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Engländer Noel wegen der Affaire von Marathon eingestellt. Englands Andringen ist in diesem Puncte befriedigt, aber es fordert noch beharrlich und energisch die lfphtH nn bod SB .öffn* h. (T___° ~

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willen und wegen der Anzeigen über die am nächsten Tage angekündigten Theater- Vorstellungen. Jedermann plauderte, lachte und befand sich anscheinend in der an­genehmsten Stimmung, aber kein Wort war von Krieg und Frieden und den schweren Bedingungen für den letzteren zu hören, noch waren Vie gefährlichen Straßenpolitiker, die sonst an allen Ecken kleine Parlamente um sich versammeln, zu sehen. Sänger krächzten, Bettler machten Angriffe auf vie Menge und an allen Ecken stand die Reserve von Krüppeln bereit. Liniensoldaten stolzirten in voller Uniform mit ihrem besten Medaillenschwucke, aber ohne Waffen in der Mitte der Straße umher, Nationalgardisten machten sich in angelegentlicher Unterhaltung auf dem Trottoir mit ihren Säbeln breit. In den Cafes war kein Eindringen möglich und Reihen von Stühlen streckten sich vor denselben bis an dem fünften oder sechsten Hause rechts und links entlang aus. Alle Laven, welche Luxus- gegenstände feil bieten, standen offen und wir gingen zu Le Filleul aus dem Boule­vard des Italiens, um für einen Freund einen Blumenstrauß zu erstehen. Madame Filleul hat keine schlechte Saison gehabt, sie hat für eine todte Saison ein recht erträgliches Geschäft in Todtenkränzen und vergleichen gemacht, und ich muß fa­ßen, sie sah durchaus nicht niedergeschlagen wegen des Verlustes von Elsaß und Lothringen aus. Man speiste, man trank, man rauchte, man spielte Domino und Karten, Kinder sangen wie sonst anstößige Lieder und Damen von jener Claffe, die in letzter Zeit unsichtbar geworden war, gingen wie früher in voller Gesell­schaftstoilette, um in Nr. 16 des Cafe Anglais ihr Souper zu nehmen. Dabei drängten sich betrunkene Mobile und Börfenspeculanten in Menge umher, kurz, kein Jahrmarkt könnte lärmender, kein zu Scherz und Lustbarkeit versammelter Volkshaufe sorgloser sein. Und mitten in diesem Gewühle traf ich einen Freund aus dem Elsaß, einen Mann, der nicht gerade weinerlicher Natur ist, aber die Hellen Thränen liefen ihm vie Wangen herab, als er sprach:Sie sind geschla- gen, beraubt und mißhandelt worden, sie haben Frankreich zu Grunde gerichtet, seine besten Provinzen eingebüßt und mich der Verbannung überliefert, und jetzt freut sich diese Canaille der eigenen Erniedrigung". So war es in der That; so trug vas große Pariser Volk, über dessenbewunderungswerthe Haltung" so viel Aufhebens gemacht wird, seine bittere Demüthigung. Ich habe selten eine lustigere Pracht auf den Boulevards gesehen."

DieTimes" sieht sich auch nachträglich zu dem Geständniß veranlaßt, es sei beinahe unzweifelhaft, daß, falls vie Deutschen nicht in Paris eingezogen wären, die republikanischen Schreier alsbald erklärt haben würden, Paris sei nicht genom­men worden, und die Barbarenhorden seien durch ihre Furcht vor den helben- müthigen Parisern abgehalten worven, einen Fuß in die Stadt zu setzen. Ja, im Weiteren äußert das leitende Blatt die Ueberzeugung, die nicht von den Deut­schen besetzten Stadttheile würden sich in vergleichen Prahlereien ergehen. Die Moral, welche aus diesen und so vielen ähnlichen Erscheinungen abgeleitet wird, ist die, daß Frankreich um jeden Preis über die kleine Rotte, welche sich ohne die mindeste Berechtigung die Herrschaft über ihre Mitbürger anmaße, indem sie bei jeder Gelegenheit gegen Ordnung und Gesetz sich erhebe, Herr werden müsse. In früheren Artikeln hat dieTimes" zu demselben Ende und namentlich auch mit Hinweisung auf die Vereinigten Staaten angerathen, den Sitz der Regierung und der Landesvertretung an einen kleinen Ort zu verlegen, wo das stürmische An- dringen der rohen Masse keinen nachtheiligen Einfluß auf die Berathungen und die Geschicke der Nation haben könne.

