mehr umgehen lassen.
-j- Durch verschiedene Zeitungen läuft die Mittheilung, der Kronprinz von Sachsen habe von dem deutschen Reichskanzler den Auftrag erhalten, beim Kaiser von Oesterreich gegen die Fortsetzung der Politik des Grafen Hohenwart, welche die Deutschen dem österreichischen Kaiserstaate entfremdet, vorstellig zu werden. Diese Mittheilung entbehrt aller Begründung, wie man uns versichert. Richtig ist allerdings, daß der Kronprinz von Sachsen den Kaiser auf die Gefahren der Hohenwart'schen Politik hingewiesen; diese Bemühungen lassen sich aber sehr wohl auf die Besorgniß des sächsischen Thronfolgers zurückiühren. Die deutsch-nationale Bewegung in Oesterreich könnte der Stellung der Partikularstaaten im deutschen Reiche schließlich den größten Nachtheil bringen.
Jahr 1870 im Betrage von 1,800,871 Thlr. vorläufig zu genehmigen; 2) den Reichskanzler aufzufordern, entsprechend der Verpflichtung zur Rechnungslegung nach den einzelnen Positionen der Titel der Spectaletats auch in den Uebersichten über die Einnahmen und Ausgaben der Vorjahre vom nächsten Jahre ab die Etatsüberschreitungen , soweit dies bis zur Vorlegung derselben ausführbar ist, nach Titeln und Positionen der Specialetats zur Genehmigung des Reichstags mitzu
leiten, stellte er es als die nunmehrige Aufgabe der Universitäten hin, die Studiren- den neben ihrer Ausbildung zu ihren speciellen Berufszweigen in dem staatlichen Einheitsgedanken zu erhalten und dazu fähig zu machen, denselben gegen alle Gefährdungen zu schützen. Als diejenigen Seiten, von welchen jetzt schon solche Gefährdungen drohen, bezeichnete er die politische, die sociale und die kirchliche. Nachdem er den Stand der hiermit gegebenen Fragen und die Aufgaben, welche aus ihnen für die Studirenden erwachsen, gezeichnet hatte, warf er die Frage auf, ob das gegenwärtige Leben auf den deutschen Universitäten und Fleiß
theilen; 3) das Reichskanzleramt zu ersuchen-, dem Reichstage in der nächsten Session einen umfassenden Bericht über die bei den Maßregeln zur Bekämpsung der Rinderpest gemachten Erfahrungen vorzulegen.
4) Zweite Lesung des Haushaltsetats des deutschen Reiches für das Jahr 1872. — Etat für daS Reichskanzleramt. Richter spricht zu Titel 1 den Wunsch aus, daß der Reichstag von den Verhandlungen und Beschlüssen des BundeSrathS officiell Kenntniß erhalte. — Minister Delbrück hält dies für unthunlich, weil der Bundesrath vornehmlich eine Versammlung von Bevollmächtigten der einzelnen Bundesregierungen sei. — Lasker rügt, daß kürzlich ein vortragender Rath im Reichskanzleramt mit seinem vollen Titel den Prospect eines EisenbahnunternehmenS unterzeichnete. — Minister Delbrück. Der betreffende Beamte hat inzwischen seine Entlassung beantragt und diese ist vom Kaiser genehmigt worden. — Bet Titel 2, welcher eine Erhöhung des Dispositionsfonds von 30,000 auf 40,000 Thlr. beantragt, erhebt sich eine längere Debatte, doch wird schließlich diese Erhöhung genehmigt. Auch die Etats für den BundeSrath und den Rechnungshof und das Oberhanoelsgericht werden genehmigt. — Schluß 3*/4 Uhr. Nächste Sitzung morgen 12 Uhr.
