Ausgabe 
11.6.1871
 
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bahnen in Elsaß und Lothringen, dessen Berathung auf der morgigen Tages- ordnung des Reichstags steht, umsaßt nur einen Paragraphen, Inhalts dessen der Reichskanzler ermächtigt wirb, den Bedarf für die Ausrüstung der an Deutschland abgetretenen Eisenbahnen in Elsaß und Lothringen mit Betriebsmitteln bis auf die Höhe von fünf Millionen Thalern aus den bereitesten Mitteln der von Frankreich zu zahlenden Kriegsentschädigung vorschußweise zu bestreiten. In den dem Entwurf beigegebenen Motiven wird darauf hingewiesen, daß durch den Friedens- schluß die seither der französischen Ostbahngesellschaft angehörenden Eisenbahnen in Elsaß-Lothringen ausschließlich des Lokomotiven- und Wagenparks erworben sind, unv daß die längere Verwendung der deutschen Betriebsmittel angesichts des in Folge des Friedens zu erwartenden Aufschwungs des Verkehrs mit den In­teressen des Verbrauchs, des Handels unv der Gewerbsamkeit Deutschlands un­vereinbar sein würde. Die größte Beschleunigung für die Beschaffung eines aus­reichenden eignen Betriebsmaterials für die elsaß - lothringischen Eisenbahnen ist daher geboten. Nach den im übrigen Deutschland gemachten Erfahrungen ist zur mäßigen Ausrüstung einer Meile Eisenbahn mit Betriebsmitteln ein Betrag von durchschnittlich 100,000 Thlr. erforderlich. Bei einer Betriebslänge der in Rebe stehenden Bahnen von etwa 100 Meilen wird also ein Gesammtdetrag von 10 Millionen Thalern Verwendung finden müssen. Die Beschaffung von Eisenbahn- Betriebsmitteln, welche aus KriegsfondS stattgefunben hat, hat einen Werthbetrag von 2 bis höchstens 3 Millionen Thalern erreicht, so daß, wenn dieses für ge­meinsame Kriegszwecke beschaffte Material auf die elsaß-lothringischen Bahnen über­tragen wird, immer noch für 7 bis 8 Millionen Thaler Betriebsmittel zu be­schaffen sein werden. Es wird aus diesen Gründen ein Vorschuß von 5 Millionen Thaler gefordert, dessen definitive Verrechnung bei der endgiltigen Ordnung der Derhältn sse der erworbenen Bahnen erfolgen soll. i

Berlin, 8. Juni. Die Postbesörderung von Privatpäckereien für das 4. Armeecorps ist bis auf Weiteres inhibirt worben, so daß dieselbe gegenwärtig nur noch für nachbezeichnete Truppenkörper gestattet ist: 1., 2., 10. und 15. Armee- corpS, 6., 11., 22. und 24. Infanterie-Division.

Heute Vormittag 11 Uhr traf der Kaiser von Rußland mittels Extrazuges auf dem Ostbahnhofe hier ein. Auf dem Bahnhofe empfing ihn Kaiser Wilhelm, umgeben von sämmtlichen hier anwesenden Prinzen des königlichen Hauses, und nach kurzer Begrüßung geleitete der deutsche Kaiser den russischen Monarchen nach dem russischen Palais unter den Linden. Gegen 12 Uhr machte dec Kaiser von Rußland seinen Gegenbesuch im königlichen Palais, wo um 5 Uhr Familientascl stattsand. Abende besuchten die Majestäten das Opernhaus.

Dresden, 5. Juni. Das DreSd. Journ. veröffentlicht eine Bekanntmachung, die Abhaltung eines Gottesdienstes zur Feier des zwischen Deutschland und Frank­reich abgeschlossenen Friedens betreffend; dieselbe wirb im Anschluß an die im Königreich Preußen und in anderen deutschen Staaten dieserhalb getroffenen An­ordnungen auf den zweiten Sonntag p. Trinit., den 18. Juni 1871, festgesetzt.

