Einzelbild herunterladen

Berlin, 5. September. Die ultramontaneGermania" erklärt den Erlaß des bayerischen Cultus - Ministers für eine offene Kriegserklärung, für den den Katholiken hingeworfenen Handschuh.Daß man denselben nicht liegen läßt, de. darf keiner Versicherung, daß man in unserem Lager den Kampf aufnimmt, und zwar sofort und mit aller Energie, ist selbstverständlich. Haben wir bisher die Politik des AbwartenS anempfohlen, haben wir in diesem Falle, wie überhaupt stets, unseren Parteigenossen von jeder Provocation abgeratben, so halten wir nunmehr für unsere Pflicht, die kraftvollste Verteidigung aller Positionen anzu- empfehlen, keinen Schritt zurückzuweichen und Herrn v. Lutz zu beweisen, daß die Kirch: und ihre Institutionen nicht von seiner subjektiven, aus der sog. ConcilS- Litcratur geschöpften Ansicht abhängig sind."

t Berlin, 7. September. Mit Rücksicht auf die während der Dauer des Krieges gebotenen Vorsichtsmaßregeln in Bezug auf die öffentlichen Kaffen waren u. a. auch die Hauptkaffeu der Konigl. Eisenbahn-Verwaltungen angewiesen wor­den, die Zurückhaltung aller irgend entbehrlichen Baarbestände zu vermeiden und namentlich die vorhandenen Überschüsse regelmäßig zweimal wöchentlich an tik Generalstaatskaffe obzuliefcrn. Auf Grund einer Verständigung zwischen dem Finanzminister und dem Handelsminister ist diese außerordentliche Maßregel wieder außer Kraft gesetzt worden und cS kommen von jetzt ab lediglich die vor dem Kriege in Bezug auf das Kastenwesen der Eisenbahnen gültigen Bestimmungen zur Anwendung.

München, 1. September. Vor ein paar Tagen fand beim königlichen Be­zirksgerichte Deggendorf eine Strafverhandlung gegen einen niederbayerilchen Pfarr­verweser wegen Übertretung des Versammlungsgesetzes vom 26. Februar 1850 statt, weil er zur Feier des 25jährigen Papstjubiläums eine Precession im Freien abgehalten harte, ohne die vorgeschriebene ortspolizeiliche Genehmigung hiefur er­halten zu haben. Im Gcgentheil hatte er, von der Distrikts-Polizeibehörde hierzu aufgefordert, derselben geantwortet:Die Zustimmung der Gemeindeverwaltung zu erholen, findet sich das gefertigte Pfarramt um so weniger veranlaßt, als jede Gemeinde, welche, wie die hiesige, katholisch ist und bleiben will, nach den kerch- lichen Disciplinargesetzen verpflichtet ist, den oberhirrlichen Anordnungen in kirch­lich-religiösen Dingen 60 ipso Folge zu leisten. Uebrigens ist sowohl die Abhal­tung der Procession von der oderhirtlichen Stelle aufgetragen, als die bloße An- zeige bei der Distrikts-Polizeibehörde gemacht worden." Hieraus ist also unzweifel­haft zu ersehen, daß nach Ansicht des Pfarrverwesers der Vorstand einer Orts- behörde in Sachen des Vereins- und Versammlungswesens seine Verhaltbefehle nicht vom Gesetze, sondern vom Pfarramte, beziehungsweise Ordinariate, zu em­pfangen hat. Aber das ist noch lange nicht alles. Bei der in Frage stehenden Verhandlung wurde noch ein zweites Schriftstück verlesen, das womöglich noch eigsnkhumlicher ist. Es besteht in einem Schreiben des bischöflichen Ordinariats Passau vom 24. Juli 1871 an den Staatsanwalt, ist vom Generalvicar unter­zeichnet , bestätigt den Schlußsatz des pfarramtlichen Schreibens und fügt dann weiter bei, ,,daß der beschuldigte Psarrprovisor nicht bloS alle kirchlichen und ober* hirtlichen Weisungen mit gewissenhafter Treue befolgt, sondern auch allen gesetz­lichen und staatlichen Vorschriften, die er als zu Recht bestehend erkennt, unweiger- lichen Gehorsam zu leisten pflegt." Diese beiden Aktenstücke enthalten den besten Commentar zum VerfaffungSerde des CleruS, welcher ihn verbindet, die Gesetze auf das Pünktlichste zu beachten, sobald der einzelne Cleriker die Gesetze anerkennt, ihn aber zugleich über das Gesetz stellt, sobald der einzelne Caplan das Gesetz nicht anerkennt, und bedürfen wir kaum weiterer Angaben zur Charakterisirung der hierarchischen Anmaßungen und Uebergriffe.