Erlangen, 4. Nov. Heute als am Stiftungstage der Universität übernahm der für das lausende Studienjahr gewählte Prorector Professor der Theologie Dr. v. Hofmann sein Amt. Einer von dem Gründer der Universität, dem Markgrafen Friedrich von Brandenburg-Bayreutb, getroffenen, im Laufe der Zeit jedoch außer Acht gekommenen, seit dem Jahre 1848 aber wieder genau befolgten Bestimmung entsprechend tritt der neue Prorector sein Amt mit einer solennen Rede an, die er in der Untversitätsaula vor öffentlicher Versammlung hält. Die von Prorector v. Hofmann heute gehaltene Rede wird wohl weithin im Lande und vor Allem in UniversttätSkreisen Aussehen erregen. Er hatte als Thema die Aufgabe der Universitäten im deutschen Reiche und als Text das Wort des französischen Schriftstellers Leon Gautier: „Die Stärke Deutschlands liegt in seinen i Universitäten", gewählt. Von dem Satze ausgehend, baß die auf der Universität l Gebildeten vor allen Anderen berufen seien, das öffentliche Leben des Volkes zu
während der bevorstehenden Weihnachtszeit im Interesse des Publikums schon in vollem Umfang zur Geltung zu bringen, wird bestimmt: daß bis auf Weiteres vom 1. Dec em ber ab bei allen mit der Post zu befördernden Packeten dle Bezeichnung (Signatur) die wesentlichen Angaben der Adresse enthalten muß, so daß nöthigenfall- das Packet auch ohne den Begleitbrief bestellt werben kann.
In parlamentarischen Kreisen befestigt sich mehr und mehr die Ansicht, daß der preußische Cultusminister v. Mühler in der bevorstehenden nächsten Session des preußischen Landtages nicht mehr auf der Ministerbank erscheinen werde. Schon die neuliche Bemerkung der „Kreuzzeitung", daß der Minister allerdings ein Unter- richtsgesetz ausgearbeitet habe, daß aber dle Vorlegung desselben in der nächsten Session nicht erfolgen solle, hat diese Deutung gefunden. Es scheint nun, der „Wes.-Ztg." zufolge, daß in der That die Mühler'schen Entwürfe zu den Vor- lagen, die demnächst dem Landtage gemacht werden sollten, namentlich von Seiten des Fürsten Bismarck eine so einschneidende Kritik erfahren haben, daß dem Vcr- fasser derselben kaum etwas anderes übrig bleiben dürste, als sich, so schwer es ihm auch wird, zum Verzicht auf seinen Ministerposten zu entschließen. UebrigenS ist es ja bekannt, daß der Rücktritt des Herrn v. Mühler schon längst erfolgt wäre, wenn ein Caudtdat für den dadurch erledigten Posten vorhanden wäre, dem eine gewisse Autorität zur Seite stände. Dieses Mal aber dürfte sich die Roth- Wendigkeit, einen Nachfolger für den Herrn v. Mühler ausfindig zu machen, nicht
Wien, 8. November. Nach einer Meldung der morgen erscheinenden Nummer der „Neuen Fr. Presse" hat Gras Andrassy das Ministerium des Aeußern angenommen.
Wien, 8. November. Das „Telegraphen-Corresp.-Büreau" meldet: Graf Andrafly halte eine anderthalbstündige Audienz bei dem Kaiser und hierauf eine längere Unterredung mit dem Grafen Beust. — Die Meldung der Blätter über die Enthebung des General-Adjutanten Bellegarde von seiner Stellung ist unbegründet.
Wien, 9. November. Graf Beust erhielt gestern Abends ein seine Entlassung genehmigendes kaiserliches Handschreiben. Der Wiedereintritt Hohenwart'S in das Eabinet ist nicht unwahrscheinlich.
Wien, 9. November. Die meisten Wiener Morgenblätter, sowie auch Pesther Nachrichten v-stärigen übereinstimmend, daß Andraffy gestern daS Portefeuille des Ministeriums VcS Aeußern angenommen habe.
Paris, 9. November. Der Kriegsminister beschloß, die in Metz functionirende französische Mission mit dem 30. November aufzuheben.
