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Gießener Anzeiger

Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Kielen

Mittwoch den 13. September

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1871

"^lorAvShrend sowohl bei der Expedition, Eanzleiberg B. 1, als auch vvtt -**<5*®® * bet allen Post-Expeditionen und den Land-Postboten entgegen genommen.

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Nach dessen Tode wurde Bravo selbst Ministerpräsivent und leitete mit Marfori, Pater Claret und Schweflet Patrocinio eine kurze Zeit die Geschicke des Landes, bis die Revolution von 1868 ihn mitfammt seiner Königin und deren Anhang aus dem Lande hinausfegt". In den letzten Monaten ging der frühere radikale Volkstribun zu der Partei des Don Carlos über, als dessen höchstberathendcr Minister in parlibus er den Zwiespalt im carliflischen Lager zum offenen Auö- Die alten Carlisten vom Schlage eines Cabreta, denen noch immer

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Herr Thiers hat bei einer Gratulationscour die Absicht ausgesprochen, Frankreichden ihm gebührenden Rang wieder zurückzugcwinnen", der erste be­scheidene Versuch einer Antwort auf Gastein-Salzburg. Bis jetzt verhielt er sich den herausfordernden Anstrengungen der zwei deutschen Großmächte gegenüber als ein kluger und durchaus ruhiger Zuschauer.Es ist noch nicht aller Tage Abend", denkt er, undwer zuletzt lacht, lacht am Besten". Frankreich hat ft ine Eile; zunächst bezahlt es feine Schulden und dann nous verrons. So fpeculirt Der französische Staatsmann. Mit dem Schuldenbezahlen ober eilt es ihm in der That, wenn folgende Berliner Nachricht der WienerPresse" (freilich einer unzu­verlässigen Quelle) ihre Richtigkeit haben sollte:Pouyer-Quertier proponirte auf Geheiß ThierS' dem deutschen Gesandten, Herrn v. Arnim, die Tilgung des Ge- sammtrestes der Kriegsschuld in Wechseln, successive zahlbar bis ultimo December 1871, und verlangte als Gegenleistung hiefür die vollständige Räumung fämmt- licher besetzten Provinzen Frankreichs."

Thiers soll auf Befragen über die auf die Räumung der drei Departements Seine, Seine et Oise und Seine et Marne bezügllchen Unterhandlungen geant­wortet haben:Wenn keine neuen, übrigens nicht vorauszusehenden Zwischenfälle stattsinden werden, wird diese Räumung in spätestens 14 Tagen vor sich gehen."

In Buchareft ist ein neues Zeitungsorgan unter dem TitelJugoslawin" (das Slawcnthum) gegründet worden, welche für die Errichtung eines südslawi­schen Reiches auf den Trümmern der Türkei und Oesterreichs im Sinne des Ge­nerals Fadiejew Propaganda macht.

Das Geschwader des russischen Großfürsten Alexis war auf der Fahrt nach Amerika am 7. September auf der Rdcde von Kopenhagen angekommen. Die Franzosen erwarten es auchan der Küste der Normandie" und hoffen eine Be­sprechung zwischen dem Großsürstcn und dem Präsidenten ThierS, der dorthin eine Inspektionsreise machen werde, in Scene gehen zu sehen, woraus aber natürlich nichts wecden wird.

Einer der charakterlosesten Staatsmänner, welche Spanien besessen hat, ist am 2. ds. in der Fremde gestorben: Luis Gonzalez Bravo, der letzte Minister­präsident der Königin Isabella. Er starb in Biarritz, sechSzig Jahre alt. Er be­gann seine Laufbahn als radikaler Politiker, war .ber 1843 schon so weit zu den ModeradoS übergegangen, baß er nach Olozaga's Rücktritt zum Ministerpräsidenten aufrückte und mit diktatorischer Gewaltthatigkeit regierte. Nach vierjähriger Amts- dauer mußte er weichen. Im darauf folgenden Iahrzchente stand er wieder auf liberaler Seite und übernahm 1865 das Ministerium des Innern unter Narvaez.

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Erscheint täglich, mit SuS nähme MontagS.

Expedition: Eanzleiberg Lit. B. Nr. 1.