München, 8. September. Um 10 Uhr 45 Min. traf, von Salzburg kom- wend, der deutsche Kaiser hier ein und wurde von einer unzähligen Volksmenge mit brausenden Hochrufen empfangen. Auf dem Perron des festlich geschmückten und beflaggten Bahnhofes waren zur Begrüßung des Kaisers die hier anwesenden Mitglieder des Königshauses, die Minister, die Gesandtschaften, die Generalität und die Spitzen der städtischen Behörden erschienen. Bei dem Einlaufen des Zuges in die decourte Ankunftshalle intonirte eine Militärkapelle die preußische Volks­hymne. Nachdem der Kaiser ein Dejeuner eingenommen hatte, setzte derselbe um 11 Uhr 20 Min. die Reise nach Hohenschwangau fort.

Wien, 7. September, Abends. DemTelegraphen-Correspondenz-Bureau" wird aus Salzburg von angeblich gutunterrichteter Seite gemeldet: Als Resultat der früheren Besprechung in Gastein und der neuerlichen Begegnung der beiden Kaiser in Salzburg wird die offene Bezeugung des Anschlusses Oesterreichs an das deutsche Reich zu Zwecken der Friedenserhaltung bezeichnet, ohne daß es zum Abschlüsse eines Vertrages oder sonstigen Uebereinkommens gekommen wäre. Als Conssquenz des betätigten österreichifch-deutschen Freundschaftsverhältnisses gilt die Verständigung über die Notwendigkeit einer gemeinsamen Prüfung jeder in Zukunft auftauchenden politischen Frage. Auch wurden die Verhältnisse der Inter­nationalen in den Kreis staatsmännischer Besprechungen nicht nur bezüglich einer etwa notbwendig werdenden Abwehr, sondern auch bezüglich einer möglichst posi­tiven Lösung der socialen Fragen gezogen.

Salzburg, 8. September. Die Abreise des deutschen Kaisers nach München erfolgte heute früh 7 Uhr, nachdem die beiden Monarchen den herzlichsten Abschied genommen hatten.

Versailles, 7. Sept. Der Municipalrath hat heute Thiers anläßlich der Ernennung desselben zum Präsidenten der Republik beglückwünscht. In seiner Ant­wort betonte ThierS, baß er hoffe, die Zukunft werbe sich günstig gestalten, es werde gelingen, die moralischen und materiellen Uebelstände des Landes zu heilen und Frankreich den ihm gebührenden Rang zurückzugewinnen, indem man die ganze Kraft der Nation entfalte; die neue Regierungsform werde sich in friedlicher und ruhmvoller Weise befestigen.

London, 7. September. In der Kohlenzeche Moß bei Wigan fand eine Explosion statt, durch welche 69 Personen getobte! wurden. Die Ursache der Ex­plosion ist noch unbekannt.

Konstantinopel, 7. Sept. Der Sultan hat Mahmoud Pascha zum Groß- vezier ernannt, roie man versichert, einem Wunsche des verstorbenen Aali Pascha entsprechend. Große Veränderungen im Cabinet werden erwartet. Es heißt, Djemil Pascha werbe das Portefeuille des auswärtigen Ministeriums erhalten.

DaS Eisenbahnunglück bei Seclin.

Heber das Eisenbahnunglück von Seclin sind nähere Nachrichten eingetroffen. Es bestätigt sich leider, daß die beunruhigenden Gerüchte, welche über dieses Er- eign ß am Morgen des 5. September in Lille umgetragen wurden, nicht über­trieben waren. Der Unfall bestand darin, baß der Personenzug, welcher in Lille um 9 Uhr 50 Min. anzukommen pflegt, von einem Eilzuge, dessen Ankunfts­zeit in obiger Stadt auf 10 Uhr 40 Min. angesetzt, gefaßt und entzwei geschnitten wurde.

