Rheinyrovinz 1253 Mann, im Bezirke des 9. Corps und zwar in Hamburg 23 Mann, in der Provinz Hannover 56 Mann, in Hessen 1 Offizier und 3 Mann, und im Königreich Sachsen 3 Offiziere und 240 Mann. Seit genanntem Tage sind aber die Kriegsgefangenentransporte so beschleunigt worden, daß sich von den oben angeführten 49 Offizieren und 50107 Mann nur noch ein sehr geringer Theil in Deutschland befindet. Die Evacuirung der Festungen und der Rücktransport der französischen Kriegsgefangenen werden somit am 20. Juli als beendet anzu- sehen sein, und sich alsdann nur noch kranke und inhaftirte französische Offiziere und Mannschaften in den Bezirken der ersten zwölf deutschen ArmeecorpS befinden. Wegen der Kranken hat die „Societe de SecourS" durch Baron Mondy und Sonte Secrurier hier bereits Verhandlungen anknüpfen lassen, um den Rücktransport derselben in sogenannten Krankenzügen zu veranlassen.
Wie man erfährt, beabsichtigt die Staatsregierung, mit dem 1. Jan. des nächsten Jahres dem Artikel 33 die Reichsverfassung in Elsaß,Lothringen betreffend, mit einigen unwesentlichen Modifikationen Gesetzeskraft zu geben. Dieser Artikel handelt von der Gemeinsamkeit der Zoll- und Handelsverhältnisse im deutschen Reiche. Es können darnach alle Gegenstände, welche im freien Verkehr eines Bundesstaates befindlich sind, in jeden andern Bundesstaat ciugeführt und dürfen in letzterem einer Abgabe nur insoweit unterworfen werden, als daselbst gleichartige innere Erzeugnisse einer inneren Steuer unterliegen. Diese Bestimmung der Reichrver- fassung würde also auch in Bezug auf den Verkehr zwischen den Bundesländern und dem neuerwordenen Reichsgebiet in Kraft treten.
Die Verhandlungen zwischen der Londoner Post und dem Reichs-General- Postamt zu Berlin sind dem Abschlüsse nahe, um das Porto für die via Belgien und England beförderten Briefe zwischen Deutschland und Amerika von 4 auf 3 Groschen herabzusetzen, mithin dasselbe dem Satze über Hamburg gleichzustellen. Die Linie über England würde dadurch zu dem Vorzüge, die meisten Verbindungen zu gewähren, auch den Vortheil des billigen Porto's erlangen.
Es ist als gewiß anzunehmen, daß aus Anlaß des bevorstehenden Einzuges der sächsischen Truppen in Dresden der Kaiser den Kronprinzen von Sachsen zum General-Feldmarschall ernennen wird.
Den Kronprinzen des Deutschen Reiches begrüßt die „Times" mit folgendem Willkommen: Er ist der Erbe einer Krone, die sowohl die älteste, wie die neueste und mächtigste auf dcm Festlande ist. Jahrhunderte sind verflossen, seitdem eine einzige Person das concentrirte Gewicht des Deutschen Kaiserreichs repräsentiren konnte. Deutschland verspricht überdies, in seiner Zukunft größer als in seiner Vergangenheit zu sein. Es bietet die einzige solide Hoffnung für kontinentale Ordnung und fortschreitende Civiltsation, inmitten wogender Nationalitäten und ruheloser Träume. Die Macht, Gutes oder Böses zu thun, die eines Tages in den Händen des jetzigen Prinzen liegen mag, ist unermeßlich, und der Erbe der Führerschaft der germanischen Race erfreut sich einer Combiuation von Ehre und Verantwortlichkeit, die selten ihres Gleichen hat. Wir mögen stolz darauf sein, daß der Prinz durch seine Heirath in gewissem Grade einer der Unsrigen geworden ist, und die Enkel der Königin Viktoria wie die des Königs von Preußen diese hohe Befiimmuug theilen werden. Eine