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12. September.

t Die Zusammenkunft der Kaiser und Staatsmänner Deutschlands und tesierreichs in Salzburg wird von allen Seiten, und grwiß mit vollem Recht, als tin Ercigniß von der größten Wichtigkeit hingestellt; allein auch obne die B.deu- tniig eines vollkommenen Einverständnisses zwischen den betten mitteleuropäischen li.ichen irgendwie verkennen zu wollen, muß doch daran erinnert werden, daß der Sang der Weltgeschichte durch dergleichen fürstliche Zusammenkünfte niemals ge- fert worden ist. In keinem Falle aber kann die innere Politik durch solche Er- lignifie bedeutend beeinflußt werden, und am allerwenigsten wird die Ausbreitung hr social'stischen Bewegung in Deutschland dadurch gehemmt werden. Zwar wird in fast allen Blättern behauptet, auf der Kaiserentrevue in Salzburg seien nicht dies die Modalitäten der Abwehr in Bezug auf dieInternationale", sondern ,uch die mögliche Lösung der socialen Frage in Erwägung genommen worden, ibrr man vergißt dabei einmal, daß ein positives Vorgehen gegen die Inter- »alionale, deren Häupter auf englischem Boden conspiriren, nicht gut möglich ist Hin die Zustimmung Englands, die niemals zu erlangen sein wird, und anderseits hirf mit Sicherheit angenommen werden, daß in Salzburg keine Beschlüsse gefaßt lorben find, die indirekt den SocialiSmuS anerkennen würden, so weit er eben tine staatliche Berechtigung hat. Es mag vielleicht eine strengere Ueberwachung tu Arbeiter- und socialen Vereine, eine schärfere Handhabung der Strafgesetze pgen die Führer dec Socialvemokratie, ähnlich den Karlsbader Beschlüssen der sranziger Jahre in Bezug auf die politischen Umtriebe dec damaligen Zustände, in Aussicht genommen worden scin; aber eine positire Lösung der socialen Frage, |l h. ein Vorgehen gegen die Allgewalt der Kapitalsmacht, eine Verallgemeinerung

Vorzüge der Bildung und des Besitzes, ist in Salzburg sicher nichr vorbereitet dorten. Oesterreich und Deutschland können über dergleichen Dinge schon von lomherein keine übereinstimmenden Beschlüsse fassen, denn in Deutschland müßte £ii sociale Frage in ganz anderer Weise bcQanvtli n^^it </ls ni Onrercrich; mische Bundesregierung hat außerdem schon durch die Bestimmung über die Ver­linkung der KriegScontribution hinreichend bewiesen, daß ihr das Versiänoniß für In sociale Bewegung vollständig abgeht. Die ungeheuren Geldsummen, die nach kmtschlanv gebracht werden, dienen lediglich dem Militarismus und der Kapital- kocht; für höhere Gesellschastszwccke, für Humanitätseinrichtungen, für BildungS- galten u. s. w. sind dieselben mcht verwendet worden; man wird daher gut dun, sich keinen übertriebenen Erwartungen in Bezug auf die Beseitigung des malen Nothstandes hinzugcben, wenngleich in den nächsten Jahren die Fragen ir inneren Politik viel mehr in den Vordergrund treten werden als die äußere ^chtstellung der europäischen Staaten. Von der Wirkung der Salzburger Ueber- inlunfl wird daher vorläufig nicht viel zu verspüren sein.

Wie vollkommen ein Zusammengehen Deutschlands, Oesterreichs und Italiens m'gnct erscheinen würde, den Frieden von Europa aufrecht zu erhalten, erhellt ns dem militärischen Kraftmaß, das diese drei Staaten für ihren Beschluß ein- 'sitzen vermöchten gegenüber den Kräften, welche die einzelnen andercn Staaten, tip. ein Gegenbündniß Rußland-Frankreich wider sie aufzubringen im Stande tin würden. Deutschland verfügt zur Zeit über eine effective Streitmacht von 1,126,727 Mann. Oesterreich berechnet seine Wehrmacht auf 841,456 Mann, lallen besitzt eine Heeresstärke von 414,800 Mann. Tvatsachlich verfügen diese in Staaten demnach über eine Heeresmacht von 2,462,983 Mann. Rußland itsitzt dem gegenüber nach der neuesten eigenen EtatSangabe eine Streitmacht von 1,173,379 Manu. Frankreich hat während des letzten Krieges in keinem Abschnitt gelben faktisch Vie HeereSziffer von 600,000 bis 800.000 Mann überschritten UD möchte mit der äußersten Anstrengung seiner Kräfte vielleicht 1,000,000 Mann Leiter unter Vie Waffen bringen. Auch Rußland uno Frankreich vereinigt wür- hn sich demnach jener Coalition nicht gewachsen erweisen. England endlich besitzt Jin ßehendeS Heer von für dieses Jahr 126,000 Manu, und kann incl. Milizen HD Freiwilliger etwa 300,000 Mann aufstellen.

t 3" Bezug auf die Vorlagen, welche dem nächsten deutschen Reichstage Macht werden sollen, erfahren wir von unterrichteter Seite, duß an dem alten Wmbrtan in der Preßgesetzgebung nicht im geringsten gerüttelt werden wird, vmntlich fürchtet man sich in den Kreisen des BunveSraths ganz besonders vor hin Wegfall der Caution und der daraus emporwachsenden Arbeiterpresse.