Newyork, 5. November. Aus Honolulu ist über San Francisco die Nachricht von einem großen Unglück eingetroffen, welches die amerikanische Wallfischflotte im nördlichen Eismeer betroffen hat. Zwanzig Schiffe, welche im nördlichen Eismeer zwischen Point Belcher und Wainwright Jnlet vom Eise eingcschlossrn waren, wurden am 13. September verlassen, nachdem vorher dreizehn andere gesunken oder aufgesahren waren. Die Mannschaft dieser 33 schiffe, 1200 Mann und 90 Offiziere, wurde von den übrigen Schiffen der Wullfischflotte gerettet, so baß keine Menschenverluste zu beklagen sind. Die Mannschaften sind in Honolulu und die 90 Offiziere in San Francisco eingetroffen. Der Schaden wird auf 1,500,000 L. angesetzt.
zubrechen.
Darmstadt, 9. November. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben mittelst Allerhöchster Entschließung vom 31. v. M. geruht, den Major und Ba- taillonS-Commandeur v. Hessert im 3. Infanterie - Regiment in Genehmigung seines Abschiedsgesuchs mit Pension zur Disposition zu stellen und demselben die Erlaubniß zu ertheilen, die Uniform der aktiven Offiziere mit dem Abzeichen für Pensionäre zu tragen, sodann am 3. d. M. den Stabsquartiermeister Kreffel im 4. Infanterie-Regiment auf Nachsuchen mit Pension zu verabschieden und demselben die Erlaubniß zum Tragen seiner seitherigen Uniform mit dem Abzeichen für Pensionäre zu ertheilen.
t Berlin, 7. November. Deutscher Reichstag. 16. Sitzung. Präsident Dr. Simson eröffnet die Sitzung um 12\/4 Uhr. Am Tische des BundeSrathS: Minister Delbrück, v. Mittnacht, v. Lutz, Dr. Michaelis u. A.
Das Haus tritt sofort in die Tagesordnung ein.
1) Dritte Lesung des Gesetzes über die Einführung des Unterstützungs- wohnsitzgesetzeS in Württemberg und Baben. — Wird ohne DiScusston definitiv angenommen.
2) Erste und zweite Lesung des Gesetzes über die Einführung der Gewerbe- ordnung in Württemberg. — Dr. Mohl bezeichnet die Einführung der Gewerbeordnung in Württemberg als einen Rückschritt der Gesetzgebung, namentlich in Bezug auf die Bestimmungen über das Hausirgewerbc und über die Gast- und Schankwirthschasten, sowie auf die CoalitionSfreiheit. Er beantragt die Verweisung de» Entwurfs an eine Commission. — Dr. Elben (Stuttgart) begrüßt die Vor- läge mit großer Freude; wenn die jetz'ge württembergische Gesetzgebung auch rn ber äußern Form, nicht dem innern Wesen nach, etwas liberaler scheine, so führe doch Die Einführung ber deutschen Gewerbeordnung einen großen politischen Fortschritt mit sich, namentlich bezüglich der Beseitigung der Buchhänbler-Concessionev, der ärztlichen Freizügigkeit, der Theaterfreiheit u. s. w. Die CoalitionSfreiheit gebe Den Arbeitern nur diejenige politische und wirthschaftliche Freiheit, welche die übrigen Classen längst besaßen. Hoffentlich werde die deutsche Gewerbeordnung auch bald in Bayern eingesührt werden. — Richter erkennt die Nothwendigkelt einer Revision der Gewerbeordnung an und wünscht zugleich die Vorlage eines Apothekergesetzes, eine» Gesetzes über die gewerblichen Hilfskassen und über das Dersichkrungswefen. — Die Ueberweisung an eine Commission wird abgelehnt.