Der Unfall wurde dadurch eingeleitet, so schreibt das Echo du Nord, daß oer Personenzug die Station von Douai um 49 Minuten zu spät verlassen hatte. Der nach seinem Abgänge in Douai anlangende Schnellzug wurde in unverant­wortlicher Weise obne Rücksicht auf diese Verzögerung weitergeschickt und langte im Bahnhofe von Scclin an, bevor der erstrre Zug Zeit hatte, sich vollständig auf ein anderes Schienengeleise zu bergen. Er befand sich in diesem Augenblicke gerade quer über dem Wege, den der Expreßzug verfolgte, und dieser warf, mit voller Kraft anfahrcnb, den anderen Zug mit einem schrecklichen Stoße ausein­ander und ifrtrümmerte drei Waggons vollständig.

Die Achse eines zerschmetterten Wagens bohrte sich in die Lokomotive des ExpreßzugkS ein, so daß viele Personen, welche dem Tobe entgangen waren, durch Dampf und siedendes Wasser verbrüht wurden. Nachdem die Zeugen des Unfalles sich von der Betäubung des ersten Schreckens erholt, dachte man daran, den Un­glücklichen zu Hülfe zu kommen. Aber welch' ein Anblick! Unter den Splittern der drei zertrümmerten Waggons sah man zerrissene Theile menschlicher Körper, blutige und in unförmliche Klumpen verwandelte Leichen, wimmernde Sterbende; und zu diesem Anblick, vor dem bas Auge sich entsetzte, kam das schneidevde Schmerzensgeschrei derer, welche die furchtbare Qua! empfanden, lebendig verbrannt zu werden. Man zog die Unglücklichen aus den rauchenden und in heißem Wasser und Blut liegenden Trümmern hervor. Vier Personen waren sofort tobt, fünf andere sind mittlerweile ihren Schmerzen erlegen, und die Zahl der schwer Der- letzten beläuft sich auf 75, derer nicht zu gedenken, welche bloße Contusionen da­von getragen haben.

Verwundete und Leichen wurden in langer Reihe auf den Perron des Bahn- Hofes gelegt. Die Leichen waren schrecklich verstümmelt und ihre vom Dampfe verbrannten Gesichter schienen mit einer Blutmaske bedeckt zu fein. Das Wim­mern der Verstümmelten mischte sich zu den Rufen der dem Tode Entronnenen, welche in dem Dunkel einander suchten. Zwölf Verwundete wurden von Privat- leuten , die übrigen im Hospital von Seclin untergebracht. Die meisten Ver­ätzungen sind lebensgefährlich, doch stammt die Mehrzahl nicht von dem Stoße an und für sich, als vielmehr von dem siedenden Wasser her, welches der Loco- motive entströmt war. Zwanzig Verwundete waren in der Lage, Seclin zu ver­lassen. Von acht Leichen hat sich die Identität noch nicht constatiren lassen.

Wird dieses schreckliche Unglück endlich wohl denen zur Warnung bienen, denen bei den heutigen Verkehrsverhältrussen die gefunden Glieder und das Glück so vieler Mitmenschen anvertraut ist?

Auszug aus den Kirchenbüchern der Stadt Gieren.

a. Evangelische Gemeinde.

Kopulirte.

Den 7- September. Georg Otto Eduard Florenz Sartorius, Mechanikers zu Göttingen, des verstorbenen Bürgers und Unioersitäts-Uhrmackers zu Göttingen, Johann Georg Sartorius, ehelicher Sohn; und Louise Auguste Rudolph, des ver­storbenen Bürgers und Jnstrumentenhändlers, Heinrich Rudolph, eheliche Tochter.

Getaufte.

Den 3. September. Dem Bürger und Buchhalter, Karl Pietsch, ein Sohn, Heinrich Friedrich, geboren den 1- Juli.

Denselben. Dem Bürger zu Alt-Buseck und Handclsgärtner dahier, Kaspar Becker, eine Tochter, Elisabeth Friederike, geboren den 5. August.

Denselben- Dem Bürger zu Lampertheim und Weichensteller an der Main- Weser-Bahn dahier, Jacob Wegerle, eine Tochter, Karoline Elisabeth, geb. den 15. Aug Denselben. Dem Bürger und Kaufmann, Gustav Ubrich, ein Sohn, Adalbert Heinrich, geboren den 7. August.