>1 München, 7. Juni. Unter den in Ingolstadt internirten französischen Kriegs­gefangenen Haden Unordnungen stattgefunben, welche jedoch durch energisches Ein­schreiten des Gouverneurs rasch unterdrückt wurden. 33 Rädelsführer wurden ermittelt und tHeils in das Militärgefängniß abgeführt, theils in eine Straf- compagnie versetzt. Außcrvem wurde den Gefangenen die Erlaubniß zum Aus-

gehcn entzogen und die Verkündigung des Standrechts angedroht.

Freiburg, 6. Juni. Graf Moltke ist bei seiner gestrigen Ankunft hier von zwei Gesangvereinen begrüßt worden, denen er freundlich dankte. Seine kurze Ansprache, in welcher er an die bcängstigenden Tage des Januar erinnerte, schloß mit den Worten:Seien Sie beruhigt, meine Herren, wir lassen sie (die Fran­zosen) nie mehr herein!"

Versailles, 5. Juni. 10,000 Arbeiter sind damit beschäftigt, Paris zu reinigen und die Barrikaden sowie andere Hindernisse in den öffentlichen Straßen aus dem Wege zu räumen.

Versailles, 6. Juni. Die Nachrichten aus Lyon indiciren eine Zerrüttung der politischen und finanziellen Zustände dieser Stabt, welche ein trauriges Progno- sticon für die Zukunft der inneren Verhältnisse Frankreichs stellt. In gewissen Klassen der Bevölkerung herrscht eine dumpfe Gährung, die sich zeitweise durch heimliche Maueranschläge aufrührerischen Eharakters Zusammenläufe und andere unverkenn­bare Zeichen eines fanatischen Hasses gegen die bestehende Regierung kund giebt. Es Haden bereits wieder zahlreiche Verhaftungen stattgefunden. Der Mörder des Eommandanten Arnaud Deloche hat über die Projekte der Meuterer, welche Brand­stiftung und Plünderung planten, Enthüllungen gemacht, die behrfs weiterer Unter­suchung die Behörde veranlaßte, seinen Transport nach Riom, wo er seine Strafe abbüßen soll, zu vertagen. DerPcogres" ist angeklagt, Adressen eommunlstischer Tendenz publicirt zu haben, der Retacteur derDroits de l'homme" ist verhaftet. DerCoL6di6 politique" wurde wegen Derläumdung eines Stadtraths der Proceß gemacht. Alle diese Vorfälle halten die Einwohnerschaft in Aufregung.

Versailles, 8. Juni. Die Nationalversammlung ist sehr erregt. Batbie, der Berichterstatter, sagt, die Commission schlägt vor, den Antrag auf Zurücknahme der Gesetze über das Exil der Familie Bourbon anzunehmen. Er erinnert an das Circular der Prinzen nach ihrer Wahl, worin sie sich der Entscheidung der Nation unterwerfen, ob diese für die Republik oder für die konstitutionelle Monarchie ausfclle. Der Bericht des neunten Bureau'S ist für die Giltigkeitserklärung der Wahl des Prinzen von Joinville. DaS zehnte Bureau erklärt sich für die Giltig- fett der Wahl des Herzogs von Aumale. Billy verliest einen Antrag bcr Dcpu- tirten aus den von den Preußen besetzten Departements, welche die Vertagung der Zurücknahme der Exilgefftze unv die Prüfung brr Wahlen der Prinzen von Orleans verlangen, um eine Agitation zu vermeiden, welche die Lage der besetzten Depar­tements verschlimmern könnte. Etwa zwanzig Mitglieder von der Linken bringen etnen gleichen Antrag ein. Der Generalprocuralor Leblon hebt die Gefahren bcr ' igkettserklarung der Mahlen und der Zurücknahme der Extlges tze hervor. Er ^^nh,^QnQnn rfld) unter diesen Prinzen solche befinden, die sich als Kron- Städten nnrh fn t Er sagt, der Bürgerkrieg bestehe in den großen

L Ua?» nl ' -toenn auch in latenter Wcise. Batbie widerspricht. Th.erS L? clner so schwierigen Frage gegenüber befunden; er hebt

b e Nolhwkndlgk.it h-r°°r, .m Inter-ff- der Ordnung und des Credit, aüt auf, ngenctB »ragen zu vertagen. Man habe ihm die Republik anve,traut, er werde sie nicht verrathen, er werde Niemanden vrrrathen. Die Zurücknahme der exckgefttze w,rd darauf mit 484 gegen 103 Stemmen angenommen. Die Wahlen »on Aumale und Ioin-ill- werden mit 448 gegen 113 S.unmen für giltig erklärt.

