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Preis vierttljährig 1 ft 12 fr. mtt Vrtngerlohn. Durch die Lost bezogen vierteljährig . 1 fl. 27 fr.

Gießener

Erscheint täglich, mit Aus­nahme Montags.

Expedition: Eanzleiberg Ltt. B. Nr. 1.

Anzeige- und Amtsßkaü jur den Kreis Kielen.

Nr. 62. Dienstag den 1 März 1871.

rttef werden noch fortwährend sowohl bei der Expedition, Canzleiberg B. 1, als auch

VCjirUllliyVll ullj vrn IVHpvIUr bei allen Post-Expeditionen und den Land-Postboten entgegen genommen.^

Abonnenten, welche den Anzeiger bei der Erpeditron abholen laffm, erhalten denselben für den Monat März zu 20 fr.

Amtlicher T h e i l.

Bekanntmcchun g.

Den vermieten Soldaten Wilhelm Wilke betreffend.

Der Soldat Wilhelm Wilke vom 64. König!. Preuß. Jnfanteve-Regiment, welcher sich in der Nacht vom 2. zum 3. d. Mts. aus dem hilsigit» akademischen Hospital entfernt hat, ist trotz sorgfältigen Nachsocschens bis jetzt nicht wieder aufgefunden worden.

Wer über dessen Aufenthaltsort Auskunft geben kann, oder wer dissm Leiche finden sollte, wird ersucht, uns, oder dec nächsten Ortspolizeibehörde, Anzeige davon zu machen. Demjenigen, welcher dense.'ben lebend einbringt, wird eine Belohnung zugesichert.

Gießen, den 11. März 1871. Großherzogliches Kreiöcunt Gießen.

In Verhinderung des Kreisraths:

Kekul 6, Kreisaffeffor.

Gefundene Gegenff an de:

Mehrere große und kleine Schlüssel, ein Thürdrücker, ein kleines Messerchen, ein Portemonnaie mit 3 Heller, ein Geldtäschchen von Iuchtenleder, eine Photographie aus einem Medaillon.

Die Eigcnthümer werden aufgefordert, sich binnen 3 Wochen bei uns zu melden, widrigenfalls diese Gegenstände auf Verlangen an die Finder zurückgegeben oder spater zu Gunsten der Armenkasse werden versteigert werden.

Zugelaufen: En junger Jagdhund, weiß von Farbe, mit.gelben Flecken und schwarzen Ohren.

Gießen, den 13. März 1871. Grotzherzogliche Polizei-Verwaltung der Provinzialhauptstadt Gießen.

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Politisch

13. März.

M.Uns aber und Unseren Ncchsolgern an der Kaiserkrone v olle Gott verleihen, allzeit Mehrer des deutschen Reichs zu sein, nicht an kriegerischen Ero­berungen, sondern an den Gütern und Gaben des Friedens auf dem Gebiete nationaler Wohlfabrt, Freiheit und Gesittung". So schloß Kaiser Wilhelm seine Proclamation an daS deutsche Volk vom 17. Januar, in welchem er die Annahme ter Ka-serkrone anzeigt, und gerade dieser PoffuS war es, welcher in allen deut- schetl Gauen die lebhafteste Zustimmung, die freudigste Anerkennung fand, da man in demselben eine Gewähr dafür erblickte, daß dem Volke der Lohn für seine be tingungelose Hingabe in der Stunde der Gefahr durch freiheitliche Entwickelung ter inneren Zustände, durch reichhaltige Förderung des materiellen Wohls nicht vorenthalt.n werden solle. Die Kreuzzeitung ist jedoch anderer Meinung, denn in ihrem Leitartikel vom 9. d. stellt sie den korrupten Satz auf, Deutschland werde die volle Frucht des über Frankreich errungenen Sieges erst dann genießen, wenn cs sich neben den staunenswerthen Waffenerfolgen auch seiner Befreiung von den liberalen" französischen Ideen bewußt werde, und daß dies recht bald geschehe, klhofft das feudale Blatt aus der heutigen Discretirung der Republik und der Lolksfouverainetät in Frankreich.

Man kann diesem Gebühren der Kreuzzeitung nicht ernst und nicht früh genug entgegentreten, damit es nicht nach wenigen Jahren wie vor einem halben Eäculum heiße: man solle doch endlich einmal aushören, von der Ausopferung des Volkes in dem Franzofenkriege zu reden. Das Volk wird seinem Heldenkaiser, seinen verdienstvollen Generalen und Ministern nie vergessen, was sie Großes für das Vaterland vollbracht haben; aber ebenso wird im Munde der Enkel fortleben, durch welche Großthaten das deutsche Volk sich die Anwartschaft auf den unge- binderten Ausbau seiner politischen und wirthschaftlichen Freiheiten erwarb, und es wird sich diese Errungenschaft nicht von einer kleinen absolutistischen Partei verkümmern lassen.

Es ist eine durch nichts gerechtfertigte Unterstellung der Kreuzzeitung, daß Deutschland die französische Nation als seine politische Lehrmeisterin anerkannt habe. Das deutsche Volk hat in den langen Jahren der Erniedrigung Deutsch­lands eine politische Reife erlangt, welche es befähigt, seine Angelegenheiten selbst- ständig zu ordnen, ohne auf den Beifall des Auslandes zu rechnen; es wendet stch ab von allen radikalen Bestrebungen, stellt sich voll und ganz auf den Boden ves neuen deutschen Kaiserthums, den es ohne Hintergedanken acceptirt, und ist fest entschlossen, auf dieser gegebenen Grundlage sowohl den Gelüsten der Abso lvtisten wir der Particularisten entgegen zu treten.

