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Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Kießen.
Nr. 23K. Freitag den 13. Oktober 1S71.
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Abonnenten, welche den Anzeiger bet der Expedition abkoien lagen, erhalten denselben für das IV. Quartal 1871 m i fl 11KM1 MMr'nm ar» fw—11i j». jj Amtlicher L d e i l.
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Slkßcn, am 10. Dctober 1871.
Betreffend: Die Anstellung eines neuen Rechners für die Landjudenschaft der Provinz Oberhessen.
12. October.
von Frieden
zu reden, so
an die Vorstände der israelitischen Religions-Gemeinden des Kreises Gießen.
Wir setzen Sie davon in Kenntniß, daß an die Stelle des abgetretenen Rechners Nathan Heß dabier ivr (?rpia^fr» Karl Grüneberg dahier zum Rechner der Landjudenschafl für die Provinz Oberhessen ernannt worden ist. skasse-Rechner
____ _______ v. Starck.
Die „Correspondance de Berlin" fordert in ihrer letzten Nummer die fran- zöfische Regierung nochmals auf, die Ehrenwortfrage endlich zum Austrage zu bringen, da es gegenüber dem unaufhörlichen Geschrei nach Rache jenseits der Vogesen für Deutschland von Wichtigkeit sei, zu wissen, ob bezüglich des dem Feinde gegebenen Ehrenwortes die Ansichten des französischen Gouvernements und der französischen Armee übereinsiiwmend seien mit den hierüber bei anderen Re- gierungen und Armeen bestehenden Auffassungen, und ob es darnach noch möglich sei, das Ehrenwort eines französischen Offiziers als Garantie zu acccptiren. Dem von dem Revisionscomitt, bezw. von dem General Ehangarnier ausgesprochenen „Tadel" gegen alle Offiziere, welche ihr Ehrenwort gebrochen haben, scheint die „Eorrespontance de Berlin" kein besonderes Gewicht beizumcffen, denn an die Worte in dem Bericht des Generals Ehangarnier: Wir haben die feste Hoffnung daß unsere Armee ihre Traditionen des Zartgefühls und der Ehre wietersinden werde" — fügt sic die Bemerkung, es müsse zweifelhaft erscheinen, daß die zahlreichen Ossiziere, welche wahrend des Krieges jene Traditionen verloren hätten, die französische Armee in dem Wiedersinden derselben unterstützen würden.
Man schreibt der „A. Ztg.": Es mag gerade gegenwärtig nicht überflüssig sew, an die weit verzweigte Verbreitung des Jesuitenordens in Deutschland zu erinnern. Dlr Jesuitenorden zählt zur Zeit in Deutschland folgende Häuser, und zwar je eines in Maria Laach, Paderborn, Köln, Koblenz, Mainz, Gorheim in Sigmaringen, je zwei in Bonn, Aachen und Münster in Westfalen. Dazu gehört auch das Pensionat zu Feldkirch in Vorarlberg, welches zwar auf österreichischem Gebiete gelegen, ober zur deutschen Ordensprovinz gezählt wird. Das Haupt des Ordens im deutschen Reiche ist gegenwärtig der Provinztalpater Eiemens Faller, der zwar einen deutschen Namen hat, aber ein geborener Franzose ist, welcher der deutschen Sprache beinahe nicht mächtig und von einem Verständniß für deutsches Wissen und Streben keine Spur hat.
Die „France" meldet, daß der Pastor der »eformirten Gemeinde in Metz, töubür, einer der letzten Nachfolger des Naturforschers, feinen Glaubensgenosien Lebewohl gesagt habe, da er nicht mehr in der unglücklichen Stadt wohnen möge, welche das Kriegsglück den Preußen überliefert habe.
Der „Soir" schreibt: In Folge einer Uebereinkunft mit dem Kanzler des deutschen Reiches hat der Finanzministcr, im Einverständniß mit seinem Eollegcn des auswärtigen Amtes, beschlossen, daß alle deutschen Handelsleute, Industriellen : oder Handelsreisende, welche in ihrem Lande rechtmäßig palentirt sind und welche nach Frankreich kommen, um Ankäufe zu machen oder Bestellungen anzunehmen, i keine neuen Handelspatente zu zahlen hatten. Ein Rundschreiben, in diesem Sinne i "digirt, ist an alle Präfecten gesandt worden. Es versteht sich von selbst, daß, dieses Uebereinkommen auf Gegenseitigkeit beruht und daß die in Deutschland ( lktsenden französischen Kaufleute denselben Bortheil genießen. i
ö« wird behauptet, Napoleon 111. wolle wieder Berufung an dos französische ’ Volk einlegen, um, wenn, wie auf der Hand liegt, ihm das Plebiscit verweigert j lverde, einen plausiblen Grund zu haben, eü«r zweite Auflage vom 2. December । iu veranstalten. Um dem vorzubauen, hat die republikanische Presse einen Feldzug < 0f0fn das Plebiscit überhaupt und gegen den Erwählten der Millionen insbefon^ i D,re "öffnet. So beginnt das „Siecle" feine Polemik mit folgenden Bekennt- ' aiffen: Es gab unter dem Kaiferthum eine bezahlte Presse, welche viel Fleiß ver- | Endete, um die kolossale Betrügerei des Plebiscits zu unterstützen. Wie die ge- j lehrte Maschine der Berufung an das Volk arbeitete, ist bekannt. Mit Hilfe der i faustfertigen Präfecten, der Preßprozeffe, Beschlagnahmen, der Einschüchterung und , der Lüge ergab das Plebiscit, was man wollte: sieben Millionen „Ja". Wer , “’n Ja stimmte, glaubte für den Frieden zu stimmen; man hatte cs ihm gesagt, l L-rei Monate darauf wurde Deutschland der albernste Krieg erklärt, den jemals i ein Bonaparte unternommen hatte. Der Kriegsminister erklärte, er sei bereit, bviuc gry lunffacb bereit; der Siegelbewahrer fühlte sich leichten Herzens und die bereits auf! Flucht ist ven Boulevaids bekannten weißen Bloufei
Drille mit dem Rufe: Nach Berlin, nach Berlin! Wagte Jemand schüchtern Tv" rftfn' er ^kfahr, für einen verkappten Preußen zu gelten.