... Ju.n, Xle "iuestcn englischen und belgischen Blatter bringen Mülhetlungen über die Fusion der beiden Bourbonlschen Familienzwcigc, welche

an Bestimmtheit wenig zu wünschen übrig lassen. So soll das Resultat der Fusion die Anerkennung de- Grafen Chambord als König von Frankreich, mit dem Grafen von Paris als Thronerben und die provisorische Ernennung de- Herzog- von Aumale zum Geserallieutenant de- Königreichs fein. Die Verhandlungen in Be­treff der Fusion wären von dem Erzbischof Dupanloup geleitet worden.

Paris, 6. Juni. Unter den Mitgliedern der Assemblee wurde ein Brief Guizot's vertheilt, den derselbe an Grevy gerichtet hat. Guizot führt au-, ThierS habe dem Lande die größten Dienste geleistet und schließt, daß ein feste- uner­schütterliches Band zwischen ThierS und der Assemblee allein dahin führen könne, das Werk der Pacification und Reorganisation des Landes, welches die Gründung definitiver Constitutionen ermöglichen wird, zu beenden. Entweder die wahre, nicht revolutionäre Republik, oder die wahre konstitutionelle Monarchie. Man hat begonnen, das Wohl des Landes zu begründen, sagt er, an uns ist es, die Ge­walten, welche für dasselbe arbeiten, zu unterstützen, damit sie ihre Zwecke erreichen können. Guizot erinnert sich daran, daß die Frage der definitiven Institutionen noch Vorbehalten fei und bleibe und ist der Ansicht, daß der Augenblick noch nicht gekommen, um sie zu besprechen und mit Schicklichkeit, Freiheit und Einsicht sich schlüssig machen zu können. Er fügt hinzu, das sei überdies unmöglich, die vor- behaltenen Fragen zu prüfen, so lange noch 135 Deputirte zu wählen wären. Bezüglich der Gültigkeitserklärung der Wahlen des Prinzen von Orleans constatirt Guizot, daß das Exil der Prinzen nie eine legale Thatsache eine rechtliche Ver­bannung gewesen sei, sondern eine ausschließlich politische Maßregel sei , er fügt hinzu, sie seien keine Prätendenten und verlangen lediglich ihre bürgerlichen Rechte. WaS die Abschaffung des Gesetze- betrifft, welche- den Grafen von Chambord verbannt, so stützt sich Guizot auf die Erwägung, daß der erste Prinz des französischen Hauses Opfer der Fehler, welche er nicht begangen hat, nur darnach strebt, die Stütz? der Macht (le fonefö de pouvoirs) Frankreichs zu sein. Die Kürze ist der Hauptzweck des Guizot'schen Briefes, die Kammer zu verhindern, jetzt schon über die Form der Regierung zu diScutiren, Frankreich darf nichts ab orato thua.

Lyon, 6. Mai. Unsere städtischen Finanzen sind eben Gegenstand vielfacher Erörterungen. Die Kaffen sind leer, so daß selbst Zahlungen tn Beträgen wie Fr. 500 nicht mehr geleistet werden können. Die Stadt bat in einigen Monaten 14 Millionen Fr. ausgegeben, andererseits aber auf die Einnahmen, welche man aus dem städtischen Octroi zog, Verzicht geleistet, da sie anstatt deffelben eine direkte Steuer einzusühren beabsichtigte. Letztere findet nahe unbesieglichen Wider­stand. Die Kriegssteuer ist nur zur Hälfte von der Bevölkerung bezahlt worden. Um die Lage zu erschweren, gehen der Stadt Anweisung auf Anweisung zu^md der lokale Patriotismus charakterisirt sich durch Hemmnisse aller Art, welche man Der Verwaltung der Municipalbehörden in den Weg zu legen sucht.

Athen, 8. Junt. Die Session der Kammer wurde durch königliche- Dekret geschloffen. Die Königin leistete heute den Regentschaft-eid vor dem Cabinet und dem Präsidium der Kammer. Der König wird nächsten Sonnabend nach Em- abreisen.

