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Preis vierteljährig 1 fL 12 fr. mit «rwgerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährig 1 «. 27 fr.

Meßmer Anzeiger.

Ärichnnt tfißllä), mit Aus nähme Montags.

Expedition: Lanzleiberg Llt. B. Nr. 1

Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Kieszen.

Nr. 132^ Samstag den 10. Juni 8.871.

Bestellungen auf den Giestener Mnzeigee' bei allen !^>st-Exp'ebltlonen unt den Land-Postboten entgegen genommen.

Abonnenten, welche dm Anzeiger bei der Expedition abholen lassen, erhalten denselben für den Monat Juni zu 20 fr.

Brodpreise vom 10* bis 17. Juni 1871,

nach eigener Erklärung der Bäcker:

4 Pfund gemischtes Brod 21 fr. 2 Pfund gemischtes Brod 10y2 kr. 4 Pfund Roggenbrod 18 fr. 2 Pfund Roggenbrov 9 fr. ............................................... WIWIIHTIIIIIIIBIII

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9. Juni.

t Die Beziehungen der österreichischen Regierung zu der deutschen Bundes­regierung und dem Fürsten Bismarck waren seit sehr langer Zeit nie so herzlich als gerade gegenwärtig. Die Ursache hiervon ist natürlich nicht in der auf die Unterdrückung oder vielmehr Beiseiteschiebung des deutschen Elements in Oester­reich gerichteten Politik des Grafen Hohenwart zu suchen, sondern in der Gemein­samkeit der Interessen beider Staaten auf dem Gebietender europäischen Politik,: und zwar soll diese Uebereinstimmung sich nicht nur in Sachen der Donaufürsten- thümer und in der orientalischen Frage kundgegeben haben, sondern auch in den westeuropäischen Angelegenheiten zu Tage getreten sein. An allen europäischen Höfen wird das Verhältniß der deutschen und österreichischen Agenten und Diplo­maten neuerdings als ein besonders freundschaftliches bezeichnet.

In Bezug auf den versuch der Verfaffungspartei im österreichischen Reichs- rath, bas Budget zu verweigern, ist man in Berliner Rezierungskreistn der Mei­nung , daß ein solches aggressives Vorgehen der österreichischen Regierung einen festem Halt und eine außerordentliche Kräftigung geben würde, indem alle confer- vativen und sog. nationalen, d. h. föderativen Elemente um die Regierung sich schaaren würden. Die Berliner officiösen Zeitungen nehmen in dem österreichischen Derfaffungsconflict ganz entschieden für die Regierung Partei.

Rach dem nunmehr erfolgten Abschluß der Militär-Convention mit Hessen- Darmstadt, welches seine früheren vier Infanterie-Regimenter ä 2 Bataillone in drei Regimenter ä 3 Bataillone umwandelt, stellt sich die Stärke der Reichsarmee auf 138 Infanterie - Regimenter und 24 Jägerbataillone, von denen jedoch nur die Regimenter von 1122 fortlaufende Nummern führen. Es sind nämlich be­ziffert die Regimenter der preußischen Armee, in welche die (Kontingente der nord­deutschen Kleinstaaten aufgegangen sind, mit Nr. 196, Nr. 9799 führen die neugebildeten hessischen Regimenter, Nr. 100108 die sächsische Armee; die ba­dischen Regimenter erhalten die Nr. 109114, die württembergische Infanterie Nr. 115122. In Bezug auf die bayerische Armee sind die bisherigen versuche, die bayerische Regierung dazu zu vermögen, ihrer Infanterie im Anschluß an die übrigen deutschen Regierungen fortlaufende Nummern zu geben, gescheitert. Mit den neu zu bildenden elsaß-lothringischen Regimentern und einschließlich des preu­ßischen Gardecorps zählt die deutsche Reichsarmee 153 Jnfanterie-Reg-menter und 24 Jägerbataillone nebst entsprechender Reiterei und Artillerie.

Als Kuriosuy, erwähnen wir das seit gestern in Berlin verbreitete Gerücht, die Königin-Wittwe Elisabeth sei mit Tode abgegangen. Es ist nicht einmal etwas von einer Krankheit der hohen Frau officiell bekannt.

