dem Kirchhofe Chambiere errichteten Denkmals statt. Die Fcirr war würdig und ernst. Wenn auch Die Bevölkerung pblreicb sich beteiligte, so blieb doch Deren Haltung fern von jeder Demonstration. Freilich schmückte die Brust vieler Theilnehmer und namentlich Tbeilnehmirinnen eine blau weiß-rothe Schleife, aber selbst dies nur während der Todtenfeier. Das Monument war reich mit Blumen verziert und nach dessen Einsegnung durch Den Bischof hielt ter Derzeitige Maire Der Stadt, Hr. Bezanyon, eine Den Umständen vollständig angemessene kurze Ansprache an die auf D<m Kirchhof anwesende Versammlung, in Der er lediglich des Opfermuthes Der Gefallenen und Beerdigten gedachte. (K. Z.)
Paris, 9. September. Gestern Nachmittag erhielt Herr von Remusat eine Depesche vom Grafen Arnim, worin ihm Derselbe aufüntigte, Daß „Der Kaiser Wilhelm Dem General Manleuffel befohlen, Die Forts und Die Umgegend von Paris sofort zu räumen, obgleich Die Verifikation der Zahlung Der Dritten Milliarde noch nicht bewerkstelligt fri'. Die Vorbereitungen zum Abmarsch begannen in Folge dess n auch heute in Den Forts und in Der ganzen UmgegenD von Paris. UeberaÖ, besonders in St- Denis, herrscht in Folge Dessen auch Das regste Leben. In letzterem Orte war man heute damit beschäftigt, Die Kanonen und die Vor- räthe an Munition und Lebensmitteln in Die Eisenbahnwagen zu schaffen. Die preußische Brigade, es sind Schlesier, Die Dort in Der letzten Zeit standen, rückt nächsten Montag ab, w rd aber durch Die bayerische Brigade ersetzt, Die bisher in Charonne und Joinvillc-le-Port stand und Die in St. Denis bleibt, bis Die ganze Artillerie und alle Lebensrnittel fortgeschafft sind. Morgen Nachmittag um 5 Uhr geben Die Schlesier ihr l-tztts Concert. Was Die Bewohner von St. Denis anbelangt, so standen dieselben mit den Preußen theilweise recht gut. In Der Woche fiel auch gewöhnlich nichts vor. Nur des Sonntags gab es oft Streitigkeiten , weil dann viele Pariser nach St. Denis gingen, uno Die Arbeiter, Die dort in großer Anzahl ftnD , sich betranken und Dann mit Den Deutschen häufig anbanden. In den NordfortS werden Die Vorbereitungen zum Abmarsch ebenfalls sehr eifrig betrieben. Die Kanonen werden theilweise nach St. DeniS gebracht, um dort weiter befördert zu werden. Einige Dörfer in der UmgegenD von Paris, wie Montmorency, Sannois, Faubonne, Soisi, Montignon u. f. w. haben Die Deutschen bereits heute geräumt. Dieselben sollen sich nach Meaux zurückziehen. Die Artillerie, Die in Ermont liegt, macht sich auch zum Abmarsch bereit. Sie geht nach Goneffe. Man glaubt, daß Die Bayern, welche Die Schlesier in St. Denis ersetzen, nächsten Donnerstag abrücken werden. In Versailles glaubt man, daß Die Departements Seine, Seine et Oise, Oise UND Seine et Marne in 14 lagen vollständig geräumt sein werden.
Paris, 10. September. Wie Figaro meldet, ist Der Vice-Admiral Gras Bouet Willaumez heute Morgen zu Maison Lafitte gestorben.
Paris, 11. September. „Agenkk Havas" meldet: Die Räumung Der vier Departements toirD nächsten Mittwoch beendigt fein. Dem gestrigen diplomatischen Diner bei Thiers wohnten Graf Arnim, Ritter Nigra und sämmtliche auswärtige Gesandte, mit Ausnahme des Fürsten Metternich und Dr. Kern'S, bei. Es wird versichert, daß Die Verhandlungen über Die Räumung Der übrigen Departements begonnen haben.
