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gegeben, möchte das Schisma innerhalb der Genfer Convention wohl noch nht! gediehen sein; daß aber eine Aenderung bezüglich der Betheiligung der freiwillftn Krankenpflege in zukünftigen Kriegen bevorsteht, dafür sprechen die letzten V sahrungen.

Für die Straßburger Bibliothek wird in London sehr eifrig gesammelt uh bis jetzt hat das betreffende Comite an größeren Dotationen erhalten: Vom Mi nisterium des Aeußern eine vollständige Sammlung der britischen und ausländischen Staatspaptere nebst mehreren anderen Werken; vom Colontalministcrium die sämat- lichen Blaubücher der Colonte aus den letzten zehn Jahren, von dem Ministerium für Indien eine Auswahl von Dokumenten rc. Außerdem haben acht Verlags^ firmen der neuen Universität von jedem der bei ihnen erschienenen Werke, welches die betreffenden Behörden der Bibliothek wünschen, ein Exemplar zur Verfügung gestellt.

Die halbamtlicheWiener Abendpost" schreibt: Die norddeutschen Blatter vom 4. August feiern zum Thetle den Jahrestag von Weißenburg, indem sie die hohe Bedeutung dieses Sieges für den Gesammterfolg der deutschen Waffen her- vorheben. Wenn dieSchles. Ztg." diese Gelegenheit ergreift, um neuerdings an die durch unzweifelhafte Erklärungen und die darauf folgenden Thatsachen längst widerlegte Fabel von einer ernsten Gefahr, welche Deutschland seitens Oesterreichs drohte, zu erinnern, so können wir hierin nur eine ebenso irrige Auffassung des damaligen als ein geringes Verständniß des gegenwärtigen Verhältnisses zwischen Oesterreich und Deutschland erkennen.

DieUnion Franc-Comtolse" von Besancon schreibt aus Poligny (Jura) vom 4. August:Ein Preuße wurde am Mittwoch Abend nicht weit von der Eisenbahn aufgehängt gesunden. Dies versetzte die Deutschen in Wuth, und sie durchzogen die ganze Nacht die Straßen der Stadt. Um 11 Uhr Abends wurden zwei Flintenschüsse auf zwei Reiter abgefeuert, die ihre Pferde auf dem großen Platze tränkten. Einer derselben stürzte todt nieder, der Andere wurde tödtlich verwundet. Die Deutschen schlugen sofort Alarm, und die Soldaten durchzogen, den Säbel in der Faust, wie Wüthende die Straßen, hieben auf alle Personen ein, denen sie begegneten und zerschlugen die Thüren und Fenster. Ungefähr zwanzig Personen wurden verwundet, darunter acht schwer. Diese Personen waren jedoch ganz unschuldig. Ein Mann aus ArboiS fuhr gerade in diesem Augenblick durch den Ort. Die deutschen Soldaten tödteten sein Pferd und verwundeten den Fuhrmann, welcher nach dem Spital gebracht werden mußte. Nachdem die Deutschen ihre beiden Todten begraben, zogen sie in der Richtung von LonS 1t Soulnier ab. Aber heute Morgen um 7 Uhr kam eine Avantgarde, welche die Ankunft von 800 Mann ankündigte. Die Bestürzung in der Stadt ist groß. Die Gerichte von ArboiS und die Polizei von Poligny haben eine Untersuchung begonnen. Zwei Männer, die im Verdacht stehen, auf die Deutschen geschossen zu haben, sind verhaftet worden. Der Maire und der Adjunct von Poligny sind nach Dijon abgereist, um dem preußischen General zu erklären, wie sich die Dinge zugetragen haben. Die Deutschen wollten die Stadt niederbrennen. Man hatte einige Mühe, sie daran zu verhindern." (Uebrigens ist der deutsche Bericht ob- zuwarten.)

