nungSgefühl, die Ausbildung, die strenge Pflichterfüllung. Der General siehtmter Anderem einen Beweis dafür in der Mobilmachung, Vie mit staunenSwerther Snel- ligkeit vor sich ging. In höchstens zehn Tagen war eine Million Menschen mter den Waffen. Dabei ist Alles so genau vorbevacht, daß in dem gegebenen Agn- blick weder ein Jrrthum, noch ein Schwanken, noch ein RecurS nach Berlinvor- komme. General Annenkoff erzählt zum Beweise seiner Angaben Nachsteheoes: Letzten Sommer wollte ein ausländischer General dem Grasen Moltke seineAuf- Wartung machen. Da die Mobilmachung begonnen hatte, fürchtete der Bescher, nicht vorgelaffen zu werden. Er täuschte sich. Nicht nur öffnete» sich ihr die Thüren, sonvern der berühmte Chef des preußischen Generalstabes, der Dot| von Natur sehr schweigsam ist, ließ sich sogar zu einer langen Unterhaltung hrbei. Da der General unbescheiden zu sein fürchtete, wollte er sich entfernen, abertzraf Moltke hielt ihn mit den Worten zurück: „Ich habe meine Ferien." Der 3er- faffer der Broschüre ist ferner erstaunt darüber, daß die Belagerungsarmee rotz des harten Vorpostendienstes vor Paris ihre Uebungen und Manövers jeden Dag fortsetzte und daß man wie in gewöhnlichen Zeiten Revue hielt.
Wie ein großer Theil der französischen Preffe in den letzten Tagen, so predgt auch der „Gaulois" einen Kreuzzug des unerbittlichen Haffes gegen die Deutscher, die es je wieder wagen sollten, in Frankreich ihren bleibenden Ausenth ilt zu sichln. Darin schreibt Herr Sarcey: „Möge man uns doch wohl verstehen: wenn wr die Deutschen vertreiben wollen aus diesem Frankreich, welches sie geplündert, verwüstet und mit Blut gedüngt haben, wenn es uns am Herzen liegt, gegn sie eine Liga zu organisiren, die von Havre nach Marseille geht, wenn wir jli von unserer Gastfreundschaft auSschließen, so geschieht das nicht allein auS einem engherzigen Rachegeiste. Ja, ohne Zweifel, es ist Haß in unserer Angelegenhit, es liegt viel Haß darin. Und wen, großer Gott, wären wir denn berechtigt zu hassen, wenn wir uns nicht von einem unüberwindlichen Groll beseelt fühlten gegen jene Barbaren, welche, nachdem sie unser flaches Land geplündert, nachdm sie unsere S:ävte verbrannt, nachdem sie uns ausgehungert und ruinirt, uns noh oen demüthigenosten, den verderblichsten Vertrag aufgebürdet haben, den Frankreich je erduldet hat! Ja, wir hassen sie, wir hassen sie aus tiefem Herzen, und das »aben sie nicht qestohlen. Das ist sogar das Einzige, das sie bei uns nicht gestohlen haben. Aber''es ist nicht der Haß allein, der uns beseelt. Es ist besonders und vor Allem die Torge für unsere Sicherheit... Die Philosophen wollen, daß wir ihnen ihre Beleidigungen verzeihen; sei es darum, wir verzeihen sie ihnen. Wir verlangen aber, daß sie uns keine anderen zufüzen. Weil wir der Viper nicht die Zäyne ausbrechen können, so wollen wir sie wenigstens vom Hause fern halten. Das ist's, was ich den Aposteln der Toleranz zu antworten hatte." Die Vernunft wird hoffentlich wieder in ihre Rechte eintreten.
Die Deutschen in London beabsichtigen, binnen kürzester Frist eine großartige Friedensfeier zu veranstalten. Die einleitenden Schritte sind bereits geschehen; ein großer Festausschuß, welcher alle Claffen des hiesigen Deutschthums vertritt, ist gewählt worden, und die Feier selbst — welche durchaus nicht politischer Natur sein soll — wird in ächt deutscher Weise in einem ächt deutschen Local, der Turnhalle, abgehalten werden.
