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Expedition: Ganzleib erg 8it. B. Nr. 1.
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Nr. 213.
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Donnerstag den 14. September
1871.
BefteüNKgett auf den Gr^tzeirer Anzeiger bet allen Post-Expeditionen imb* den Land^ostboten entpepen genommen.
13. September.
f Aus Elsaß Lothringen wird berichtet, daß die deutsch-französische Commission zur Feststellung der neuen Grenze zwischen Deutschland und Frankreich ihre Arbeiten ziemlich vollendet hat. Die neue Grenzlinie weicht wesentlich von der in den Versailler Stipulationen bezeichneten ab, sie bindet sich aber auch nicht strenge an die Bestimmungen des Frankfurter Friedens, sondern ist, so weit diec eben möglich war, den Interessen Deutschlands angepaßt. Nach der definitiven Festsetzung grenzt das Großherzogthum Luxemburg fortan nur noch auf eine Strecke von kaum zwei Stunden (bet Longwy) an Frankreich, was in Anbetracht der unablässig geschürten Nachepläne der französischen Nation von ungeheuerster Wichtigkeit ist; ferner ist das ganze strategische Vorland im Westen und Süden von Metz, sowie die Schlachtfelder des 16. und 18. August in einem Umkreis von 4—6 Stunden zu Deutschland gelegt, so daß wir auch auf dieser Seite einen schwer ins Gewicht Zollenden stratcgijchrn Vortdcil über Frankreich erlangt haben. War es den Franzosen schon bei der früheren langgestreckten und schlechtbefestigten Grenze nicht möglich, einen Offensivkrieg gegen Deutschland zu führen, so werden sie sich von nun an auch bei dem besten Willen auf die Defensive beschränken müssen. Dies der militärische Vortheil; in wirthschaftlicher Beziehung gewinnt Deutschland einen zwar nicht sehr zahlreichen, aber vorwiegend deutschen Bevölkerungszuwachs, mit den großartigsten Eisenwerken, deren Verlust die französische Industrie schwer verschmerzen wird. — Der äußerste Grcnzort im Nordwesten ist Hussigny an der luxemburgcr Grenze. Von dort senkt sich die Linie, die vorher scharf nach Osten einbog, nunmehr in ziemlich gerader Richtung nach Süden und lauft nach einer leichten Einbiegung nach Osten nördlich von Mars la Tour bis Ehambiey, zwei kleine Stunden südlich von dem eben genannten Ort. Von hier wendet sie sich in leichter Biegung, Gorze einschliißeno, in südöstlicher Richtung vach Pagny, wo sie die Mosel überschreitet (4 Stunden oberhalb Metz). Die vciteren Abweichungen der neuen Grenzlinie von den früheren bis zu den Vogesen fallt nicht allzuschwer ins Gewicht.
Was die Blfestigung unserer Westgrenze anlangt, so steht schon heute fest, daß Straßburg und Metz zu großen, nach den Principien der neuen« Befesti- gungskunst ausgesührten Centralwaffrnplätzen erhoben werden, wäbrrnD von den kleineren Vogefenslstungen nur Bitsch als solche beibehalten werden dürste. — In Bezug auf die Küstenbefestigungen wild beabsichtigt, die im Verlaufe des letzten Krieges provisorisch erbauten Werke bis zur Vollendung der permanenten Befestigungen zu erhalten. Die Artillerieausrüstung der Küstenbefestigungen wird mit einer genügenden Anzahl der neuen schweren Marinegeschütze in Aussicht genommen. Wetter verlautet, daß im nächsten Frühjahr der Bau von zwei neuen großen Kriegsschiffen in Angriff genommen werden soll, welche die Namen „Sedan" und „Metz" erhalten werden, wie überhaupt mit größter Energie auf dir Vergrößerung der Flotte hingearbeitet wird. Der letzte Krieg hat der Regierung gezeigt, welchen großen Schaden eine überlegene Flotte des Gegners der Handelsschifffahrt anzu- richten im Stande ist. Ohnedies will man für alle Fälle auch gegen Seemächte ersten Ranges gesichert fein und die deutschen Farben zur See zu gleichem Ansehen bringen, wie zu Lande.