Die gegenwärtig gepflogenen Verhandlungen über verschiedene Modificationen der preußisch.hessischen Militärconvention vom 7. April 1867 haben, wie die »Franks. Ztg." aus guter Quelle erfahren haben will, bis jetzt zu folgenden Re- fultalen geführt: Hessen begibt sich der ihm durch die Convention zugestandenen Selbstständigkeit der Militärverwaltung; das Kriegsministerium kommt in Wegfall. Aus den vier Jnfanterteregimentern der Division, welche seither nur zwei Bataillone zählten, werden alsbald nach dem Eintreffen der Truppen aus dem Felde drei Regimenter zu je drei Bataillonen (2 Musketier- und 1 Füsilierbatatllon) formtet.

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Das 2. Infanterieregiment, als das jüngste der hessischen Jnfantcrieregimenter, wird aufgelöst und feine beiden Bataillone zur Formation der dritten Bataillone kcS seitherigen 1. uno 3. Infanterieregiments verwendet. Das seitherige 4. In­fanterieregiment erhalt sein drittes (Füsilier-) Bataillon durch das gleichfalls zur Auflösung kommende 2. Jägerbataillon. Wie ferner verlautet, liegt es nicht in Absicht, die hessische Division mit der badrschen zum achten deutschen Armeecorps zu vereinigen; sie soll vielmehr in ihrem seitherigen Verbände als geschlossene Di­vision b- im elften ArmeccorpS verbleiben. PreußischerseitS wurde die Stellung eines hessischen Infanterieregiments zur Garnison von Mainz gewünscht, und hat sich der Großherzog für das vor dem Krieg in Darmstadt in Garnison befindlich gewesene 4. Infanterieregiment entschieden.

Auch über die Festung Metz sollen neue Bestimmungen getroffen worden sein, welche aus München vom 8. März gemeldet werden. Nach ihnen soll Metz eine gemischte Besatzung erhalten, nämlich je eine Brigade preußische und baye­rische Infanterie mit der entsprechenden Artillerie. Von Bayern kommt das 4. und 8. Infanterieregiment, welche bisher in Germersheim und Landau lagen, da­hin. Nach einem beim sächsischen Kriegsministerium eingegangenen Telegramm aus le Vert-galant vom 8. März ist das 6. Infanterieregiment Nr. 105 bereits an jenem Tage nach dem Elsaß abmarschirt. Der Regimentsstab, das 1. und das 2. Bataillon kommen nach Schlettstadt, das 3. Bataillon nach Straßburg.

Ueber die Gründe, welche die Aufsehen erregende Abreise des Freiherrn von Arnim von Rom herbeigeführt hatten, gibt der Correspondent desDaily News" in Rom folgende Aufschlüsse: Freiherr von Arnim, der sich während seines langen Aufenthaltes in Rom mehr als einmal der clericalen Partei sehr zugethan be­wiesen harre, wurde von dieser sehr hochgeschätzt und ausgezeichnet, da sie offenbar große Dinge von Preußen erwartete. Aber unmittelbar nach dem Eintreffen der piemontesischen Prinzen und dem Besuch, den der Freiherr ihnen abstattcte, war es mit der Freundschaft zu Ende. Der Erzbischof von Posen wurde angewiesen, vom König Wilhelm die Abberufung seines römischen Gesandten zu verlangen, und die bevorstehende Abreise dieses Diplomaten wurde in den clericalen Kreisen bereits angekündigt und besprochen, ehe er selber etwas davon wußte. Antonelli und seine Freunde sind jetzt vor Vergnügen ganz berauscht, sie glauben einen gro­ßen Sieg errungen zu haben; in Wirklichkeit aber haben sie nur die Anerkennung der Occupation Roms von Setten Preußens beschleunigt. Freiherr v. Arnim wird erst einen definitiven Nachfolger erhalten, wenn die Hauptstadt Italiens definitiv nach Nom verlegt worden »st, und zwar in der Person des jeweiligen preußischen Diplomaten, welcher das Berliner Eabinet am Hofe Victor Emanuels vertritt. Wenn Cardinal Antonelli übrigens Bischöfe und Monsignori nach allen Höfen zu schicken gedenkt, deren Vertreter dem italienischen Prinzen Besuche gemacht haben, dann hat er viel zu thun. Erst am 27. Februar, mitten in der Fastenzeit, war der größere Theil des diplomatischen Corps der Einladung der Prinzessin Mar­gherita gefolgt und trugen als Zeichen der Höflichkeit für die Prinzen den Stern vom heil. Mauritius und heil. Lazarus.

Der russische General Annenkoff, der der deutschen Armee attachirt ist, hat soeben eine Broschüre veröffentlicht, in der er sich der Aufgabe unterzieht, die Ur­sachen der Erfolge der deutschen Armee klar zu legen. Nach seiner Ansicht beruht ihre Ucbcrlegenhett vor allem auf einem moralischen Princip: das ist das Ord«