Mehrere englische Blätter bringen eine anscheinend von Chiselhurst herrüh­rende Mittheilung folgenden Inhalts: Vorbereitungen wurden am verwichenen Sonnabend in Chiselhurst für die unverzüglich zu erwartende Ankunft des Exkaisers Napoleon gemacht. Trotz der Gerüchte von einem augenblicklichen Gutskaufe des Kaisers in Böhmen für den Exkaiser wird in Chiselhurst mit Bestimmtheit be- hauptet, er werde sich in einigen Tagen in Camden House bei der Kaiserin ein- finven, (wenn er es nicht bereits gethan hat) und vorderhand wenigstens seinen Aufenthalt in England nehmen. Die Kaiserin und der kaiserliche Prinz machen häufig ohne irgend welche Begleitung längere Spaziergänge unv erregen bei dem Landvolke schon kaum wehr Aufmerksamkeit. Prinz Arthur reitet gelegentlich von Woolwich hinüber, um den hohen Verbannten seinen Besuch zu machen.

Nach Wiener Berichten ist es nunmehr gelungen, die Donauangelegenheit zu ordnen. Vorbehältlich der nachträglichen Zustimmung Frankreichs, die aller- dings für das ganze Werk der Conferenz noch aussteht, ist man im Princip über drei Puncte einig geworden, die entweder als Separatprotocoll dem Hauptinstru- ment rm Anhang hinzugefügt oder möglicherweise dem Vertrag zur Regelung der Pontusfrage eingefügt werden. In Dem einen wie in vcm andern Falle werden sie doch als Aequivalent für die Aufhebung der Neutralisation des schwarzen Meeres zu gelten haben. Diese Drei Puncte besagen im Wesentlichen: 1) Die europäischen Donaucommisston bleibt nocy wettere zwölf Jahre in Wirksamkeit, und zwar nach wie vor für den unteren Stromtheil, bis Jsaktscha oder auch bis Braila. Der Zeitraum von zwölf Jahren wurde gewählt, weil bis dahin da­von der Commission contrahirte Anlehen gedeckt sein wird; England hatte sechs- unbzwanzig Jahre vorgeschlagen. 2) Oesterreich-Ungarn kann die Stromcorrectio- nen in der Strecke des Eisernen Thores vornehmen; für diesen Fall wird die Bestimmung des Artikel 15 des Pariser Vertrags in Betreff der freien Schifffahrt insoweit außer Wirksamkeit gesetzt, als ohne Unterschied der Nationalität von allen : Schiffen ein localer Zoll erhoben werden kann, der aber dadurch sich wieder aus­gleicht, daß die Taxe für die Lichterschiffe auszufallen hat. 3) Die Bestimmung

Pariser Vertrages, der zufolge jede Signaturmacht berechtigt ist, zwei leichte Kriegsschiffe an den Donaumündungen stationiren zu lassen, bleibt in Kraft, und damit die Neutralisirung der Mündungen.

. Florenz, 9. Marz. General Bixio ist in einer militärischen Mission nach der Schweiz abgeretst. DerInternationale" dementirt alle Gerüchte über eine Spannung zwischen Italien und Frankreich.

M u 9. März. DieOpinione" erklärt die von mehreren Blättern

verbreitete Nachricht der König von Italien habe ein Schreiben an Den Deut- fdjen Kaiser bezüglich der Fnedensbedingungen gerichtet, für grundlos.

