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Preis virrreljährig 1 fl- 12 ft. mit Bringerlohn. Durch di« Dost bezogen vierteljährig 1 fl. 27 kr.

Gießener Anzeiger.

Erscheint täglich, mit AuS» nähme Montags.

Expedition: Tanzletberg Sit. B. Nr. 1.

Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Kielen.

Nr. 263.

Samstag den 11. November

1871

Befteltimg-n auf den Gietzener Anzeiger

Äbomrenten, welche den Anzeiger bei der Expedition abholen lassen, erhalten denselben für die Monate November und December zu 40 fr.

Brodpreise vom 11. bis 17. November 1871,

nach eigener Erklärung der Bäcker:

4 Pfund gemischte« Brod 22 kr. 2 Pfunv gemischtes Brod 11 kr. 4 Pfund Roggenbrod 19 kr. 2 Pfund Roggenbrod 9% fr.

Amtlicher T b e i t.

Bekanntmachung.

Nach uns zngegangener Mittheilung hat die Großherzoglichc Commission zur Prüfung der Ansprüche aus Frankreich ausaewiesencr fieffen den größeren Th-,l der ihr übertragenen Aufgabe vollendet, so daß die Auszahlung der in Gemäßheit des Reichsgesetzes von, 14 I m I bewMaten Ä hülfen in umfaßendem Maße erfolgen konnte und die vollständige Erledigung derjenigen Gesuche, welche rechtzeitig cinaereiä t mb mif b, £ 9 « r® $ versehen wurden, in der nächsten Zeit zu erwarten steht. Es werden übrigens noch fortwährend neue Entschädigunasanfvrü»/ b-i K delegcn

meldet, obwohl die durch Bekanntmachung Großh. Ministeriums des Großh. Hanfes und des Acnßern in Sir.® 179 bet ^raftdbkr R

Jabr vorbestimmte ansschließeiide Frist bereits am 18 Juli I. abgelaufen ist. Wir sind deßhalb ersucht wordei. darauf Ame!k^am?° däü"alle nach dem 18. Zull l. I. cingegangenen besuche, falls solche überhaupt aus einem etwa sich ergehenden Rest der zu fraglichem Rw^ck beMmmt-n Summe befriedigt werden können, von Großh. Commission nur dann zur ausnahmsweisen Berücksichtiqunq werden emvfoblen ^werden Lnn hJ

^'bauten /men genügenden Entschuldigungsgrund für ihre Versäumniß anzuführen \mb iu be&

Gesuche, welche diesen Anforderungen nicht entsprechen, wird eine besondere Antwort nicht ertheilt werden. * J >uw. Auf

Gießen, den 31. October 1871. Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Starck.

Politischer Tbeil.

Die Entlassung des Grafen Beust.

Was soll das heißen? wird sich wohl Jeder gefragt haben, als er die Nach« richt las, Graf Beust sei als österreichischer Reichskanzler entlassen. Graf Beust entlassen! Das Ministerium Hohenwart war ja soeben auf den Rath des Reichs- kanzlerS entlassen, Beust hat gesiegt, und nun werben Sieger und Besiegte zugleich bei Seite geworfen, wie die rothen und weißen Figuren eines Schachbrettes! Wie ist das zu erklären?

Man schreibt derKöln. Ztg." darüber aus Wien vom 6. November:

Die letzten Stunden haben hinter den Coulissen eine Wendung hervor­gerufen, deren Eindruck, wenn ihr Ergebniß an die Oeffentlichkeit gelangt, alles übertreffen dürfte, was die Nachrichten aus Oesterreich in der letzten Zeit an Ueberrafchendem boten. Um es kurz zu sagen: Graf Beust ist in diesem Augen- blicke vielleicht schon nicht mehr Reichskanzler und Minister des Aeußern. Er hat seine Demission gegeben, wie ich glaube, geben müssen. Sein Nachfolger im Amte heißt: Graf Julius Andrassy, bisher ungarischer Ministerpräsident. An Andrassy's Stelle tritt als Vorsitzender des ungarischen Ministeriums Graf Mel- chior Lonyay. Ich würde mich hüten, Ihnen diese Mittheilung in so positiver Form zu geben, wenn ich erwarten müßte, baß der Telegraph sie dementirt, statt sie zu überflügeln. Wie dies alles gekommen, darüber wird wohl erst eine spätere Zeit Licht verbreiten. Da die auswärtige Politik Andrassy's in der letzten Zeit wenigstens sich in voller Uebereinstimmung mit der Beust'schen Gestion befand, so ist an einen Systemwechsel wohl nicht zu denken. Es müssen daher ausschließlich persönliche Motive gewesen sein, die den Kaiser zu diesem Schritte bewogen, Motive, d'e mit der Ueberwinbung, die es den Monarchen kosten mochte, sich von der Aus­gleichsaction Hohenwart's abzuwenden, in Zusammenhang stehen dürften. Viel­leicht auch, daß man durch die Opferung Beust's der staatsrechtlichen Opposition eine Concession machen wollte. Rief doch erst jüngst das Organ Leo Thun's, so lange Beust am Ruder sei, könne an einen Ausgleich nicht gedacht werden. Mit der Berufung Kellersperg's läßt sich diese Wendung schwer in Zusammenhang bringen, nachdem man weiß, daß dieselbe zwar ohne jedes Vorwissen des Reichs« kanzlerS erfolgte, daß aber Baron Kellersperg seither wiederholt vertrauliche Be« sprechungen mit dem Grafen Beust hatte, mit dem er sich rückstchtlich der leitenden Anschauungen in voller Uebereinstimmung befand. Wie dem auch sei, jedenfalls haben wir es da mit einem Ereignisse zu thun, dessen Motive und Motoren aus- schließlich in Regionen zu suchen sind, wohin der Blick nicht so leicht dringt. Graf Lonyay ist gestern Abend nach Pesth abgereist und soll Ueberbringer diS Hand« schreibens sein, welches die Ernennung des Grafen Andrassy vollzieht. Auch die Rolle dieser beiden ungarischen Staatsmänner wird noch mancherlei (Kommentare bedürfen. Graf Beust folgt einem besonderen Wunsche des Monarchen, indem er seine Kräfte dem diplomatischen Dienste widmet, und so dürste ihn die nächste Zeit aus dem harmlosen Botschafterposten in London finden."

