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Wir machen eincm verehrlicken Publikum hiermit bekannt, daß Inserate, welche in den Abends erscl'einenden Anzeiger Aufnahme finden sollen, bis spätestens 9 Uhr Vormittags bei der Vrped abgegeben werden muffen. Inserate, die nach dieser Zeit eintreffen, muffen bis znr nächsten Nummer zurückbleiben Die (»xpedition des „G,efiener Anzeigers."
Preis oieclellöhrig 1 fl- 12 Tx. mit Äringerlohn. Durch di» Poft bezogen vtertelsäbrip l fl. 27 K.
Erscheint täglich, mit Aufnahme Montags.
Expedition: Lanzleiberg At. B. Nr. 1.
Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Kielen.
Nr» 233. Dienstag den 10. Oktober 1871.
zü ü /!•' a... werben noch fortwährend sowohl bei der Expedition, Canzleiberg B. 1, als auch
Älif 9CH bei allen Post-Expeditionen und den Land-Postbotm entgegen genommen.
Abonnenten, welche den Anzeiger bei der Erpedition ab holen lassen, erhalten denselben für das IV. Quartal 1871 zu 1 fl.
Amtlicher T h e i?.
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Die Generalversammlung des landw Vereins von Oberheffen betreffend.
Die Generalversammlung des landw. Vereins von Öberhessen pro 1871 soll am 23. October d. I., Vormittags um 10i/2 Uhr, im Rathhaussaal zu Büdingen abgehalten werben.
Gegenstände der Berathung werden fein: .
1) Erstattung des Rechenschaftsberichtes;
2 \ die Frage: Empfiehlt sich den Landwirthen der Provinz Oberhessen der Beitritt zu der in Frankfurt errichteten landw. Creditbank und welchen Nutzen kann diese Anstalt denselben bringen? Empfiehlt sich die Errichtung von Creditgenosseuschafteu in der Provinz?
3) die Frage: Ist für die Folge die landw. Unterrichtsfrage für die Bestrebungen der landw. Vereine in erste Linie zu stellen, sowie der landw. Unterricht und überhaupt die Verbreitung landw. Kenntnisse vor Allem aus Vereinsmitteln zu unterstützen?
4) Frage: Welche Mittel und Wege sind einzuschlagen, damit dem Druck der in keinem Verhältnis zur Besteuerung anderer Stände stehenden Besteuerung des Grundbesitzes Abhülfe geschafft werde?
5) die Frage: Liegt es im Interesse des landw. Vereins von Oberheffen, die Viehpreisvertheilungen auch für die Zukunft beizubehalten, oder dürfte es zweckmäßiger sein, die auf dieselben'seither verwendeten Summen ganz oder theilweise dem landw. Unterricht zuzuwenden?
6) Wahl des nächstjährigen Versammlungsorts.
Nach §. 33 der Statuten muß jedes Mitglied des Vereins, welches in der Versammlung einen Vortrag zu halten wünscht, dies vor Beginn der- selben dem Präsidium anzeigen; schriftliche Mittheilungen für dieselbe müffen einige Tage vor abzuhaltender Versammlung eingereicht werden.
Indem der Unterzeichnete die Mitglieder des Vereins, sowie Freunde der Landwirthschaft zu recht zahlreichem Besuch der Versammlung einladet, bemerkt er zugleich, daß in sehr dankenswerther Weise die Verwaltung der Oberhess. Eisenbahnen für den Tag der Versammlung einen Extrazug bereit gestellt hat, welcher um 8 Uhr 20 Minuten aus Gießen abgehen und an allen Stationen der Gießen-Büdinger Bahn halten wird, an Haltestellen aber nur auf vorhergehende Anmeldung bei der Betriebsdirectiou.
Laubach, am 26. September 1671. Der Präsident des landw. Vereins von Oberheffen:
Otto, Graf zu Zolins-Lembach.
Politischer Theil.
* Frankreich s Zukunft.
Wir haben niemals zu denjenigen gehört, welche die Rückkehr der Napoleoni- sÄen Herrschaft nach Frankreich für unmöglich hielten; aber wir haben kaum für möglich gehalten, daß die Dinge einen so rapiden Verlauf nehmen würden; glauben aber auch heute noch nicht daran, baß der BonapartiSmuS unter den Aeuße- rungen, vor welchen die reizbare Phantasie der Franzosen in der letzten Zeit so über die Maßen sich entsetzte, in die Action treten wird.