4- Florenz, 9_ Marz. Die Königin von Spanien hat sich gestern Abends «°n Onegt.a noch Spanien e.ngeschifft. Di- Kammer hat heute die V-rhand. lungen über das päpstliche Garanticgcsetz wieder ausgenommen.

L»lchl>rcst, 9. März. Der nordamcrikanische Consul hat dem Fürsten «on Rumänien ,n feierlicher Audienz ein Schreiben des Präsidenten Grant über, reicht, in welchem derselbe erklärt, daß er Namens der Republik die Interessen der Israeliten energisch vertreten werde.

Französische Offiziere drangen bewaffnet in den Saal. Einer todt und einer schwer verwundet. Von schweizerischen Offizieren und Soldaten wurden mehrere durch Steinwürfe verwundet. Die Lage ist ernst.

+ Wien, 8. März. Der hiesige russische Gesandte Novikow dementirt die Existenz einer rusfisch-preußischen Allianz.

Brünn, 9. März. Der hiesige Bürgermeister verweigerte in einer Zu- f$rift an die Landesfinanzdirection die halbjährige Steuereintreibung, die Behörde ' muffe ihren Auftrag zur Eintreibung der Steuern gesetzlich begründen.

Paris, 9. März. Man versichert, daß Graf Palikao Thiers seine Dienste angeboten habe, die natürlich abgelehnt worden seien.

DerSoir" schlägt vor, in Betreff der während des Kriegs fällig gewor- denen Wechsel und anderen Zahlungen das Beispiel der Vereinigten Staaten nach dem Secessionskriege nachzuahmen. Der Congreß habe damals ein Gesetz erlassen, wonach alle nothleidenden Forderungen in 12monatlichen Raten gezahlt werden konnten, mit Vergütung von 5 pCt. Zinsen pro Anno.

4- Bordeaux, 8. März. National-Versammlung. Thiers gibt, auf die Finanzrede Germains antwortend, die Summe der Ausgaben, welche der Krieg außerhalb Paris gekostet hat, auf über 1100 Mill. an. Tolain beantragt die Aufhebung aller Die Vereinsfreiheit beschränkenden Gesetze. Das Bureau, das die algerischen Mandate zu prüfen gehabt, beantragt, Die Wahl Garibaldi's für ungültig zu erklären, da die Grundbedingung der französischen Nationalität nicht erfüllt sei. Gambetta's Wahl wird für gültig erklärt. Victor Hugo ruft: "Frankreich hat in Europa nur Trägheit gesunden. Nicht eine Macht, nicht eine Stimme hat sich erhoben. Nur ein Mann ist eingetreten. Dieser Mann hatte einen Gedanken und ein Schwert. Sein Gedanke hat ein Volk und sein Schwert ein anderes befreit. Garibaldi ist von allen Generalen, die für Frank- reich gekämpft, der einzige, Der nicht besiegt wurde." Der Redner wird unter- brochen Große Aufregung. Victor Hugo erklärt mitten im Lärm, daß er sein Mandat mederlege. Ein Deputirter auf der Rechten sagt:Bevor man abur- tbeilt, ob Garibaldi wählbar ist, müssen die Thatsachen untersucht werden, welche das Unglück herbeigeführt haben." Neue leidenschaftliche Aufregung im Saale, per Präsident fragt, ob Victor Hugo darauf bestehe, fein Mandat niederzulegen. Hugo bejaht die Frage und verläßt trotzig Den Saal. Die Worte, die er dabei umfloßt, gehen im allgemeinen Lärm verloren. Ein auf die Tribüne gestiegener Deputirter erinnert an Ducrot's Worte:Ich kehre nach Paris zurück entweder todt oder als Sieger!" Ducrot, der noch lebt, antwortet:Ich überlasse den- tenigen, die ich befehligt habe, es, mich zu vertheidigen!" Sodann erinnert er Daran, daß eine Depesche Gambetta's dem General Garibaldi Untätigkeit vor- geworfen habe, und sagt, man müsse wissen, ob Garibaldi gekommen sei, um für Frankreich oder vielmehr für die allgemeine Republik zu kämpfen. Leflü läßt der Tapferkeit Ducrot's alle Gerechtigkeit widerfahren. Langlais richtet eine kräftige Mahnung an die Einigkeit der Parteien im Interesse des Landes, wirst den De° putirten Excesse der politischen Leidenschaft vor und meint, es würde klug von der Versammlung sein, die Wahl Garibaldi's für gültig zu erklären. Es wird entschieden, das Bureau über die endgültigen Beschlüsse zu befragen. Die Ver­sammlung gehr zur Berathung der Wählbarkeit Der Präfecten über.