Sehr hell ist eben das Licht nicht, wilches durch diese Aufklärung verbreitet tofrb. Graf Beust ist entlassen aus persönlichen Gründen. Seine Person war allerdings den Feudalen und den Clerikalen ganz besonders verhaßt. Ein fremder

namentlich in London; her nur angenehme Er- was wird schließlich aus

Ketzer, aus Luther's Heimath, Der das katholische Oesterreich regieren will und das Ecncordat bei Sette gefetzt hat, als wenn innerhalb Oesterreichs nur der Kaiser unD der Reichsrath Gesetze zu geben hätten! Doch wer könnte so leicht alle die Ursachen aufzahlen, aus denen Graf Beust den verschiedenen Fraktionen der Fö­deralisten, wie sie sich jetzt gern mit einem weiten Namen nennen, sich verhaßt gemacht? Er könnte mit Wullenwever sagen: 8

Ihr könnt vie Hölle löschen, nicht den Haß, Den meine Feinde mir geschworen haben.

h , ®'e deß gar kein Hehl. Tag für Tag versicherten sie, die Entlassung des Grafen Beust sei Vie Vorbedingung jedes möglichen Ausgleiches. Man weiß wie dringend Kaiser Franz Joseph nach diesem Ausgleich verlangt. Er hat sich allerdings durch Beust überzeugen lassen, daß ein Ausgleich mit den Czechen, toU ®rflf Hohenwart ihn geplant, ja, schon vollständig verabredet hatte - wie e« fd)nnt, unter Sanction des Kaisers, denn doch nicht räthlich und möglich sei. Er hat das Ministerium Hohenwart entlassen und sieht ein Sturmgewölk von Un- willen aus dem Kreise der vornehmen Föderalisten gegen sich aufziehen. Da scheint nun der Kaiser den Grafen Beust so zu sagen geopfert zu haben, um auch dieser S/ite etwas Angenehmes zu erzeigen. Und verstärkt scheint die dem Grafen Beust feindliche Parte» durch hochstehende Personen in der Umgebung des Kaisers iu fein. Beust hat den Boden in Wien längst so heiß gefunden, daß er gerade nicht ungern sich auf einen stillen Botschafterposten zurückzieht, denn an diesen Posten knüpfen sich für Beust von 1864 innerungen, Graf Beust ist eben nicht zu bedauern; aber Oesterreich?

Das Kaiserliche Generalpostamt erließ unterm 6. November folgende zwei Bekanntmachungen: 8

Bekanntmachung. Erweiterung der DrucksachenBesörderung mit der Post. Nachdem die Gewichtsgrenze für Drucksachen unter Band auf 1 Pfund erweitert toorDen ist, wird den Absendern derartiger Drucksachen empfohlen, zu den Streif- oder Kreuzbändern, welche übrigens die Außenfläche ganz bedecken können, recht festes Papier oder Leinwandstreifen zu benutzen, auch wenn nöthig eine Bindfaden- umjchnurung anzuwenden, dieselbe muß aber leicht zu lösen sein, um die etwa nöthige Controle zu ermöglichen. Bei Büchersendungen können die lediglich den Preis der Bücher betreffenden Rechnungen beigeschlossen werden. Die Taxe von 3 Silbergroschen, bezw. 11 Kreuzer ist durch Verwendung von Freimarken zu ent­richten. Drucksachen über 15 Loth, welche unfranfirt oder unzureichend franfirt eingeliefert werden oder den sonstigen Bedingungen nicht entsprechen, werden dem Absender zurückgegeben, bezw. als unbestellbar behandelt.

Bekanntmachung. Packetbeförderung mit der Post. Das Signiren der Packete per Adresse hat in Folge der von der Postoerwaltung gegebenen Anregung bereits bei dem überwiegend größten Theile des Publikums Eingang gefunden und wird in Anerkennung der Vortheile, welche diese Signilungswcise für die sichere "eberkunst der Sendungen darbietet, schon gegenwärtig nach den angestellten sta-