Telegraphische Depeschen.

4- Berlin, 9. Juni. Die Abreise des Kaisers von Rußland ist auf morgen Vormittag festgesetzt. DerKrcuzzeitung" zufolge wird die Reise de- Kaiser- nach Ems gegen Anfang Juli stattfinven. Die Angelegenheit der Dotationen besonders verdienter Feldherren gilt derKreuzzeitung" zufolge keineswegs für aufgegeben. Dieselbe dürfte, nach ihr, bei Gelegenheit der definitiveu Beschluß- nahme über die gesummte Kriegscontribution in der Herbstsession des Reichstages zur Erledigung gelangen.

+ München, 9. Juni. Der Redakteur desVolksboten", Dr. Zander jun., wurde wegen des Artikels, worin er die deutsche Armee unberechtigter Aneignungen im letzten Kriege beschuldigt, vor das Schwurgericht verwiesen.

4- Brüssel, 8. Juni. DasEcho du Nord" in Lille meldet: Die Exkaiserin Eugenie hat jede Schilberhebung zu Gunsten de- kaiserlichen Prinzen mit Den Worten zurückgewiesen:Ich will nicht in die Fußstapfen Marie Antoinette'- treten und nicht meinem Sohne das Schicksal Ludwig's XVII. bereiten." Der Kaiser verhält sich schweigsam. Prinz Napoleon will eine Schilberhebung auf eigene Faust versuchen.

4- Brüssel, 9. Juni. DieJndependance beige" schreibt aus Paris: Ein­dringliches Zureden von Freunden Thier»', die ein Attentat befürchteten, bestimmte Denftlben, bei Der Leichenfeier Darboy's nicht zu erscheinen. Alle Commune- mitglieder sind erschoffkn oder gefangen, außer Pyat, der spurlos verschwunden.

Paris, 8. Juni. Es ist neuerdings wieder die Rede davon, im Innern von Pari- ein starke- Fort zu erbauen, wie man glaubt auf die Buttes Mont­martre und Chaumont. Genieoffiziere haben bereits mit der Untersuchung des Terrain- begonnen. Die Verhaftungen werden fortgesetzt. Man nennt als ver­haftet Dr. LeSnefle, Ambulanzdirector der Commune; Sassin, ehemalige- Mitglied oes Centralcomite's; Villaume, Mitredacteur dr-Pere Duchene"; Andree Gill, Carricaturenzeichner,. von Der Commune zum Conservator de-Museums im Luxem­bourg ernannt. Bourster, Der Commandant Der ersten Legion, erschoß sich, als er verhaftet werden sollte. In Den Katakomben hat man 10,000 Brandbomben ge­funden. Nach Den bei Gcfanglnen aufgefundenen Schriftstücken hat Die Commune 23,000 derselben anfertigen lassen, e- blieben somit, Da nur eine geringe Anzahl zur Anwendung kamen, noch viele zu entdecken übrig. Die Eröffnung des Knegs- gerichts ist wieder auf einige Tage hinausgeschoben. Die Verzögerung rührt von Den durch die Entdeckungen neuer wichtiger Dokumente nothwendig gewordenen Supplementen zu Den Anklageakten her, mit Deren Abfassung man beschäftigt ist.

+ Konstantinopel, 8. Juni. Gestern Morgen brachen fast gleichzeitig an vier verschiedenen Punkten Der Stadt Feuersbrünste aus. Etwa 170 Häuser sind abgebrannt. Man vermuthet Brandlegung.

Auszug aus den Kirchenbüchern der Stadt Gießen.

a. Evangelische Gemeinde.

Kopuliere.

Den 4. Juni. Johannes Becker, Arbeiter von Garbenteich; und Elisabeth Borrn aus Saasen.

Denselben. Heinrich Friedrich Wilhelm Hofmann, Gastwitth dahier des Bürgers und Schneidermeisters in Hungen, Peter Hofmann, ehelicher Sohn-' und Katharine Johannette Konradine Neuling, des verstorbenen hiesigen Bürgers und >Kaminfegers, Heinrich Neuling, eheliche Tochter.

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