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Darmstadt, 8. Juli. Der Stadt Lich war nach Abschluß der Militär- convention vom Jahre 1867 eine Garnison in Aussicht gestellt worden. Später verwirklichte sich dieses Projcct nicht, unv das 1. Iägerbataillon, dem Lich als Garnison angewiesen werden sollte, wurde nach Gießen verlegt. Der Stadt Lich Waren hierdurch Kosten erwachsen, welche sich auf 1630 fl. belaufen. Die Stadt machte daher Entschädigungsansprüche an den Staat. Nach einem heute gefaßten Beschluß der zweiten Kammer ist dieser Betrag der Start Lich zu vergüten. Die Kammer erledigt hierauf die Rccommunication des anderen Hauses über das Con- solivationsgesetz, sowie diejenige über das NeichSgesctz, betr. den UntcrstützungS- Wohnsitz. Es verdient bemerkt zu werken, daß die Kammer, entgegen den Be­schlüssen der ersten Kammer, den früher von ihr aufgestellten Grundsatz aufrecht erhält:Die Kosten der öffentlichen Armenpflege gehören zu den GemeindeauSgaben dritter Classe." Ebenso bestand die Kammer darauf, entgegen dem verminenden Beschlüsse der ersten Kammer,daß die Vorsteher milder Stiftungen gehalten sein sollen, den Armencommissionrn aus Verlangen Auskunft über gewährte Unter- stützungcn zu enheilen." Bezüglich des ElnführungSgesitzeS des Strafgesetzbuchs des norddeutschen Bundes. so weit sich dasselbe auf die Pol'zeistrafgefttzglbung be- zieht, ergeben sich keine Differenzen zwischen den beiden Kammern. Die Hinaus- gäbe des Gesetz s, welche die Regierung veranstalten will, soll, nach den Beschlüssen der Kammern, als keine officielle angesehen werden. Die Kammer gab hierauf ihre Zustimmung zu dem Antrag der Abgg. Keil, Wodsak und Zimmer, die Re- gierung zu ersuchen, die zum Ankauf und Wiederverkauf von Zuchtstuten für die Iihre 1870 unv 1871 vorgesehenen Mittel den lanvwirthschaftlichen Provinzial- V reinen als Zuschuß zu ihrer Dotation zuzuwenden. Der Antrag des Abg. Dernburg:den Schulamtsaspiranten, welche sich in der mobilen Armee befanden, den ihnen für die Dauer des Krieges entgangenen Gehalt aut der Staatskasse zu vergüten", wurde gegen 11 Stimmen abgelehnt; dagegen soll den Verheiratheten, wie die Kammer beschloß, eine solche Vergütung gewährt werden. Von der Bundesregierung wird demnächst an Hessen die Summe von 85,000 Thalern be­hufs Unterstützung hulfsbeLürftiger Landwehrmänner und Reservisten ausbczahlt werden, wie durch den in der heutigen Sitzung der Kammer anwesenden Ministerial- rath v. Lehmann mi'tgethcilt wurde. Hierdurch erledigt sich ein hierauf bezüglicher Antrag der A"gg. Finck, Goldmann unv Hallwachs. Unter den neuen Eingaben, welche heute eingebracht wurden, erwähnen wir eine Anforderung der Regierung im Betrage von 13,900 fl. behufs Erhöhung der Dotation der polytechnischen Schule, sowie einen Antrag des Abg. Kraft , durch welchen die Kammer ersucht wirv, Verwahrung cinzulegcn gegen die Berathung des Budgets von 1872 auf 1875 auf diesem Landtag. Die Kammer vertagte sich hierauf auf unbestimmte Zeit.

Darmstadt, 10. Juli. Seine Großherzogliche Hoheit der Prinz Carl und Ihre Königliche Hoheit die Fräu Prinzessin Car! haben dem Commandcur des 4. Infanterie-Regiments die Summe von 1000 fl. mit der Bestimmung gnä- digst zu überweisen geruht, daß aus den Zinsen dieses Capital- an etwa zwei, dem Regiment im Andenken verbleibenden Tagen Unterstützungen an bedürftige Unteroffiziere und Mannschaften des Regiments nach dem Ermessen des jeweiligen RegimentS-Commandcurs vertheilt werden sollen.