Wir glauben zunächst an keine bonapartistische Verschwörung, am wenigsten zum Zweck eines Pronunciamento'S und sind fest überzeugt, daß der Exkaiser jeden Augenblick bereit sein würde, eine Pioclawation an das Heer zu richten, um dasselbe vor einer imperialistischen Schilderhebung zu warnen. Natürlich nicht, um den erschrockenen Präsidenten der Republik zu beruhigen. Wir glauben nicht an eine bonapartistische Verschwörung — wir sehen aber die Bonopartisten überall in der rührigsten Thätigkcit begriffen. Indessen darf man sich darüber nicht wundern. Die Generalrathswahlen sind die natürliche Veranlassung; jede Partei versuch' ihre AeußerstiS, um zu reüsstren, und da die Zukunft der französischen StaatSsorm noch in Frage steht, sich auf die Zukunft verzubereiten.
Das thun die Legitimisten auch, das thun die Orleanisten mit der ihnen eigenen, würdelosen Betriebsamkeit, das thun die Republikaner, welche aus Gam- betta, als auf ihren künftigen Chef, verweisen.
Von allen diesen Parteien aber, dünkt uns, haben die Bonopartisten am wenigsten Ursache, zu conspiriren, weil die Dinge einen Verlaus nkhmcn, welcher ihnen von selbst in die Hände arbeitet, so daß es sehr viel Selbstüberwindung kosten wird, die Hand nicht vorschnell nach der Birne auSzustrrcken, bevor sie völlig reif Ist.
Oder könnte einem Bonopartisten die Erfahrung nicht den Kopf verrücken, daß, während noch vor wenigen Wochen ganz Frankreich noch von Huß und Verachtung gegen das Kaiserthum erfüllt schien, heute bereits ganz Frankreich von der Furcht vor seiner Rückkehr erfüllt ist? Bereitet thm diese Furcht nicht die Wege vor, welche ihm die Verachtung und der Haß versperrten?
Die Symptome der Sympathie mögen sich vereinzelt zeigen, obwohl sie charakteristisch genug sind — wir gedenken nur des Generals Douay, welcher dem Präsidenten der Republik gerade heraus erklärt, daß er nicht nach England gehen würde, ohne dem Exkaiser seine Aufwartung zu machen; aber die Symptome der Furcht, welche ebenso deutlich in den Aeußerungen der Presse, als in den An
fragen der Permanenzcommission hervortrcten, beweisen, erstens daß dos Vertrauen in die republikanische Entwickelung nirgends vorhanden ist, zweitcns aber, daß der Donapartismus bereits wieder als eine Macht in Ansehen gekommen ist.
Dieser Situation enspricht eS, daß der BonapartiSmuS seine Fahne enthüllt; auch hat es immer zu den wirksamsten Mitteln der Napoleonischen Politik gehört, sich zu seinen Zielen lange vor der Zeit, zu welcher der BonapartiSmuS dieselben ernstlich in Angriff nehmen konnte, zu bekennen. Die Opposition kämpfte sich nieder, und das Ereigniß, wenn es eintrat, war in der öffentlichen Meinung vorbereitet.
So ist jetzt ein bonapartistisches Blatt: „L'Ordre" gegründet worden, mit der Aufgabe, Frankreich auf das Kaiserthum vorzubereiten, und wenn schon der gewählte Titel einen Fingerzeig dafür gibt, auf welche Impulse das Kaiserthum seine Hoffnungen stützt, so beweist das aufgestellte Programm, daß Napoleon sich das scharfsinnige Calcul und die Zähigkeit des Charakters bewahrt hat, welche ihm dermaleinst auf den Thron Frankreichs verhalfen. Wir können warten — sogt „l'Oidre" —, und wir geben Herrn Thiers jede Frist, mit der Republik Ernst zu machen; wenn aber dieser Versuch scheitert, stellen wir unsere Sache dem PlebiScit anheim.
In dieser Ruhe und Zuversicht ist — so fürchten wir — der Erfolg zum Voraus indicirt.
So fürchten wir — denn wir wünschen die Wiederherstellung des Kaiser- thumS nicht vom deutschen Gesichtspunkte aus betrachtet; denn es kann uns gleich' giltig fein, welche Art von Regierung die Franzosen vertragen: ob sie einer Schmach sich unterziehen, wenn sie das so schmachvoll zu Grunde gegangene Kai- ferthum wieder aufrtchten, weil kein anderes Regiment stark genug ist, um eine Bürgschaft für die Wiederherstellung und Erhaltung der Ordnung zu geben; aber wir sehen voraus, daß die Wiederaufrichtung dcS BonapartiSmuS eine neue Acra internationaler Schwierigkeiten fein werde. Darum wünschen wir, daß der Thieiö'sche Versuch mit der Republik Erfolg haben möge; aber wir lassen unS durch unsere Wünsche über die Wahrscheinlichkeit nicht täuschen, daß der letzte Ver- such mit ihr — dem Herrn Gambetta zufallen werde, und von Gambetta bis zu Napoleon — würde nur ein Schritt sein.
Wie bald sieb dieser Schritt vollziehen wird, das wird von dem Temperament des ExvictatorS abhängcn; denn der Exkaiser weiß zu warten.


