nung der Gefangenen in jeder Beziehung. Einige elende Hütten aus Holz und Stroh bilden das einzige Obdach der in diesem öden Orte internirten unglücklichen Wesen. Ihre Nahrung besteht aus Zwieback und eingesalztem Fleisch, ein Schiff bringt jeden Monat von Cayenne das erforderliche Quantum Lebensmittel und frisches Wasser. Da die natürlichen Hindernisse für ein Entweichen beinahe unübersteiglich sind, bleiben nur fünf oder sechs Aufseher und ein Dutzend Sol- baten aus der Insel. Die Haifische sind übrigens die unverdrossensten Wächter, welche die Regierung sich nur wünschen konnte, und zahlreich sind die Opfer solcher, die zu irgend einem vorüberfahrenden Schiffe hinüberzuschwimmen versuchten und so weiter.
Die russischen Blätter werden nicht müde, die österreichischen AuSgleichSactien zu besprechen und fortwährend ist es die Sorge, welche sie bekümmert, daß durch den Ausgleich nur die Gemüther der Slaven Oesterreichs Rußland entfremdet und bei Gelegenheit gegen dasselbe gewendet würden. Der «Kiewlanin" schreibt: Andrassy hat sich gleich nach der Salzburger Begegnung Über die Hohenwarl'sche Politik lobend ausgesprochen, und gerade darum beginnen die slavischen Patrioten gegen die Sache ein gewisses Mißtrauen zu empfinden, weil sie den Verdacht hegen, Graf Hohenwart verfolge geheime Zwecke, welche den slavischen Interessen nicht zuträglich sind. Andrassy kann nur eine solche slavische Politik billigen, welche seine Pläne nicht durchkreuzt. Der ungarische Premier will Serbien und Montenegro unter magyarische Oberhoheit bringen, darum ist es tbm recht, wenn die österreichischen Slaven gewonnen werden. Man möchte eben Rußland nach Asten zurückdrängen; ist das einmal erreicht, dann hofft man die Slaven ganz leicht mit germanischer Hilfe niederzuhalten. Die österreichisch-ungarische Monarchie rüstet trotz des neubefestigten Friedens, namentlich baut man daselbst mit besonde- rem Eifer an den gerade gegen Rußland gerichteten strategischen Bahnen. Die gegenüber Galizien beobachtete Politik, der den Emigranten und sonstigen Revo- lutionären gewahrte Schutz, die Ernennung GrocholStt'S, Gulochowskt's und Jirecek's, das Alles ist nach dem Jdeengange des genannten Blattes nur als Schachzug gegen Rußland zu betrachten.
Die Wiener „Abendpost" bemerkt zu dem von der Commission des böhmischen Landtages ausgearbeiteten Ausgleichs-Elaborate, daß durch dasselbe zum ersten Male ein diöcutirbares Substrat für die Verständigung ter staatsrechtlichen Opposition mit dem Reiche und den Königreichen und Ländern geschaffen wurde. Die Form der Verständigung könne naturgemäß nur eine konstitutionelle, verfassungsmäßige sein. Der vollständige ReichSrath werde diese nunmehr sormulirten Forderungen zu prüfen und über ihre Annahme oder Ablehnung zu entscheiden haben. Die Wiener Abendpost spricht die Hoffnung aus, die Absicht der Regie- rung, durch Herstellung eines vollständigen ReichSratheS unter freier Uebereinstim- mung aller Stämme die innere Consolidirung der Monarchie definitiv zum Abschlüsse zu bringen, werde überall die kräftigste Förderung finden, und zwar zunächst auch von jenen, welche wiederholt erklärt haben, einem verfassungsmäßigen Ausgleiche nicht zu widerstreben. DaS genannte Blatt sieht daher der weiteren ver- sassungsmäßigen Entwicklung der Derfaffungsfrage im ReichSrathe mit vollster Beruhigung entgegen.
