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Expedition: Lanzleiberg Ltt. B. Nr. 1.
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Anzeige- und Amlsötall für den Kreis Kießen.
Rr. 1»9. Dmlnnftlig dro 13. Juli 1871.
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t Die Internationale.
Es hieße mit blindem Dptimiemud über ein haltloses Seil tanzen, wollte man der im Laufe der Jahre gewaltig angewachsenen Vereinigung, welche sich unter dem Sammelbegriff „Internationale Arbeiter-Association" zusammenfaßt, mit derjenigen Gleichgültigkeit entgegentreten, welche einzelne Blätter aufstecken, indem sie im Vertrauen auf die trefflich bewährte „Wacht am Rhein" und die Stärke des staatlichen Armes dieser Gesellschaft, die als ultimo ratio allerdings immer die Kraft des Armes und der Faust in die Wagfchaale werfen müßte, jede Bedeutung abzufprechen suchen.
Zur Kennzeichnung der Gefahr für die Gesellschaft, welche in dieser inter- nationalen Verbrüderung liegt, bedarf es nur eines Hinweises auf die Gräuel- thaten der Pariser Commune, auf den blinden Fanatismus, der den Anhängern dieser neuen socialen Lehre von den raffinirten Führern eingeimpft wird, und auf den blinden Gehorsam, der diese gesellschaftsstürmenden Proletarier auszeichnet. Eine Vereinigung, die so fest orgauisirt ist, die ihre Zweige über die ganze Welt verbreitet, deren Irrlehren in allen Ländern Wurzel zu fassen suchen, bietet eine nicht zu unterschätzende Gefahr für das Gemeinwesen, nicht nur durch den direkten Angriff gegen den ruhigen Besitz der Staatsbürger und den Geist der socialen Ordnung, sondern auch durch daS Gift, welches sie den Anbetern des von ihr hochgehaltenen goldenen Kalbes einfloßt, durch den Geist der Unzufriedenheit, in welcher sie die leicht erregbaren und urtheilsgeschwächten Arbeitsklasscn zu erhalten weiß.
Eine Opposition gegen Einschleppung dieser communistischen Seuche ist daher sehr wohl am Platze, und auch Deutschland wird auf der Wacht bleiben muffen, wenngleich der wohl ausgebildete politische Verstand und die Urtheilskraft seines Volkes bisher das beste Bollwerk dagegen gewesen. Seltsam, daß trotzdem gerade ein Deutscher der Association ihre Tendenz und Organisation gegeben.
Der unmittelbare Anlaß zur Gründung der internationalen Arbeiter-Associa- Hon war bekanntlich die letzte polnische Insurrection. Die Londoner Arbeite, hatten eine Deputation an Lord Palmerston geschickt, mit einer Adresse, worin sie ihn aufforderten, für Polen einzuschreiten. Sie erließen gleichzeitig einen Aufruf an die Pariser Arbeiter, und so wurde denn am 28. September 1864 auf einem Meeting in St. Martino Hall und unter Theilnahme von Engländern, Deutschen, Franzosen, Polen und Italienern die Basis zu einer Vereinigung gelegt, die unter den Auspicien des alten Wühlers Karl Marx auf den Congressen zu Genf im September 1866 und zu Lausanne im September 1867 bald jene feste Gestalt und Organisation erhielt, die fie heute besitzt.
Wie bestehend die Grundsätze der Internationale sind, beweist die ungeheure Ausbreitung, welche dieselbe mit der Zeit gewonnen. Unter ihren Fittigen und ihren Tendenzen, die dahin gehen, Regierungen, Einzelstaaten, Religionen, Grund- eigenthümer k. in dem einen Wort: „Herrschaft der Arbeit" aufgehen zu lassen, sammeln sich alle die Schaaren, die in der Fluth socialer Verirrung einen festen Punkt finden in der Kriegserklärung gegen das Kapital, das sie, nöthigenfalls mit Gewalt, unter die Herrschaft des Proletariats bringen wollen. Daß der Staat die Pflicht hat, die Roth und das Elend der ärmeren Klassen zu lindern, haben wir wiederholt hervorgehoben, ebenso hat er aber auch die Pflicht, das Wohl der ruhigen Staatsbürger und damit fein eigenes Wohl durch die Umsturzpläne dieser radikalen Narren nicht stören zu lassen.