Se. Königliche Hoheit der Großh.rzog haben mittelst Allerhöchster Ent­schließung vom 7. d. MtS. mit Allergnävigstem Danke diese patriotische unv segensreiche Stiftung und in dessen Folge weiter zu genehmigen geruht, daß die Zinsen des StiftungS-Capitals an den zu VertheilungStagen vorgeschlagenen Ge­burtstagen der höchsten Geber, am 23. April und 18. Juni jeven Jahres zu den bestimmungsmäßigen Unterstützungen verwendet werden.

Darmstadt, 11. Juli. Bei der am 7. l. MtS. stattgefundenen Wahl eines Abgeoronrten für den 12. Wahlbezirk wurde an Stelle des seitherigen Abgeordneten, Oikonomieraths Dr. Krämer, der Großherzogl. Bürgermeister Keil zu Melbach mit 16 Stimmen zum LandtagSabgeoreneten gewählt. 11 Stimmen fielen auf den Großy. Provinzialvirector Freiherrn v. Starck zu Gießen, 1 Stimme auf Heinrich Bausch zu Nieder - Wöllstavt.

Darmstadt, 11. Juli. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben mittelst ÄU.ryöHster Entschließung vom 29. v. Mrs. den Obersteuerrath Ottmar Göring zum vortragenden Rath in dem Ministerium der Finanzen unter Verleihung des Charakters als Geh. Finanzrath zu ernennen, und mittelst Allerhöchster Ent­schließung vom 1. l. M. den Oberzoll.Iaspector des Hauptzollamts Gießen Carl Müller zum Rath bei der Ober-Steaer-Direction mit dem Amtsutel alsOber- steuerratd" zu befördern geruht.

Ems, 9. Juli. Im Gefolge des Kaisers Wilhelm befindet sich u. A. General v. Povbielski, nach Hrn. v. Roon bekanntlich die wichtigste Persönlichkeit im Kriegsministerium. Die Zahl der in ErnS befindlichen Kursremven beträgt jetzt gegen 8000. Noch nie hat Ems eine so glänzende Saison gehabt. Morgen wird der ä teste Sohn des Khidive von Aegypten mit großem Gefolge hier er- wartet unv wirv verselbe in denVier Thürmen" sein Absteigequartier nehmen. In der nächsten Woche werden große Festlichkeiten, Balle, Coneerte rc., stattfinden; u. A. auch ein großes Concert von Prof-ssor August Wilhelms zum Besten der deutschen Invalivenst^ftung.

Ems, 10. 3 di. Wie verlautet, wird der Kaiser dieser Tage Revue über die Besatzung von Coblenz, die gestern unter rauschendem Empfang dort einzog, halten. Der Kaiser von Rußland wirv zur Begrüßung ves Kaisers wieder auf zwei Tage hierherkommen. Auch der König von Bayern, der König von Sachsen und der König von Württemberg werden hier erwartet. Ein österreichischer Cc>- binets-Courier mit einem eigenhändigen Schreiben des Kaisers von Oesterreich soll soeben hier eingetroffen sein. Die Beziehungen zu Ocst.rreich sinv überhaupt die besten und wird man bald Interessantes darüber hören. In gutunterrichteten Kreisen bört man, daß nach abermaliger Bezahlung einer größeren Summe der Kriegsschuld die deutschen Truppen höchstens bis Mette August Frankreich gänzlich räumen werden. Die Verhandlungen darüber sind im Gange.