Nachdem eine große Anzahl der Truppen aus Frankreich bereits in die Heimath zurückgekehrt, andere Truppenkörpcr auf dem Rückmarsch nach Deutsch­land begriffen sind, sind die ObercommandoS der 1., 2. und 3. Armee aufgehoben und demzufolge der deutsche Kronprinz und Prinz Friedrich Earl von dem Ober* commando der 3. und 2. Armee, General v. Göden von der Führung des Ober- commando« der 1. Armee entbunden.

In Bezug auf die inneren französischen Angelegenheiten hat sich die deutsche Politik bekanntlich die strengste Neutralität zur Pflicht gemacht. Es ist deshalb auch keineswegs begründet, was verschiedenen Zeitungen von Berlin aus berichtet wird, daß den Orleanisten und Legitimisten von Berlin aus entgegengewirkt wird, dagegen die Napolconiden der preußischen Unterstützung sich zu erfreuen hätten. Bei der vollständigen Zerrüttung der inneren Verhältnisse in Frankreich würde es augenblicklich ganz gleichgiltig sein, ob die Orleans, Legitimisten oder Napoleonidm die Regierung übernehmen; die Einen wie die Anderen würden auf lange Jahre hinaus in Bezug auf die chauvinistische Propaganda gegenüber Deutschland aus der Phrase nicht heraustreten können. Deutschland kann allen Jntriguen und Manövern der monarchischen Parteien in Frankreich mit größter Ruhe zuschamn.

Da die Militär-Ecnsur in Frankreich den Blättern große Vorsicht auferlegt, das Publikum aber doch pikanten Stoff haben will, der nach Petroleum riecht, so sucht man sich zu helfen: ein Theil der Blätter, der doctrinäre, stellt luschan- ltche Betrachtungen an überden Sieg, den die französische Armee über die so­ciale Frage errungen haben" soll, während der andere Theil, ter frivole, Ge- schichtchen erfindet, romantisch aufgestutzte Mord- und Brandgeschichten, bei denen der Leser, der gläubige Franzose wenigstens, die Gänsehaut bekommt. Im Uebrtgen sind die Nachrichten aus Paris sehr trocken und einförmig: die Hai'Ssuchungen und Verhaftungen, die Ankunft von neugierigen Fremden, die militärischen Vor- sichts- und ZwangSmaßregeln, die Besürchtungen oder Hoffnungen wegen der Re- stauration, das ist so ziemlich der Küchenzettil, nach welchem die Pariser bedient werden.

Der Figaro thetlt mit,' daß am 3. Juni eine wichtige Verhaftung in der Person eines gewissen Jaclard, Sx - Adjuncten und einflußreichen Mitgliedes des Eentral-Eomite's gemacht worden ist. Vermorel ist gleichfalls, aber verwundet,

gefunden worden. Schumacker, einer der wahrscheinlichen Mörder der Generale Lecomte und Clement Thomas, ist in einem Hause in Belleville entdeckt worden. Die Bürger Verdure und Pronteau sind ausg'funden worden, der letztere in der Ambulanz des Elysiums in Montmartre. Paschal Grousset wurde am 4. in Paris verhaftet.

Die italienische Regierung soll in Berlin neuerdings wegen der eventuellen Haltung Deutschlands bei einem Wiederaustauchen der römischen Frage sondirt hoben, uno hat der italienische Gesandte, wie wir vernehmen, eine sehr befriedi­gende Erklärung erhalten. Deutschland wird niemals in die Wiederherstellung der weltlichen Gewalt des Papstes durch französische Waffen willigen.

Die Unita Cattolica schreibt unterm 30. Mai, daß die Welt nicht eher Frieden haben werde, alsbi- die angeblichen Menschenrechte vom Henker zu Asche verbrannt und der SyllabuS, diese erhabene Darstellung der Rechte Gottes, zum Grundgesetz der Staaten erhoben sein werde". *

Darmstadt, 6. Juni. Der Einzug unserer Division wird hier allgemein auf den 20. erwartet, doch dürste möglicherweise eine Vertagung desselben die zu dem 21. statthaben. Der Großherzog wird dem Einzug der Truppen bei­wohnen.