Brüssel, 12. September. Die Arbeitseinstellung Der Mechaniker ist allgemein. Sen heute Mittag sinD sämmtliche Werkstätten in Brüssel geschloffen. Die Prinzipale sind entschlossen, nicht nachzugeben. Die Bürgergarde ist zusammen- gerufen.
Peslh, 9. September. Wie die „Reform" mittheilt, wurde Bischof Jckel- fulasy von Stuhlweißenburg nach Pesth ad audiendum verbum regium berufen (weil er das Unfthlbarkeits - Dogma ohne königliche Erlaubniß mtuncigt hat) und Grai Andraffy für Diese Gelegenheit mit der Vertretung Di6 Königs betraut.
Pcsth, 11. September. Heute wurde vor Den versammelten Ministern Dem Bischöfe Ietelfalusy ein königl ches Handschreiben verlesen , welches Das Verhalten des Bischöfe- hinsichtlich Der VerkünDigung Des JnfallibilitätS-DogmuS mißbilligt und rügt. Der Bischof erklärte, sich Der königlichen Gewalt zu unterwerfen.
BöKeunachrichten.
12. September 1871.
Preuss. 4 V2°/o Oblig. 99'/, Frankf. 3i/2% Obi. 83% Nass. 41/s °'o Obi. 98% Kurhess. 4% „ 92 Gr. Hess. 5«/0 Obi. 103‘/t
> » 4% « 96
» „ 31/3% » -
Bayer. 5% „ 10(P/8
„ 4'/z0/o 1jährige 99</8 „ 40/o 1jährige 93V4
Würtemb. 4t/2o/o Obi. 983/, Badea 4y2°/o Obi. o. E. L. 99 Oesterr. Silberrente 57?/8 „ Papierrente 49 „ 5% M. steuerf. —
Amerik. Bonds 1881 r 1001/4
„ „ 1882r 95 >/8
w „ 1885r 95«/,
„ „ 1887r 96
Spanier, neuest. 3% 32
Aetien«
Frankf. Bank 140
Frankf. Vereins-Kasse 110
Bannst. Bankaat. 392
Wien Bankaktien 742 Galizien 246*/4
Aetien.
Oest. Creditact. 281 5u/q östr. F. St. E. B. 363 Lombard. Bahn 183 Ludwigsh.-Beibauh 189 Max bahn 133 3/< Bayer. Ostbahn 134 Hess. Ludwigsb.-Act. 157 Rhein-Nahebahn-Act. 43 Oberhessen „ 787/a
Prioritäten.
30/0 öster.Stsb.-Prior. 58‘/8 3°/0 öst. s. Lombard 75</8 3% Livorneser 343/4 5% Toscaner 53
5% Elisabcth.-Prior. 79 V3 do. II. Emiss. 735/g
Anlehentloose.
Kurh. 40 Thlr. Loose 67 Nassau 25 ft. 4 t '/< 40/0 bayr. Pram.-Anl. 113 Ansbacher 7 ft. 1 ls/g 40/0 badische Loose 11 Oa/< Badische ft. 35 Loose 70 Oestr. ft. 250 v. 1854 753 4 1858r Prioritätslooae 179^ 1860r Loose 847/g
I864r n 133 Braunschweiger 18T/e
Stadt Florenz 833/4
Wechsel.
Amsterdam k. S. 98 Vi
Augsburg
k. 8. 993/4
Berlin
k. 8. 105
Bremen
k. 8. 95V,
Brüssel
k. 8. 92</8
Hamburg
k. 8. 863/a
Leipzig
k. 8. 105
London
k. 8. Hb’/*
Lyon
k. 8. —
Paris
k. 8. 91
Wien
k. 8. 98 Va
ditto
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1. 8. -
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Geldsorten. 0. kr.
Pr. Friedrdor 9 57'/,—58«/, Pistolen . - 9 38—40
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Ducaten . .5 36 —38 20 Frankenst. 9 17—18
Engi. Sover. 11 48—50 Kuss. Imper. 9 38—40
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