Aus Konstantinopel wird dem „Journal de Sl. PeterSbourg" geschrieben, daß sich in der letzten Zeit eine bemerkenswerthe Veränderung in der Haltung der ottomanischen Regierung zu erkennen gegeben habe. Die Pforte bewege sich viel selbstständiger und freier in der Wahl ihrer Vertheidigungsmittel und g-horche nicht mehl' so leicht den vcrschicvcnrtt Natyschtügen, Vic ipr Sv» aiUn Odrcn rc^ theilt werden. Diese Veränderung erkläre sich dadurch, daß Vie Türkei, wie sie sich nach vem Krimkriege vom russischen Einfluß befreit sah, so auch jetzt nach den Niederlagen Frankreichs der Vormundschaft sich entledigt sieht, welche vie Westmächte und namentlich Frankreich über sie sich angemaßt haben.
Darmstadt, 11. März. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben allergnäoigst geruht, am 9. l. Mts.:
D m Königlich Preußischen Minister-Präsidenten, Minister der auswärtigen Angelegenheiten und Kanzler des deutschen Reichs, Grafen von BiSmarck-Schön- hausen, und
vem Königlich Preußischen General der Infanterie und Chef des großen Generalstabes der Armee, Grafen von Moltke, oaS Großkreuz des LudewigS- Oroens zu verleihen.
Darmstadt, 11. März. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben heute folgenden Trgesbefetzl zu erlassen geruht:
An Mein Leibgarde-Regiment.
Heute sind es zwei und ein halbes Jahrtzundert, seitdem Mein Ahn, der höchstselige Landgraf Ludwig V., in Der Errichtung der „Fürstlichen Leib-Com- pagnie" vie erste Grundlage zur Entstehung des Regiments schuf. Wenn es Mir auch nicht vergönnt ist, diesen bedeutungsvollen Tag in Eurer Mitte zu verbringen, so will Ich ihn doch nicht vorübergehen lassen, ohne Euch Meine innigsten Glückwünsche zu seiner Feier auszusprechen.
Eine rhumoolle, thatenreiche Geschichte hat das Regiment in dem Wechsel der Jahrhunderte durchlebt, sich immer gleichbleibend in Den Stürmen Der Zeiten in Allem, was Die soldatische Ehre verlangt — in Treue, Gehorsam und Tapferkeit! in williger Hingebung für Fürst und Vaterland!
Auch in diesem blutigen Feldzüge war es vem Regimente vergönnt, Durch diese altbewährten Tugenden Des hessischen Kriegers Meine vollste Anerkennung zu erwerben und em ruhmreiches Blatt seiner Geschichte zuzufügen.
In wenigen Tagen sind eS 50 Jahre, daß Ich dem Regimente angehöre und mit Der innigsten Zuneigung und Liebe, Die Ich als Mitglied und Kriegs- Herr für dasselbe empfinde, sage Ich ihm Meinen Dank für die vortreffliche Gesinnung , Treue und Hingebung, welche eS bei allen Gelegenheiten Mir und Meinem Hause bewiesen hat.
Ich halte Mch fest überzeugt, daß Das Regiment Diese Tugenden auch bis in die fernsten Zeiten sich zu bewahren wissen und niemals ablassen wird, sich feines wohlverdienten Rufes und seiner unbefleckten Ehre würdig zu zeigen.
Um demselben einen Beweis Meiner Wohlgewogenheit zu geben, verleihe Ich als Anerkennung feines seitherigen Verhaltens und als Erinnerung an den heutigen Eprentag Den Fahnen Des Regiments Mein Militär-Verdienstkreuz.
Möchte es ihm vergönnt sein, noch viele ssolche Tage begehen und dabei stets mit gltichberechtigtem Stolze auf seine Vergangenheit zurückschauen zu können!
(gez-) Ludwig.