Die Dynastie brauchte eine Auffrischung durch den Krieg und eine ausgiebige Ernte von Geldern, um das finanzielle Gleichgewicht, das immer schwankender wurde, htrzustellen, um fen Mißvergnügten, welche über di- cfftcieOen SerfetlcuCerunaen den Mund zu stopfen, die jener ernstliche Mensch, jener wuchtige Minister, der sich Emile Ollivier nennt, noch nicht gewonnen hatte. So wurde der «lieg erklärt. Es ist bekannt, was von den Bersicherungen de« Kriegsminister« " -öeovf zu halten war, der am Vorabend de« Kampfe» erklärte: Und dauert der Krieg ein Jahr, wir brauchen keinen Gamaschenknopf zu kaufen! Allerdings an Gamafchenknovfen fehlte es nicht, kein C°rp«führer hat während der Dauer Gamalchenknopfe verlangt, aber an Leuten fehlte es und man sah in den Registern ecltoten ansgettihrt, welche da« Regiment niemals gesehen hatten: aber an Mu- niliun und an Brod sehlte es, und unvergeßlich bleibt die Depesche de» Generalis- tmu« Napoleon« III., worin ungefragt wurde, ob man nicht da» Brod von Paris schicken könne; aber auch an Zelten, Pferden, Landkarten fehlte es, und der un- fltljture Sturz, der Frankreich mit Trümmern überschüttete, wird bezeugt durch Depeschen von Offizieren und Corpsführern, welche in den „Papieren der Tuilerien" veröffentlicht werden. Wa» soll man von der Sorglofigkeit des Generalissimus sagen, der etnft einen Dorfmaire fragte: Können Sie mir wohl sagen, wo die Armee tß? Und dieser Generalissimus heißt Bonaparte und er war in Folge ce» Zaubers seine« Rumen» mit blutbrspritzten Füßen aus den Thron gestiegen!
Wahrend alle Pariser Blätter »oll sind von neu un da« Tageslicht treten- cen bvnapartlsttschen Umtrieben, von dem Napoleonischen Journal „l'Ordre" und von der Kühnheit k>« Herrn Duvernoi», der es redtgirt, ist das kaiserliche Leib- Journal „La Situation" in London still zu Grabe gegangen
Unter der Ueberschrist: „Was heißt französische Transportation bringt Vie "e,n6.cfünDI" °°n -'nem französischen Republikaner, worin derselbe den in Frankreich wie im Auslande weit verbreiteten Glauben, daß Deportation nach einer Festung, wie in letzterer Zeit der Urtheilsspruch der fran- zosischen Kriegsgerichte häufig lautete, keine so fürchterliche Strafe involvire, zu benihmen sucht. Thut|ache set, daß diese Transportation nicht nach Neuealedonien, sondern nach Eapenne in französisch Guiana stattfinde, dessen Klima todtiicher al» das von Sierra Leone ist. „Deportation in eine entfernte Festung - bemerkt Oer. ttiniencer — ist mit größeren Leiden verknüpft, als der Uneingeweihte sich möglicherweise einbilden durste. Es tnvolvirt harte Arbeit unter einer 'engenden und mörderischen Sonne, unter den Augen von Aussehen,; körperliche Züchtigung, wenn da« geforderte Quantum Arbeit nicht geliefert wirk; täglichen Verkehr mit gemeinen Züchtlingen und ähnliche Behandlung wie die der letzteren; Kost der schliiiimsten Art, wie sie auf den Galeerenschiffcn von Brest und Rochefort verab- reicht wird; und brutale Behandlung von Seiten der Wachtmannfchaften, die ihr Mißvergnügen, wenn auch nur für einen kurzen Zeitraum nach Cayenne beordert zu fein, an den Gefangenen auslaffen. Eayenne — fahrt der französische Republikaner fort — ist an und für sich schlimm genug, aber es gibt noch einen andern Ort, der die Psefferselder und die Peitsche der Wächter an Entsetzen über- trifft. Die Igle du Diable ist fünfzehn Meilen von der Küste des französischen Guiana entfernt und verdienr wahrlich ihren Namen. Die Teusel«infel ist ein schmaler, sandiger Landstrich von etwa drei Meilen im Umfange und gleichmäßiger Oede. Nach einem Baum oder einer Quelle wird man vergeblich suchen Mi- naden von Moekitv's lassen die Deportirten bei Nacht nicht schlafen. Eine brennende Sonne strömt ihr Licht auf den trockenen Sand aus und verursacht eine unerträgliche Hitze. Zu einem Seebade — die einzige Hilfe gegen das Wetter — kann man kaum seine Zuflucht nehmen; Haie, die in den Gewässern von Guiana »n Menge vorhanden sind, werden durch die Leichen, welche zu begraben die Behörde sich nicht Vie Muhe gibt, angelockt und machen das Baden sehr gefährlich.
, »'".cht '.st an und für sich schon schwer genug, aber als weitere Vorsichtsmaßregel n zogen von der Madeleine nach der kreuzt eine Krtegsschaluppe um die Insel und vernichtet auf diese Weise die Hoff-