Aus einem Briefe aus Sydney (Australien), 10. August, wird uns folgende Stelle mitgetheilt: Hier hat sich die Bevölkerung (während des Krieges) sehr patriotisch bewiesen, d. h. die Deutschen; die Eng'-änver und besonders die Zrländer waren sehr feindlich. Ebenso feindlich ist stets die Presse gewesen und ist jetzt noch so. Man sollte von Deutschland aus dafür sorgen, daß ein tüchtiger Consul, vom Staate besoldet, für jede Colonie ernannt werbe; ein Mann, der die Ehre der deutschen Flagge aufrecht zu erhalten weiß. Wir brauchen einen solchen Mann höchst nothwendig. Dor zwei Tagen war hier ein großes Diner, vom Parlament zu Ehren des neuen Gouverneurs von Queensland gegeben. Der französische Consul war, wie gewöhnlich, eingcladen, der deutsche, ober vielmehr preußische, nicht. Ich bemerke Ihnen dies nur, um zu zeigen, wie man das neue Reich behandelt. (Frkf. Jour.)
Berlin, io. Oktober. Den jetzt hier eröffneten Verhandlungen mit dem französischen Finanzminister Pouyer - Quertier, wird eine Dauer von fünf Tagen in Aussicht gestellt und zweifelt man nicht daran, daß dieselben, da sie von unse- rer Seite Minister Delbrück führen wird, einen guten und beide Theile befriedigenden Verlauf nehmen werden. Man nimmt an, daß die Thronrede zur Eröffnung des Reichstages die Erledigung der Angelegenheit werde anzcigen können, wobei selbstverständlich vorausgesetzt wird, daß Frankreich nicht im letzten Augen- blicke mit neuen unzulässigen Schwierigkeiten und Forderungen hervortreten werde. — lieber die Instructionen, welche der Präsident der Republik Herrn Pouyer- Quertier erthcilt hat, meldet ein Telegramm der „Times" : Das Beglaubigungs- schreiben, welches der Präsident der Republik dem Finanzminister mitgiebt, verleiht vem Herrn Pouyer-Quertier den Charakter eines Bevollmächtigten, um mit der deutschen Regierung zu verhandeln, und überläßt die Aufgabe, eine Convention behufs Räumung der sechs Departements abzuschließen, vollständig seiner Vorsicht, seiner Sachkenntniß und seinem Patriotismus. In diesem Briefe verpflichtet sich die französische Republik, ein jedes Abkommen, welches etwa zwischen der deutschen Regierung und dem französischen Bevollmächtigten abgeschlossen werden wird, an- zunehmen und zur Ausführung zu bringen. — Herr Pouyer-Quertier, in dessen Begleitung sich auch der französische General-Steuerbircclor befindet, soll den Wunsch haben, die Reichsregierung dahin zu vermögen, daß sie die für die vierte Halb- Milliarde kingehenoen Wechsel bis zum Verfalltermin im Portefeuille behalte, we.l das unmittelbare Discontiren derselben an den Börsen Frankreich einer Handelsoder wenigstens einer Geldkrisis aussetzen würde, welche auf Erfüllung der späte- ren Verbindlichkeiten höchst nachtheilig wirken könne.
Berlin, 10. Oktober. Fürst Bismarck hat gestern Nachmittags 2 Uhr dem französischen Finanzminister Pouyer-Quertier einen Besuch abgestattet. Heute Vormittag begab sich Graf Arnim mit dem Reichskanzler zu Pouyer-Quertier. — Der Kaiser wird heute Nachmittag einer Sitzung des Ministerraths präsidiren. — Der Kronprinz trifft zur Eröffnung d»s Reichstags hier wieder ein.
Berlin, 10. Oktober. Die kirchliche October-Versammlung ist heute Vormittag eröffnet worden. Zum Vorsitzenden wurde Staatsminister a. D. v. Beth- mann-Hollweg gewählt. Die Versammlung bericth über das Thema: „Was haben wir zu thun, damit unserem Volke ein geistliches Erbe aus den großen Jahren 1870 und 1871 verbleibe?" Während der Rede Ahlefeld'S aus Leipzig erschien der Kaiser in der Versammlung.
t Berlin, 10. Oktober. So weit es bis jetzt bestimmt ist, wird der Kaiser in Person am künftigen Montag den Reichstag eröffnen.
Berlin, 10. Oktober. Man bestätigt zuverlässig, daß das Deutsche Reich vorläufig keine Consuln, weder französische noch andere, in Elsaß-Lothringen zu- laffen wird.
Berlin, 11. Oktober. Die Minister Camphausen und Delbrück besuchten gestern Nachmittag Pouyer-Quertier. Heute Vormittag hatte derselbe eine Con- ferenz im auswärtigen Amte und wurde Mittags 1 Uhr vom Kaiser empfangen. — Der Kaiser wird den Reichstag in Person eröffnen.