Berlin, 10. Juli. Se. Majestät der Kaiser hüt sich am Sonnabend Abend 9 Uhr von hier nach Ems begeben, jedoch nicht, wie ursprünglich beabsichtigt war, über Hannover, sondern über Kassel unv Frankfurt. In Frankfurt traf Se. Ma- jestät Morgens 8-^ Uhr auf Vem Main-Weser-Bahnhofe ein, infp cirte die Garnison und sctz-e um 9 Uhr die Reise nach Wiesbaden fort, wo der Kaiser um 10 Uhr onlangte, begrüßt von dem Prinzen Karl, den Spitzen der Behörden und einer zahlloftn Volksmenge. Der Kaiser fuhr durch die festlich geschmückte Stadt in schloß und nahm um 12 Uhr lie Parade über die dortige Garnison ab, wobei er den Offizieren unv Solvaten für ihre Leistungen im Felde seinen Dank aussprach. Nach vem Diner beim Prinzen Karl setzte Se. Majestät die Reise nach Ems fort unv traf dort unter dem Jubel einer zahlreichen Menschenmenge um

83/i Uhr ein, am Bahnhofe begrüßt von dm dort anwesenden fürstlichen Personen und den Spitzen der Behörden. Abends war die festlich geschmückte Stadt und vie umliegenven Höhen brillant beleuchtet.

Der im October v. I. durch den Krieg verhinderte VereinStag der deutschen Vereine zur Pfl ge im Felde verwundeter und erkrankter Krieger wird in diesem Jahre, und zwar in der zweiten Hälfte des Monats October, zu Nürnberg ab- gehalten werden. Eine nähere Mittheilung darüber behält sich das Central-Comite noch vor.

Berlin, 10. Juli. Seit geraumer Zeit kommen vielfach Geldsendungen von Frankreich hier an, sie beziehen sich aber nicht auf die eigentliche Kriegsschuld. Da vie Verpflegung der Occupations - Armee größtenteils von Deutschland aus geschehen muß; so gehen auch die Verpflegungsgelver, die Frankreich zahlt, hier, resp. in München und Stuttgart ein. Zu ihrem eigenen Schaden sträuben sich die französischen Kaufleute, mit den deutschen Lieferanten Geschäfte zu wachen und darum bleibt nichts übrig, als die Hasptvorräthe von Deutschland und dem deutschen Hinterlande zu beziehen. Sehr bedeutende Quantitäten Mehl, Hülsen­früchte und Fleisch kommen von österreichischen Großhändlern an die deutschen Lieferanten.

Breslau, 10. Juli. Die Berathungen des Iournalistentages wurden heute Nachmittag 3 Uhr geschlossen, nachdem die Tagesordnung erledigt war. Sonne­mann dankte in einer Schlußrede besonders dem Localcomite für den Empfang des Iournalistentages. In den Ausschuß wurden gewählt : Schlesische Zeitung, BreS- lauer Zeitung, Morgen - Zeitung, Frankfurter Journal, Frankfurter Ze tung, Dossische Zeitung, Volks-Zeitung, Deutsche Allgemeine Zeitung, Neue Freie Presse, Presse, Wanderer, Wiener Tageblatt, Neue Badckche Landes-Zeitung, Schwäbischer Merkur, Elbcrftlver Zeitung. Als nächster Vorort wurven vor­geschlagen: Nürnberg, Mannheim, Hamburg und Straßburg. Der Beschluß wurde Vorbehalten.

Dmlach bei Karlsruhe, 7. Juli. Diesen Morgen nach 9 Uhr entgleiste der mit bayerischen Soldaten angefüllte Zug nächst der hiesigen Pfiazbrüae und sind vier Wagen heradgeworfen worden, wobei es einen Todten und mehrere Ver­wundete gegeben hat. Einem Manne wurden die Füße abgefahren. Ein weiterer Mann fehlt bis jetzt noch, und ist man nicht gewiß, ob derselbe unter einen Wagen oder in die Pfinz geschleudert wurde. Ursache dieses Unglückes soll ein Brems­wagen gewesen fein.

Hannover, 10. Juli. Am Samstag Abend stießen in Folge falscher Weichen­stellung vreffens Lehrte zwei Güterzüge zusammen; die beiden Maschinen wurden beschädigt und sechs Wagen zertrümmert. Menschenleben sind nicht zu beklagen. (Z. f- N.)

Crimmitschau, 8. Juli. Heute wurde der Redacteur des (socialdemvkrati- schen)Bürger- und BauernfreundS" wegen eines Artikels, betitelt:Die 10 Ge­bote im Reich der Gottesfurcht unD frommen Sitte", den er aus demDresdner Bolksboten" abgedruckt, verhaftet. (N. C.)