Den fruchtbarsten Boden findet die Gesellschaft in Frankreich; in Deutschland hat sie sich noch nicht eingenistrt. In England haben sich der internationalen Arbeiterassociation seit dem Beschluß des Congreffes der Gewerbevereine zu Sheffield im Jahr 1866 ungefähr 50 Gewerbevereine mit ihren Zweiggefellschaften im vereinigten Königreich angeschlossen; darunter Arbeitergruppen, z. B. 30,000 Erdarbeiter an den Eisenbahnen, die bisher sich nie, weder an Gewerbevereincn noch anderen Bewegungen, betheiligt hatten. In Irland befindet sich eine Section zu Dublin.
In den Vereinigten Staaten von Nordamerika beschloß am 20. Aug. 1866 der föderale Arbeitercongreß zu Chicago, mit der internationalen Association sich zum gemeinsamen Wirken zu verbinden. Seitdem steht der Londoner Generalrath in Corresvondenz mit der allgemeinen nationalen Arbeiterassociation in den Ver- einigten Staaten.
In Frankreich sind die direkt und ausschließlich mit London torrespondirenden Gruppen sehr zahlreich. Es bestehen Sektionen zu Paris, Rouen, Lyon, Marseille, Bordeaux, Lille, Roubaix, Argentan (Drne), Caen, Digne (Basses-Alpes), Fleurieux (für Saone), Fuveau (BoucheS-du-Rhone), FlerS (Drne), Granville (Manche) Harcourt, Thierry (Calvados), Havre, Lisieux, Neuville (für Saone), ^"ies, Neufchateau (DoSgeS), Orleans, CretS (Bouches du-Nhone), Villefranche (Rhone), Vienne (Isere) u. s. w. BemerkenSwerth ist, daß auch mehrere fron* jösische Landgemeinden der Association beigetreten sind. In den französischen Colonien existirt eine Gruppe in Algier und eine in Guadeloupe.
3n Belgien sind die Hauptsttze der Association zu Brüssel, Lüttich, VervierS vnd Louvain. Unter den Kohlen- und Etsenarbeitern hat in diesem Jahr ein Maffenblitritt stattgefunden. In Holland existtren zwei Sectionen zu Rotterdam inO Amsterdam.
Ja Spanien eine Sektion zu Barcelona. — In Italien die au- 600 Ar-
beitergesellschaften bestehende allgemeine Arbeitcrassociation, mit dem Hauptsttz zu Neapel und Mailand, zur internationalen Association in demselben Karte!, wie die Gewerbevereine in England und die nationale Arbeiteraffociation in den Vereinigten Staaten. Außerdem existiren besondere Gruppen der internationalen Association in Genua und Bologna.
In der Schweiz hat feit der Genfer Arbeitseinstellung ein Moffenbeitritt von Arbeitern stattgefunden. Hauptgruppen finden sich in den Städten der Cantone Basel, Bern, wo auch Landgemeinden in den villages de la montagne des Bois beigetreten sind, Genf, hier allein zählt die Gesellschaft in der Stadt Genf über 6000 Mitglieder, Canton Neuschatel, Canton de Veaux, Canton Zürich, der schweizer Grütliverein und verschiedene deutsche Arbeiterbildungsvereine der Schweiz sind der Association affilürt.
In Deutschland existiren mehrere Gruppen. Doch erklären die meisten dieser Gesellschaften, trotz ihrer Svmpathien aus Mangel an gesetzlicher Autorisation officiell nicht beitreten zu können. Die Verbindung mit Deutschland ist daher noch mangelhaft.