München, 10. Oktober. Wie verlautet, ist im gestrigen Ministerrath be* schlossen worden, daß die Beantwortung der Interpellation Herz wegen der Haltung Der Regierung gegenüber der Kirchenfrage morgen (Mittwoch) erfolgen solle. — Der König hat den Profrssor Dr. v. Pozl, langjährigen Präsidenten der Abgeordnetenkammer, zum lebenslänglichen ReichSrath ernannt. General v. d. Tann bat, gutem Vernehmen nach, Die ReichsrathSwürDe abgelchnt.
München, 11. Oktober. Die in der heutigen Sitzung Der Abgeordnetenkammer erwartete Beantwortung Der Interpellation Herz ist noch nicht erfolgt. — Der König ist wieder hier cingetroffen.
Stuttgart, 9. Oktober. Wiederholt wird versichert, daß Bischof Hefele entschlossen fei, für den Fall sich zurückzuziehen, daß man ihn von Seite der Curie nöthgen wollte, Die Professoren Der katholisch-theologischen Fakultät in Tübingen zur Anerkennung Des Jnfallibilitätscogmas aufzuforDern und für Den als sicher vorauszusehenDen Fall ihrer Weigerung sie zu cxcommuniciren. Wir sehen Die moralische Nothwendigkeit dieses Schrittes nicht ein , nachdem Hr. Hefele einmal zur Verkündigung des Dogmas sich herbeigelassen. Wer A gesagt hat, kann auch B sagen.
Paris, 8. Oktober. Bekanntlich war in Lyon der Laden des PfeifenhändlerS Jahr, welchen der jetzt eingegangene „Antiprussien" in jeder seiner Nummern Der Rache DeS Pöbels Denuncirte, von Volkshaufen gestürmt worDen. Jahr, der sich gegenwärtig in Paris befindet, weil man in Lyon Todesdrohungen gegen ihn ausstieß, hat die Stadt Lyon für seine Verluste und für Die, welche er noch erletDen wird, verantwortlich gemacht. Der gerichtliche Antrag Des Actes, Den er Dieser- halb Dem Maire von Lyon zugestellt hat, lautet:
Der Herr Jahr hat sich vergeblich an Den Polizei-Commissar feines Viertels, an Den Maire Der Stadt Lyon und an den Präseclen Der Rhöne gewanDt, damit die Zusammenrottungen aushören. Am 25. Sept, zerbrach man Das Spiegelglas Der Ausstellfenster feines Ladens, und jeden Augenblick erfolgten Injurien, Drohungen, selbst Todesdrohungen. Die von allen diesen Thatsachen in Kenntniß gefetzte Stadt Lyon that nichts, damit dieselben aufhören, und ließ auch die Spiegelscheiben nicht wieder einsctzen. Der Herr Jahr kann nur gegen die Verletzung des Völkerrechtes protestiren und gegen das, was in dieser Hinsicht geschehen ist. Ohne daß er es nothwendig hat, weist er alle gegen ihn gerichtete Angaben zurück. Er hat nicht gegen Frankreich gedient; er war nur immer ein Kaufmann, der sich mit seinem Handel beschäftigte und ihm Ehre machte. Da in dieser Lage das Leben des Antragstellers und seiner Familie in Gefahr war, so erklärt er der Stadt Lyon und dem französischen Staat, daß der Schutz, den man ihm wie Jedermann schuldig ist, nicht ausreichend war, weil Die Polizei sich darauf beschränkte, fernen Laden vor Der gewöhnlichen StunDe schließen zu lassen, er seinen Laden vollständig schließen wird, bis die Stadt Lyon diesen hat repariren lassen, und bis ihm Der Schutz gesichert sein wird, indem er zugleich alle Vorbehalte macht, um die Vergütung Des SchaDenS zu reklamiren, welchen er gehabt hat und noch haben wird.
Paris, 10. Oktober. Der Deputiere Lanfrey ist zum bevollmächtigten Gesandten Frankreichs in der Schweiz ernannt worden. Auf den Wunsch des Prinzen von Joinville ist sein Sohn, Der Herzog von Penlhievre, Schiffs-Lieutenant in der amerikanischen Marine, vorläufig ermächtigt worden, in Der französischen Flotte zu Dienen, ohne Besoldung noch Anspruch auf Avancement. Die National-Ver- sammlung soll endgültig über seine Stellung verfugen.
