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t'TfiS Ntttrllihrtg 1 fi. 12 ft. mtt Brtngerlohn. Durch btt Post bezogen vierteljährig

I ff. 27 h.

Gießener Anzeiger.

Erscheint täglich, mtt Au» nähme Montags.

SMedition : Lanzletber.

Lit. B. Nr. 1.

Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Kielen.

Nk. 236. Mittwoch den 11. Oktober __________ 1871.

»estellmigcn auf den Wietzener Anzeiger

Adonnenttn, welche den Anzeiger bei der Erpedition abholen lassen, erhalten denselben für das IV. Quartal 1871 zu 1 f!

Amtlicher 1EV e i l.

Betau ntmach u n q.

Betreffend: Stipendien für den Befueb einer Ackerbaufchule.

, ®er laiidwirrhschafkliche Bezirksvereiu Gießen hat beschlossen, zum Besuch der Winter - Ackerbauschnlen, welche sowohl ru Darmstadt Jnr&bergm 1. I.ovember d. I. für das Winterhalbjahr eröffnet werten, durch Aussetzung von Stipendien anznregen , die im "wüwn «L

- Ä 5o°r?eJaufcn können. Diese Winter-Zlckerbanschuten sind für junge Männer bestimmt, deren lünstiger Beruf die Landwirlüschaft- s-in

das 14- Lebenöiahr znrnckgclcgt haben müssen, aber keiner anderen Vorkenntniffe bedürfen als wie fic die Volksschule gewährt. 1 W,aft fc" tt,nb Ul,b blc

Mit Bezug ans die in Nr. 170 desGießener Anzeigers" abgcdruckte Dckannlmachnng des Herrn Präsidenten des landwirtlckebaMl^-n - - ktarkenburg und ans die ui Nr. 227 dcSGießener Anzeigers" abgcdruckte Bckanniniachnng tcS Cnratorinnis der Friedberger Ackcrbanschnw weiden"'daber ,e Eltern ic. junger Lente, welche Letzteren eine tüchtigere Ansbildnng in ihrem künftigen Beruf dliich de» Besuch einer Winter-Ackerbm .JX. s ba^eJ ber landwirthschaftlichen Bezlrksvercin dargebolcnc Leihülfc in Anspruch nehmen wollen, anfgcfordert, ihre Anmeldung ois zun, 15° £cto-

der o. an den Unterzeichneten gelangen zu lassen. 0 »UUI ±o* «veto-

©iejjen, den 30. September 1871. Der Direktor des landwirthschaftlichen Bezirksvereins Gießen:

v. Starck.

--'M .......... . .........M _

Die städtische Verwaltung von Newyork

Schon seit einer langen Reihe von Jahren ist das Demagogcnthum New srrks zum Gegenstand einer Verwunderung geworden, welche dcr Achtung von tepublika irischen Einrichtungen durchaus nicht zu Statten kam. Man hörte auch, koß in Folge dieses Treibens und um die Eollision mit den Raufbolden der Straßen zu vermeiden, welche vor keiner Gewallthat zurückschrcckten, weil das parteiintereffe sie vor jeder Strafe schützte, alle anständigen Bürger von der Teilnahme an den öffentlichen Angelegenheiten sich mehr und mehr zurückzogen.

Diese Abstinenz konnte und mutzte die Dinge nur verschlimmern.

Das Parteiwesen artete mehr und mehr in eine Eliguenherrschaft aus und -lese führte zur Oligarchie. DerTommanyRivy" und die demokratische Der- brüderung wurde allmächtig; er beherrschte die Wahlen und vertheilte die städti- schen Aemter unter seine Mitglieder, welche dieselben lediglich als gute Beute be­trachteten, aus welcher eia Jeder von ihnen den möglichst größten Borlheil zu stehen suchte.

In der städtischen Verwaltung ritz eine Verschwendung ein, welche Newyork in eine hornble Schuldenlast stürzte.

Wenn ein auswärtiger Feind die Stadt Newyork erobert und geplündert hatte, Mirbe es keine schlimmeren Verwüstungen haben anrichten können, als diese ßädtische Verwaltung, welche, um ungestört den schamlosesten Raub an dem Ge- »eindevera ögen ausüben zu können, sich Jahre lang der Rechnungslegung entzog, ras natürlich nur dadurch möglich ward, dctz möglichst Vielen durch Bclheiligung m den verübten Betrügereien der Mund gestopft wurde.

Die Enthüllungen, welche vor einiger Zeit von der Newyorkcr Preffe über lese- Raubsysiem zu Tage gefördert wurbin, waren so haarsträubender Natur, tnt> dürften die Gefahr des finanziellen Ruins der Stadt so nahe und deutlich !oT die Augen, daß in der anständigen Bürgerschaft endlich das materielle Interesse l!m moralischen Muth zu Hilfe kam und eine Bürgerversammlung sich über Mittel jnb Wege berieth, um dem Skandal zu steuern, welchen man Jahre lang ae- ttlldet hat. ü b

Durch richterliche Berufung erlangte man, daß zunächst dem obersten Finanz, eainten (Eontroller) das Handwerk gelegt wurde, welcher sich übrigens vor allen glimmen Folgen dadurch schützte, daß alle aus seine Verwaltung bezugl chen "ttnstücke gestohlen wurden; aber es scheint fast, als ob die öffentliche Ent- yun0 M mit diesem einen Opfer werde begnügen müssen, obwohl seine Di.be. "ikii ohne Mitwissen seiner Eollegen, namentlich des obersten Beamtin (Moyor) JW n.ögllch waren und die Behauptung des letzten in seinem Amte auch eine vvrtsitzung des Systems rorhersehen soll.