t Die Münzreform wird einen Theil der Tagesordnung für den Ende August in Lübeck zusammentretenden volkswirthschaftlichen Congreß bilden und gleicherweise den Reichstag in seiner Herbstsession in hervorragendem Maße beschäftigen. Darin wird Jeder, auch bei einer etwaigen Meinungsverschiedenheit über die verschiedenen aufgetauchten Reformprojectc übereinstimwen, daß die bisherige bunte Abwechselung der deutschen Werthzeichen, wie fie dem bisherigen zu- sammengeflicktcn Zustande Deutschlands conform war, in Zukunft nicht mehr bestehen bleiben kann, sondern mit der Wiederherstellung des einigen deutschen Reichs auch die Einheit im Münzwesen eine unabweisbare Nothwendigkeit geworden ist. An Vorschlägen, die verschiedenen Münzschattirungen, den Bremischen Goldthaler, den Hamburger Schilling, den norddeutschen Thaler, den rheinischen Gulden unter einen Hut zu bringen und für ganz Deutschland ein neues Einheitssystem zu schaffen, fehlt es nicht, doch laufen die Politiker und Volkswirthe in Betreff des Grundprincips, nämlich, welche Art des Münzsystems an Stelle der jetzt bestehen- den, aber mit seltener Einmüthigkeit verworfenen Silberwährung, zu adoptiren sei, noch himmelweit auseinander. Der für die Münzreform gebildeten Reichstags- Commission bat Minister Delbrück das Project zur provisorischen Emission von Zehn- und Fünfthaler-Goldmünzen vorgelegt, er hat aber damit ganz und gar nicht reuissirt. Trotz der auf Elsaß und Lothringen zu nehmenden Rücksichten hat auch die früher stark ventilirte Frage der Aneignung des französischen GoldfrancS» systemS, welches in dem Abgeordneten Ludwig Bamberger einen eifrigen Vorkämpfer gefunden, jetzt augenscheinlich jeden Boden verloren. Am stärksten ist diejenige Partei vertreten, welche für Aeceptirung des Goldguldensystems, das auch den Elsässern und Lothringern etwas leicht Faßbares ist, in die Schranken tritt und ihre Anhänger sowohl aus Norddeutschland, wie aus Süddeutschland recrutirt. Neben einigen anderen Projecten steht ihr als hauptsächlichster Gegner die Coterie entgegen, welche dem Signal des „Deutschen Handelsblattes", Organ des Handels- tagsausschusses, folgt, und ein System vorbringen wird, welches auf Goldmünzen gegründet ist, aber den Thaler als „Scheidemünze" in sich aufnehmen kann und aufnehmen soll. Voraussichtlich werden zum Kampfe um feie Münzreform im Reichstage nur diese beiden Faktoren, der Goldgulden und der Silbcrthaler, in die Schranken treten und der Reichstag wird das pro und contra sehr aufmerksam zu prüfen haben, wenn er nicht einen Abklatsch der Wiener Münzreform vom Jahre 1857 bieten und Deutschland statt mit einem absolut einheitlichen System mit einem buntgeflickten Lappen beglücken will.
Die badischen Offiziere haben am 6. d. M. dem deutschen Kaiser nach Maßgabe der Militärconvention den Fahneneid geleistet.
lieber den Zeitpunkt der Entlassung des CultuSministerS v. Mühler, dessen Rücktritt endlich als gesichert betrachtet werden darf, ist noch immer keine endgiltige Entscheidung getroffen worden, weil es absolut nicht gelingen will, in den betreff. Kreisen eine Verständigung über den zukünftigen Träger des CultuSportefeuille'S herbeizuführen.
Der bayerische Hof ist mit dem Reichskanzler in Unterhandlung getreten wegen eines bestimmten Vorgehens gegen die klerikale Partei im Allgemeinen und dem aufsässigen bayerischen Episcopat im Besonderen. Man versichert uns an unterrichteter Stelle, daß diese Unterhandlungen schon in den nächsten Tagen werden zum Abschluß gebracht werden.
Bevor der Bundesrath auseinandergeht, wird er noch über gewisse Maßregeln berathen, welche gegen die socialdemokratischen Agitationen getroffen werden sollen. Mehrere Regierungen, darunter die sächsische, haben auf die Gefährlichkeit jener Agitationen für die deutsche Staatenordnung hingewiesen und ein gemeinsames Vorgehen der deutschen Bundesregierungen befürwortet.
Gießt», 10. Juli. Der von dem Professor Dernburg in Halle abgelehnte Ruf nach Tübingen soll nun an den hiesigen ordentlichen Professor der juristischen Fakultät, Dr. Bülow, gekommen sein.