solche Stellung macht namentlich in der Jetztzeit größere Anforderungen an ihren Inhaber, und eine- Manne- Eigenschaften müssen allerdings hervorstechen, um deren Glanz zu erhöhen. — In dem dem Prinzen gewidmeten Willkommen wird jedoch eine Würdigung seiner persönlichen Verdienste größeren Einfluß als die Ansprüche seiner Stellung haben. Er tritt in unsere Mitte al- der Held militärischer Errungenschaften, die in der Weltgeschichte unübertroffen dastehen, wenn überhaupt ihres Gleichen haben, und er hat diese Ehren nicht durch blos formellen Dienst, sondern durch die Kraft der Fähigkeit und der Energie gewonnen. Der Kronprinz war kein Ehren-Feldmarschall in dem letzten gigantischen Kampfe. Allerdings von einem tüchtigen Stabe unterstützt, war er persönlich für die großen Operationen, mit denen er beschäftigt war, verantwortlich. Der Prinz hat überdies ebensoviel Ehre durch seine Güte wie durch seine Tapferkeit im Kriege eingeerntet. Er ist nicht einer der Hauptleute, denen ihre Soldaten bloße Krieg-instrumente sind. Er ist einer von Denen, die außer einer verlorenen Schlacht nicht- mehr als eine gewonnene betrübt. Seine Soldaten wissen, daß in ihren Gefahren sein Herz für jeden der Ihrigen schlug, und seine Gegner habe« seinem edelmüthigen und gütigen Benehmen freimüthig gehuldigt.
Das von den französischen Zeitungen vielfach besprochene Manifest des Grafen von Chambord lautet wie folgt:
Franzosen! Ich bin in eurer Mitte! Ihr habt mir die Thore Frankreichs geöffnet, und wie hätte ich mir das Glück versagen können, mein Vaterland wieder zu sehen? Dennoch will ich nicht durch eine längere Anwesenheit neuen Vorwand tu einer Erregung der ohnehin schon so sehr verwirrten Gemüther geben. Ich ver^E. ö^° dieses Chambord, welches ihr mir gegeben habt, und dessen Namen ich mit Stolz getragen habe — vierzig Jahre lang auf den Wegen der Verbannung. -^"dem ich weggehe, halte ich es für meine Pflicht, euch zuzurufen: Ich scheide nk§t von euch! Frankreich weiß, t^jdUkm qngcbörc. Ich ka.r.n nicht vergessen, daß dar monarchische^.Mä chte Erbschaft der Natron ist, noch kann ich mich te^-^iigl'cn entziehen, die jenes Recht mir auferlegt. Diese Pflichten werde ich erfüllen. Dafür lege ich das Wort eines Ehrenmannes und eines Königs ein. Mit Gottes Hilfe werben wir zusammen und, sobald ihr wollt, eine den Bedürfnissen das Staates entsprechende Regierung gründen auf breiter Grundlage, administrativer Decentralisation und lokaler Autonomie. Als Bürgschaft für diese öffentlichen Freiheiten, welche jede christliche Nation beanspruchen kann, werden wir euch verleihen das allgemeine Stimmrecht in ehrbarer Ausübung und die Controls der beiden Kammern. Wir werden die nationale Bewegung vom Ende des letzten Jahrhunderts in unsere Hand nehmen, indem wir derselben ihren wahren Charakter verleihen. Eine Minorität hat sich gegen die Wünsche des Lande- erhoben und, ausgehend von jener nationalen Bewegung, eine Periode der Entsittlichung durch die Lüge und der Zersetzung durch die Gewalt eingeleitet. Ihre verbrecherischen Gewaltthaten haben einer Nation die Rerolution aufgezwungen, welche nur nach Reformen verlangte, und haben sie zu einem Abgründe gedrängt, in welchem sie unlängst untergegangen wäre ohne die heroischen Anstrengungen unserer Armee. Es sind gerade jene arbeitenden Klassen, jene Werkleute des Felde- und der Städte, deren Loos den Gegenstand meiner lebhaftesten Beschäftigung und meiner liebsten Studien gebildet hat, die am meisten von der socialen Unordnung gelitten haben. Frankreich aber, das so grausam von Leiden ohne Beispiel heimgesuchte Frankreich, wird sich sagen, daß man nicht zur Wahrheit kommt, indem man einen Jrrthum mit einem anderen vertauscht, und daß man über ewige Nothwendigkeiten nicht mit kleinen Au-kunftsmittelchen hinweg