Der Assisenhof des Seine-et-Oise-Departements hat einen gewissen Fremont zu 15 Jahren Gefängniß verurtheilt. Derselbe warüberführt worden, beim Niederbrennen von Maison-Blanche im Einverständniß mit den Preußen gewesen _----_________L_

Friedberg. Das Großherzogl. Kreisamt Friedberg hat eine Abschätzung des an der Crescenz der Wiesen, Aecker und Gärten durch die Uebcrschwemmungen der Nidda verursachten Schadens veranlaßt. Nach einer Zusammenstellung beziffert sich derselbe allein in den im Kreise Friedberg bclegenen Gemarkungen Staden, Reichelsheim, Ober-Florstadt, Nieder-Florstadt, Wickstadt, Affenheim, Ilbenstadt und Nieder-Wöllstadt auf die bedeutende Summe von 75,978 fl. Daß es hier­nach angezeigt ist, Vorkehrungen zu treffen, damit, soweit dies ausführbar erscheint, ähnlichen Schädigungen vorgebeugt werde, bedarf wohl keiner näheren Erläuterung. Daß denselben entgegengewirkt werden kann, ist ebenso unzweifelhaft, denn in manchen Gemarkungen unseres und der anderen Kreise laborirt der dermalige Zu­stand des Nidbaflusses, seine Richtung, Eindämmung, Breite und seinen Brücken an manchen Mängeln, welche beseitigt werden können. Vieles ist hierüber schon verhandelt worden. Hoffen wir, daß die, behufs Anregung einer durchgreifenden Correction auf Veranlassung Großherzogl. KreiSamtS Friedberg kürzlich stattgehabte Besichtigung der Nidda von Staden bis zur Landesgrenze unterhalb Vilbel durch den Großherzogl. Oberbaurath Renner, unter Zuziehung der LokalverwaltungS- und Baubehörden, einen möglichst günstigen Erfolg haben möge und die betreffen­den Ortsvorstände, wenn es sich um die Aufbringung der Regulirungskosten han­deln wird, sich nicht von unzeitiger Sparsamkeit leiten lassen, sondern in einsich­tiger und bereitwilliger Weise den Vorschlägen der Regierungsbehörden entgegen kommen möchten. Nur dann ist ein ersprießliches Resultat zu erwarten. (O.A.)

Darmstadt, 8. Aug. Die hiesige deutsch-katholische Gemeinde beschloß in der gestern abgehaltenen Gemeindesitzung, den bereits vor 25 Jahren zum Prediger der Gemeinde ernannten, später auch zum Pfarrer der Gemeinde in Mainz erwählten Pfarrer Hieronymi, der eine Zeit hindurch durch amtlichen Erlaß verhindert war, seine Functionen zu verrichten, jetzt jedoch durch ein Schreiben des Großherzogs in seine Rechte wieder eingesetzt ist, zur Wiederaufnahme seiner Amtshandlungen in hiesiger Gemeinde zu veranlassen. Der anwesende Prediger Hieronymi sagte bereitwillig zu, alle vier Wochen regelmäßig den Gottesdienst abzuhalten und ebenso wieder den Religionsunterricht der Jugend zu übernehmen. (Mainztg.)

Homburg v.d. H., 8. Aug. Die Abreise des Kaisers erfolgt Donnerstag Morgens 73/4 Uhr über Frankfurt, Nürnberg und Regensburg, woselbst Nacht­quartier. Freitag erfolgt die Weiterreise über Passau mittelst Extrazuges nach Wels und Gmunden, von dort aus mit Dampfboot nach Ebenste und mit Post nach Ischl. Samstag Nachmittag 4 Uhr reist der Kaiser von dort nach Salz- bürg und Sonntag Morgens nach Gastein, wo derselbe um 5 Uhr Nachmittags eintrifft.

Berlin, 8. August. Noch ist das Ringen der Maurergesellen mit ihren Arbeitgebern nicht entschieden, und schon wieder ist von einer großartigen Arbeits­einstellung zu berichten. In der hiesigen Norddeutschen Maschinenbau-Actien-Fabrik hatten vor Kurzem die Arbeiter wegen eines Zerwürfnisses mit einem Meister der Fabrik mit einem Strike gedroht, der nur mühsam beigelegt wurde und eine starke Gährung hinterließ. Gestern Vormittag entließ die Direction plötzlich den Vor- sitzenden des Maschinenbauer-Strikekassen-Vereins, und sämmtliche Arbeiter, 900 an der Zahl, verließen sofort die Arbeit. Die Fabrik ist jetzt ganz geschlossen.