Bei Der zweiten Lesung wird das Gesetz in nachstehender, von Dr. Hölder vorgeschlagene Fassung angenommen: §. 1. Die Gewerbeordnung für den nord- deutschen Bund vom 21. Juni 1869 tritt im Königreich Württemberg und im Großherzogthum Baden am 1. Januar 1872 als Reichsgesetz in Kraft. — §. 2 Die Einführung des durch §. 21 Der Gewerbeordnung vorgeschricbenen mündlichen und öffentlichen Verfahrens kann in Württemberg bis zum 1. Januar 1873 ver
gaben lösen und das Wort „des fremden Mannes" zur Wahrheit machen werden. Leider könne er diese Frage nicht bejahen; er sei zu alt, um etwas zu sagen, was er nicht selbst erfahren, und nicht thöricht genug, um anders zu malen, als wie er es erfahren. Der größere Theil Der Studirenden bereite sich nicht einmal auf einen Fachberuf in genügender Weise vor, wie solle er befähigt werden, den allgemeineren Beruf zu erfüllen, Führer des Volkes im öffentlichen Leben zu sein? Vielfach sei Da», womit Der StuDirenDe die kostbarste Zeit seines Lebens verbringe, Dem Nichts gleich, ja, noch weniger als Nichts. Das Wort unseres großen Dichters, Der selbst gearbeitet habe, wie je Einer: Saure Wochen, frohe Feste, verkehrten die Studirenden dahin, daß sie sich nur ihre Feste sauer werden ließen. Ob es besser werden würde, wer könne e» sagen? Ob (ein eigenes Wort dazu helfen werde? Es sei das Wort eines einzelnen Mannes unD habe die Stunde erfüllt, der es bestimmt. „Aus bitterem Herzeleid ist es geboren, möge es nicht darin begraben fein!" Mit diesem Satze schloß die bemerkenswerthe Rede.
(K. v. u. f. D.)
Aus dem Vogelsberg, 4. Nov., schreibt man der „Franks. Pr.": Gestern und vorgestern war ein kaiserlicher Kriegöemiffär au« Berlin in unserem Gebirg und nahm den Selgen- und Wiesenhos bei Ulrichstein in Augenschein, um hier eine großartige Remontepserdestation de« deutschen Reiches einzurichten. Dadurch würde unser Gebirg mit seiner alten historischen Pferdezucht und Pferderace der Ulrichsteiner wieder neu aufleben und als Heu- und Haserkammer unseres Landes dem neuerstandenen deutschen Reiche seinen Tribut zollen. Lage und Klima von Ulrichstein erinnert an Die Württemberger Staatssohlenstation St. Johann auf Der rauhen Alb. Die seitherige Fohlen- unD Remontepferdestation in Ulrichstein soll Die im letzten Kriege tauglichsten PserDe unserem hessischen Reiterregiment, beson- ---- -- — „ „ . - -
Der» seinen Offizieren und — irren wir nicht — dem Prinzen Ludwig von Hessen unD Kenntnisse Der Studirenden zu Der Hoffnung berechtigten, Daß diese jene Auf. selber geliefert haben. Hoffentlich bringt die Reichsregierung die Domäne Selgenhof und das dem Grafen von Solms-Laubach gehörende Gut Wiesenhof käuflich an sich, um allen etwaigen Widerwilligkeiten von Lokalbehörden rc. die Spitze ab-
schoben werden.
3) Zweite Berathung Der Uebersicht der Ausgaben üvd Einnahmen Des
,l8jfdl,n Ermittlung-» bei dem bei Weitem größten Theil der Postgüter von den! norddeutschen Bunde- sur da- Jahr 1870 und des Gesetzes, betreffend die Ber- »bf-ndern in Anwendung gebracht. E- haben sich dabei dieselben vortheilhaflen wendung de- Ueberschuffe- aus dem Bundeshaushalt vom Jahre 1870. - Da« Cfraebnifft berausgestellt, welche jenes Verfahren im Feldpostpäck-r-iv-rk-hee wäh. Gesetz wild unverändert angenommen, dazu solgenoe Resolutionen: 1) Vorbehalt- «nd de« letzten Kriege« bereit- geliefert hatte. Um die Vortheile des Signirens lich der bei Ott Prüfung der Rechnungen sich etwa noch ergebenden Erinnerungen A.„sse tet tu erwartenden erheblichen Steigerung des Päckereiverkehr« Die nachgewiefenen Etatsüberfchreitungen und extraordinären Ausgaben für da« v H a .....i A. *< • , in 1 R70 im fion 1 ROO 871 Tblr. vorläukia iu aenebmiaen: 2) Den