f Nachdem nunmehr feststeht, daß am 2. September die letzten 100 Millionen der dritten halben Milliarde von der französischen Kriegsentschädigung in Straß bürg eingetroffen sind, dürfte es nicht uninteressant sein, der Frage näh.r zu treten, wo dar Geld ein Ende nimmt. Da ist denn zunächst zu beachten, daß von den 1500 Millionen Francs 325 Millionen als Kaufpreis für die elfaß-lothringischen Eisenbahnen in Abrechnung gebracht worden sind, der R st also 1175 Millionen Francs oder 313 M Uioncn Tdalcr beträgt. Nach Maßgabe der verschieden, n bereits erlassenen Entschadigungsgesetze reservirt das Reichskanzleramt von dieser Summe für Dotationen der Generale 4 Millionen Thaler, desgleichen der Land- Vehrmänner und Reservisten 4 Millionen, für Vie vertriebenen Deutschen 2 Millionen, für die deutsche Rhederei mindestens 7 Millionen, für den Schadenersatz ter Städte in Elsaß Lothr ngen mindistenS 20 Millionen, für die Ausrüstung der elfaß lothringischen Bahnen mit Betriebsmatcrial 5 Millionen, mithin ^eine Summe von 42 Millionen Thaler, nach deren Abzug sich die verfügbare Summe auf 271 Million'» Thaler redvcirt. Nach den Beschlüssen des Bundesraths wäre das Reichskanzleramt ermächtigt, hievon allein 240 Millionen Thaler zur V.rsorgung der Invaliden und 40 Millionen Thaler zur Bildung eines Reichskliegsfchatzes, vorläufig unter Vorbehalt der Zustimmung de« Reichstages zu reserviren. W.r bemerken hurzu gleich, daß die Frage, ob dieser hochwichtige Gegenstand schon in der bevorstehendln Hrrbstsession zur Erlcdigung kommen möchte, davon ab!;ängt, wie viel Zeit die dringende Budgetberathung und nicht weniger das Gesetz üb.r die Verhältnisse der Reichebeamten in Anspruch nehmen wirt. Auf jeden Fall aber würden die norddeutschen und süddeutschen Staaten vorläufig von der fron z'ösischen Kriegsentschädigung noch nichts zu sehen bekommen. Doch will man wissen, daß man von der Dotation jener Fonds aus den ersten beiden Milliarden in der Hauptsache noch Abstand genommen hat und man annehmen dürfe, daß von den 271 Millionen nur etwa 31 Millionen für allgemeine Reiä Szwccke (In- Validenveisargung, B.trietS'ondS, Auebau elsaß-lothringischer F.stungen ic ) reler- Virt werden. Demnach würde sich der tbatläcdliche Status dah:n pracisiren lassen, daß noch innerhalb dieses Jahres ca. 240 Millionen Thaler nach dem Verhältnisse
der resp. militärischen Leistungen an die norddeutschen und eie einzelnen süddeutschen Staaten zur Bcrtheilung gelangen. Demgemäß wurde auch in letz er Zeit wiederholt gemeldet, daß in München, Karlsruhe und Stuttgart bereits einzclne Raten eingetroffen sind. Nach dem VertheilungsmoduS erhalten Bayern, Württemberg, Baden und Südhessen für 3 Armeekorps zusammen ein Sechstel in ca. 40 Millionen Thaler, auf Norddeutschland kommen für über 15 Armeekorps fünf Sechstel oder 200 Millionen Thaler.
Die höheren Militärbehörden sind bereits in Berathung getreten über die Frage, wie den vielfachen Beschwerden, die aus den Reihen der OccupationS- truppen in Frankreich laut werden, abgeholfen werden könne. Die Berechtigung dieser Beschwerden laßt sich um so weniger verkennen, als dieselben durchaus nicht einseitig, sondern sowohl von den O fizieren als Mannschaften eingebracht sind. Erstere beklagen sich über die Theuerung, die selbst bei einem Zuschuß aus eigener Tasche ein standesgemäßes Auftreten zur Unmöglichkeit machen, letztere petitioniren mit Recht um eine endliche Entlassung der Reserven. Wie man hört, soll die entsprechende Abhilfe sehr bald erfolgen, namentlich die Entlassung sämmtlicher Reserven schon in der nächsten Zeit zur Thatsache werden.