Darmstadt, 7. Juni. Der hiesige Gemeinderatb hat gestern beschlossen, für den bevorstehenden Einzug unserer Truppen am Rheinthore eine große Ehrenpforte zu erreichten. Die weitere Decoration der Stadt bleibt den Einwohnern über- lassen, welche wohl am besten nach dem Muster der Rhein- und der Luvwigsstraße zu Edmiteö zusammenträten, um eine gleichmäßige Ausschmückung der Straßen zu ermöglichen.

Darmstadt, 8. Juni. Wie wir aus guter Quelle vernehmen, wird Seine Großh. Hoheit Prinz Ludwig am 13. ds. hier eintreffen, um sich TagS darauf nach Berlin zu begeben, wo er dem Einzug der Truppen beiwohnen wird. Bon da wird er zu der von ihm commandirten hessischen Division zuruckkehren. (D.Z.)

Kassel, 7. Juni. DieHess. Morgeuztg." demcntirt heute selbst ihre Nach­richt von der Rückkehr der 22. Division elften ArmeecorpS; dieselbe sei allerdings angeordnet gewesen, auch war die Division bereits in Meaux auf dem Marsche angelangt, dann aber sei anders beschlossen worden.

Berlin, 5. Juni. Der Bunsen'sche Antrag wegen Errichtung von Dar­lehenskassen für heimkehrende Landwehrmäuner und Reservisten ist von den betreff. Ausschüssen des Bundesraths berathen und es^lst hierbei, wie bet den Berathungen im Reichstage, die Bedürfnißfrage an sich keineswegs verneint, sondern der Antrag ist nur aus dem Gesichtspunkte der Unmöglichkeit bekämpft woreen, die ihm zu Grunde liegende wohlwollende Absicht von Reichswegen zu verwirklichen. Dagegen haben die Debatten im Reichstag schon den erfreulichen Erfolg gehabt, daß in einzelnen Kreisen die Angelegenheit besprochen und practisch angefaßt wird. So hat der in den letzten Tagen der vergangenen Woche unter dem Vorsitz des Frei- Herrn Noideck zur Rabenau versammelt gewesene BezirkSrath in Gießen beschlossen, aus KreiSmitteln an Landwehrmänner und Reservisten Darlehen zu geben in allen Fällen, wo die Gemeinden nach Prüfung des concreten Falles die Gewährung einet solchen Darlehens für wünschcnswerth erach en. Der Bezirksrath hat eine Commission niedergesktzt, welche die Auszahlung dieser Darlehen beschließen event. bewirken soll. (8r- 3-)

f Berlin, 7. Juni. Deutscher Reichstag. Die heutige 51. Plenarsitzung eröffnet Präsident Dr. Simson mit geschäftlichen Mittheilungen, dann tritt das Haus sofort in die Tagesordnung ein: Fortsetzung der zweiten Lesung des Militär- Pensionsgesetzes. Die DiScusflon beginnt bei den §§. 94 und 95, über die Unterstützung der Hinterbliebenen von Mannschaften und unteren Militärbeamten handelnd. Dazu liegt eine Reihe von Amendements vor. Der Bundescommissar bittet, die Verheißungen von Beihilfen, mit Ausnahme derer von Wittwen und Waisen, nur facultativ in das Gesetz aufzunehmen, weil sonst leicht der übergroßen Ansprüche wegen die Bedürftigen Schaden erleiden möchten.- Herz wünscht vor allen Dingen die Beihilfe für Eltern und Großeltern, deren einziger Ernährer der Verstorbene war, obligatorisch zu machen. v. Kardorff vcrtheidigt die Aus­führungen des Bundescommissars. Graf Rittberg vermißt die nöthige Klarheit darüber, in welcher Weise die Pensionen vertheilt werden sollen, Der Bundes- commissar: Die Pensionen der Invaliden des letzten Krieges sollen nicht durch Matrikularbeiträge, sondern ans den bereitesten Mitteln der Kriegsentschäkigung gedeckt werden. In welcher Weise der auszuscheidende Fond zu verwalten ist, darüber sind die verbündeten Regierungen noch nicht schlüssig. v. Mallinckrr empfiehlt die Annahme seines Amendements, bie gesetzliche Beihilfe den Eltern t Offiziere zu gewahren, wenn letztere die einzigen Ernährer ihrer Eltern waren.- v. Oheimb: Die Beihilfe könne allen Denen nicht versagt werden, deren Erhaltung