Die Socialdemokraten entwerfen bereits ihren FeldzugSplan für die nächste

sowohl gegen die betreffende Regierung wie grgen die Concesfionäre vorzugehen. Die Interessenten haben sich unter der Adresse R. E. P. Hauptpostamt poste restante mit einer Einlage von 15 Sgr. Briefmarken bei dem Comite zu melden.

DieDeutsche Turn-Zeitung" enthält folgenden Aufruf:

An die deutschen Turner!

Der Friede ist dem Vaterlande wiedergegeoen, dazu haben die deutschen Turner im siegreichen Kampfe ihr redliches Thril beigetragen. Der große Einfluß des deutschen Turnens auf die Entwickriung der gefunden Wehrkraft des Volkes ist allseitig anerkannt, das Turnen hat sich seine Stelle in der Reihe der deut­schen Volkserziehungsmittcl endgilt'g errungen!

Der zum crstenmale seit dem Kriege versammelte GcsammtauSschuß der deut­schen Turnerschaft gedenkt vor Allem der zahlreichen Opfer des Kampfes, die deutsche Turnerschaft wird ihreTodten nicht vergessen, und als deren Dermäcktniß lebe in der Gesammthcit und in jedem einzelnen Turner fort und fort treue Liebe und Hingebung zum Gesammtvaterlande, fester ManneSmuth, und in den Vereinen der durch unermüdete Turnarbeit gefestete Sinn für Zucht und Ordnung!

Es gilt nun , diese alte Turnarbeit mit voller Kraft wieder aufzunehmen! Noch ist das Turnen nicht wahres Gemeingut aller Kreise des Volkes ge­worden , noch turnen bei Weitem nicht alle Schulen, noch halten sich Tausende und aber Taufende von Jünglingen den Turnstätten fern, noch kennen viele Männer nicht den Segen unserer Arbeit für Erhaltung einer frischen, fröh­lichen Lebenskraft, noch hat, zumal in Oesterreichs die Turnsache die Aufgabe zu erfüllen, das Deutschthum im Kampfe für seine naturgemäße, freie Entwickelung unter schwierigen Verhältnissen zu unterstützen!

Also treu an das Werk, so weit deutsche Männer wohnen! Die Arbeit liegt weit und groß vor uns, aber beizutragen zur Wahrung deutscher Kraft und Sitte, ist der treuesten Ausdauer werth.

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Der Ausschuß der deutschen Turnerschaft.

^ichötagscampagne und derVolksstaat" gibt an die Parteigenossen folgende ^rvle aus: Da der deutsche Reichstag wahrscheinlich schon in 45 Wochen zu- ^mentritt und es dringend nothwendig erscheint, daß die zahlreichen Maßrege- liagtn unserer Parteigenossen in demselben zur Sprache gebracht werden, so ersuchen Ür dringend, alles auf diese Maßregelungen (Einsperrungen, Haussuchungen, Aus- Itifungen rc.) bezügliche Material, namentlich auch die Denunciationsartikel der Bourgeois- und sonstigen ReactionSprcsse, die zu den betreffenden Maßregelungen lkwokirten, unfern ReichStagSabgeordneten möglichst bald und in möglichster Voll-i bnmenheit zugehen zu lassen, damit den Gegnern der Socialdemokratie von der! tiibüne des Reichstages herab die verdiente Berücksichtigung zu Thril werden kann, bruche brachte. _

Um die Inhaber von rumänischen Obligationen vor dem gänzlichen Verlust eine, wenn auch qu.xot.sche R,t erilchkett mcht abzusprechen war, wollten mit dem frei Einlagen zu schütze», hat sich in Berlin ein anonymes Comite gebildet, Ueberläufer und seinen frommlertschen Genossen und Genosstnnen mchtS zu thun brlches beabsichtigt, mit Hilfe der Diplomatie, der Presse refp. des Civilgericht» haben und kündigten ihremlegitimen Herrscher den Gehorsam auf.