kommt. Frankreich wird mich rufen und ich werde kommen, mich ihm ganz zu weihen, mit meiner Ergebenheit, meinem Principe und meiner Fahne. Gelegentlich dieser Fahne hat man von Bedingungen gesprochen, die ich nicht übernehmen kann. — Franzosen! Ich bin bereit, meinem Lande zu helfen, sich von seinen Trümmern zu erheben und seinen Rang in der Welt wieder einzunehmen. Aber ein Opfer kann ich nicht bringen: das meiner Ehre! Ich bin ein Kind meiner Zeit und will cs sein. Allem, was die Größe unserer Tage ausmacht, spreche ich meine Verehrung au-, und welches immer die Farbe war, unter der unsere Soldaten marschirten, ich habe ihren Heldenmuth bewundert und dem Himmel gedankt für alles Neue, was ihre Tapferkeit dem Ruhmesschatze Frankreich- zubrachte. Kein Mißverständniß, keine Zweideutigkeit darf zwischen euch und mir herrschen. Nein, mag immer Unwissenheit oder Leichtgläubigkeit von Privilegien, von Absolutismus oder Unduldsamkeit, und — was weiß ich? — von Zehnten, feudalen Rechten, Hirngespinusten, mit welchen die kühnste Verleumdung euch schrecken möchte, — ich meinerseits werde nicht abstehen, das Banner Heinrichs IV., Franz I. und der Jungfrau von Orleans hochzuhalten. Unter dem Banner ist die nationale Einheit hergestellt worden, unter ihm haben eure Väter, von den meinigen geführt, dieses Elsaß und Lothringen erobert, Provinzen, deren Treue der Trost in unseren Leiden sein wird. Jenes Banner hat die Barbarei in Afrika besiegt, das Zeugniß abgelegt von den ersten Waffenthaten der Prinzen meiner Familie. Dieses Banner rgirb auch die neue Barbarei besiegen, von der die Welt bedroht ist. Ich werde es ohne Furcht der Tapferkeit unserer Armee anvertrauen. Sie weiß, daß dasielbe immer nur auf dcm Wege der Ehre vorangetragen worden ist. Ich habe e- als ein heiliges Vermächtniß von dem alten Könige, meinem Ahn, erhalten, der im Exil gestorben ist; es ist für mich immer unzertrennlich von der Erinnerung an mein fernes Vaterland gewesen. Wie es über meiner Wiege geflattert hat, so soll es auch auf meinem Grabe stehen. In den glorreichen Falten dieses Banner- ohne Makel werde ich euch Ordnung und Freiheit wiederbringen. Franzosen! Heinrich V. kann das weiße Banner Heinrich'- IV. nicht verlassen!
Chambord, 5. Juli 1871. Chambord.
Wiesbaden, 11. Juli. Die Generalversammlung der Taunusbahn lehnte es mit 412 gegen 1 Stimme ab, auf die Regierungsvorlage wegen Ankaufs der Bahn einzugehen. Sodann wurde dem VerwaltungSrathe eine Commission bei- gegeben, um in weitere Verhandlungen in dieser Frage mit der Regierung einzutreten.
t Berlin, 11. Juli. So lange der Aufenthalt des Kaiser- in Ems dauert, ist von hier aus ein besonderer Courierdienst nach dem dortigen Hoflager einge- richtet; die Couriere werben täglich mit dem um 10 Uhr Abends nach Köln über Kreiensen abgehenden Courierzuge abgefertigt, und sollen um 11 Uhr 15 Minuten l Vormittags am nächsten Tage in Ems eintreffen.