Prag, 10. October. Landtagssitzung. Das Nationalitätengesetz, sowie Der Gesetzentwurf, betreffend die LandtagSwahlordnung, werden in zweiter Lesung nach oen Anträgen Der Commission angenommen. Hierauf wird Der Adreßentwurf fammt Beilagen (Fundamentalsätze) bei namentlicher Abstimmung in Dritter Lesung einstimmig angenommen. Auf Antrag Rieger'S wird constatirt, daß zwei Drittel lämmtlicher Landtagsmitglieder für Die Commissionsanträge gestimmt haben.
Wien, H. October. Der niederösterreichische Landtag nahm den Antrag auf Vornahme der Wahlen für den ReichSrath, aber nur für Den verfassungsmäßig berufenen legalen ReichSrath, an.
Newyork, 10. Oktober. Die Feuersbrunst in Chicago ist in Folge Des an» haltenden heftigen Regens erloschen. Viele Gebäude wurden, um Die Fortschritt! des Feuers aufzuhalten, gesprengt.
Newyork, 10. Oktober. Der durch die Feuersbrunst in Chicago verursachte schaden wird, soweit zu übersehen ist, auf 200 Mill. Doll, geschätzt. Verschicdene Städte sandten zahlreiche Vorrätde an Lebensmitteln und Kleidungsstücken. Unter Den Trümmern wurden bis jetzt 40 Leichen gefunden; acht Personen, welche zu plündern versuchten, wurden ausgehängt.
Vermischtes.
Stuttgart, 8. Octobcr. Seit mehreren Tagen bildet hier das plötzliche Verschwinden det Obersten des 7. Infanterie-Negiments, v. Nampacher, das Tagesgespräch und erregt nicht gering« Sensation. Er gehörte mit seinem Regiment zur 1. Infanterie-Vugade, welche an dem Treffen von Paris am 30. Nov. und 2. Dec. 1870 rühmlichen Antheil genommen. Oberst v. Nampacher hatte vom Deutschen Kaiser die Auszeichnung des Eisernen Kreuzes 1. Elaste erhalten. Sei! einigen Wochen erschien derselbe, waö auch schon früher vorgekommen sein soll, in einer starken nervösen Aufregung, doch diesmal in so hohem Eirade, daß man eck sich nicht zu erklären vermochte. Da mit ihm seine Pistolen verschwanden, so vermuthete man von Anfang an, er möcht« in seiner trüben Stimmung selbst Hand an sein Leden gelegt haben. Dies hat sich denn auch gestern bestätigt, indem man die Leiche in einem Walde bei Feuerbich mit zerschmettertem Haupl auffand, lieber die Motive zu dieser räthselhaften That schwebt noch ein geheimnißvolles Dunkel.
Blätter aus Batavia schildern eine entsetzliche Narurbegebenheit, die sich auf der im malayischeu Jnselmeer, 50 Meilen nordöstlich von Celebes, gelegenen Insel Tagolanda zugetragen. Der dorlige, seit langer Zeit ruhende Vulcan Burrang hatte nach einem vorhergegangenen Erd beben, das an sich schon bedeutende Verwüstungen ungerichtet, wieder zu ipeien angcfangen. Sein Ausbruch war ein überaus heftiger. Unter dumpfrollendem, weithin auf den Nachbarinseln hörbarem Getöse hatten sich mehrere Krater zugleich geöffnet, das Meer war plötzlich in die wildeste Aufregung gerathen und als Folge davon eine wohl 40 Ellen hohe Wafferwoge mit rasender Schnelligkeit herangewälzt gekommen, auf ihrem Weg Menschen, Häuser und Tbiere von der Oberfläche der Insel weafegend. Aus jedem Krater qualmten ungeheure von electrischen Flammen durchleuchtete Rauchsäulen in deren Umhüllung glühende Felsstücke rc. hoch in die Luft geschleuderi wurden. Um den Berg herum bildeten sich tiefe Erdriste, an anderen Stellen häuften sich du ! ausgeworfenen Lavamaffen zu thurmhohen Hügeln. Auch wurde während dieses Kreißens des Erd- । innern ein kleines Eiland aus dem Meer emporgehobcn. Bei der Ueberfluthung kamen 416 Men- 'scheu ums Leben, so daß die Insel jetzt ganz menschenleer ist.
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