Erfreuliche Nachrichten kommen aus Frankreich. Die Räumung verschiedener Departements hat begann, n und ein Thcil der Truppen kehrt zurück. Zunächst die 22. Division, deren Rückkehr überall in Hessen uno Thüringen mit Jubel begrüßt wird, umsomehr, als man sie der 21. Division gegenüber benachtheiligt glaubte. ES sind die heldenmütoigkn Kämpfer an der Loire, die unermüdet und gegen eine furchtbare Uebermacht Tag für Tag sich im Novemb'r v. I. mit ÄurelleS de PaladincS und Ehanzy herumschlugen und schließlich Orleans wiedernehmen halfen. Wollte Gott, daß nicht ihnen allein der späte Lohn für ihre Thaten durch ihre Rückberufung zu Theil wird, sondern daß auch den Übrigen Divisionen, denen die Occupatio» noch zufikl, bald die Heimath wieder geschenkt werde. Die Räumung der Pariser Forts hat begonnen. Fort Remainville ist am 8. ds. geräumt worden. Wir hören von Militärs der 22. Division, die bereits durch Frankfurt gereist sind, daß der Befehl zur Räumung aller Übligen Forts von Paris bereits ertheilt ist. General v. Manteuffel hat nach einer De- pefche der „Jndependa.ce" am Sonntag Herrn ThierS einen Besuch abgestattet und in von der Räumung dreier Departements oificiell informirt. Am Abend sollte er einer Soiree beiwohnen, zu der viele Deputirte, auch Ehanzy und Ducrot, geladen waren. Im Oiscdkpartement hat nach einem „Times"-Tklegramm bereits die Räumung begonnen. (Fr. I.)
Seit einiger Zeit beginnt die Napoleonische Propaganda, die sich bisher noch ziemlich reservirt verhielt, das Haupt freier zu erheben. Vor einem Vierteljahre hätte Niemand, trotz der von der Republik gewährleisteten Meinungsfreiheit, gewagt, für den „Mann von Sedan" eine Lanze einzulegen. Gegenwärtig kört man jeden Augenblick oratortfche Versuche, in welchen die „Jrrihümer" des Exkaisers zwar als beklagenswerth constatirt, aber doch mit christlicher Liebe entschuldigt werden. Vor Allem aber soll sich in den Reihen der Armee eine durch reichliche Geldspenden genährte imperialistische Strömung geltend machen, von der man sich in Ehiselhurst die besten Erfolge verspricht. Dieser Tage erzählte man sogar, der Exkaiser werde noch im Laufe des Winters an der französischen Küste landln, und nach dem Vorb.lte seines stets nachgeahmten Oheims den Adler des Empire „von Thurm zu Thurm bis auf die Zinnen von Notredame fliegen lassen". Daß der entthronte Eäsar sich mit solchen Gedanken trägt, mag fein, obwohl er doch auch etwas klüger geworden ist; ob die Ausführung schon so nahe bevorsteht, das ist eine andere Frage. DaS Kaiserthum hat übrigens, beiläufig bemerkt, unter der Pariser Bourgeoisie schon darum eine starke Partei, weil die kaiserliche Hofhaltung das Geld in schwindelerregenden Quantitäten unter die nach Tausenden zählenden Lieferanten verstreute. Nirgends aber gilt das Sprückwort: „Weß Brod ich eß, deh Lied ich sing'!" so allgemein als bei der großen Nation. Un- eigennütz'ge Eharactere gehören zu den Raritäten; die große Schaar der Radikalen und Ultramontanen, Legitimisten und Orleanisten, Imperialisten und Eommunisten — sie pfeifen alle dieselbe Melodie: Geld, Geld, Geld! Eoen darum sind auch die Reihen der Orleanisten und Legitimisten nachgerade so sehr gelichtet, weil sich rar Metier nicht rentirt. Nach Allem hat es den Anschein, als ob die impcria- listische Restauration, trotz aller Flüche, die man dem Manne von Sedan nach- geschmettert, langsam, aber sicher, hcranrucke. Es wäre freilich eine Schmach, wenn man dem Verräther, den man noch vor Kurzem mit Koth bewarf, demnächst wieder zu Füßen sänke, aber . . . Frankreich hat starke Nerven und wird auch diese De- müthigung verwinden.
Der Groll der Rechten in der französischen Nationalversammlung gegen ThierS wird mit jedem Tage heftiger. Der alte Mann sagt Jedem gern das Beste. Diese „Schlauheiten" aber gefallen den Legitimisten gar nicht, uno so ruft Die „Gazette de France" heute ihren Getreuen zu: „der Majorität komme es zu, Thier- den Weg zu zeigen und ihm in keiner Weise zu gestatt.», sich von der ihm vorgezeichneten R chtuug um f 'inen Schritt zu entfernen." Zugleich macht sich dieses Blatt über die mil'tält,che Komödie lustig, die Thier- aufführcn wolle: ^Man bihauplet", äufeul sie in Betr.ff der Vertagung der Nationalversammlung, „die langen Ferien feten ihm zur Untersuchung der Stellen, wo er Feldlager an- julegcn denkt, zur Besichtigung der östlichen Fortificattonen und aller zu neuen