Bordeaux, 9. März, Mittags. Assemblee. Die UebersiedelungScommis. sion hat ihren Rapport vorgelegt, Dessen Berichterstatter ganz allein in Der Com- m « n für Fontainebleau ausgesprochen hatte. ThierS Drängt, Daß Die Com- mifüon noch heute ihren Beschluß Der Versammlung vorlege.

Bordeaux, 9. März, 5 Uhr 20 Min. Nachmittags. Die UebersieDelungs- commifsion schlägt Der Versammlung Fontainebleau vor. ThierS besteht auf Ver­sailles. Die DiScusston wird auf morgen vertagt.

o-c. .< Bordeaux, 9. März. DerMoniteur" meldet in feinem nichtamtlichen fcnnfet QU* 3CrfCP 6* 61 Der Graf von Paris daselbst eingetros-

,,, Havre, 9. März. Die Deutschen räumen Calvados und das ganze linke !

Ufer der Seine und Eure. i

London, 9. März. In Der Londoner Fondsbörse circulirt ein Protest gegen die neue russische Anleihe vor Schluß Der Conferenz.

London, 10. März. DieTimes" meldet aus Paris vom 9. März. Die Matrosen versuchten Die rothe Flagge von Der Julisäule herabzunehmen, wur- Den aber von Den Ruhestörern gefangen genommen unD die rothe Fahne wieder aufgepflanzt. Der Bastillenplatz wird von 8 Bataillonen der Nationalgarde be­wacht. Drei mit Waffen und Munition beladene Wagen wurden von den Meu­terern geplündert und dabei 2 Mobilgardisten, welche die Wagen vertheidiaten, verwundet. v ö '

<n März. DieTimes" bringt folgende Depesche von Paris

vom 10^ Marz: Moltke verlangte die sofortige Abreise aller in Paris befindlichen unbewaffneten Mobilgarden. Die Nationalgarden gaben Die am Montmartre be­findlichen Kanonen heraus.

Daylp-Telegraph meldet au« Bordeaur: Die Auflösung der Assemblee wird baldigst erwartet; es wird wahrscheinlich ein PlebiSeit statlfinden, welches über Republik oder Monarchie entscheidet.

A Rom, 9. März. Der Wunsch des Grafen Bismarck in Betreff Der Abtretung r" Dlöcesen in Elsaß und Lothringen von Frankreich findet im Vatikan entschiedenen Widerspruch.

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Telegraphische Depeschen.

cqal-c Wilhelmshöhe, 10. März. Napoleon wird Wilhelmshöhe erst nach Der Ratification des Definitiven Friedensschlusses verlassen.

flnftnu n a sw ' J0 März. Von der Stadtverordneten-Versammlung wurde frhafti.HtPn ^gistratsantragcs, Berlin möge Die Deutschen Städte zur gemein- nnffnrb? ^leihung des EhrenbürgelsechtS an die Grafen Bismarck und Moltke anaenommkn Erliegender Fassung nicht annehmbar erschien, ein Antrag

bufation au« ih Versammlung wolle beschließen, sofort eine De-

Weüe Die Stadt^N->rU ernennen, um Vorschläge zu machen, in welcher

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