Vorläufig ober hält dieser, der öffentlichen Verachtung und dem öffentlichen ^osst zum Trotz, an seinem Amte fest und scheut sich auch j.tzt noch, nachdem jeder Fleier von der städtischen Mitzverwaltung abgerissen ist und der Ruf nach Ge- "chl'gkeit anscheinend allgemein geworden ist, vor le ner Widersetzlichkeit zurück, um lch und seine Partei in der Herrschaft zu behaupten.

Und gerade dieser gegenwärtige Hamps des Mayor Hall gegen die Gewalt öffentlichen Meinung, welche eine Sühne der so tief und schmählich verlitztiN "ischen Sittlichkeit verlangt, bietet vielleicht noch mehr Anlaß zu ernsthafter ktrachtung, ale die skandalöse Mitzverwaltung, welche endlich die Newyorker ^gerschaft zu einem Art der Nothwrhr ermutigte.

Dieses System der Plünderung und Eorruption brandmarkt nur die gemeine ^Innung derjenigen, welche die öffentl che Gewalt zu unredlicher Bereicherung Mu^en und die Korruption ist kein privtlegirtes Vetbrechen des demokratischen

Regiments; aber die Frechheit, mit welcher Mayor Hall der hereingebrochenen , Katastrophe trotzt, die Ungenutzt in der Wahl der Mittel zur Erhaltung seiner Herrschaft, d,e Dickfelligkeit, mit welcher er die Anklage aller ehrlichen Leute ertiiägt beweist mindestens, datz feiner Erfahrung nach die Sympathien der Massen, welchen er sein Heil anvertraut und allein anvertrauen kann, von sittlichen und palriottschen Beweggründen nicht berührt werden.

Bcßäligt sich tiefe Erfahrung auch in dcr jctzigrn Krise und bchauplet sich Mapor »all, trog feiner wvralischcn Nirdrrlage, in seiner Macht, fo wäre da« "U.rdings eine schlimme Empfehlung der demokratischen Selbsiregierung

t ®*e mecklenburgische VcrfassungSsrage wird auf dem nächsten Reichs,aae unjweitilhast zu erreg,en Debalten Anlaß gehen, denn die Mecklenburger, welche von allen deulschcn Stämmen da« sicher nicht beneitenswerihe Vorrecht aeniesi-n nnler einer obioluhn Staatssvrm zu leben, scheinen e« müde zu sein, in Beiua nuf die Verhältnisse ihrer engeren Heimalh ausschließlich nach den Diktaten des Iankerthums reai-rt zu wirken. Das mecklenburgische Volk verlangt ein- eonstj. tutlonelle Venassung, und da ,S sich selber di-Fähigkeit nicht zutrauk, aus eigcnen Zlraittn ein solches Z el zu erreichen, oder auch vi.lleicht zu lopa, denkt, um irgend welchen Zwang auf die großberzogliche Regierung auszuüben, so wird es sich noch einmal an den deutschen Reichstag mtt der Bitte wenden, ihm zu einer ron- [MuttemÜen Detfassung zu verhelfen. Ob nun der Reichstag in dieser Angelegen, beü ftcb für kompetent erklären und ob die Bundesregierung den etwaigen Be- sehluffen der Volksvertretung Rechnung tragen wird, das sind die Fragen, welche über di- Wunsche ter Mecklenburger entscheiden, oll.in die Beantwortung der -inen wie der anderen ist zur Zeit noch in kieses Dunkel gehüllt. Auf dem Reichs- tage gibt es nicht bloS unter den Eonservativen, sondern auch unter den übrigen Parteien nicht wenige Manner, die der Meinung zuneigen, die Bundesgesetzgcdung w^lenbu,gische Verfassung ganz überflüssig e.^chr.nen Die Tratte Mecklenburgs, so wird auf dieser Seite argumentirt, sind n>cht bloS für nationale G'sammtzwecke verwertbct, sondern auch durch die wirthfchaftliche Frei- heit im Gclvlge der Bundeeversaffung im particulonn Interesse des Landes ent« teflelt wordin; dazu kommt, daß die Eompetenz des Bundes sich über immer mcbr Zweige der etnz<lnen Staatsverwaltungen erstreckt, fo daß in nächster Zeit die Justiz, das Vtreinewefen, die Presse und das gesammte Verkehrswesen der Reichs- geletzgebung rollständig unterworfen sein werden. Anderseits läßt sich nicht ver­kennen, daß der Bundesregierung eine gewisse Abneigung innewohnt, die weckten- burgt|d)c Regierung, die fo entschieden ihre nationale Gesinnung bethätigt hat, zwangümeise zur E nsührung einer constitutionellen Regierungsform zu nöth'gen - es bliebe mithin, selbst wenn die Volksvertretung im Sinne der mecklenburgischen Petenten beschlösse, doch immer sehr fraglich, ob die Bundesregierung consvrm den Beschliissln des Reichstages gegen die grotzherzogliche Regierung Vorgehen>de So entschieden wir nun auch auf ter Sette der Liberalen Mecklenburgs stehen und der Ansicht Derer sind, welche die innere Wohlfahrt für abhäng'g erklären von ter E.nsührung einer constitutionellen Staatsform, so glauben wir doch unseren Landsleuten in Mecklenburg feinen besseren Rath ertbeihn zu können als ihre Sache zunächst auf sich felbst zu stellen, ihrer eigenen Kraft zu vertrauen und mit ten Mitteln, welche ihnen die Bundesversaffung an die Hand gibt, für die Ab- fd)offun9 des veralteten Jankerr.giments und Ersetzung tessrlben durch eine auf dem modernen Etaatsrechte ruhende Repräfentativ-Bersassung alle Hebel in Be- wcgung zu setz n. Die Einführung einer solchen Verfassung wird an maßgebender