t Berlin, 8. August. Das General - Auditoriat hat jktzt seinen Bericht über «lle in der norddeutschen Armee während des letzten Krieges vorgekommene Verblechen und Vergehen dem Kriegsminister erstattet. In diesem Bericht spricht sich das General-Auditoriat höchst günstig über die Disciplin der Truppen aus; es find im Verhältniß zu dem Militär anderer außerdeutscher Staaten nur ein Dittel oder die Hälfte an leichteren DiSciplinarvergehen und Strafen im Dienst vrgekommen. Dagegen sind die während der KriegSzeit vorgekommenen 93er- I frechen und Vergehen noch einmal so viel, als in Friedenszeiten. Am häufigsten tommt das Vergehen der unberechtigten Requisition vor, demnächst das Verbrechen des Diebstahls. Widersetzlichkeiten gegen die Befehle der Vorgesetzten sind ver- hältnißmäßig sehr wenige vorgekommen. Im Ganzen aber wird lobend der Land- nehr erwähnt, weil diese sich durch Alter und gesetztes Benehmen vor allen en­teren Truppentheilen ganz besonders auszeichnet. Der Bericht wird in Form ineS Rapports an den Kaiser gelangen und demnächst den einzelnen Regiments- wmmandeurcn zur Mittheilung mittels Parolebefehl zugehen.

Der Bau des provisorischen Reichstagsgebäudes wird jetzt mit aller Kraft iefördert und soll schon am 15. September soweit vorgeschritten sein, daß dann nit dem inneren Ausbau begonnen werden und das Gebäude mit Anfang October girier Bestimmung übergeben werden kann. Der BundeSrath verfügt darin über einen geräumigen Sitzungssaal und über mehrere Empfangszimmer für den Reichs- Kanzler und den Präsidenten des Bundeskanzleramtes. Es sind jetzt täglich in Tag- und Nachtabtheilungen getrennt 430 Personen dabei beschäftigt.

In Betreff der Aufbesserung der Gehälter für die Staatsbeamten erfährt man, daß in den deshalb stattfindenden Berathungen der Delegirten der verschie- denen Fachministerien die Vorlage des Finanzministers vielfachen Widerspruch findet, einestheils wegen der zu gering bemessenen Aufbesserung der einzelnen Gehalts- tategorien, anderntheils wegen der zu geringen Berücksichtigung der Gehälter der Unterbeamten.

Eine freudige und schmeichelhafte Ueberraschung ist den Ehrenjungfrauen, welche bei dem Siegeseinzug in Berlin die Honneurs machten, dadurch bereitet worden, daß der Kaiser denselben Geschenke in Gestalt von prachtvollen Broches und Medaillons zugestellt hat. Das Medaillon ist von mattem Golde, trägt auf einer Seite das Portrait des Kaisers, umgeben von einem Lorbeerkranz, auf der andern das Datum und die Jahreszahl des Einzugstages und über dem Medaillon befindet sich eine freistehende Kaiserkrone. Die Broches, ebenfalls aus mattem Gold, haben die Form einer Schleift, deren Knoten die Initiale W. mit der Königskrone in schwarzer Emaille trägt und auf deren Enden das Datum und die Jahreszahl in erhabener Schrift verzeichnet steht.

München, 5. August. Die Münchener Bürgerschaft will eine Deputation nach der zunächst gelegenen Eisenbahnstation zur Begrüßung ^eS Kaisers absenden. DasVaterland" fällt deshalb über die Münchener her. Möge der betreffende Artikel als Stilprobe desVaterland" hier eine Stelle finden, wobei wir freilich unsere Leser um Entschuldigung bitten müssen, daß wir sie mit so unfläthigen Dingen unterhalten. Der Artikel lautet:Der König von Preußen kommt, wie dieNeuesten" wehmüthig berichten, auf einer Reife nach Gastein nicht über München. Der tiefbetrübte Fortschritt wird daher an eine bayerische Station zur Begrüßung dcS allerdurchlauchtigsten großmächtigsten Heldenkaisers eine aus feiner Mitte gewählte Bauchkriecherdeputation entsenden, welche demselben beim wnnnn nr w». «nd NrlMkNs des Münchener

Fortschritts den kaiserlichen Helvenvater bitten wird, befaßte Deputation aller- gnädigst als Spucknapf benützen zu wollen. Wird diese inbrünstige fortschrittliche Bitte erfüllt, so soll der betreffende Fleck der Deputation ausgeschnitten und seiner Zeit in der zu erwartendenNationalkirche" zu München zur öffentlichen Ver­ehrung und zum andächtigen Ablecken ausgestellt werden."