Straßburg, 10. Juli. In Saarburg fand man, wie vemNiederrh. Kur." berichtet wird, gestern früh nahe der Stadt auf einer Matte, in welcher noch Tags zuvor geheut worden war, einen feit mehreren Tagen schon vermißten bayerischen Soldaten, welcher mit seinem auf dem Rückmarsch befindlichen Truppen- theil hier Rasttag gehalten hatte, mit halbdurchschnittenem Halse anscheinend todt. Es wurde in ihm noch Leben entdeckt und nach langen Versuchen kehrte endlich da- Bewußtsein zurück; doch ist er noch nicht im Stande, zu sprechen. Wie ist dieser seit Tagen vermißte Mann an eine Stelle gekommen, auf welcher noch gestern bis zum späten Abend Leute unausgesetzt thätig waren? Die Kräfte des Mannes haben sich so weit wreder eingestellt, daß er zwei Leute in blauen Blouscn schriftlich als Diejenigen hat bezeichnen können, welche ihn so zugerichtet haben. Bald wird auch der weitere Schleier sich lüften und alsdann wird das Gesetz die Schuldigen zu treffen wissen.

Paris, 9. Juli. DerSoir" theilt mit, daß man sich im Marineministerium angelegentlich mit dem Projeet einer Colonisation von Neukaledonien beschäftigt. Diese Insel besitzt schon 2500 Deportirte, welche durch die mit ihren Familien dorthin zu deportirenden Föderirten vermehrt werden könnten. Je nach ihrem Betragen würden dieselben größere oder kleinere Parcellen Land erhalten. Neu- calevonien, welches alle Bedingungen des Klimas und der Fruchtbarkeit in sich vereinigt, dürfte sich besonders für eine derartige Bestimmung eignen. Es würde außerdem den Vorthcil gegen Cayenne haben, daß eine Flucht von dort fast zu den Unmöglichkeiten gehört.

Paris, 10. Juli. Anläßlich des jüngsten Manifestes des Grafen Cham- bord haben zahlreiche legitimistifche Provinzialblätter eine Erklärung veröffentlicht, in welcher das Festhalten an der Trikolore betont wird. Diese Erklärung soll von hervorragenden legitimistischen Mitgliedern der Nationalversammlung auSgchen und vomClub des RefervoireS" (von der Rechten) principiell gebilligt worden sein. DerAgence Havas" zufolge betrachtet sich die legitimistifche Fract-on der Nationalversammlung in Folge dieses Zwischenfall« für aufgelöst. Die Mitglieder derselben würden sich der Partei der gemäßigten Republikaner oder den Orleanisten anschließen.

Wien, 8. Juli. DerAllgem. Ztg." schreibt man von hier: Sicherem Vern.hmen nach stehen Seitens der preußischen Regierung in kürzester Frist sehr bedeutsame Entschließungen in Bezug auf ihre Stellung zum Unseh'.barkeitSdogma oder vielmehr zu den aus diesem Dogma für das staatliche Leben zu ziehenden praktischen Consequenzen bevor. Gerüchtweise aber verlautet, daß das Berliner Cabinet zunächst mit Wien einen vertraulichen Ideen - Austausch über die Frage angeregt hat, inwiefern es etwa angezeigt erscheinen könne, einer augenscheinlich für alle Regierungen gemeinsamen Gefahr gegenüber sich im Grundsatz über die Mittel einer gemeinsamen Abwehr derselben zu verständigen.

Wien, 10. Juli. In hiesigen unterrichteten Kreisen ist von angeblich von Berlin mit dem hiesigen Cabinet angeknüpften Unterhandlungen wegen Modifika­tionen des Art. 5 des Prager Friedens nichts bekannt.

Telegraphische Depeschen.

Stuttgart, 11. Juli, Morgens. Die Errichtung einer Notenbank wurde mit 76 gegen 3 Stimmen genehmigt. Wenn der Gewinn der Notenbank 5 pCt. übersteigt, so erhält von diesem Ueberschuß der Staat j/3 und die Acrio- Inäre %. Die Regierung wird sorgen, daß Vas Publikum ebenfalls Aktien erhält.

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