Darmstadt, 11. März. Se. Majestät der deutsche Kaiser haben unterm 28. v. M. vem General-L-eutenant Prinzen Ludwig, Großherzozliche Hoheit, Commandeur Der Großherzoglichen (25.) Division, den Orden pour le m£rile
und dem Hauptmann Kattrein, Compagniechef im 4. Infanterie-Regiment, daeiserne Kreuz erster Claffe zu verleihen geruht.
M. Berlin, 9. März. Nach einer Abwesenheit von 7 Monaten und 8 Tagen traf heute früh der Reichskanzler Graf Bismarck mit dem Frankfurter Courierzuge um 7*/2 Uhr, anscheinend im besten Wohlsein, hier wieder ein. In feiner Begleitung befanden sich Der Geh. LegationSrath v. Keudell, die Legation-- räthe Bucher und Graf Hatzfeld und Der Generallieutenant v. Bismarck-Bohlen. Auf dem Bahnhofe hatten sich zum Empfange kaum 20 Personen eingefunden, Darunter die Gräfin Bismarck nebst Tochter, der Minister des Innern, Graf Eulenburg, und mehrere höhere Beamte des Reichskanzleramtes. Der Aufenthalt auf Dem Bahnhofe war von beschränktester Dauer; ein HänDedruck Der Gattin, Der Tochter und Dem Grafen Eulenburg, ein flüchtiger Gruß Den übrigen Herren, Dann fuhr der freudestrahlende Reichskanzler mit der Familie von dannen. — Unter Den Reiseeffecten befand sich u. a. eine große Kiste mit Lorbeerkränzen und Blumensträußen, welche von dem begeisterten Empfange auf Den Stationen unterwegs zeugte. ,
Berlin, 9. März. Telegraphische Depeschen werden von heute ab wieder in allen vor Beginn Des Krieges zugelassenen Sprachen und auch in Chiffren befördert. Die in Folge des Krieges angeorvnete Beschränkung des telegraphischen ÄerkchrS nach und von Frankreich bleibt bis auf weiteres dagegen noch in Kraft.
Die während des Krieges angeorvnete Beschränkung veS Verkaufs Der Generalstabskarten ist nunmehr wiever aufgehoben worDen.
Berlin, 10. März. Für die so überaus schwierige Beförderung der fron» zösischen Gefangenen einerseits und Der Diesseitigen Armee in ihre Garnisonen andererseits — trifft das Kriegsministerium Die umfassendsten Vorbereitungen, um keine Störungen eintreten zu lassen. So sind jetzt sämmtliche Eisenbahn - Direc- rionen aufgefordert worden, anzugeben, wieviel Transportmittel sie zu Dem Zweck zur Verfügung stellen können, ohne Den Personen- und Güterverkehr zu sehr zu beschränken. Die von hier abzulaffenden Züge sollen Gefangene und die rückkeh- renden Deutsche Soldaten in Die Heimath bringen. Die Wagen sollen jedesmal vor ihrer Benutzung gereinigt und desinsicirt werden. Sämmtliche Gefangene werden vor ihrer Entlassung noch einer ärztlichen Untersuchung unterworfen, um Die Verbreitung ansteckender Krankheiten auf der Reise zu verhüten.
Das.Schicksal, der so viel angefeinveten alten Berliner Gerichtslaube — vulgo Geruchslaube — ist durch die von den Stadtverordneten mit sichtlicher Schadenfreude votirte Annahme des kürzlich erwähnten Magistratsanlrags endgil- tig entschieden. Das alte Gerümpel verschwindet von seiner jetzigen Stätte des Anstoßes und AergernisseS, um als Wahrzeichen längst vergangener Tage an einem anderen Orte von den Todten wieder aufzuerstehrn.