Denselben. Dem Bürger zu Jugenheim, Kreis Bensheim, und Buchhalter an der Oberhessischcn Bahn dahier, Karl Ernst Frank, ein Sohn, Karl Wilhelm, gfr boren den 6. August.

Denselben. Dem Bürger zu Kinzenbach und Gastwirth dahier, Jacob Kahl, eine Tochter, Elisabeth Margarethe Johannette, geboren den 22. Juli.

Den 5 September. Dem Bürger, Metzgermeister und Wirth, Ernst Jughard, ein Sohn, Julius Wilhelm Karl Heinrich, geboren den 5. August.

Beerdigte.

Den 3. September. Georg Reiber, Bürger und Rentner dahier, alt 71 I 3 M- 18 T-, gestorben den 1. September. *

Denselben. Johann Heinrich Becker, Bürger zu Schlitz und Bahnwärter an der Main-Weser-Bahn dahier, alt 63 I. 4 T-, gestorben den 1. September.

Denselben. Johann Philipp Willstrum.ps, des Bürgers und SpenglermeisterS, Friedrich Willstrumpf, ehelicher Sohn, alt 2 M. 27 T-, gestorben den 2. September.

Den 4. September. Karoline Marie Wilhelmine Schürz, des Bürgers und Drechslers, Friedrich Schürz, eheliche Tochter, alt 4 M- 24 T-, gestorben den 3. September Denselben. Juliane Georgine Johanna Stamm, des verstorbenen Bürgers und Zimmermanns, Johann Balthasar Stamm, eheliche Tochter, alt 12 I. 6 M- 10 T- gestorben den 3. September.

Denselben. Anna Elisabeth Stauß, des Bürgers zu Ossenheim und Tele­graphisten dahier, Johann Paulus Staufi, eheliche Tochter, alt 8 M- 20 T-, gestorben den 3. September.

Denselben- Georg Friedrich Stohr, des Bürgers und Schuhmachers, Karl Stohr, ehelicher Sohn, alt 2 I. 6 M- 19 T-, gestorben den 3. September.

Den 5. September. Adolf Justus Christian Karl Müller, des Burgers zu Alt-Buscck und Vorstehers des Dienstmann-Jnstituts dahier, Philipp Müller IV., ehe­licher Sohn, alt 6 M- 25 T-, gestorben den 3- September.

Denselben. Karl Martin Christian Löber, des Bürgers und Bahnhossarbeiters, Daniel Löber, ehelicher Sohn, alt 6 I 8 M. 20 T-, gestorben den 4. September.

Den 7. September. Friedrich Höpfner, des Bürgers zu Minden und Zug­führers an der Oberhessischen Bahn dahier, August Höpfner, ehelicher Sohn, alt 5 M- 2 T., gestorben den 6. September-

b. Katholische Gemeinde.

Nichts angemeldet.

3760) ®«

Qeitpuiifa fln .

der Eichor" hiirfeil so Mchlk 1 E*«*

geringe 6'

Friedrich ®(1U »ichk übertragen ist jungen 6efinbel'

Gieße«, den

Edicta

3807) D°°id Müller von ijittf 1820, Sohn des oe I ienmachers David | oor länger als 20 lusgemandert, ohne kund werben zu Iahe feinen präsumtiven^ haben, ihnen .zwei i Menen bisher ci Vermögens zur Nutz' )U überweisen, bieie norden ist, so wert nannte David Edu ober dessen etwa vi aufgefordett, sich b t>. 3-, Vormittags i MMen Behörde zu Bennögens zu melö gern Gesche stattgeg

Marburg, am 4. 1

Königlichliches i M-

i

den Ri-Ci'ä L^s

a *«

rollen in

pfe 3!obi11 p*« S6|!ue«. "* Men, den c &

^erzoglj^

Versteh . 3*153) D'nMtz V ioli aus dem Ruth, von Barrieren an zanM iSWendei rvritzrn Erde) der erforderliche

Zimmerarbeit, ver Schlosserarbeit, veMgert werden.

yen, den 6. ( Moßherzogliche

j

| Mm auf dchA bongen Grundstücke i - b'-wen versteigert Unbare Gebote

I sogleich erfol 1 Men, den 8. K

Mtrjotfifa