Straßburg, 7. August. Der Jahrestag der Schlacht von Wörth wurde gestern durch allgemeine Trauerbezeugungen gefeiert. In den Straßen sah man wenige Männer, die nicht eine Immortelle auf der Brust, wenige Frauen, die nicht eine tricolore Schleift in den Haaren oder am Hute trugen. Die Sitte mit den dreifarbigen Bändern bauert übrigens schon lange und wird um so eifriger festgehalten, als Vie Deutschen sich hin und wieder nicht ohne Heftigkeit dagegen aussprechen, ja selbst thatsächlich einschreiten. Es ist vorgekommen, daß Offiziere jungen Mädchen auf der Straße unter Drohungen befohlen haben, ihre Schleifen abzunehmen. Natürlich ein Grund mehr, dieselben beizubehalten.

Mühlhausen, 5. August. Von vorn herein, und von allen Seiten ignorirt, steht die deutsche Bank da. Sie kam gerade in der Zeit der sauren Gurken, wollte weder französische Banknoten noch französische Wechsel in ihr Portefeuille aufnehmen, und nun stehen sie leer, die luftigen Hallen der königl. Bank, und Niemand regt sich daselbst, als der Gärtner, der emsig das Gras beseitigt, wel­ches den bepflasterten Weg nach der ehemalige nBanque de France zu überwuchern droht. Entweder wird sich das neue Geld-Institut nach dem hiesigen Geschäfts- ufus richten müssen, oder die Geschäfte nach der Bank; andernfalls müßte man sich darauf gefaßt machen, zu sehen, daß in der ersten ehemaligen Industriestadt Frankreichs das deutsche Geld systematisch vom Verkehr ausgeschlossen wird. (Karlr. Ztg.)

Paris, 6. August. Heute feierten die deutschen Truppen in der Umgegend von Paris den Jahrestag der Schlachten von Wörth und Forbach. Die Feier ging aber ohne alles öffentliche Aufsehen und in Stille vor sich, da man die Franzosen nicht verletzen wollte. Man beschränkte sich darauf, bet dem gemein­schaftlichen Offiziers-Mittagstisch einige Toaste auszubringen und des Abends sich in den deutschen Bierwirthschaftcn zu versammeln, wo die Musikbanden einige Stücke aufspielten. In Nogent s./M., wo Bayern liegen, wurden bei der Offiziers- täfel Toaste auf den Kaiser, den König von Bayern, den kaiserlichen Kronprinzen rc. ausgebracht, und des Abends fand in dem Garten derBayerischen Bier- Restauration", der ein ehemaliger Kämpfer bei Metz, Namens vom Taß, vorfteht, Musik statt. Viele Offiziere, Unteroffiziere und Soldaten hatten sich eingefunden. Nur ein Fenster des Restaurationsgebäudes war mit fünf Fahnen und einigen Laternen geschmückt. Um li/2 Uhr Abends, als ich den Ort verließ, war es zu keiner Demonstration gekommen. Die in Nogent liegenden Offiziere sind über die Angriffe Der Pariser Blätter sehr ungehalten, um so mehr, als sie jede Gelegen­heit vermeiden, welche zu einem Conflicte mit den Einwohnern führen konnte.

Paris, 8. August. Es heißt, der Finanzminister, welcher beabsichtigt, die dritte halbe Milliarde am 25. d. M. zu zahlen, habe mit dem General v. Man­teuffel eine Vereinbarung berathen, nach welcher die deutschen Commandankn der auf dem rechten Seine-Ufer gelegenen Pariser Forts bereit« schon jetzt mit der