Kiel, 6. März. Das Marine-Obercommando erläßt soeben die folgende Bekanntmachung:
„Die Ausräumung der Hafensperre bei Friedrichsort hat begonnen, und werden die verschiedenen Hindernißmittel, aus Dem dieselben bestanden, mit aller nui möglichen Beschleunigung beseitigt werden. Der Fortgang dieser Arbeiten ist indessen zum Theil von der Witterung abhängig, und was speciell die Torpedos betrifft, so kann das Aufnehmen derselben aus technischen Gründen nur allmählich erfolgen. Für jetzt und bis auf Weiteres darf ein Ein- oder Auslaufen bei Nacht überhaupt gar nicht stattfinden, und die Passage bei Tage muß sich innerhalb des mittleren durch Boten und Flaggen Deutlich bezeichneten Fahr- wassers halten, wo Lorpevos, welche sich durch Den Stoß entzünden, nicht gelegt worDen sind. Von morgen den 7. März ab wird wiederum ein Wachtkanonen- boot bei Laboe stationirt sein, welches die auslaufenden Fahrzeuge warnen und anweisen wirv. Bis auf Weiteres werden auch die Lootsen zum Durchführen durch die Torpedolinien noch von der Marine gestellt werden. Weitere Bekanntmachungen behalte ich mir vor, sobald die in diesem Augenblicke und für die nächste Zeit noch uothwendigen Beschränkungen der Schifffahrt vermindert oder gänzlich aufgehoben werden können. Helot, Contreadmiral."
Straßburg, 8. März. Der „Niederrh. Kur." berichtet: „Da die Eisenbahnen im Elsaß und Deutsch-Lothringen Der Verwaltung ves Staates übertragen werden sollen, so ist bereits ein vollständiger Organisationsplan für diese Verwaltung ausgestellt. Es wird hierdurch ermöglicht, die bezeichneten Eisenbahnen zu jeder Zeit zu übernehmen. Die Oberleitung dieser Bahnen wird nach Straßburg kommen. — Im „Moniteur officiel du gouvernement de la Lorraine“ wird aufgefordert, Die von Der deutschen Regierung auferlegten Directen und indirecten Steuern sofort einzuzahlen, bei Strafe der angeordneten militärischen Execution."
Telegraphische Depeschen.
A Berlin, 10. März. Wie man vernimmt, wird das Werder'sche vjer- zehnte Armeecorps aufgelöst, die Landwehrtruppen entlassen. Die übrigen Armee- corps der Linie werden vorläufig sämmtlich Stellungen diesseiis der Seine ein- nehmen.
4- Leipzig, 11. März. Soeben, 7 Uhr Abends, traf Der Kronprinz von Sachsen hier ein. Auf dem Bahnhofe wurde derselbe von den Behörden festlich empfangen. Nach der Ansprache des Bürgermeisters Koch erwiderte der Kronprinz, er müsse vie Ehrung seines eigenen Verdienstes ablehnen und könne nur Der genialen Oberleitung und Der Tapferkeit des Deutschen Heeres, des trefflichsten in Europa, rühmend gedenken. Die Stadt war glänzend illuminirt; am Abend fand Die Fest- Vorstellung im Theater statt, wo dem Kronprinzen ein Lorbeerkranz überreicht wurde. z
+ Bern, 11. März. Die Commission zur Vorberathung Der Bundesver- fassungSrevifion beschloß, Daß Der JesuitenorDen und die affiliirten Gesellschaften nirgenDS in der Schweiz Aufnahme finden Dürfen; jeDe Wirksamkeit in Kirche und Schule soll ihnen verboten und die Gründung neuer so wie Die Wiederherstellung alter Klöster untersagt sein.
4- Bern, 11. März. In Zürich fand gestern eine Wiederholung Der Ruhe- störungen statt unv Die Tonhalle, wo Deutsche das Friedensfest feierten, wurve neuervings von Volkshaufen belagert und gestürmt, die Germania zerstört und deutsche Fahnen zerrissen. 30 Verhaftungen sind vorgenommen, Darunter die von 16 französischen Mobiloffizieren. Des Nachts fand ein Sturm der Volksmenge auf Die Strafanstalten statt, um Die Gefangenen zu befreien. Das Militär feuerte. Der Sturm wurde abgewiesen, einige Unschuldige in Häusern gegenüber verwundet und getövtet. Die Deutschen, welche Den Schutz des Norddeutschen Gesanvten angerufen haben, hatten sich in bestimmten Localen versammelt, um etwaigen Angriffen zu begegnen. Zur Aufrechterhaltung Der Ruhe ist ein Bataillon auf- geboten.
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