Berlin, 11. Juli. Der Eintritt des früher« BundeStag-gesandten in Frank- urt, v. Savigny, bekanntlich der Sohn des ehemaligen berühmten Rechtsgelehrteu und JustizministerS v. Savigny, in die Centrumsfraktion hat in unseren gouverne- mentalen und Hof-Kreisen gleich von Anfang an eine gewisse Sensation erregt. Herr v. Savigny, unstreitig ein äußerst begabter Staatsmann und den preußischen Interessen stets sehr ergeben, hat seinerseits auch gar kein Hehl daraus gemacht, daß die Differenzen, welche zwischen ihm und dem Fürsten Bismarck herrschten und die schließlich zu einer nicht gerade zarten Behandlung des feinfühligen Diplomaten von Seiten des Reichskanzlers führten, den Grund gelegt haben zu seiner gegenwärtigen, der Regierung feindlichen Haltung innerhalb und außerhalb des Reichstages. Es hat daher an Bemühungen von Seiten hochstehender Beamten nicht gefehlt, zwischen dem Fürsten Bismarck und Hrn. v. Savigny eine Versöhnung herbeizuführen, welcher der Letztere sich durchaus nicht abgeneigt zeigte. Diese Bemühungen werden unzweifelhaft von Erfolg fein und sich schon in der nächsten Zeit dadurch kundgeben, daß Hr. v. Savigny seinen Austritt au- der CentrumS- fraktion erklären wird.
Berlin, 12. Juli. Die „Prov. • Corresp." sagt in einem Artikel über dke innere Entwickelung in Frankreich, nachdem sie hervorgehoben hat, daß die Stellung der jetzigen französischen Regierung sich inzwischen wesentlich befestigt habe, Folgeil des: Deutschland wird der neuen Entwickelung des großen, an äußern Gütern so reich ausgestatteten Nachbarlandes mit voller Ruhe und unbefangener Theilnahrne folgen. Der innere Aufschwung Frankreichs wird uns keine Sorge bereiten, D» wir gleichzeitig mit voller Zuversicht den. stetigen und kräftigen inneren Aufschwung des neuen deutschen Reiches erwarten dürfen. Um so aufrichtiger wird der Wunsch in ganz Deutschland sein, Frankreich in der ernsten inneren Wiedergeburt nicht bloß den eigenen Ferdin, sondern auch ein ehrenvolles Verhältniß zu den übriger Mächten wiedrrsiäden möge, welches ihm um des gemeinsamen Friedens und der gemeinsamen Culturentwickelung willen überall gern gegönnt würde. Die „Prov.« , E^resp." theilt ferner mit, daß die Zahlung der ersten halben Milliarde in vollem Gange begriffen und zum größten Theil bereits ausgeführt fei, und daß zufolge der Bestimmungen des Friedensvertrags nach der Zahlung der ersten halben Milliarde . die Departements Somme, Seine inferieure und Eure von den Occupationötruppen geräumt würden.
Berlin, 12. Juli. Der Kronprinz wird am 13. d. in Gravesend eintreffen und den 14. früh in Antwerpen landen. Von dort fährt der Kronprinz über Köln nach Frankfurt, wo derselbe übernachtet und trifft am 15. d. Abends in München ein. Der Aufenthalt in München wird muthmaßlich zwei Tage dauern. Auf der Rückreise wird der Kronprinz den Majestäten in Ems bezüglich Koblenz einen kurzen Besuch abstatten. — Der „Reichsanzeiger" publicirt das Dotation«- gefetz.
Dresden, 11. Juli. Heute Vormittag hat der Einzug der Truppen Hierselbst stattgesunden. Der König erschien um 11 Uhr an der Spitze der Truppen- aufstellung und beauftragte den Divisionär, den Truppen bekannt zu geben, taj Der Kaiser den Kronprinzen von Sachsen zum Feldmarschall ernannt habe, und überreichte dem Kronprinzen zugleich den Marschallstab. Der Jude! der Truppen und des zahllosen Publikum- war unbeschreiblich. Dem Dcfil6e wohnten neben dem Könige der Großherzog von Hessen, Prinz Karl Theodor von Bayern unö der Herzog von Genua an.
München, 9. Juli. Der König hat den Commandanten de- 2. Armee- corp-, General v. Hartmann, in den Freiherrnstand erhoben. (N. C.)
München, 11. Juli. Da- Pfarramt von St. Ludwig, welches vom Univel' sitätssenat darum angegangen worden ist, das (siiftungsmäßige) Traueramt für idcn verstorbenen Prof. Zenger abzuhalten, hat den Bescheid gegeben, diese- Ver-
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